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AktuellAktuell:Auktionen

Zum 20jährigen Jubiläum der Fotografie-Auktion bei Grisebach überraschten Bieter mit Preissprüngen und Rekorden

Ein geglücktes Experiment


László Moholy-Nagy, Ohne Titel. Weimar, 1923/25

Seit Anbeginn der Fotografie ist diese auf ein Medium angewiesen: Lichtempfindliche Materialien, die das abgelichtete Motiv festzuhalten vermögen. Da verwundert nicht, dass schon früh mit diesen Stoffen experimentiert wurde. Fotogramme, die ohne Kamera durch direkte Belichtung entstehen, schufen schon die Lichtbild-Pioniere Thomas Wedgwood und William Henry Fox Talbot im frühen 19. Jahrhundert. Ein besonderer Kunstwert wurde diesen Werken in jener Zeit allerdings noch nicht zugebilligt, wohl auch weil die bahnbrechende Technik zu unbekannt war. Erst nach dem Ersten Weltkrieg, im Zuge abstrakter Strömungen, konnte das Fotogramm seinen Siegeszug antreten. Man Ray zog es ab 1922 verstärkt heran, um seinen surrealistisch-dadaistischen Ideen Ausdruck zu verleihen, und benannte es kurzerhand in „Rayogramm“ um. Sein wirbelnder Lichtkreis von 1922 war bei Grisebach für 15.000 bis 20.000 Euro im Angebot. Der spätere Silbergelatineabzug von 1963 erreichte exakt seine untere Taxe. ...mehr

18.06.2018

Die Moderne im Kinsky konzentriert sich auf die österreichische Kunst aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eine europäische Privatsammlung steuert in Wien dazu die interessantesten Stücke bei

Symbiotische Mutterbindung


Rudolf Wacker, Bildnis meiner Mutter (in ihrem 72. Lebensjahr), 1926

„Ich bin vor Schmerz wie an ein Kreuz genagelt. Um 7:20 wird der Sarg aus Haus und Garten getragen.… Solches Grauen vor dem Tod habe ich (so leicht und natürlich dieser war) nie empfunden.… Mit dem Tod der Mutter hören wir auf Kinder zu sein, als ob erst jetzt die Schnur, die uns ihrem Leib verband, gerissen sei.“ Das schrieb Rudolf Wacker am 7. April 1929 in sein Tagebuch. Seine Mutter war gestorben. In mehreren Zeichnungen und zwei Ölgemälden hatte er Marianne Wacker, die in ihrer Jugend im Bregenzerwald und auch darüber hinaus als Sängerin und Musikantin Berühmtheit erlangte, zuvor verewigt. 1926 wählte der damals 33jährige für das Portrait der alten Frau mit eingefallenen Wangen die eigene Stube, in der er sie unterlebensgroß auf einem Stuhl und nah an den Betrachter herangerückt platzierte. Das Verrinnen der Zeit deutete Wacker mit einigen Symbolen an. So stehen neben der Mutter ein halb ausgetrunkenes Glas, ein angebissenes Brötchen und eine schon halb verwelkte Geranie auf dem Tisch. Vor allem das Foto im Hintergrund, das die Mutter als vierjähriges Mädchen zeigt und die Blickrichtungen der beiden kreuzen lässt, macht die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens augenfällig. ...mehr

15.06.2018

International große Namen sorgten bei Lempertz für hohe Preise: Ein Blick auf einen teils schwungvollen Auktionstag für die Moderne Kunst in Köln

