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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf würdigt Anni Albers mit einer groß angelegten Retrospektive

Die Meisterin der Fadensprache


Anni Albers, Red and Blue Layers, 1954

Annelise Elsa Frieda Fleischmann entspross wie viele Künstler einer wohlhabenden großbürgerlichen Familie: Ihre Mutter stammte aus der Verlegerfamilie Ullstein, ihr Vater war Möbelfabrikant. Doch in Rebellion zum Großbürgertum strebte sie nach einem eher unkonventionellen Leben. Nach Fehlstarts an verschiedenen Schulen und Ablehnung ihrer ersten Bewerbung am Bauhaus in Weimar konnte sie dann schließlich doch am 21. Mai 1922 hier ihr Studium aufnehmen. Da hatte sie bereits den elf Jahre älteren Josef Albers kennengelernt, den sie 1925 heiratete und in dessen Schatten ihr Werk stets wahrgenommen wurde. Beider Schaffen entwickelte sich unabhängig voneinander, aber geistig bewegten sie sich auf einer Ebene, die den Kitt ihres Zusammenlebens bildete und von der tiefen Auffassung einer universellen Sprache der Kunst geprägt war. ...mehr

19.06.2018

Keith Haring war künstlerischer Aktivist der 1980er Jahre und schuf dafür eine eigene Bildsprache. Sie ist nun aus Anlass seines 60. Geburtstags in der Albertina in Wien zu sehen

Ein Alphabet für Jedermann


Keith Haring, Ohne Titel, 1982

Keith Haring zählt zu den populärsten Künstlern seiner Zeit. Fast jeder kennt seine Breakdance-Strichmännchen, die Herzen, das Strahlenbaby, den Hund mit dem weit geöffneten Maul. Im Alter von nur 31 Jahren starb er 1990 an den Folgen einer HIV-Erkrankung und hinterließ ein riesiges Œuvre, das sich bis heute ungebrochener Aufmerksamkeit erfreut. Mit der Ausstellung „Keith Haring –The Alphabet“ in der Albertina werden die Arbeiten des US-Amerikaners nun bereits zum dritten Mal in einer umfangreichen Wiener Einzelpräsentation gezeigt. Die Kunsthalle Wien fokussierte mit ihrer 1978 präsentierten Schau auf Harings selten gezeigtes Frühwerk. 1995 präsentierte das Kunsthaus Wien. Museum Hundertwasser mit über 100 Arbeiten eine retrospektiv ausgerichtete Schau. Den runden 60. Geburtstag nimmt nun die Albertina zum Anlass, um die anhaltende Relevanz von Harings ikonischen Kunstwerken zu demonstrieren. Als Kurator wurde Dieter Buchhart gewonnen, der bereits vor drei Jahren die Haring-Personale „Gegen den Strich“ in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München verantwortete. ...mehr

12.06.2018

Narrativ und sinnlich: Die 10. Berlin Biennale legt ihre Finger in die offenen Wunden dieser Welt – ohne oberlehrerhaft zu sein

Zonen der Dringlichkeit


Dineo Sheshee Bopape, Untitled (Of Occult Instability) [Feelings], 2016/18

Der Hauptausstellungsraum des KW Institute for Contemporary Art, ehemals Kunst-Werke, in der Berliner Auguststraße ist komplett in orangefarbenes Licht getaucht. Auf dem Boden liegen zerbrochene Betonsäulen, daneben Arrangements aus zerbröselnden Backsteinen, Plastikwannen und Bottiche, in die von der Decke Wasser tropft, diverse Videomonitore, und über allem schwebt eine prekäre Discokugel aus Wellpappe, die mit Bauschaum und Klebeband notdürftig zusammengehalten wird. Eine Metapher für den Zustand unseres Planeten? Die zentrale Ausstellungshalle der 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst wirkt wie ein dystopischer Ort: wie Haiti nach dem großen Erdbeben, Ruanda während des Völkermordes oder eine Favela in Rio de Janeiro nach einem größeren Polizeieinsatz. ...mehr

