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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Das Von der Heydt-Museum nimmt Oskar Schlemmers späte Schaffensphase am Wuppertaler Maltechnikum in den Blick

Altes Thema, neuer Stil


Oskar Schlemmer, Innenraum mit fünf Figuren, 1928

Oskar Schlemmer verkörperte beredt den kulturpolitischen Impetus des Bauhauses. Aufgewachsen in Baden-Württemberg, wo schon immer die enge Verknüpfung von technischen Raffinessen und ästhetischen Vorstellungen maßgeblich das Handwerk bestimmte, folgte der Schüler von Adolf Hölzel im Jahr 1920 dem Ruf von Walter Gropius an das Weimarer Bauhaus. Hier repräsentierte der 1888 in Stuttgart geborene Schlemmer die Bauhaus-Idee pointiert. Bestes Beispiel dafür ist das von ihm entworfene Bauhaus-Logo mit einer Kopfform in knapp-konstruktiv entwickeltem Duktus. Mit seinem berühmten Gemälde der „Bauhaustreppe“, das heute im Museum of Modern Art in New York hängt, schuf er 1932 quasi das Programmbild der Designschmiede, und dies just zu einem Zeitpunkt, als sie im September dieses Jahres schließen musste. ...mehr

Neue Blicke auf einen alten Bekannten: Das Bank Austria Kunstforum in Wien versammelt in der Ausstellung „Pierre Bonnard. Die Farbe der Erinnerung“ zahlreiche Werke aus dem späten Schaffen des französischen Postimpressionisten

Der Maler der Erinnerung


Pierre Bonnard, Die sonnige Terrasse, 1939/46

Pierre Bonnard galt lange als ein Zeit seines Lebens dem 19. Jahrhundert verhafteter Maler gutbürgerlicher Verhältnisse und Interieurs. Kaum einmal ist auf seinen Gemälden ein Motiv außerhalb des Schutzraums seiner eigenen vier Wände zu sehen. Die Fährnisse und Widrigkeiten des 20. Jahrhunderts kommen auf seinen Bildern praktisch nicht vor. Dabei hat der 1867 in Fontenay-aux-Roses bei Paris geborene Künstler zwei Weltkriege bewusst erlebt. Auch die maßgeblich von Pablo Picasso, später von den Surrealisten angestoßenen Umwälzungen der Kunst scheinen relativ spurlos an ihm vorübergegangen zu sein. Der spanische Avantgardist bezeichnete ihn gar recht despektierlich als „décadent … am Ende einer Entwicklung, nicht am Anfang einer neuen“. Andere sahen in ihm gar einen Maler, „der keine Probleme aufwarf“. ...mehr

Das Museum Küppersmühle in Duisburg eröffnet aktuell Diskurse über das Wesen und die Möglichkeiten der Farbmalerei. Dies geschieht im Austausch zwischen Werken Gotthard Graubners und Katharina Grosses

Im Reich der Farbe


in der Ausstellung „Farbe absolut. Katharina Grosse x Gotthard Graubner“

Rasch gerät der Besucher zwischen die Fronten. Auf der einen Seite geben sich stille, tiefe Farbmeere von meditativer Ruhe zu erkennen. Statt scharfer Konturen fließen weiche, geschmeidige Schattierungen. Auf der anderen Seite gerät er in tosende unruhige Farbgewitter. Explosive und flüssige Strukturen wechseln mit geradlinigen Ausschnitten in gesättigten Farben. Große Formate betonen grenzenlose Freiheiten. Eine beispiellose emotionale Wucht der Farbe fesselt derzeit den Besucher des Duisburger Museums Küppersmühle von Raum zu Raum in unterschiedlicher Intensität. Das malerische Zwiegespräch aus 55 Gemälden von Gotthard Graubner und seiner Schülerin Katharina Grosse intendiert mitnichten die oft gebrauchte Lehrer-Schüler-Beziehung, sondern möchte abseits dieses Verhältnisses Kraft, Einsatz und Wirkung von Farben zum Sprechen bringen. ...mehr

