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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Der britische Maler William Turner reiste auf der Suche nach spektakulären Motiven mehrfach in die Schweiz. „Das Meer und die Alpen“ heißt die Schau seiner Reisebilder im Kunstmuseum Luzern

Lichte Momente voller Dramatik


Joseph Mallord William Turner, Snow Storm, um 1842

Überschlagende Wellen, Schneewolken und Rauchfahnen formen einen Tunnelblick. Er zielt auf einen Raddampfer, der durch das Chaos des Sturms in heimtückischen Untiefen navigiert. Kräfte der Natur konkurrieren mit neuen technischen Errungenschaften. „Schneesturm“, so der Titel des um 1842 entstandenen Gemäldes von William Turner, wurde von Kritikern als „Seifenlauge und Tünche“ verspottet. Denn dickflüssige dunkle Farbschlieren aus breiigen graubraunen, bläulichen, hellweißen, leicht gelben und roten Tönen packen den um das Hauptgeschehen kreisenden Zuschauerblick. Brausender Wind, Schnee und Wellen steigern dynamisch in weitschweifiger Formlosigkeit die Theatralik der Szenerie. Wie konnte es zu dieser damals völlig singulären Ausdrucksstärke kommen? ...mehr

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster kombiniert in der Ausstellung „Vita Duplex“ rund 140 Werke des irisch-amerikanischen Malers und Bildhauers Sean Scully mit Texten des Künstlers

Das Doppelleben der Bilder


Man muss gar nicht mal ins LWL-Museum hineingehen, um mitzubekommen, dass Sean Scullys Kunst in Münster angekommen ist. Exakt vor dem Eingang des Hauses – mit Blick auf den romanischen Dom der Stadt – hat Scully mit der elf Tonnen schweren Skulptur „Moor Shadow Stack“ aus dem Jahr 2018 einen kaum zu übersehenden Blickfänger platziert. Das fast fünf Meter hohe Werk besteht aus rund zwei Dutzend quadratischen Cortenstahl-Platten, die mit leichten Versätzen zu einem Stapel geschichtet sind. Und es erinnert an ein festes Ritual aus der Kindheit des Künstlers. Scullys Vater, ein Friseur, brachte seine Kupfergeld-Einnahmen nach der Arbeit mit nach Hause, wo sie am abendlichen Esstisch der in London lebenden Familie gemeinsam gezählt und zu kleinen Stapeln aufgetürmt wurden. ...mehr

Mit der Foto- und Videoausstellung „Here We Are Today“ eröffnet das Bucerius Kunst Forum sein neues Domizil in Hamburg. Das beliebte Ausstellungshaus positioniert sich mit moderner Architektur und brisanteren Themen wesentlich zeitgenössischer als zuvor

Wo stehen wir heute?


Eva Leitolf, Schöna. Sächsische Schweiz, 2006

Neue Räume am Alten Wall. Das 2002 eröffnete Hamburger Ausstellungshaus Bucerius Kunst Forum hat Anfang Juni seine neuen Ausstellungsräume nur wenige Meter vom alten Standort entfernt mit einer großen Feier eingeweiht. Das Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner hat hinter der historischen Fassade des Gebäudekomplexes am Alten Wall direkt neben dem Rathaus ein modernes, zeitgemäßes Ausstellungshaus auf vier Etagen mit einer Gesamtfläche von 3.400 Quadratmetern errichtet. Neben dem klimatisch und lichttechnisch auf den allerneuesten Stand gebrachten, 850 Quadratmeter großen Ausstellungssaal im ersten Stock bietet das neue Bucerius Kunst Forum den Besuchern ein großzügiges Auditorium mit Lichthof und Foyer im zweiten Obergeschoss, einen vergrößerten Shop im Erdgeschoss sowie ein gläsernes Malatelier mit Blick aufs Fleet für alle Besuchergruppen. ...mehr

