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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Die vierte Biennale der Zeichnung in Eislingen

Was anderwärts wenig beachtet wird


„Wir können alles außer Hochdeutsch.“ Mit dieser Werbung spricht das Land Baden-Württemberg humorvoll über seine Vorzüge im Fernsehen. Eislingen, unweit von Göppingen gelegen, ist nicht unbedingt der Ort, in dem man im Schwäbischen Urlaub machen möchte. Trotzdem oder gerade deshalb haben sich mittlerweile 160 rege Bürger zusammengetan, um einen Kunstverein zu stützen und zu unterstützen, der durch das sichere Kunstgefühl seines Vorsitzenden Paul Kottmann Großes nach Eislingen bringt. Paul Kottmann ist Produktdesigner und Designer. Mit seinem ortsansässigen Betrieb erstellt er neben großartigen Plakaten auch hervorragend gestaltete und gedruckte Kataloge und das zum schon zum vierten Mal. Denn 2004 gründete Kottmann die Biennale der Zeichnung in Eislingen. Seither ist diese Biennale ein Geheimtipp unter Insidern, und das sollte schnellstmöglich über den Insider hinausgehen. Jede Auflage hat Kottmann mit einem Thema versehen. Die erste Biennale trug den programmatischen Titel „Zeichnung entdecken“, 2006 stand die menschliche Figur im Zentrum und bei der dritten Biennale stellte man sich dem Thema Abstraktion mit der Frage: „Was ist hier zu sehen?“ ...mehr

Bilder aus Absurdistan: Der Kölner Maler Andreas Schulze präsentiert in der Hamburger Sammlung Falckenberg eine menschenleere Welt voller paradoxer Bildideen

Im Reich der Dinge


Vor grauem Hintergrund steht eine weiß gedeckte Tafel: Darauf und davor sind diverse Designobjekte wie Lampen, Stühle, ein Kehrset, ein bemalter Porzellanteller, eine blaugelb gestreifte Krawatte platziert. Auf den ersten Blick identifizierbar ist der Hocker „Mezzadro“ der italienischen Brüder Piero und Achille Castiglioni. Der 1957 entworfene, rot lackierte Traktorsitz auf geschwungenem Fuß gilt als Designklassiker des 20. Jahrhunderts. „Ich kaufe nichts“ ist das 2004 entstandene Gemälde des Kölner Malers Andreas Schulze, 54, betitelt. Offenbar eine ironisch gemeinte Anspielung auf die durchaus spürbare Faszination des Künstlers für gut gestaltete Wohnaccessoires und andere Designobjekte. Allein seine Sammlung von rund 30 Tortenplatten mit geometrischem Spritzdekor der Bauhaus-Zeit füllt in der Ausstellung eine ganze Wand. ...mehr

Posen, Gesten, Selbstinszenierungen: Der Berliner Foto- und Videokünstler Tobias Zielony begibt sich mit seiner Kamera in die Reservate jugendlicher Subkulturen. Jetzt sind seine Bilder im Hamburger Kunstverein zu sehen

Wenn es Nacht wird in Neapel


Der amerikanische Traum sieht anders aus: Trona, eine Kleinstadt in der kalifornischen Wüste, hat schon bessere Zeiten gesehen. Damals, als die Chemiefabrik, der wichtigste Arbeitgeber am Ort, noch nicht geschlossen war. Früher, als noch Autos und Lastwagen durch den Ort fuhren und die bescheidenen Häuser wenigstens ein bisschen was wert waren. Heute wirkt Trona so, als wären alle aus der Stadt geflüchtet. Häuser stehen leer, verrostende Autowracks beherrschen das Straßenbild. Als der Berliner Künstler Tobias Zielony, geboren 1973 in Wuppertal, hier vor zwei Jahren mit der Kamera unterwegs war, traf er vorwiegend auf Jugendliche aus der weißen amerikanischen Unterschicht, die ihre Langeweile mit Herumstreunen, BMX-Radfahren oder dem Konsum der Billigdroge Crystal zu betäuben versuchten. Tristesse unter der Sonne Kaliforniens. ...mehr

