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Töchterchen Marion mit Katze, 1898 / Franz von Lenbach

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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Das Palais des Beaux-Arts veranstaltet in Brüssel eine umfangreiche Ausstellung zur verschlüsselten Kunst des belgischen Malers Michaël Borremans

Am Scheuen muss jeder vorbei


Der etwas schmuddelig aussehende, schlanke Mann mit dem jugendlichen Gesicht, wilden braunen Haar und Vollbart strahlt einen doch erstaunlich sympathischen Eindruck aus. Bei unterschiedlich hoch gekrempelter weißer Hose steht er barfuss da, trägt ein liebreizend anmutendes rosafarbenes Hemd und ein seidenes Halstuch, hat die rechte Hand waagerecht vorgestreckt und stützt sich auf einen Ast mit abgeschnittenen Zweigen. Worauf wartet er so schüchtern? Welche Rolle nimmt die Person ein? Im Habitus ein wenig unterwürfig, könnte er den Studenten eines Jugendcamps mimen, der auf eine Weisung wartet. Hoch aufrecht stehend blickt er über die Besucher hinweg, die derzeit die Schau zum Schaffen Michaël Borremans’ im Brüsseler Palais des Beaux-Arts betreten. Das hochrechteckige Bildnis ist gigantisch: Über dreieinhalb Meter hoch, fast zwei Meter breit. Hinter dem kolossalen Auftritt erschließen sich weitere Details. Ein schwarzer, unnatürlich nach links aus dem Bild schweifender Schattenwurf der rechten Hand steht ebenso für eine Bewegung wie das fiktive Spiegelbild des Stocks ohne Zweigansätze und in Schrägstellung. Zudem flankieren die Figur beidseitig gespensterhafte Schatten. ...mehr

Der französische Kunst- und Musikproduzent Arnaud Maguet hat im Kulturzentrum „La Friche Belle de Mai“ in Marseille eine Plattform der Möglichkeiten errichtet

Music not only for the masses


„C’est une illusion collective“ steht plakativ auf dem Werbebanner. Wie über einer amerikanischen Autobahnraststätte dreht er sich hoch oben unter dem Dach des „Juke Joint“, den der französische Künstler Arnaud Maguet in dem einem gigantischen Überseecontainer gleichenden Ausstellungsraum „Panorama“ des Kulturzentrums „La Friche Belle de Mai“ gebaut hat. Als „Juke Joint“ bezeichnet man eine einfache Holzhütte im Südosten der USA, ursprünglich eine Art Kneipe und Treffpunkt der Afroamerikaner zu Zeiten der Rassentrennung. Das „weiße“ Gegenstück ist als „Honky Tonk“ bekannt. Hier gab es, im Film und in der Wirklichkeit, Tanz und Alkohol, Glücksspiel und Prostitution. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde hier der Blues geboren. Maguets „Juke Joint“ allerdings stellt ein ziemlich großes Exemplar dar. Er bildet das Herz seiner Ausstellung „Le psychédélisme est-il mort ou vivant?“, die vom Kunstnetzwerk „Le Cartel“ im Rahmen des „Printemps de l’Art Contemporain“ in Marseille präsentiert wird. ...mehr

Große Wertschätzung für ein scheinbar aussterbendes Medium: Der Kunstverein in Hamburg würdigt das 16mm-Filmformat im Kontext zeitgenössischer Kunst mit einer Ausstellung, allabendlichen Filmvorführungen und Hintergrundgesprächen

Film, wie nur Film sein kann


Wer in den letzten Jahren aufmerksam durch Ausstellungen oder Biennalen gegangen ist, wird es bemerkt haben: Trotz immer hochauflösenderer Videobeamer und Super-Wide-Flat-Screens in flimmerfreier HDTV-Präzision neigen viele Künstler, die mit bewegten Bildern arbeiten, dazu, diese im klassischen Filmformat aufzunehmen und mit Hilfe laut ratternder und oft wartungsbedürftiger Projektoren aufzuführen. Was zunächst wie ein hoffnungslos nostalgischer Versuch wirkt, an einer alten, scheinbar überholten Technik festzuhalten, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als ganz bewusste ästhetische Entscheidung von Künstlern wie etwa William Kentridge, Douglas Gordon oder Simon Starling, die für den hohen Reflexionsgrad ihrer Arbeiten bekannt sind. Auch die in Berlin lebende Britin Tacita Dean etwa arbeitet ganz bewusst mit dem Medium Film. 2011 war in der Turbinenhalle der Londoner Tate Modern unter dem programmatischen Titel „FILM“ ihre beeindruckende Hommage an das aussterbende Medium zu sehen. „Ich bin in keinster Weise anti-digital eingestellt, aber ich liebe den Film“, sagt sie. „Die digitale Technologie verlässt sich voll und ganz auf die Nachbearbeitung. Es geht nicht mehr um den Augenblick, in dem etwas geschieht, und so bleibt eine gewisse Vitalität auf der Strecke.“ ...mehr