11.06.2018

Axel Hütte gibt in der Kunsthalle Krems einen Einblick in sein fotografisches Schaffen, das mehr als das vordergründig Gesehene zeigen will

Imperial, Majestic, Magical


Axel Hütte, Portrait #22, 2005

Imperiale Bauten, majestätische Berge und magische Landschaften – die Kunsthalle Krems zeigt in ihrer Frühjahrsausstellung einen spannenden Ausschnitt aus dem fotografischen Schaffen des Düsseldorfer Fotografen Axel Hütte. Es ist ein Dialog zwischen älteren Zyklen und neueren Werkblöcken mit ähnlichen Themenbereichen: frühe „Porträts“ von Künstlerkolleg*innen aus der Düsseldorfer Künstlerszene treffen auf großformatige ab 2002 entstandene Wasserlandschaften mit gleichem Titel, Bergbilder der 1990er Jahre konfrontiert Hütte mit neueren alpinen Fotografien und frühe Aufnahmen von U-Bahnhöfen und Treppenaufgängen mit Innenansichten imperialer Bauten. ...mehr

07.06.2018

Das Hamburger Bucerius Kunst Forum zeigt im Rahmen der diesjährigen Triennale der Photographie ausgewählte Werke des musikaffinen niederländischen Porträtfotografen Anton Corbijn – und entdeckt dabei bislang unbekannte Seiten seines Œuvres

Der Sinn für das Imperfekte


Anton Corbijn, Joy Division, London 1979

Als ihn im Jahr 2001 der Bürgermeister seines auf einer kleinen Insel in den Südniederlanden gelegenen Geburtsortes Strijen fragte, ob er dort eine Ausstellung machen wolle, sagte der Fotograf Anton Corbijn, Jahrgang 1955, erst nach einigem Zögern zu. Der Sohn eines protestantischen Predigers lebte damals längst in London. Er war der Enge und rigiden Religiosität seines Elternhauses entflohen und hatte eine atemberaubende Karriere als Fotograf gemacht, genauer gesagt als gefragter Porträtfotograf der Musikszene. Ian Curtis von Joy Division, David Bowie, Nick Cave, die Band Depeche Mode, Elvis Costello, Bono von U2, PJ Harvey – sie alle hatte der Musikfan Corbijn zunächst auf Konzerten, später an den Orten, wo sie lebten, getroffen und mit seiner analogen Kamera aufgenommen: direkt, authentisch und ohne exaltierte Posen. Auf technischen Firlefanz wie Stative oder künstliches Licht verzichtet er meist. Gerade deshalb aber wirken seine Porträts menschlich, intim, natürlich und echt. Außerdem ist Corbijn kein distanzierter Beobachter wie viele andere Fotografen. Er gehört sozusagen zum Betrieb. ...mehr

06.06.2018

Martha Jungwirth hat den Oskar Kokoschka-Preis 2018 erhalten. Die Albertina in Wien widmet ihr aus diesem Anlass eine Retrospektive

Farbspektrum der Gefühle


Martha Jungwirth, Spittelauer Lände, 1993

Sie wird als die bekannteste unbekannte Künstlerin des Landes bezeichnet. Nun hat Martha Jungwirth, die große Einzelgängerin der österreichischen Kunstszene, ihre erste Personale in der Albertina. Die 1940 in Wien geborene Künstlerin teilt mit berühmten Kolleginnen wie Louise Bourgeois, Joan Mitchell oder Maria Lassnig das Los der späten Entdeckung. Dabei wurde sie bereits Ende der 1960er Jahre durch die Ausstellung „Wirklichkeiten“ in der Wiener Secession einer breiten Öffentlichkeit bekannt, in der ihre Arbeiten gemeinsam mit denen von Franz Ringel, Peter Pongratz, Wolfgang Herzig, Robert Zeppel-Sperl und Kurt Kocherscheidt gezeigt wurden. 1977 folgte eine Einladung zur Documenta 6. Danach wurde es für viele Jahre still um Martha Jungwirth. ...mehr

25.05.2018

Die Museumslandschaft Hessen-Kassel zeigt eine Ausstellung die Prachtentfaltung des Landgrafen Karl in und um Kassel

