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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Die 58. Internationale Kunstausstellung der Biennale Venedig lockt in diesem Jahr mit der Rekordzahl von 90 Länderpavillons. Der diesjährige Kurator Ralph Rugoff überzeugt mit seiner Hauptausstellung unter dem Titel „May You Live In Interesting Times“. Doch der Deutsche Pavillon enttäuscht mit allzu plakativer Metaphorik

Offen und grenzenlos


Natascha Süder Hampelmann und ihre Sprecherin Helene Duldung

Hätte die Biennale Venedig eine Auszeichnung für die konsequenteste Verweigerungshaltung zu vergeben, dann stünde die Preisträgerin zweifellos fest: Natascha Süder Happelmann. Die unter diesem Pseudonym auftretende deutsch-iranische Künstlerin, deren eigentlicher Name Natascha Sadr Haghighian lautet, bespielt in diesem Jahr den Deutschen Pavillon auf der nach wie vor wichtigsten Kunstausstellung der Welt. Außerdem ist sie Professorin für Bildhauerei an der Bremer Kunsthochschule. Soviel steht immerhin fest. Weitere biografische Angaben verweigert die Künstlerin. Ihr Gesicht verbirgt sie bei öffentlichen Auftritten unter einem künstlichen Stein aus Pappmaché. Interviews mit ihr sind nicht möglich. Frau Süder Happelmann tritt immer zusammen mit ihrer Pressesprecherin Helene Duldung – Achtung: auch das ist nur ein Pseudonym – auf. Duldung ist bloß eine Schauspielerin, die vorformulierte Texte abliest. Fragen sind nicht zugelassen. ...mehr

Christian Kosmas Mayer räsoniert im Wiener Museum Moderner Kunst über die Zeit und ihre Paradoxe

Neue Begegnungen zwischen Zeit und Ewigkeit


in der Ausstellung „Christian Kosmas Mayer – Aeviternity“

„Was also ist die Zeit? Wenn mich niemand darüber fragt, so weiß ich es; wenn ich es aber jemanden auf seine Frage erklären möchte, so weiß ich es nicht. Das jedoch kann ich zuversichtlich sagen: Ich weiß, dass es keine vergangene Zeit gäbe, wenn nichts vorüberginge, keine zukünftige, wenn nichts da wäre. Wie sind nun aber jene beiden Zeiten, Vergangenheit und Zukunft, da ja doch die Vergangenheit nicht mehr ist und die Zukunft noch nicht ist?“ Das schreibt Augustinus in seinen „Confessiones“. Alles was wir erleben ist in der Zeit – im „Jetzt“. Im gegenwärtigen Augenblick spiegelt sich die Welt. Wir erleben dieses „Jetzt“ wiederholt, als Aneinanderreihung von Erlebnissen, die voneinander verschieden sind und sich doch auf eine besondere Weise ähneln. Das Zeitempfinden entsteht also aus der Spannung geordneter aufeinanderfolgender Wirklichkeitserfahrungen. ...mehr

Das Städel lockt mit Tizian, liefert dann aber einen gelungenen Rundumschlag zur venezianischen Renaissance-Malerei. Mit zahlreichen Leihgaben und einem gut strukturierten thematischen Konzept holt das Frankfurter Museum das prachtvolle und farbenfrohe Cinquecento von der Adria an den Main