Die Suche nach dem menschlichen Wesen


Alexej von Jawlensky, Mystischer Kopf: Erde, 1919

Alexej von Jawlensky wurde 1916 kriegsbedingt aus Deutschland ausgewiesen. Exil fand er in der benachbarten neutralen Schweiz. Fortan tauchten verschiedene Ansichten der Umgebung von Saint-Prex in seinem Œuvre auf, oft gemalt aus seinem dortigen Atelierfenster. In der idyllischen Kleinstadt am Ufer des Genfersees hatte der Künstler jedoch nicht nur Gelegenheit, die Landschaft zu studieren, sondern sich auch mit dem Wesen der Menschen auseinander zu setzen. Das Ergebnis war eine Reihe von „mystischen“ und „abstrakten Köpfen“ sowie „Heilandsgesichtern“ in häufig handlichen Formaten. „Mystischer Kopf: Erde“ entstand 1919. Im Hintergrund dominieren dem Titel nach braune und grüngelbe Erdtöne. Das Gesicht selbst ist aus Farbflächen zusammengesetzt, die sich nicht überlagern, sondern vielmehr spannungs- und kontrastreich gegenüberstehen. Jawlensky umreißt die Physiognomie mit dicken schwarzen Konturen, überproportional groß treten die mandelförmigen Augen hervor. Wild und roh wirkt der Pinselduktus, trotzdem ist das Gemälde durchdacht und auf das für den gewünschten Ausdruck Nötigste reduziert. Der Expressionist macht seiner Stilzuordnung alle Ehre, was die Bieter bei Lempertz mit taxkonformen 230.000 Euro honorierten. ...mehr

13.06.2018

Die Versteigerung der Sammlung Ziffer erfreute bei Neumeister in München Liebhaber und Sammler. Locker sitzende Geldbeutel sorgten für einige Überraschungen

Der Sinn des Lebens


Franz Anton Bustelli, Kammerzofe mit Hündchen, um 1755

Im vergangenen Herbst starb der 1957 in München geborene Kunsthistoriker Alfred Ziffer. Er war der Experte für die deutschen Porzellanmanufakturen und ihre Produkte und seit 1998 als Berater für Nymphenburg in München tätig. Außerdem betreute Ziffer als Kurator die Nymphenburger Porzellansammlung der Familie Bäuml, die im Marstallmuseum von Schloss Nymphenburg ausgestellt ist. Über Jahrzehnte erforschte er die Produkte der Münchner Manufaktur und teilte seine Ergebnisse in zahlreichen Publikationen mit der Öffentlichkeit. Auch privat hatte Ziffer sein Herz an das „weiße Gold“ verloren und gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Bernd-Michael Andressen eine beachtliche Sammlung kunsthandwerklicher Objekte zusammengetragen. Diese wurde am 18. Mai bei Neumeister in München mit herausragenden Ergebnissen versteigert. ...mehr

11.06.2018

Bei Kunst des 20. Jahrhunderts von Ketterer in München leuchten die Farben des Expressionismus

Inspiration aus Fernost


Günther Uecker, Woge. Japan, 1995

Da wogt und wabert es wieder einmal kraftvoll. Günther Uecker hat die Nägel auf der grau-schwarzen Unterlage zu einem dynamischen Strudel eingeschlagen. Virtuos durchwirbeln sie den Bildraum und drängen über den Bildrand hinaus. Die Urgewalt einer Welle hat den ZERO-Meister 1995 zu seinem Nagelfeld „Woge, Japan“ inspiriert. Vorausgegangen waren eine Japanreise und die Beschäftigung mit asiatischer Kultur und Philosophie, vor allem mit der japanischen Holzschnittkunst. Schon der Titel legt die Verwandtschaft zu Katsushika Hokusais berühmtem Blatt „Die große Welle vor Kanagawa“ nahe. Nun steht das stürmische Meisterwerk, das sein Pendant im Nagelbild „Sturz (Kamakura)“ in der Kunstsammlung des Bundes hat, bei Ketterer zum Verkauf. Mit einer Schätzung von 600.000 bis 800.000 Euro geht das marktfrische Kunstwerk als Highlight der Versteigerung an den Start. ...mehr

07.06.2018

Neumeister positioniert sich mit der modernen und zeitgenössischen Kunst international. Die Sonderrubrik „Afrikanische Kunst“ ergänzt das übliche Angebot