Zum 150. Geburtstag rückt eine Ausstellung in Wuppertal das Netzwerk und das bildkünstlerische Schaffen der in Elberfeld geborenen und als Dichterin bekannten Else Lasker-Schüler in den Mittelpunkt

An der Schnittstelle zu bildender Kunst, Lyrik und Theater


Else Lasker-Schüler, Jussuf, 1927

Viele Akteure wirkten in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in der ungemein lebendigen Szene der Avantgarde. In diesem Kontext ist Else Lasker-Schüler vor allem als Lyrikerin eingeführt. Ihre Rolle als Zeichnerin, ihre Schauspieldramen sowie ihre Umtriebigkeit in einem vielschichtigen Netzwerk der zeitgenössischen Kunstszene aus Verlegern, Galeristen und Malern scheint dagegen weniger präsent. Neben über 70 Illustrationen, Briefen oder Büchern der extravaganten Außenseiterin mit jüdischen Wurzeln entfaltet das Wuppertaler Von der Heydt-Museum mit insgesamt über 200 Exponaten von 43 Künstlern ein weit gespanntes Panorama künstlerischer Milieus der damaligen Zeit. ...mehr

Das Städel Museum in Frankfurt ist den Legenden um Vincent van Gogh auf der Spur und zeigt die Auswirkungen des Malers auf die deutsche Kunstlandschaft

Malerei im Rohzustand


Vincent van Gogh, Selbsporträt, 1887

„Um keinen anderen Künstler der letzten gut 130 Jahre ranken sich wohl mehr Mythen als um Vincent van Gogh. Der von ihm vermeintlich verkörperte Typus des verkannten Künstlergenies dient bis heute als Vorlage für zahlreiche Filme, Bücher und Ausstellungen“, so Philipp Demandt, der Direktor des Frankfurter Städel Museums. Was Demandt mit dieser Äußerung anspricht, ist der berechtigte Zweifel, mit dem zeitgenössische Kunsthistoriker den Klischees und Zerrbildern begegnen, die in Bezug auf Vincent van Gogh in Umlauf sind. Zur Tragik seiner Biografie gehört nach landläufiger Auffassung der Umstand, dass es dem vom Wahn befallenen van Gogh zu Lebzeiten so gut wie gar nicht vergönnt gewesen sein soll, seine Bilder öffentlich zu zeigen. ...mehr

Der Melancholiker Pierre Bonnard macht sich im Wiener Bank Austria Kunstforum mit seinen poetischen Bildern vom Alltäglichen Gedanken über das Vergehen der Zeit

Malen aus der Erinnerung


Pierre Bonnard, Die Wanne (Das Bad), 1925

Es ist ein Motiv das jeder kennt: Eine Frau liegt nackt in der Badewanne. Lang ausgestreckt hat sie ihren jugendlichen Körper in der halbvoll mit Wasser gefüllten Wanne, den Kopf leicht erhoben, berühren ihre dunklen Locken den rechten Rand. Versonnen und vollkommen unbeeindruckt vom Blick des Betrachtenden scheint sie die wohlige Berührung des Wassers zu genießen. 1925 malt Pierre Bonnard dieses Bild von seiner Partnerin Marthe de Méligny. Als 26jähriger hatte er die zwei Jahre jüngere Veilchenverkäuferin in Paris kennengelernt. Seit mehr als 30 Jahren sind die beiden ein Paar, und unzählige Male saß Marthe ihrem Mann in der Zwischenzeit Modell. ...mehr

Das Museum Kunst Palast in Düsseldorf will eine Übersicht über die Malereigeschichte der DDR geben. Neues bringt die Schau aber nicht hervor