Witz und Ironie sind feste Bestanteile im Schaffen von Christian Ludwig Attersee. Bis in den Spätsommer hinein gibt das Belvedere 21 in Wien einen Überblick über seinen schelmischen Kosmos

Wie wär’s mit einem Präservativ in Backhuhnform


„Weihnachtliches Stilleben mit Dackelstelze“, „Wenn Jumbos sich um Schinken streiten“, „Bissige Achsel“ oder „Hundebüstenhalter“ – Christian Ludwig Attersee ist nicht nur Maler, Zeichner, Musiker, Filmer und Selbst-Inszenierer. Der 1940 in Pressburg als Christian Ludwig geborene Künstler ist auch Sprachalchimist, ein Literat wunderbar origineller Bildtitel. Aktuell präsentiert das Wiener Belvedere 21 eine Personale des Österreichers und entführt die Besucher in eine Welt hintergründigen Humors. In der am Schweizergarten gelegenenen Außenstelle des Belvedere ist eine Werkschau zu sehen, die die fast sechzigjährige Karriere des heute 78jährgen Künstlers dokumentiert. Einen besonderern Fokus legt die Retrospektive auf das Frühwerk und stellt ihn als den singulären Wegbereiter eines Crossover zwischen Kunst und Lebensgestaltung vor. ...mehr

Die städteübergreifende Ausstellung „Ruhr Ding“ in Bochum, Dortmund, Essen und Oberhausen bringt gesellschaftskritische und poetische Kunst in Rathäuser, leerstehende Ladenlokale, ehemalige Kinos, auf alte Zechen und Industriebrachen, an Fassaden, auf Fußballplätze und viele andere urbane und semi-urbane Orte

Das Ding an sich


Roderick Buchanan, The Hexagon Pitch. Unofficial Envoy of the Tartan Army, 2019

Ortstermin in der Knappenstraße 141a in Oberhausen. Der Ascheplatz und das Vereinsheim des Fußballclubs SC 1920 wirken bereits arg in die Jahre gekommen. In wenigen Wochen geht hier endgültig das Licht aus. Ein Jahr vor dem 100. Jubiläum muss der Verein wegziehen. Der Sportentwicklungsplan der Stadt Oberhausen sieht das so vor. Doch zuvor erfährt dieser Ort in einer der zahllosen „Niemandsbuchten“ des Ruhrgebiets noch einmal große Aufmerksamkeit. Der kumpelhaft auftretende schottische Künstler Roderick Buchanan hat mit den Vereinsmitgliedern schnell Freundschaft geschlossen. Acht Wochen lang wird er hier jeden Donnerstagabend ein ungewöhnliches Fußballmatch inszenieren. Im Rahmen seines Projekts „The Hexagon Pitch“ lässt der 54jährige Glasgower jeweils drei Teams auf drei Tore schießen. Erdacht hat sich das anarchische Konzept einst der dänische Künstler und Situationist Asger Jorn. Er wollte damit die Bipolarität des konventionellen Fußballspiels entlarven, die für ihn die kapitalistische Gesellschaftsordnung symbolisierte. ...mehr

Die Kunst des in New York lebenden Südtirolers Rudolf Stingel lädt die Besucher zum Mitmachen ein. Aber das ist längst nicht alles: Seit rund 30 Jahren treibt Stingel das Medium Malerei immer wieder an seine Grenzen, indem er Kategorien wie Autorschaft, Authentizität, Original und Kopie radikal in Frage stellt. Jetzt zu besichtigen in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel

Kratzen, ritzen, schreiben


Rudolf Stingel, Untitled (After Sam), 2006

Ein bärtiger dunkelhaariger Mann liegt auf dem Bett und starrt, durchaus versonnen und nachdenklich, an die Decke. Mit seinem frisch gestärkten weißen Hemd und dem Nadelstreifenjackett wirkt er wie eine Mischung aus Handlungsreisendem und Mafia-Paten. Das 2006 entstandene wandgroße Gemälde ist wie alle Bilder von Rudolf Stingel ein „Untitled“, lediglich der Zusatz „After Sam“ liefert einen Hinweis auf das Quellbild, eine Fotografie des Künstlerkollegen Sam Samore, über den es auf Wikipedia heißt: „Seine Arbeit beschäftigt sich mit der Erforschung von Privatsphäre und Mythos in der heutigen Gesellschaft. Er hat zahlreiche Arbeiten gemacht, die geeignete Fototechniken verwenden, die normalerweise von privaten Detektiven verwendet werden.“ ...mehr

