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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Kolumba, das Kunstmuseum des Erzbistums Köln, hat eine neue Jahresausstellung eingerichtet

Auf Abstand bedachte Begegnungen


Jannis Kounellis, Tragedia Civile, 1975

Jedes Jahr gibt es hier ein neues Museum. Kolumba, jene moderne Burg, erwachsen aus den Trümmern der Kölner Kolumbakirche, bietet keine spektakulären Wechselschauen. Statt in eine Museumsmaschinerie voller imposanter Events taucht der Besucher in eine inspirierende Atmosphäre der Konzentration. Immer zum 14. September, dem Fest der Kreuzerhöhung, präsentiert sich das Haus mit einer frisch eingerichteten Dauerausstellung. Manches bleibt unverändert, alles Weitere, ausschließlich aus dem eigenen Fundus ausgewählt, bewegt sich in engem Austausch zum Bestehenden vor dem Hintergrund der kraftvollen Architektursprache. Heuer lohnt es sich besonders, die schmalen Treppenstiege in die höchste Raumeinheit, den Südturm, emporzuklimmen. Erst vor wenigen Monaten gelangte ein erlesenes Stück in die Sammlung, das idealer nicht hätte platziert werden können als hier: das Heilig-Geist-Retabel aus Nürnberg. Der kostbare Altar wurde kurz vor 1449 als Auftragsarbeit für die Kirche des Nürnberger Heilig-Geist-Spitals angefertigt und thematisiert die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel zu Pfingsten. Während die flankierenden Seitenflügel Hoffungsmotive der Erlösung des Menschen vom Tod zeigen wie Verkündigung, Geburt und Auferstehung Christi sowie Marientod, ist das Mittelfeld verwaist. Vor der vakanten Mitte stand das Altarkreuz, davor versammelte sich die Gemeinde. Der Körper des Gekreuzigten fehlt – das Grab war leer. ...mehr

Werk und Vita eng verzahnt: Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg stellt Marc Chagall als Maler seines eigenen Lebens vor. Die umfangreichen Bestände des Jerusalemer Israel Museums bilden das Rückgrat der Ausstellung

Maler der Erinnerungen


Ein bärtiger Mann mittleren Alters schwebt über der Stadt. Er trägt eine Mütze und einen langen schwarzen Mantel. In der einen Hand hält er einen Wanderstab. Mit der anderen sichert er den großen dunklen Sack, den er geschultert hat. Die Straßen sind verschneit. Ein Liebespaar klammert sich eng aneinander. Auf den ersten Blick wirkt Marc Chagalls undatiertes Gemälde „Über Witebsk“ wie ein winterliches Idyll, in dem das Gesetz der Schwerkraft ausgedient hat und die Menschen heiteren Tätigkeiten nachgehen. Entstanden ist das Gemälde wohl um 1914 in Witebsk, der Heimatstadt des Künstlers. ...mehr

Das Museum Folkwang in Essen widmet sich in einer fulminanten Bilderschau dem Stadtausbau von Paris vor 150 Jahren

Künstlerische Reflexionen einer Metropole


Edouard Manet, Le chemin de fer, 1873

In der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts gehört Paris zu den aufregendsten Städten Europas. Ein Quantensprung vollzieht sich im Stadtbild. Napoleon III. verschafft der Stadt an der Seine ein völlig neues Gesicht, sie wird zur größten Baustelle Europas. Noch 1848 eine kompakte Masse aus winzigen Gässchen auf kleiner Fläche, finster, schmutzig, steil, überführt er die Siedlung zur Metropole: Ohne öffentliche Diskussionen und Ausschreibungen, per Dekret werden die Bauarbeiten ab 1851 vorangetrieben. Ein monumentales Stadtbild mit Achsen, Boulevards, Plätzen, Brunnen, Brücken, Bahnhöfen, Wohn- und Verwaltungspalästen mit vereinheitlichten Fronten sowie gigantischen Einzelbauten, etwa die Oper oder der Eiffelturm, setzt der Präfekt des Kaisers, Georges-Eugène Haussmann, effektvoll in Szene. ...mehr

Alles so schön bunt hier: Die Hamburger Deichtorhallen entdecken das Werk des dänischen Künstlers Poul Gernes und widmen ihm eine mit 350 Werken geradezu überbordende Retrospektive