Barocker Prunk eines hessischen Sonnenkönigs


Bartholomeus Eggers, Standbild Landgraf Karl, 1686

Zwei stattliche Figuren bilden den Auftakt in der Rotunde des Kasseler Fridericianums. Bartholomeus Eggers schuf das Standbild des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel, einem bedeutenden Fürsten der Barockzeit. Ihm beigesellt ist der Abguss einer römischen Kopie des Herkules Farnese. Er steht kennzeichnend für Karls Politik der Stärke und Orientierung an Wunschbildern. Herkules’ besondere Rolle als Göttersohn, personifizierte Größe und Vollbringer von Heldentaten wird hoch über der Stadt Kassel besonders deutlich. Auf dem Karlsberggipfel steht als Point de vue einer gewaltigen Achse auf einem oktogonalen Schloss seit 1717 die über acht Meter hohe Kolossalstatue des Herkules. Das fast acht Tonnen schwere Konstrukt galt seinerzeit als größte freistehende Ganzmetallplastik weltweit, erst 1875 wurde sie vom Hermannsdenkmal bei Detmold und elf Jahre später von der New Yorker Statue of Liberty übertroffen. ...mehr

Mit der Ausstellung „Man Ray“ feiert das Kunstforum Wien jetzt den wohl experimentierfreudigsten Vordenker der Kunst des 20. Jahrhunderts

Lichtgestalt der Avantgarde


Man Ray, Violon d’Ingres, 1924

Emmanuel Radnitzky. Mit diesem eher etwas ungeschmeidigen Namen eine internationale künstlerische Karriere zu starten, wäre wohl nicht so leicht gewesen. Doch nimmt man ein paar Buchstaben weg und rückt die verbleibenden eng zusammen, so erhält man eine weitaus griffigere Kurzversion: Man Ray. Der 1890 in Philadelphia geborene Emmanuel Radnitzky entschloss sich bereits 1912 zu diesem Schritt, der durchaus einer Markenbildung gleichkam. Ein in der Rückschau geschickter Schachzug, dem allerdings noch viele andere richtungweisende Coups folgen sollten, mit denen er die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst bis in unsere Gegenwart hinein maßgeblich beeinflusste. ...mehr

Wie hat das Bauhaus das Werk von Paul Klee beeinflusst – dieser Frage geht die Pinakothek der Moderne in München in der großen Ausstellung „Konstruktion des Geheimnisses“ nach. Klees Affinität zur Musik thematisiert nur einen Steinwurf entfernt die Galerie Thomas

Ein Romantiker unter Rationalisten


Paul Klee, Wachstum der Nachtpflanzen, 1922

Für alle Abtrünnigen des übersteigerten Technikglaubens gab es am Bauhaus ein Schimpfwort: Romantiker. Paul Klee lehrte von 1920 bis 1930 an diesem Labor der Moderne, und wer seine Gemälde aus dieser Zeit in der bemerkenswerten Ausstellung „Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses“ betrachtet, die derzeit in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen ist, kommt zu dem Schluss, dass Klee sich gern beschimpfen ließ. Während Marianne Brandt aus Halbkugeln, Dreiecken und runden Scheiben Gefäße kreierte, suchte Klee in seinen Bildern weiterhin nach den kosmischen Zusammenhängen. Kalligrafische Gebilde fliegen in seinem 1928 entstandenen Gemälde „Erzengel“ über pastellfarbene Quadrate, die sich zu einem Stimmungsteppich zusammensetzen. Die subtile Rätselhaftigkeit verdrängt nicht die Faszination. Im Gegenteil: Klee hielt an seinem Grundthema fest, die Grenzen des Rationalen zu überschreiten und dem Unergründlichen eine künstlerische Form zu geben. Unerklärlich und zugleich visionär türmt er fast gleiche Formen übereinander, die am Grund so dunkel sind wie der Fond des Blattes und sich durch immer heller werdende Farben vor dem Auge des Betrachters in die Höhe erheben. „Wachstum der Nachtpflanzen“ nannte Klee 1922 diese Phantasie eines Naturphänomens. ...mehr

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