Alle reden derzeit vom Bauhaus. Dabei war es nur die Speerspitze einer modernen Bewegung. Wie viel mehr dahinter steckt, ist in Sachsen-Anhalt zu bewundern

Im Strudel der Bauhaus-Zeit


Beimsplatz in der Hermann-Beims-Siedlung, Magdeburg 1925-1929

„Gott steht mir bei, mir graut’s, wo ich geh und steh, da Taut’s“. Nichts offenbart deutlicher die Kritik des Volksmundes am opulenten Farbkonzept des Architekten Bruno Taut für die Landeshauptstadt Magdeburg als dieser Ausspruch sowie eine Postkarte von 1922. Rathaus, Geschäftsbauten, Kioske, sogar die Straßenbahn zeigen sich in satten Farben gewandet. Während das Bauhaus mit seiner Werkstatt für Wandmalerei nahezu ausschließlich auf Innenräume fokussiert war, wagte Bruno Taut den Schritt nach außen. Der 1880 in Königsberg geborene Künstler wollte eigentlich Maler werden und blieb auch nach seiner Ausbildung zum Architekten an der Kunstgewerbeschule und zeitweiligem Studium der Kunstgeschichte in Berlin seinem ursprünglichen Steckenpferd treu. ...mehr

Das Museum Moderner Kunst in Wien rehabilitiert die Op-Art und setzt auf die revolutionäre Kraft der Sinnestäuschung seit der Renaissance

Wenn das Auge schwindelt


Bridget Riley, Blaze 2, 1963

Es ist ein die Sinne verstörender Trip, den das Wiener Museum Moderner Kunst den Besucherinnen und Besuchern in der diesjährigen Sommerausstellung offeriert. Mit „Vertigo – Op Art und die Geschichte des Schwindels“ ist dem Haus nicht allein eine präzise, höchst informative Schau über die Kunst des Augentrugs gelungen, sondern auch die unterhaltsame Aufarbeitung einer Kunstströmung, die in den 1960er Jahren dem Zeitgeist entsprach und dann für lange Zeit in musealer Versenkung verschwand. ...mehr

Lange Zeit galten die Vertreterinnen der Art Brut als „Außenseiterinnen der Außenseiter“. Mit der ersten Schau zu diesem Thema rückt das Bank Austria Kunstforum Wien die zu Unrecht Übersehenen nun in den Fokus

Raus aus dem Nischendasein


in der Ausstellung „Flying High: Künstlerinnen der Art Brut“

„Mit dieser Ausstellung wird die Kunstgeschichte neu geschrieben, und zwar auf einer ganz anderen Ebene. Das ist umso bemerkenswerter, weil Unbekanntes diese Kunstgeschichte schreibt“, sagt Hannah Rieger, Sammlerin und Co-Kuratorin der Ausstellung „Flying High – Künstlerinnen der Art Brut“ im Bank Austria Kunstforum Wien. Hannah Rieger hat diese bahnbrechende Gruppenausstellung zusammen mit der Direktorin des Hauses, Ingried Brugger, kuratiert. Beide sind Spezialistinnen auf dem Gebiet der Art Brut oder, allgemeiner formuliert, der Kunst von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Die Wienerin Hannah Rieger sammelt seit drei Jahrzehnten Kunst der Art Brut, vorwiegend von Frauen. Ingried Brugger wiederum hat schon vor knapp 20 Jahren die bahnbrechende Ausstellung „Kunst und Wahn“ ebenfalls im Kunstforum Wien verantwortet. ...mehr

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