Herford zeigt europäisches Spätwerk des Architekten Richard Neutra

Leben im Einklang mit der Natur


Auf dem eigenen Kontinent gilt der Prophet wenig. Im fernen Kalifornien dagegen sind Häuser von Richard Neutra überaus teuer und werden wie Kunstwerke gehandelt. Im Mai 2008 endete bei Christie’s das Bietgefecht für das in Palm Springs gelegene Haus Kaufmann bei knapp 17 Millionen US-Dollar. Hierzulande haben Neutras Bauten schwer; entstellende Veränderungen zeugen von wenig Verständnis. In der Tat: Der Epoche machende Architekt verpflanzte eine großzügige, auf vermögende Klientel zugeschnittene und für endlose Landschaften in heißem Klima konzipierte architektonische Haltung in ein völlig andersartiges europäisches Umfeld. Kritik, Unverständnis und bauliche Probleme blieben somit nicht aus. Erfreulich anzusehen bleibt die Intention, die außerordentlichen Leistungen des lange in den Hintergrund gerutschten Baumeisters langsam wieder ins Bewusstsein zu rücken. Eine Ausstellung des Museums Marta in Herford widmet sich derzeit dem europäischen Spätwerk Neutras zwischen 1960 und 1970. Doch um es zu verstehen, muss man einen Blick auf die Jahrzehnte davor werfen. ...mehr

Alex Katz hat der Albertina im vergangenen Jahr sein gesamtes druckgrafisches Werk übereignet. Das nimmt das Wiener Museum nun zum Anlass, daraus eine umfangreiche Schau zusammenzustellen

Virtuose der Fläche


Großformatige, farbintensive Gemälde, Distanz, Sachlichkeit, kontrollierte Emotionalität, strenger Realismus und kühle Eleganz als Spiegelbild einer schicken, coolen Welt – das sind in der Regel die spontanen Vorstellungen, die die meisten Kunstinteressierten mit dem Namen des amerikanischen Malers Alex Katz verbinden. Seine Bilder sind einprägsam: die formal vereinfachten, plakativ wirkenden, smarten Portraits von Familienmitgliedern, von seinen Freunden aus der New Yorker Intellektuellen- und Kunstszene und der gut situierten Freizeitgesellschaft auf Cocktailparties und am Strand bleiben in Erinnerung. Kein Zweifel, der 1927 in Brooklyn, New York, geborene Künstler zählt zu den bekanntesten figurativen Malern unserer Zeit. Weniger geläufig im Vergleich zu den farbig strahlenden Gemälden ist ein anderer Teil seines Œuvres: die Zeichnungen, Druckgrafiken und „Cutouts“. ...mehr

Eine Ausstellung in Hamm beleuchtet die Geschichte der Zeche Sachsen und ihres Architekten Alfred Fischer

Gleichklang von Form und Funktion


Alfred Fischer, Kesselhaus, 1913-1914

Viel ist nicht mehr geblieben von der einstigen Pracht einer optimistischen Wirtschaftskultur. Wie für so viele große Kohlebergwerke kam auch für die Zeche Sachsen in Hamm-Heesen während der 1970er Jahre der große Einbruch. Noch 1963, knapp fünfzig Jahre, nachdem hier die erste Kohle das Tageslicht erblickt hatte, erreichte der Großbetrieb seine höchste Förderungsleistung. Keine 15 Jahre später aber war Schluss: 1976 wird die Zeche Sachsen stillgelegt, die Schächte werden verfüllt, und innerhalb kürzester Zeit verschwinden fast sämtliche Bauten, die das Gesicht einer ganzen Landschaft geprägt hatten. Einzig die Maschinenhalle überlebte die radikale Demontage, ragt aus dem Gelände hervor, das heute als Öko-Zentrum firmiert, und dient, seit gut zwanzig Jahren unter Denkmalschutz stehend, als Mehrzweckhalle für Großveranstaltungen und Konzerte. Sie allein zeugt von dem hohen Anspruch, den der Architekt Alfred Fischer den riesigen Anlagen einst verliehen hatte, und erinnert an eine Kultur, die unter Stichworten wie Zeche Zollverein in Essen oder Völklinger Hütte erst seit wenigen Jahren einen festen Platz in Denkmalpolitik und Öffentlichkeitswahrnehmung einnimmt. ...mehr