Vom Kampf mit der Schlange


Fritz Klimsch, Schlangenbändigerin, um 1899

In der Kulturgeschichte steht die Schlange seit jeher für das Böse. Innerhalb des christlichen Schöpfungsberichts überredet sie Adam und Eva, die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis zu essen, worauf die Vertreibung aus dem Paradies folgt. Schon in der antiken Mythologie schickt die Göttin Athene die Schlangen, um Laokoon und seine Söhne zu töten, weil dieser den Betrug mit dem Trojanischen Pferd erkannt hatte. Das drohte, den Ausgang des Krieges zu beeinflussen. Derartig dramatische und inhaltlich weitreichende Themen fanden schnell Eingang in die bildende Kunst und wurden durch alle Jahrhunderte rezipiert. Nicht selten nutzten Kreative solche Bildinhalte aber genauso, um das Vorzeigen von Nacktheit unter den Deckmantel einer moralisch gehaltvollen Geschichte packen zu können. Dies trieb unter anderem auch Fritz Klimsch an, der für seine Akte bekannt war. Seine „Schlangenbändigerin“, eine Bronze aus der Zeit um 1899, hat keinen erkenntlichen mythologischen Bezug. Vielmehr wickelt sich der Schwanz des Reptils elegant um ihren linken Arm mit gespreizten Fingern, während sie das dreiköpfige Tier mit dem rechtem ohne große Anstrengung von sich hält und ihm selbstsicher entgegen blickt. Ihr Körper steht unter Spannung und wölbt sich zum Betrachter. Ausdrucksstark ist die beinahe lebensgroße Plastik mit dieser bewegten Pose allemal. ...mehr

05.06.2018

Van Ham lädt in Köln mit seinen „Discoveries“ zur Kunstschatzsuche im preiswerten Sektor

Mit Schwung weg vom Gegenstand


Karl Otto Götz, Sylenko I, 1999

Das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte weitreichende Zäsuren mit sich. Gesellschaft, Politik und auch die Kunst mussten sich neu sortieren. Unter den Kreativen stand schnell fest: Neue Wege müssen beschritten und die auf Realismus ausgerichtete Doktrin der Nazis verdrängt werden. Damit war eine der Grundlagen geschaffen, aus der sich in Deutschland das Informel formte. Der Gegenstand wurde aus der Kunst verdrängt und das bei Karl Otto Götz buchstäblich mit Schwung. Dynamik sollte fortan sein Œuvre bestimmen, die sich in breiten Pinselstrichen mit wildem Duktus manifestierte. Choreographisch durchgeplant erscheinen die Kompositionen, die selbst durch das hohe Alter des Künstlers nichts von ihrer Energie einbüßen mussten. Im Jahr 1999, als er „Sylenko I“ und „Sylenko II“ schwirren ließ, war Götz bereits 85 Jahre alt. Selbst sein späteres Erblinden konnte seine Produktivität kaum bremsen, bis Anfang der 2010er Jahre malte er. Götz starb im August 2017 im Alter von 103 Jahren. Für die „Sylenko“-Gouachen auf schwarzem Karton wählte er weiße Farbe, die das Temperament durch den starken Kontrast weiter betont. Beide Arbeiten hat Van Ham jeweils auf 2.500 bis 3.000 Euro taxiert. ...mehr

04.06.2018

Die wichtigsten Strömungen der Fotografie des 19. und 20. Jahrhunderts hat Bassenge im Repertoire. Neben einigen teuren Highlights können vor allem zahlreiche Kostbarkeiten zu kleineren Preisen die Bieter erfreuen

Mit einem Erzhalunken und Lügner wird nicht verhandelt!