Ein differenzierter Blick


Wolfgang Mattheuer, Die Flucht des Sisyphos, 1972

Homogene Entwicklungen sind in der Kunst fremd. Nirgendwo gab es sie zu irgendeinem Zeitpunkt. Trotz Vorgaben geistlicher, weltlicher oder gesellschaftlicher Systeme existierte immer mehr oder minder offen, latent im Verborgenen oder ganz im Schatten großer Strömungen eine Schar abweichender Positionen. Der allgemeinen Wahrnehmung blieb die Entfaltung der Künste in all ihren Facetten jedoch zumeist verborgen. Politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen Gegebenheiten geschuldet, konzentrierte sich der Blick auf aktuelle Sichtweisen oder bekannte Namen. Eine Ausstellung im Düsseldorfer Museum Kunst Palast unternimmt nun den Versuch, die Breite künstlerischer Ausdrucksformen in der ehemaligen DDR offenzulegen. Dafür fährt der hausinterne Kurator Steffen Krautzig rund 160 Werke auf, darunter überwiegend Gemälde, aber auch Grafiken und Plastiken. ...mehr

Das Leopold Museum in Wien hat eine Auseinandersetzung mit dem Maler Richard Gerstl initiiert und zeigt sein Nachwirken bis in die Gegenwart

Schräge Formen statt klassischer Kompositionen


Richard Gerstl, Selbstbildnis als Halbakt, 1902/04

Fast schon indiskret beäugt kommt sich der Betrachter vor, wenn er am Bildnis der Schwestern Karoline und Pauline Fey vorbeischlendert. Aus dem dunklen, leeren Raum stechen schwarze Knopfaugen hervor. Eindringlich fixieren sie das Publikum. Ihre Gesichter erscheinen fleckig verwischt, und der unklare Duktus verunsichert den Besucher noch weiter. Grobe Pinselzüge illustrieren die körperlosen, gleißend hell gewandeten Frauen vor einer flackernden Verfinsterung. Keine feierliche Ornamentpracht, kein floraler Linienschwung, stattdessen irritiert ein trennender schwarzer Pinselstrich zwischen den Gestalten noch weiter. Das frühe, um 1905 entstandene Meisterwerk von Richard Gerstl fällt vollkommen aus seiner Zeit. In seinen expressiven Gebärden zwischen Verdichtung und Auflösung gilt das Doppelporträt als exemplarisch für den Maler. Statt den zeitadäquaten Schönheits- und Harmoniebestrebungen der Secessionisten und der Klimt-Gruppe zu entsprechen, reizte Gerstl mit einer schonungslosen, ungewöhnlich freien Formensprache voller unheimlicher Düsternis. Mit energiegeladenen Linienaufschlägen und flirrenden Lichterscheinungen initiierte er eine Ausdruckskunst, mit der er eine Reaktion beim Betrachter erzielen wollte. Gerstl stellte nicht nur etwas dar, sondern war imstande, einen Inhalt zu transportieren. ...mehr

Das Museum der Moderne in Salzburg bereitet Sigalit Landau und ihrer eindringlich poetischen Kunst einen großen Auftritt

Die Jahre des Salzes


Das Tote Meer nennt Sigalit Landau ihr Atelier. Für die israelische Künstlerin ist der 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegende und von Jordanien, Israel und dem Westjordanland begrenzte See ein „magischer Ort“, der gleichermaßen Inspirationsquelle und Labor für ihre Videoarbeiten, fotografischen Serien und Salzskulpturen ist. Er dient ihr sowohl als Metapher für die Abgründe der Geschichte, als auch für eine ästhetische Utopie. Aktuell ermöglicht eine Ausstellung im Salzburger Museum der Moderne eine intensive Begegnung mit dem Werk der Tochter jüdischer Immigranten mit österreichischen Wurzeln. Mit ihren ortsspezifischen Arbeiten nimmt sie seit mehr als zwanzig Jahren Bezug auf Geschichte und Erinnerung, privates und kollektives Gedächtnis, archaische und utopische Mythen ebenso wie auf aktuelle Fragen zur menschlichen Verfasstheit. ...mehr

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