Abkehr von Mitte: Die 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst beendet den Mitte-Hype und entdeckt Kreuzberg als Experimentierfeld für die Erkundung der Wirklichkeit. Im Versuch, um jeden Preis politisch korrekt zu sein, kommt sie jedoch spröde und belehrend daher

Zaungäste des Lebens


Berlin. Oranienplatz 17. Ein ehemaliges Kaufhaus, wie es zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele gab in Berlin. Ecklage mitten im multikulturellen Stadtteil Kreuzberg. Seit Jahren sind die Fenster im Untergeschoss von dicken Plakatschichten überzogen. Die einst prächtige Gewerbeimmobilie stand leer. Mit der 6. Berlin Biennale ist hier jetzt für zwei Monate neues Leben eingekehrt. Kuratorin Kathrin Rhomberg nutzt das weitgehend unrenovierte Gebäude als Hauptaustragungsort einer Berlin Biennale, die erstmals seit ihrer Gründung 1998 den Nachwendehype um den Stadtteil Mitte hinter sich lässt und sich neue Quartiere im ehemaligen Westen der Stadt erobert. ...mehr

Die Hamburger Kunsthalle leistet mit der wissenschaftlich fundierten Ausstellung „Der Jesus-Skandal“ rund um ein Gemälde Max Liebermanns wichtige Aufklärungsarbeit in Sachen Schmähkritik und Antisemitismus

Ein Bild sorgt für Empörung


Max Liebermann, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1879

Es gibt nur einige wenige Bilder der Kunstgeschichte, die solchen Hasstiraden ausgesetzt waren wie dieses: Der jüdische Maler Max Liebermann malte im Jahre 1879 nach einigen Vorstudien in Amsterdam das Bild „Der zwölfjährige Jesus im Tempel“. Der für seinen prägnanten Realismus und seine Vorliebe für soziale und alltägliche Genrebilder bekannte Maler widmete sich hier ausnahmsweise einmal einem klassisch religiösen Thema. Die Szene mit dem kindlichen Jesus, der nach dem Pessachfest ohne seine Eltern in Jerusalem zurückblieb und im Tempel mit den Schriftgelehrten diskutierte, wurde bereits von Dürer und Rembrandt dargestellt. Max Liebermanns Gemälde jedoch löste bei seiner öffentlichen Präsentation auf der Zweiten Internationalen Kunstausstellung im Münchner Glaspalast 1879 einen handfesten Skandal aus. ...mehr

Die Ausstellung „Klimakapseln“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe appelliert an unser ohnehin schon permanent schlechtes Gewissen gegenüber der Umwelt. Dennoch bleibt sie dabei sinnlich, lustvoll und spaßbetont

Stilvoll in die Katastrophe


Oasen finden sich manchmal auch mitten in der Stadt. Zur Zeit schwebt die „Oase Nr. 7“ vor der klassizistischen Fassade des Museums für Kunst und Gewerbe (MKG) in Hamburg. Von einem Ausstellungssaal im zweiten Stock aus können Besucher, nachdem sie eine Druckluftschleuse passiert haben, die ballonartige Kapsel der österreichischen Architekten- und Künstlergruppe „Haus-Rucker-Co“ betreten und in einer Hängematte zwischen zwei Palmen verweilen. In diesem futuristischen Gebilde, das, als wäre es dort immer schon gewesen, über dem urbanen Stadtraum direkt neben dem Hauptbahnhof schwebt, können sehnsüchtige Gedanken kommen. Vielleicht aber auch eher politische. Professor Günter Zamp Kelp von „Haus-Rucker-Co“ hat diesen fiktiven Notausgang, der erstmals 1972 während der Documenta 5 am Museum Fridericianum in Kassel gezeigt wurde, mitentworfen. Er wünscht sich jedenfalls eher kritische als fernwehbeseelte Besucher: „Die sollen sich mit der Realität auseinandersetzen und nicht davor fliehen“, sagt er. ...mehr

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