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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Theater steht ihm besser: In Hamburg präsentiert sich der geniale Regisseur und Bühnenbildner Robert Wilson jetzt als Videokünstler

Exerzitien der Langsamkeit


Wenn der amerikanische Regisseur, Bühnenbildner und Lichtdesigner Robert Wilson, Jahrgang 1941, irgendwo auf der Welt ein ständig willkommener Gast ist, dann bestimmt in Hamburg. Hier feierte er in den 1990er Jahren mit „Parsifal“ an der Staatsoper und „Black Rider, Alice und Time Rocker“ im Thalia Theater seine größten Bühnentriumphe, und hier hat er wohl auch die treueste Fangemeinde auf der ganzen Welt. Für ein bekanntes Designhotel schuf er eine spektakuläre Lichtinstallation im Atrium. Und selbst seinen 65. Geburtstag feierte der in Texas geborene und in New York lebende Wilson vor einigen Jahren in Hamburg. Jetzt ist Wilson an die Elbe zurückgekehrt. Allerdings nicht als Regisseur sondern – auch das ist eine seiner vielen Rollen – als bildender Künstler. In der Galerie der Gegenwart, vor allem aber in der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg, präsentiert Wilson jetzt insgesamt 45 Videoportraits von bekannten Schauspielern, Tänzern, Sportlern und anderen Berühmtheiten. Außerdem sind ein schwarzer Panther, eine Schneeeule und ein Stinktier zu sehen. ...mehr

Erstmals würdigt eine Ausstellung im Duisburger Lehmbruckmuseum kompakt wie vielseitig das bedeutsame Werk von Georges Vantongerloo

Vorstöße ins Universelle


Zu den Eigentümlichkeiten des Zeitflusses gehört punktuelles Erinnern an bezeichnende Ausprägungen. Oft verliert sich dabei der Blick auf die Gesamtheit. Infolgedessen geraten Beiträge einst markanter Persönlichkeiten rasch in den Hintergrund, weil sie zahlenmäßig klein, breit aufgefächert oder allzu visionär erscheinen. Georges Vantongerloo gehört zu jenem Kreis von Männern, denen ein solches Schicksal in der Kunstgeschichte beschieden ist. Was verbirgt sich hinter dem 1886 in Antwerpen geborenen und 1965 in Paris verstorbenen Flamen? In der Tat lässt sein gerade einmal 284 Katalognummern umfassendes Œuvre zunächst auf ein sehr beschränktes Schaffen schließen. Keine einzige Werkgruppe wird in einem der führenden Museen bewahrt. Nur singuläre, wenn auch erstrangige Arbeiten können präsentiert werden. Weit über einhundert Stücke befinden sich allein im Eigentum der Erben seines Freundes Max Bill. ...mehr

Bonner Bundeskunsthalle zeigt Markus Lüpertz in Hülle und Fülle

Bockbeinige Motivmalerei


„Retrospektive oder Bilanz, das sind eher museale, kuratorische Begriffe. Ich schaue nicht zurück“. Als Abschiedsvorstellung will Markus Lüpertz seine bislang umfangreichste Einzelausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland keinesfalls verstanden wissen. Zum Ende seines über zwanzig Jahre währenden Rektorats an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf in diesem Sommer, das partiell einer pompösen Selbstinszenierung glich, scheint der Zeitpunkt für die 180 Exponate umfassenden Schau gerade recht. Dem Rheinland kehrt er den Rücken. In Potsdam wird er ab nächstes Jahr eine private Malerakademie betreiben. ...mehr

Surrealismus an der Moldau: Die Ausstellung „Gegen jede Vernunft“ in Ludwigshafen zeigt, dass es neben Paris auch in Prag eine überaus aktive Surrealisten-Gruppe gab

