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AktuellAktuell:Auktionen

Neben den Toplosen der zeitgenössischen Kunst hat Lempertz erstmals auch 37 Werke der klassischen Moderne in eine separate Abendauktion aufgenommen

Exotik an der Ostsee


Ernst Ludwig Kirchner, Mädchen in Südwester, 1912/20

In gedämpftes Violett, leuchtendes Magentarot, kräftiges Türkis und strahlendes Grün malte Ernst Ludwig Kirchner seine Erna als exotische Schönheit vor einem Leuchtturm an der Ostsee. Nach einer fünfjährigen Pause war Kirchner 1912 das erste Mal wieder auf der Insel Fehmarn, wo das Bild „Mädchen in Südwester“ entstand. Hier verschmilzt durch die Farbgebung die authentische Ursprünglichkeit der Südseeeindrücke eines Paul Gauguin oder Hermann Max Pechstein mit der rauen Ostseekulisse. Beinahe primitiv wirkt Kirchners Gefährtin, Muse und Modell mit ihrem gesenkten Blick und den kantigen Gesichtszügen. Zum Nachdenken regt diese eigenartige aber doch ausdrucksstarke Kombination von Mädchen aus der Großstadt und Hut der Seefahrer an. Nicht unbegründet also schätzt der Versteigerer Lempertz das Ölgemälde auf 1,5 bis 1,8 Millionen Euro und schickt damit das höchst taxierte Werk der klassischen Moderne dieser Herbstsaison in eine deutsche Auktion. ...mehr

Lempertz veranstaltet in Köln erstmals eine Abendauktion mit gehoberer Ware und hat dafür 29 Werke zeitgenössischer Kunst ausgewählt

Trockel an Riley


Jetzt hat auch Lempertz seine Abendauktion. 66 Losnummern hat das Kölner Auktionshaus für ein eigenes abendliches Schaulaufen am kommenden Freitag zusammengestellt. Etwas mehr als die Hälfte gehört den modernen, der Rest den zeitgenössischen Künstlern. Von Letzteren erhofft sich das Haus einen Umsatz von circa 2,1 bis 2,5 Millionen Euro ohne Aufgelder. Millionenpreise wie bei den Modernen werden nicht angestrebt und sind wohl auch nicht zu erwarten, doch einen Favoriten gibt es: ein unbetiteltes Gemälde Sigmar Polkes aus dem Jahr 1993, das alle wesentlichen Merkmale des kürzlich verstorbenen Künstlers enthält. Als Basis dient ein bieder gemusterter Dekorationsstoff, auf dem eine schlierige Interferenzfarbe sich ausbreitet, über der wiederum in Gestalt eines monochrom blauen Punkterasters eine Art Stillleben mit Flasche und drei Gläsern zu sehen ist. 380.000 bis 400.000 Euro soll dieses unverwechselbare Polke-Bild mit hintergründigem Humor kosten. ...mehr

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Ketterer in München

Dickblattgewächs gut getroffen


Es ist schlichtweg ein seltsames Bild: Fast nur Personen sind zu sehen, nur im oberen Bereich kommt ein bisschen Hintergrund zum Vorschein, dem zu entnehmen ist, dass wir uns am hellichten Tag in einer Art Park, jedenfalls im öffentlichen Raum befinden. Das hindert drei der vier Personen, die groß im Bildzentrum stehen, jedoch nicht daran, als Halbakte aufzutreten: ein kräftiger junger Mann links, der mit undurchdringlichem Blick den Betrachter fixiert, rechts hinter ihm ein weiterer Mann mit nachdenklichem, ein wenig resigniertem Blick, sowie als zweite von rechts eine junge Frau, wie als leblose Figur im Dreiviertelprofil mit leerem Blick gezeigt, und nur der Geistliche, der von hinten auf sie einredet, trägt sein obligatorisches Ornat. Was Richard Ziegler, der Schöpfer dieser mit einem Meter Breite durchaus nicht kleinen Leinwand aus dem Jahr 1929, damit aussagen wollte, bleibt offen. Er selbst ist der Zweite von links, und dass diese allseits von Gaffern und Passanten umgebene Gruppe nicht ganz im luftleeren Raum agiert, beweist der Polizist, der dem Maler von hinten auf die Schulter greift, als wolle er ihn festnehmen. So heißt das Bild auch „Die Polizei“. Der Mann links wird als Zieglers Cousin Erwin Weber identifiziert, und vielleicht ist es eine Dreiecksgeschichte, die hier kurz vor ihrem dramatischen Ende steht. Wir wissen es nicht. ...mehr