Der Glanz der Serenissima


Tizian, Bildnis des Dogen Francesco Venier, 1554/56

Die Augen sind müde, das Gesicht hager und blass, der ganze Körper beugt sich unter der Last auf den Schultern des sichtbar gealterten Mannes. Der „Corno Ducale“, das Horn des Dogen, identifiziert ihn als obersten Machthaber Venedigs. Es ist Francesco Venier, der von 1554 bis 1556 dieses Amt innehatte. Außenpolitisch war es nach den Auseinandersetzungen mit den Osmanen, aber auch mit den Fürstenhäusern Zentraleuropas im vorangegangenen Jahrhundert für die Republik Venedig eine eher ruhige Zeit. Trotzdem rückt der Maler Tizian in seinem Porträt einen Kriegsschauplatz in den Fensterausschnitt des Hintergrundes. Es ist die brennende Hafenstadt Vieste in Süditalien. 1554 wurde dieser venezianische Handelsstützpunkt von osmanischen und nordafrikanischen Seeräubern überfallen und mehrere Tausend Bewohner versklavt oder getötet. Francesco Venier entschied sich nicht zu einem kriegerischen Gegenschlag, sondern erwirkte die Befreiung Viestes durch diplomatisches Verhandlungsgeschick. ...mehr

Mit der Ausstellung „Social Design“ zeigt das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, wie Gestalter, Künstler, Architekten und Aktivisten ihr kreatives Können für alle Schichten der Gesellschaft nutzbar machen – insbesondere auch für die Unterprivilegierten

Design, das allen dient


Architekturbüro Graft, Solarkiosk, seit 2009

Ein „Solarkiosk“ irgendwo in Afrika. Genauer gesagt, dort, wo der Strom eben nicht aus der Steckdose kommt, weil es diese gar nicht gibt. Das mit Solartechnik betriebene, zerlegbare und daher leicht transportable Modul sichert die Existenz ganzer Familienverbände. Im Franchise-System werden die mobilen Boxen, die von dem Berliner Architekturbüro Graft entwickelt wurden, meist von Frauen betrieben. Ein „Solarkiosk“ ist ein Stück autonomer Infrastruktur in strukturell schwachen Gebieten, eine Mischung aus Mini-Lebensmittelladen, Gaststätte, Versammlungsort oder Aufladestation für Mobilgeräte. Und gut gestaltet ist er auch noch. Ein perfektes Beispiel also für das, was man heutzutage unter „Social Design“ versteht. ...mehr

Das Kunsthistorische Museum in Wien stellt die künstlerische Entwicklung Mark Rothkos vor und fragt nach seinen Vorbildern

Interaktion mit Farbe


Mark Rothko, Untitled, 1950

„Wenn Menschen nach sakralen Erfahrungen suchen, werden sie sie hier finden. Wenn sie nach profanen Erfahrungen suchen, werden sie auch diese finden. Ich stelle mich auf keine Seite.“ Was Mark Rothko 1961 für die Besucher seiner Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art notierte, liest sich wie ein Leitmotiv für die aktuelle Ausstellung des Kunsthistorischen Museums in Wien. Mark Rothko hat sich zeitlebens dagegen gewehrt, als Maler abstrakter Bilder vereinnahmt zu werden. Der Künstler, der nur selten über sich selbst oder sein Werk sprach, hat es vorgezogen, sich nicht von Anekdoten aus dem Bereich des Persönlichen ablenken zu lassen, sondern forderte die Betrachter auf, den Blick auf die Leinwände zu richten, um die universellen und „größeren Wahrheiten“ zu erfahren. ...mehr

Das Thema der Verwundbarkeit steht im Mittelpunkt der aktuellen Schau im Wiener Dom Museums, die dem körperlichen, psychischen, sozialen, ökonomischen und politischen Leiden durch die Jahrhunderte nachgeht

Zeig mir deine Wunde


Andres Serrano, Suicide by Rat Poison II, 1992

Eine steile Wendeltreppe führt in den ersten Stock des neuen Dom Museums in Wien. Noch immer, auch eineinhalb Jahre nach der Wiedereröffnung, sind die ersten Schritte, die aus dem Kassenraum in die Ausstellungsräume führen, eine Überraschung. Mittelalter, Barock, Avantgarde und Gegenwartskunst treffen hier in ein- bis zweimal jährlich wechselnden Präsentationen aufeinander, und auch die aktuelle Schau im Wiener Dom Museum ist eine Entdeckung: die epochenübergreifende Ausstellung „Zeig mir deine Wunde“ thematisiert die künstlerische Darstellbarkeit von körperlichen, psychischen, sozialen ökonomischen und politischen Leiden. ...mehr