Wonderful, wonderful Copenhagen


in der Ausstellung „Poul Gernes – Retrospektive“

Lange Zeit gehörte das Werk des dänischen Avantgardekünstlers Poul Gernes zu einem der bestgehüteten Geheimnisse des internationalen Kunstbetriebs. Der 1925 in Kopenhagen geborene und 1996 in seinem schwedischen Haus gestorbene Künstler war außerhalb seines Landes einem breiteren Publikum kaum bekannt. In Künstlerkreisen hatte es sich jedoch herumgesprochen, dass es da oben im kleinen Dänemark das Werk eines ungewöhnlichen und äußerst produktiven Künstlers zu entdecken gab. Mit der weltweit ersten großen Retrospektive, die die Hamburger Deichtorhallen Poul Gernes jetzt ausrichten, dürfte sein Bekanntheitsgrad enorm steigen, und aufmerksame Kenner der Gegenwartskunst werden wohl so manche Parallele zwischen dem, was Gernes vor mehr als 40 Jahren vorgedacht hat, und den Produkten zeitgenössischer Künstler entdecken. Ob Punktebilder wie bei Damien Hirst, patchworkartig vernähte oder batikartig bedruckte Stoffe wie bei Tal R und Sergej Jensen, die farbige Ausgestaltung ganzer Foyers oder Gebäude mit Pastellfarben wie etwa bei dem Briten Liam Gillick, dem Amerikaner Jorge Pardo oder dem Deutschen Tobias Rehberger – das Werk von Poul Gernes hat offenbar vielen bekannten Künstlern als Inspirationsquelle und Ideensteinbruch für eigene Arbeiten gedient. ...mehr

Von wegen expressionistische Impulsivität: Die Ausstellung „Kirchner“ in der Hamburger Kunsthalle zeigt den Brücke-Maler als zerrissenes Individuum und vor allem als präzise planenden Meister des Bildarrangements

An sich und der Welt leidend


Ernst Ludwig Kirchner - Werbemotiv zur Ausstellung

Allein das Plakat ist ein Hingucker: Für die Ausstellung „Kirchner“ wirbt die Hamburger Kunsthalle mit dem Schwarz-Weiß-Selbstporträt des 1880 geborenen Künstlers, darauf ein Stempel: „EL Kirchner“. Ein steckbrieflich gesuchter Verbrecher, ein Mafioso, ein Vermisster? Fest steht, dass sich die Hamburger Kunsthalle mit dieser sorgsam zusammengestellten Einzelausstellung einem Künstler widmet, dessen Ausnahmetalent sich mit nervlicher Instabilität und immer wiederkehrenden Schüben von Ängstlichkeit gegenüber den Anforderungen des realen Lebens mischt. Sensibel, begabt und individualistisch – Kirchner, der seine zweite Lebenshälfte auf Anraten seines Arztes in der Abgeschiedenheit der Schweizer Bergwelt in Davos verlebte, war eine fast schon klischeehaft typische Künstlerpersönlichkeit. ...mehr

Im Rahmen der Quadriennale 2010 zeigt das Düsseldorfer Museum Kunst Palast die erste Retrospektive nach dem Tod von Nam June Paik im Jahr 2006

Neue Medien für die Kunst


Es flimmert wie in im Media Markt. 52 Farbfernsehgeräte sind mal schmal-, mal längsseitig im Foyer des Düsseldorfer Museums Kunst Palast aufeinander getürmt. Doch sie stehen nicht zum Verkauf. Niemand würde heute noch bei Röhrenfernsehgeräten zugreifen. „The Internet Dream“, geschaffen 1994 von Nam June Paik, ist längst keine bizarre Illusion mehr. Kritisch wird das vorgeahnt, was auf uns zugekommen ist. Neue Kommunikationsmedien haben längst die Kunst erobert. Einer ihrer Pioniere ist eben Nam June Paik. Schon in den 1960er Jahren brachte er mit seiner Arbeit neben neuen Techniken soziale Aspekte, demokratische Prozesse, verringerte Diskrepanzen zwischen Schöpfer, Kritiker und Publikum in die Kunst ein und verschmolz es zu einem spartenübergreifenden Crossover zwischen Regionalem und Globalem. ...mehr

Der Würzburger Kulturspeicher widmet dem wenig bekannten Werk des belgischen Künstlers Georges Vantongerloo eine Einzelausstellung