Lempertz geht dieses Mal mit einer besonders großen Auswahl an Frauenakten in die Fotografieauktion

Ein Fest des weiblichen Akts


Der nackte Leib ist fast bis auf einen Torso fragmentiert, gespiegelt und in die Opposition von Schwarz und Weiß gesetzt. So präsentiert Heinz Hajek-Halke seine Sicht auf den weiblichen Körper und stellt damit einen der Höhepunkte der Aktfotografie. Der 1898 in Berlin geborene Künstler nimmt dabei auch formale Bezüge zur Kunstgeschichte auf. Denn der gelängte Körper mit den erhobenen Armen, den übereinander geschlagenen Beinen und dem geneigten Haupt, das hier zwar nicht erscheint und doch durch den Halsansatz angedeutet wird, ist ein typisches Bild für den gekreuzigten Christus. Eros und Thanatos gehen in seinem Gelatinesilberabzug eine untrennbare Einheit ein, modelliert und verstärkt durch Licht und Schatten. Der Vintage aus den frühen 1930er Jahren ist nun einer der Höhepunkte der Fotografieauktion bei Lempertz, geschätzt auf 8.000 bis 10.000 Euro. ...mehr

Viele Ausländer haben sich unter die moderne und zeitgenössische Kunst bei Van Ham in Köln gemischt

Wiederholungstäter Bauer


Im vergangenen Juni versteigerte das Kölner Auktionshaus Van Ham Rudolf Bauers konstruktivistische Komposition „Pink Circle“ aus dem Jahr 1938 für 440.000 Euro. Das kam einer kleinen Sensation gleich, der bisherige Auktionsrekord wurde fast verdoppelt, und in Deutschland, wo seit Jahren kein hochkarätiges Gemälde dieses Meisters mehr auf dem Auktionsmarkt gesehen ward, einer Wiederentdeckung Bauers. Nun versucht Van Ham an diesen Erfolg anzuknüpfen: Mit der Losnummer fünf – der gleichen übrigens wie „Pink Circle“ vor einem halben Jahr – hat das Team um den Modernechef Robert van den Valentyn Bauers „Yellow Square“ besetzt. Die Gemeinsamkeiten dieses Ölgemäldes mit „Pink Circle“ fallen sofort auf: ein hellblauer Fond, vor dem sich eine lockere Gruppe bunter geometrischer Formen tummelt, dort diagonal ins Bild gesetzt, hier in der Horizontalen, die Entstehungszeit 1936/38, und ein Stück des Weges sind die Bilder auch gemeinsam gegangen: 1939, im Jahr der Emigration Bauers in die USA, waren sie in der Ausstellung „Art of Tomorrow“ der Solomon R. Guggenheim Foundation in New York zu sehen. Auch die Schätzung von „Yellow Square“ ist die gleiche wie im Juni: 100.000 bis 120.000 Euro. Van Ham dürfte allerdings deutlich mehr erwarten. ...mehr

Exquisite Möbel und Einrichtungsgegenstände finden sich im Angebot der zweiten Herbstauktion bei Koller in Zürich, für diesmal bereichert um zahlreiche herrliche Uhren und einige bemerkenswerte Büsten

Wem die Stunde schlägt…


Astronomische Standuhr, Breguet & Cie, Neuchâtel vor 1836

Die Schweiz steht schon seit Jahrhunderten als Hersteller präziser und herausragender Zeitmessinstrumente mit an erster Stelle in Europa – ein Ruhm, der bis heute nicht verblasst ist. So verwundert es nicht, dass das wertvollste Los in der Herbstauktion bei Koller in Zürich eine astronomische Standuhr „à equation du temps“ aus der Zeit vor 1836 ist. Angefertigt wurde das Prachtstück von der berühmten Firma Breguet in Neuchâtel, um zunächst für mehr als ein Jahrzehnt als Richtuhr in der Werkstatt zu verbleiben. 1847 dann doch an einen kubanischen Zuckerplantagengrafen verkauft, wurde sie anscheinend so sehr von Breguets Uhrmachern vermisst, dass sie schon nach zwei Jahren im Austausch gegen eine andere Uhr wieder für die Firma zurückerworben wurde. Erst nach einem weiteren Jahrzehnt im Atelier und der Präsentation dieser bewundernswerten Schöpfung auf der Pariser Weltausstellung 1855 gelangte sie schließlich in Privatbesitz, aus dem die Standuhr nun zum Verkauf steht. ...mehr

Teile der Sammlung Georg Schäfer treten nochmals in der 350sten Jubiläumsauktion bei Neumeister in München an. Doch diesmal liegen die Schätzpreise erstaunlich niedrig

Das 19te Jahrhundert auf Talfahrt?