Peter Doig hat in der Wiener Secession seine erste Einzelausstellung in Österreich und präsentiert neue Arbeiten seiner geheimnisvollen Kunst

Malerei im Schwebezustand


Peter Doig, Spearfisher (Red Moon), 2019

Bilder aus einer Ausstellung von Peter Doig bleiben im Gedächtnis. Stets inszeniert der 1959 in Edinburgh geborene Künstler, der in Trinidad und Kanada aufwuchs, Naturszenarien oder Stadtlandschaften mit Figuren, Tieren, Architekturdetails oder Gegenständen, die alle dazu bestimmt sein könnten, Part eines Plots zu sein, den sich die Betrachter selbst erschließen müssen. Doigs Bilder wirken wie aus einer anderen Zeit und beschwören gleichzeitig Reminiszenzen an bekannte Werke von Künstlern des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts: an die Winterbilder und Figurenensembles von Gustave Courbet, an Henri Rousseaus idealistische Südseeszenarien, an Claude Monets Wasserlandschaften, den spielerischen Bildaufbau und die Leichtigkeit der Sujets bei Henri Matisse, die menschenleeren Kulissenwelten von Giorgio de Chirico, die lichtdurchwirkten Landschaften, Blumengärten, Segelboote und Akte bei Pierre Bonnard, die Wasseroberflächen, Wiesen und Birkenwälder von Gustav Klimt ebenso wie an die erzählende und Mythen schaffende Malerei von Max Beckmann oder die düsteren, melancholischen Szenen eines Edvard Munch. Das, was Peter Doig malt, wirkt bekannt und ist doch gleichzeitig so anders, als alles, was man schon gesehen hat. ...mehr

Der Westfälische Kunstverein und die Kunsthalle Lingen präsentieren gemeinsam die erste institutionelle Einzelausstellung der belgischen Künstlerin Nel Aerts in Deutschland

Von Wanderern und Schlangenbeschwörern


Wanderer kommst du in den White Cube. In den sachlich kühl gehaltenen Räumen des Westfälischen Kunstvereins in Münster, untergebracht im 2014 von Staab Architekten errichteten Neubau des LWL-Museums, ist zur Zeit unter dem Titel „Haus der Wanderer“ eine Personale der 1987 im belgischen Turnhout geborenen Künstlerin Nel Aerts zu sehen. Hier sind Gemälde, Papierarbeiten, Sitzmöbel und eine Rauminstallation mit farbigen Wänden und Collagen versammelt. Parallel dazu veranstaltet die rund 100 Kilometer weiter nördlich gelegene Kunsthalle Lingen unter dem Titel „Der Schlangenbeschwörer“ die Schwesterausstellung mit älteren Werken der jungen Belgierin. Beide Schauen sind eng aufeinander abgestimmt. ...mehr

Wohlstand als Obsession: Die Hamburger Deichtorhallen präsentieren in der Ausstellung „Generation Wealth“ Bilder und Filme der US-amerikanischen Dokumentarfotografin Lauren Greenfield. Die Schau gibt sich kritisch, hinterlässt aber dennoch einen schalen Nachgeschmack

Wenn ich einmal reich wär’...


Lauren Greenfield, Moscow Society. Ilona at home with her daughter, Michelle, 4, Moscow, 2012

Getunte Körper, Fertigbeton-Villen im Versailles-Stil, posierende Lolitas, schnelle Autos, protziger Schmuck und sündhaft teure Handtaschen: Auf den Fotografien und in den Filmen der Amerikanerin Lauren Greenfield, Jahrgang 1966, wird das Leben der Rich and Famous in seiner ganzen Dekadenz abgebildet. Das Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen zeigt jetzt in der Ausstellung „Generation Wealth“ 200 Werke der Fotografin, die überwiegend in den USA, Brasilien, Mexiko, Frankreich, China und Russland entstanden sind. Flankiert werden die Aufnahmen von umfangreichen Wandtexten mit Interviewäußerungen der Porträtierten. ...mehr

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