Visionärer Formfinder


Es gibt sie noch, die Künstler der Moderne, die weiterhin Raum für Entdeckungen bieten. Einer von ihnen ist Georges Vantongerloo (1886-1965): wichtiger Neuerer der Kunst des 20sten Jahrhunderts, Protagonist des Konstruktivismus und Wegbereiter der konkreten und minimalistischen Kunst, aber bis heute in seiner Bedeutung nur wenig gewürdigt. Unglaublich vielseitig präsentiert sich der große belgische Unbekannte, der neben der Bildhauerei und Malerei, auch Entwürfe für Architekturen, Möbel und Kaffeekannen anfertigte. Er experimentierte mit verschiedenen Medien und Materialien, machte sich Gedanken über Lichtbrechung, Geschwindigkeit, Sichtbarkeit und Wahrnehmung. Sein Schaffen umspannte den gesamten Kosmos, immer wieder begleitet durch philosophische, gesellschaftspolitische und wissenschaftliche Überlegungen. Fragestellungen nach der Beziehung von Form und Raum und der Allheit der Dinge ziehen sich wie eine Konstante durch sein Œuvre. Ausgehend von der Abstraktion der menschlichen Figur gelangte er so recht früh zum universellen Raum. ...mehr

Das Museum Moderner Kunst in Wien untersucht die Entwicklung der Malerei seit den 1950er Jahren

Zwischen Prozess und Expansion


Um 1960 kam auf beiden Seiten des Atlantiks Kritik an den Abstraktionen der Malerei auf. Unter Berufung auf einen neuen Wirklichkeitsbegriff machten auf einmal nie dagewesene Bildobjekte mit Realitäts- und Raumbezügen von sich Reden. Sie zeugten von einer Krise traditioneller Malerei- und Bildvorstellungen und vom Versuch ihrer Überwindung. Überkommene Auffassungen von Werk und Autorschaft sowie die gängigen musealen und kunstbetrieblichen Präsentationsformen wurden in Frage gestellt und neu verhandelt. Eine groß angelegte Ausstellung im Wiener Museum Moderner Kunst bringt mit einem beeindruckenden Überblick über fünf Jahrzehnte auf der Basis der eigenen Sammlung die Wirren dieser Umbruchszeit in Erinnerung und verfolgt, ausgehend von bereits historischen Positionen, zwei zentrale Aspekte der Entwicklung abstrakter Nachkriegsmalerei bis in die Gegenwart: Malerei als prozessuales, selbstreflexives Medium sowie die mit der Auflösung des Bildes einhergehende Expansion der Malerei in objekthafte und räumliche Bezüge. ...mehr

Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal widmet dem Individualisten Pierre Bonnard eine große Einzelausstellung

Fragwürdige Glücksboten


Es gibt einige Maler, die mit dem Impressionismus groß wurden und aus dieser Bewegung heraus eigene Wege beschritten. Georges Seurat und Paul Signac bedienten sich des Neoimpressionismus und Pointillismus, Paul Gauguin flächiger, ausgeprägt konturierter Farbaufträge, Vincent van Gogh steigerte Farb- und Flächenwirkungen aufs Äußerste, Paul Cézanne strebte abgestimmte Farbwerte in gegliederten Bildsystemen an, Henri de Toulouse-Lautrec führte die Farblithografie zu höchster Vollendung. Selbst unter Liebhabern dieser Epoche gilt Pierre Bonnard noch immer als Geheimtipp. Unspektakulär, ja sensationslos scheinen seine verständlichen Sujets von Frauen und Kindern, Straßenszenen, Stränden, vor allem blühenden Gärten und Sommerlandschaften zu sein. Seine Schöpfungen einer vermeintlich anmutigen, zutraulichen, sinnlichen Welt und insbesondere die Ausblicke in die Natur wirken heute wie Balsam für die Seelen einer rasanten Zeit. Größere Ausstellungen seiner Bilder sind in Deutschland selten. 1993 wurde sein Werk in der Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalens und im Folgejahr in der Hypo-Kunsthalle München zuletzt ausgestellt. Nach der großen Monet-Schau des Vorjahres lässt das Wuppertaler Von der Heydt-Museum nun Bonnard folgen, nicht zuletzt deshalb, weil hier seit 1977 mit dem großen Gemälde „Das Esszimmer – La nappe blanche“ ein Meisterwerk dieses Künstlers beheimatet ist. ...mehr

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