Liang Shitai, Li Hongzhang in Tientsin, 1879

Kaiser Wilhelm II. weigerte sich, mit Li Hongzhang zu verhandeln. Er hielt es für eine Zumutung und wollte den chinesischen Unterhändler lieber als Geisel in seiner Hand wissen. Aber als Partner mit ihm zusammentreffen – undenkbar für den Hohenzollernherrscher. Wer war dieser Mann, der in Berlin auf so großen Widerstand stieß? Li Hongzhang war über mehrere Jahrzehnte der wichtigste außenpolitische Verhandlungsführer Chinas. Seinen größten Erfolg konnte General 1864 verbuchen, als es ihm gelang, mit Hilfe ausländischer Truppen den Taiping-Aufstand niederzuschlagen. 1898 verhandelte er mit Russland ein Abkommen, dass unter anderem Bau und Streckenverlauf der Transsibirischen Eisenbahn regulierte. Dabei sollen umfangreiche Bestechungsgelder an ihn geflossen sein, was seinem Ruf schweren Schaden zufügte und ein möglicher Grund für Wilhelms ungute Meinung von ihm sein könnte. Vielleicht aber erinnerte sich der Kaiser auch daran, dass Li Hongzhang bei einer Deutschlandreise 1896 Bismarck in Friedrichsruh besucht hatte, den Kaiser aber nicht. Als der Diplomat nun die Friedensverhandlungen zur Beendigung des sogenannten Boxeraufstandes führen sollte, war Wilhelm alles andere als erfreut. Liang Shitai, ein kantonesischer Studiophotograph, der sich in den 1870er Jahren auf Porträts hochgestellter Persönlichkeiten spezialisiert hatte, hielt Li Hongzhang 1879 in Tientsin in einem per Hand nachkolorierten Albuminabzug für die Nachwelt fest. Ein mit 5.000 Euro bewertetes Exemplar zählt zu den Highlights der kommenden Fotografie-Auktion bei Bassenge. Es zeigt den Politiker in landestypischer Kleidung, der neben einem Tischchen mit einer Pflanze auf einem Sessel sitzt und sich im Dreiviertelprofil abwendet. ...mehr

04.06.2018

Lempertz rückt in seiner Auktion „Zeitgenössische Kunst“ das Quadrat in den Mittelpunkt. Umkreist wird es von Albers, Beuys, Lohse und Uecker

Ein Hoch auf… - ja was eigentlich?


William Nelson Copley, July 5 (Great Day Coming), 1975

1865: Der United States Secret Service nimmt seine Arbeit auf. 1950: In der Schlacht von Osan sind amerikanische Streitkräfte erstmals im Korea-Krieg in Kampfhandlungen verwickelt. 1971: Im 26. Verfassungszusatz wird das Wahlrecht auf 18 Jahre gesenkt. 1975: Arthur Ashe gewinnt als erster Afroamerikaner in Wimbledon gegen Jimmy Connors. 1975: Nach 25jähriger Pause bricht auf Hawaii der Vulkan Mauna Loa aus. Worauf genau sich William Nelson Copley in seinem Gemälde „July 5 (Great Day Coming)“ eigentlich bezieht, bleibt unklar. Der satte blaue Hintergrund und die weißen Sterne in der roten Schrift verweisen auf das Star-Spangled Banner Amerikas. Die kleinen aufgeklebten roten Böller, die wie Regentropfen über die Leinwand zu fallen scheinen, könnten sowohl ein freudiges Feuerwerk, als auch eine gefährliche Katastrophe ankündigen. Vielleicht ist es aber auch ein ironischer Kommentar zu den quasireligiösen Feierlichkeiten, die in den USA alljährlich zum 4. Juli abgehalten werden. Möglich wäre es, denn als selbsterklärter Satiriker hat sich Copley in seinem Werk immer wieder ironisch und humorvoll mit den Stereotypen der amerikanischen Kultur auseinandergesetzt. Der „July 5 (Great Day Coming)“ aus dem Jahr 1975 ist nun bei Lempertz für 60.000 bis 80.000 Euro zu haben. ...mehr

31.05.2018

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News vom 18.06.2018

Aenne Biermann in Köln

Aenne Biermann in Köln

Bâloise-Kunstpreis vergeben

Bâloise-Kunstpreis vergeben

Kunsthochschule in Glasgow ging wieder in Flammen auf

Kunsthochschule in Glasgow ging wieder in Flammen auf

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