Eine „erhellende“ Ausstellung zeigt in Naumburg deutsche Positionen sakraler Glasmalerei aus den letzten 40 Jahren im engen Dialog mit der Architektur

Kraftvoll strahlende Bilder


Am Zugang der Vorhalle des Naumburger Domes steht ein Engel zum Empfang bereit. Die das Geistige verkörpernde Gestalt erscheint als lichte gläserne Raummodulation. Die für ihre experimentellen Leistungen bekannte Glaskünstlerin Hella Santarossa pointiert den Ort mit ihrer plastischen Assemblage „Engel“, einem von vier geplanten Fenstern für den Chorraum der romanischen Kirche in Wertlau bei Zerbst. Zwischen zwei auf Abstand gerahmten farblosen Glasscheiben hat sie lange vertikale und scheinbar willkürlich eingestreute Farbsplitter arrangiert. Trotz federleichter und spontaner Anmutung beruht das Ensemble auf streng komponierten Vorstudien. Mit zwei plastisch hervortretenden roten Flügeln tritt der Engel in dieser Glascollage als Lichtwesen in den Raum, schlank, elegant, abstrakt, umfangen von der prismatischen Brillanz des Glasbruchs. Santarossas Versuchen setzt der Wiesbadener Karl-Martin Hartmann eher Traditionelles gegenüber. Der Schüler von Johannes Schreiter an der Frankfurter Städelschule und studierte Biologe wurde mit feinen Kompositionen bekannt, die an mikro- und makrokosmische Strukturmodelle erinnern. Flächenbetont und unter – wenn auch reduziertem – Einsatz des Bleinetzes erforscht er auf eher klassische, aber eigene Weise feinsinnig Dimensionen des Ornaments. ...mehr

Bewegte Räume und Räume in Bewegung: Das Ausstellungsprojekt „Höhenrausch“ im österreichischen Linz lädt zum Kunsterlebnis hoch über den Dächern der Stadt ein

Up, up in the Sky


Kunst über den Dächern – Linz im Höhenrausch

Der Mensch strebt in die Höhe. Ob Wolkenkratzer, Gipfelstürmer oder die Landung auf dem Mond – Höhenrekorde gehören zum Fortschrittsdenken und sind Teil so mancher Zukunftsvision. Das bereits im vierten Jahr in Folge veranstaltete Ausstellungsprojekt „Höhenrausch“ im OÖ-Kulturquartier in Linz versammelt jetzt unter dem Thema „Bewegte Räume“ 26 Arbeiten von österreichischen und internationalen Künstlern und Künstlergruppen hoch über den Dächern von Linz. Gleich im Eingangsbereich des OK-Zentrums begegnet dem Besucher die Arbeit „Eyelids“ des Argentiniers Eduardo Basualdo. Zwei semitransparente weiße Vorhänge sind innen und außen an einer Fensterfront angebracht und bewegen sich im Luftzug. Ab und zu ermöglichen sie für einen kurzen Moment Durchblicke, fast so, als wenn sich ein Augenlid hebt. Der äußere Vorhang wird sich zudem durch Wind und Wetter im Lauf der Zeit verändern. ...mehr

Für seine neue Serie hat Thomas Ruff das Forschungszentrum Jülich mit seinen Riesenrechnern bemüht. Die Ergebnisse seiner Computerfotogramme sind nun erstmals im S.M.A.K in Gent zu sehen