Die magische Hauptstadt Europas


Als der amerikanische Stararchitekt Daniel Libeskind am 11. Mai 2004, dem 100. Geburtstag des spanischen Surrealisten Salvador Dalí, stolz der Presse verkündete, er werde mitten in Prag ein fünfzig Meter hohes Dalí-Museum errichten, da schlugen ihm Wellen des Protestes entgegen. Viel zu groß und ohne jeden Respekt vor der historischen Prager Altstadt sei der futuristische Bau. Ein Fremdkörper im Baugefüge der tschechischen Hauptstadt. Sieben Monate später waren die Pläne vom Tisch, die Investoren abgesprungen. Der anonyme deutsche Sammler, aus dessen umfangreichen Dalí-Beständen das Haus bestückt werden sollte, kam an der Moldau nicht zum Zuge. ...mehr

Florenz an den Main verlegt: Die Botticelli-Ausstellung im Frankfurter Städelmuseum ehrt den Großmeister der Renaissance mit hochkarätigen Leihgaben aus der ganzen Welt

Schöne Nymphen und mächtige Männer


Sandro Botticelli, Weibliches Idealbildnis (Bildnis der Simonetta Vespucci als Nymphe)

Ihre Haut ist von vornehmer Blässe, das Gesicht makellos geformt, die Lippen wohl proportioniert und von intensiver Röte. Die dunkelblonden, fein gewellten Haare trägt sie teils offen, teils zu strengen Zöpfen gebändigt. Perlen, zarte Goldreifen, eine Gold gefasste Kamee sowie ein Kopfschmuck aus Edelstein und Federn umschmeicheln ihr Antlitz. Sie kennzeichnen die junge Frau auf Sandro Botticellis Bildnis als Tochter aus einer einflussreichen Florentiner Familie. Mit aller Vorsicht bezeichnet das Frankfurter Städel Museum eines seiner populären Hauptwerke als „Weibliches Idealbildnis“. In der kunsthistorischen Forschung allerdings geht man mittlerweile davon aus, dass es sich bei der Dargestellten mit großer Wahrscheinlichkeit um Simonetta Vespucci, die geliebte Turnierdame des Giuliano de’ Medici, handeln könnte. ...mehr

Paderborn widmet Willy Lucas eine große Ausstellung. In mehreren Häusern sind derzeit Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen des westfälischen Spätimpressionisten zu sehen

Weltenbummler


Willy Lucas, Seine-Ufer mit Blick auf den Louvre, 1913

Gleich drei Häuser widmen sich dem Werk eines Künstlers, der seine letzte etwas größere Ausstellung zum hundertsten Geburtstag 1984 hatte und dessen Name selbst Kenner nur selten zu hören bekommen. Nun aber wird Willy Lucas 125 Jahre alt, und die Städtischen Museen und Galerien Paderborn richten ihm zu diesem Anlass im Haus Am Abdinghof, im Museum für Stadtgeschichte und in der Reithalle Schloss Neuhaus eine umfassende Retrospektive aus, die von den geschätzten rund sechshundert Gemälden des Meisters immerhin mehr als ein Drittel der Öffentlichkeit präsentiert. In drei Teile hat das Team um Museumsdirektorin Andrea Wandschneider die Ausstellung gegliedert: Frühwerk und Landschaften, Ansichten von seiner Heimat in und um Paderborn sowie Reisebilder, die vor allem während der rastlosen Wanderschaften der letzten Jahre des Künstlers entstanden. Seiner von Beginn an zarten Gesundheit wegen vom Kriegsdienst freigestellt, lebte Lucas seit 1916 ohne festen Wohnsitz fast nur aus dem Koffer heraus. Zwei Jahre später bereits, im Alter von nur 34 Jahren, starb er in Garmisch-Partenkirchen an Tuberkulose und vermutlich auch Kehlkopfkrebs. ...mehr

Von wegen alles so schön bunt hier. Hinter den oft übertrieben farbigen Skulpturen der Düsseldorfer Bildhauerin Katharina Fritsch lauern bodenlose Abgründe – zu besichtigen in den Hamburger Deichtorhallen