Valentin Ruths, Ziegelhütten bei Olevano

Die besten Stücke seiner letzten Auktion in diesem Jahr und zugleich der 350sten Auktion seiner Geschichte hat sich das Münchner Auktionshaus Neumeister für eine eigene Abendveranstaltung am 30. November vorbehalten. Es ist eine Auswahl von gut fünfzig Losnummern, die repräsentativ für die qualitätvolle, dabei aber stets auf die Wünsche einer traditionsaffinen Sammlerschar bedachte Kunstmarktpolitik des Unternehmens. Keine Experimente! Silber und Porzellan, Alte und Neuere Meister sowie eine Anzahl spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Skulpturen, gewohnt in preislich einigermaßen erschwinglichen Größenordnungen, warten auf die Kundschaft. Vor allem die spätromantischen Gemälde des 19ten Jahrhunderts, überwiegend Landschaften und Genreszenen, sind stark – kein Wunder, stammen doch einige der Offerten aus der Sammlung Georg Schäfer und wurden schon vor mehr als fünf Jahren in einer eigenen Schäfer-Auktion bei Neumeister versteigert. Gegenüber damals sind die Schätzpreise bemerkenswerterweise nicht nur nicht gestiegen, sondern in der Regel noch deutlich gesunken. ...mehr

Drei Wochen nach der großen Herbstauktion nimmt das Wiener Kinsky mit einem neuen Programm moderner und zeitgenössischer Kunst seinen regulären Betrieb wieder auf und setzt auf die Sammlung Leopold

Alte Bekannte


Die große Herbstauktion vom 9. November ist kaum über die Bühne gebracht, da wartet das Wiener Auktionshaus Im Kinsky schon wieder mit einem Aufgebot an Werken der modernen und zeitgenössischen Kunst sowie von Jugendstilkunsthandwerk auf und beschließt mit dieser 82. Auktion am 30. November und 1. Dezember das Jahr. Zu danken ist dies vor allem der Einlieferung von Beständen aus der Sammlung des vor fünf Monaten verstorbenen Rudolf Leopold. Die Folge allerdings ist, dass eine stattliche Reihe der zur Disposition stehenden Kunstwerke hier nicht zum ersten Mal auftaucht: Viele hat Leopold erst in den vergangenen Jahren im Kinsky eingekauft. Dazu gehört gleich das erste Los, Alexander Rothaugs „Die verlassene Dido“, im November 2006 für 36.000 Euro erworben und jetzt wieder für 20.000 bis 30.000 Euro, dem gleichen Schätzpreis wie damals, angeboten. ...mehr

Bei seiner Auktion „Moderne Kunst“ in Berlin überzeugt Bassenge einmal mehr mit grafischen Arbeiten

Seit fünfzig Jahren nicht gesehen


In seiner kommenden Versteigerung überwiegend moderner und auch ein wenig zeitgenössischer Kunst besinnt sich das Berliner Auktionshaus Bassenge wieder mehrheitlich auf seine ureigenste Domäne: die Grafik. Sie beherrscht das untere und mittlere Preissegment dieser mit rund 330 Losnummern einmal mehr reich bestückten Veranstaltung. Wenig überraschend ist die starke Stellung expressionistischer Grafik, feierte das Medium doch gerade in dieser Zeit einen ihrer großen Höhepunkte der Kunstgeschichte. Conrad Felixmüller stellt die farbige Lithografie „Im Ruderboot“, 1920 in lediglich fünfzehn Exemplaren verbreitet, bei 12.000 Euro zur Verfügung. Das Paar, das da in elegantem Aufzug über einen See im Wald schippert, sind der Künstler selbst und seine Frau Londa. Unverwechselbar ist die schwarzwgelbe Lithografie „Zwei Mädchen – Halbakte (Russisches Mädchenpaar)“ von Otto Mueller, ebenfalls von 1920 und ebenfalls für 12.000 Euro angeboten – ein realistischer Preis: vor genau einem Jahr hatte Bassenge für ein anderes Exemplar derselben Grafik 14.000 Euro erzielt. ...mehr

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