Bildwelten der deutschen Supergehirne


Fotografie hat mit Licht zu tun, weshalb der Begriff „Lichtbild“ nicht von ungefähr entstanden ist. Dieses Wort hat allerdings schon so viel Staub angesetzt, wie beispielsweise das daraus abgeleitete „Lichtspielhaus“, das heute kaum jemand mehr mit Kino verbinden würde. So ist es doch ein wenig ungewöhnlich, dass das das Stedelijk Museum voor Actuele Kunst in Gent seine Schau über den Fotokünstler Thomas Ruff mit „Lichten“ überschrieben hat. Sowohl im Niederländischen als auch im Deutschen wird dieser Begriff unterschiedlich gebraucht. Erhellen, Helligkeit und Enthüllen sind nur einige Assoziationen. Denn es stellt sich schon die Frage, wie viel Licht Thomas Ruff für seine am Computer erstellten virtuellen Kunstbilder überhaupt noch braucht. ...mehr

Die Ausstellung „Von Liebermann bis Nolde“ im Hamburger Ernst Barlach Haus präsentiert Haupt- und Nebenfiguren des deutschen Impressionismus

Befreiende Experimente auf Papier


Max Liebermann, Monte Oliveto (Dächer in Florenz), 1902

„Der Impressionismus ist in Frankreich ein eigenständiger Stil“, sagt Ulrich Luckhardt, Kurator der Ausstellung „Von Liebermann bis Nolde. Impressionismus in Deutschland auf Papier“, im Hamburger Ernst Barlach Haus. „In Deutschland ist er es nicht. Es sind unterschiedliche künstlerische Standpunkte. Die Künstler in Deutschland wagen, sich vom Akademischen und dem Realismus zu lösen hin zu neuen Farb- und Formfindungen.“ Rund 150 Arbeiten überwiegend auf Papier von 13 Künstlern geben jetzt einen Überblick über das Aufkommen des Impressionismus in Deutschland im ausgehenden 19. Jahrhundert und seine weitere Entwicklung im frühen 20. Jahrhundert. ...mehr

Ob Kaiser Wilhelm, John Bull oder Uncle Sam: Der Erste Weltkrieg war nicht nur eine Material- sondern auch eine Propagandaschlacht nie gekannten Ausmaßes. Mit welchen teils archaischen, teils innovativen Mitteln die Massen gelenkt wurden, zeigt jetzt die Schau „Krieg und Propaganda 14/18“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

Ran an die Waffen!


Unsigniert, Boys. Come over here, 1915

Eine Kinovorstellung irgendwo in den USA im Jahr 1917. Die Ära des Tonfilms ist noch nicht angebrochen. Kino aber ist bereits „Big Business“. Viele Millionen Menschen strömen täglich in die Lichtspielhäuser. Doch bevor der Stummfilmpianist in die Tasten haut, hat in den Zeiten des Weltenbrandes erst noch ein anderer seinen Auftritt. Rund 75.000 sogenannte „Four Minute Men“ heizen der amerikanischen Öffentlichkeit gegen Ende des Ersten Weltkriegs vornehmlich in Kinos, aber auch in Theatern oder Kirchen ein, um Rekruten anzuheuern, die Zuhörer von der Notwendigkeit des Krieges zu überzeugen und für die Zeichnung von Kriegsanleihen zu werben. Vier Minuten nur, und alles muss gesagt sein. Prägnant, emotional und mitreißend. Hier wird sozusagen die moderne PR- und Werbekampagne geboren. ...mehr

Anlässlich der Vollendung des Aschaffenburger Schlosses Johannisburg vor genau 400 Jahren würdigt erstmals eine Ausstellung den ebendort tätigen Bildhauer Hans Juncker

Architektur und Plastik in vollendeter Symbiose


Hans Juncker, Johann Schweikard von Kronberg, 1614

Vom richtigen Blickwinkel aus mutet die Lage schon ein wenig märchenhaft an. Hoch über der Aschaffenburger Mainschleife, gestützt von einer 13 Meter emporragenden Mauer, thront unübersehbar einer der imposantesten Schlossbauten der europäischen Renaissance. Als Machdemonstration mit Fernwirkung konzipiert, entfaltet Schloss Johannisburg bis heute seinen Zauber. Das Wahrzeichen der Stadt gilt als Inbegriff einer ideal konzipierten Renaissanceresidenz im deutschen Sprachraum. Vor genau 400 Jahren nach Plänen des Straßburger Architekten Georg Ridinger vollendet, ist sie aufs engste verwachsen mit den bauplastischen Arbeiten des als schon früh als „Wunderkind“ klassifizierten Bildhauers Hans Juncker. Besonders ihm gilt eine Jubiläumsschau im Schloss, die mit neuen Forschungsergebnissen aufwartet. ...mehr

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