Nahe am Abgrund gebaut


Ein etwas ungewöhnliches Empfangskomitee wartet bereits am Eingang. Betritt man die Ausstellung der Düsseldorfer Bildhauerin Katharina Fritsch, 53, in den Hamburger Deichtorhallen, so wird man von der bunt zusammengewürfelten Arbeit „Figurengruppe“ der Jahre 2006 bis 2008 empfangen. Eng beieinander stehen da mächtige Standbilder der heiligen Katharina und des heiligen Nikolaus, außerdem eine Madonna und ein glatzköpfiger Riese mit Keule. Auf weißen Sockeln befinden sich ein weiblicher Torso, eine Vase und ein Paar Skelettfüße. Am Boden windet sich eine schwarze Schlange. Die Heiligen haben teils poppige Farben, die anderen Skulpturen kommen in klassisch-neutralem Weiß daher. Solchermaßen eingestimmt, darf sich der Ausstellungsbesucher auf einen Parcours begeben, der ihn durch die durchaus ambivalente Skulpturenwelt der Katharina Fritsch führen wird. ...mehr

László Moholy-Nagy – immer wieder eine Entdeckung! Diesmal in der Frankfurter Schirn

Wandler zwischen den Medien


Man muss das nicht Alles verstehen. „Nebenstehend eine Partitur-Skizze zu einer mechanischen Exzentrik, wie ich sie schon heute für verwirklichbar halte. ... I. Bühne. Die II. Bühne (oben) mit aufklappbarer Glasplatte für kleinere Formen und Bewegungen. (Die Glasplatte ist zugleich präparierte Projektionswand für von der Rückseite der Bühne kommende Filmvorführungen.) Auf der III. (Zwischen-) Bühne mechanische Musikapparate; meist ohne Resonanzkasten, nur mit Schalltrichter (Schlag- Geräusch- und Blas-Instrumente). ... Die 1. und 2. Kolonne der Partitur bedeuten in senkrecht abwärtsgehender Kontinuität Form- und Bewegungsvorgänge. Die 3. Kolonne zeigt“ etc. etc. Die dazugehörige Skizze zeigt eine Reihe von Linien, Balken und technoid anmutenden Figuren, die sich zu einem dichten Gespinst und Spiel von Form und Farben verflechten. Man weiß nicht so recht, ob man den dazu gehörigen Text, den der Erfinder bereits 1923, ein oder zwei Jahre vor seiner zeichnerischen Illustration, veröffentlicht hat, ganz ernst nehmen soll. Man weiß ohnehin nicht, ob man diesen Künstler und sein Werk immer so ganz ernst nehmen soll. Doch über alle Zweifel erhaben ist dieser Experimentier, dieser Neuerer der modernen Kunst, dieser Streiter für eine Synthese von Mensch und Technik unbedingt: László Moholy-Nagy. ...mehr

Goldgrund, Pomp und Emotionen: Die Ausstellung „Zwischen Himmel und Hölle“ im Bucerius Kunst Forum präsentiert eine geballte Ladung mittelalterlicher Frömmigkeit – und das mitten im protestantisch unterkühlten Hamburg

Bilder als Glaubensangelegenheit


Meister des Hausbuchs, Kalvarienberg, tätig um 1470/1505

Seit zehn Jahren gab es in Hamburg keine Ausstellung mehr zur Kunst des Mittelalters. Andachtsbilder, aus Holz geschnitzte Gekreuzigte, Darstellungen der schützenden Maria mit dem Kinde – geht das überhaupt im protestantisch geprägten Norden? Im Bucerius Kunst Forum gibt es jetzt eine geballte Ladung hochkarätiger Kunst aus dem Mittelalter zu Bestaunen. Die neue Ausstellung des Kunsthauses der ZEIT-Stiftung direkt am Hamburger Rathausmarkt trägt den Titel „Zwischen Himmel und Hölle. Die Kunst des Mittelalters von der Gotik bis Baldung Grien“. Sie wird fast ausschließlich mit Leihgaben aus dem Augustinermuseum in Freiburg bestückt. Dieses befindet sich gerade im Umbau. Eine gute Gelegenheit also, die Highlights der Sammlung, die die christliche Kunst vor 1500 aus dem Kulturraum des Oberrheins, also von Straßburg und Colmar über Freiburg und Basel bis in die Bodenseeregion umfasst, in Hamburg zu präsentieren. Vorher wurden die Gemälde, Skulpturen und Reliefs sorgsam restauriert und von einer dicken Schicht aus Ruß, Weihrauch und Staub befreit. ...mehr

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