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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Endlich widmet sich ein österreichisches Museum Curt Stenvert. Das Belvedere in Wien richtet dem Objektkünstler, Regisseur und gesellschaftspolitisch denkenden Menschen die zweite Museumspersonale in seiner Heimat aus

Politischer Neodadapop


Curt Stenvert nimmt mit seinem Schaffen als bildender Künstler, Filmemacher und Autor zahlreicher Texte, einen festen Platz in der österreichischen Kunstgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts ein. Doch obwohl er Österreich 1966 bei der Biennale in Venedig vertrat und 1962 bei den Filmfestspielen in Berlin für seinen Experimentalfilm „Venedig“ mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde, ist er fast gänzlich in Vergessenheit geraten. Das Wiener Belvedere unternimmt derzeit den ambitionierten Versuch, das vielfältige Schaffen des Künstlers im Dialog mit Werken von Künstlerkollegen zu präsentieren. ...mehr

Zwischen unbeteiligter Tatsachenerfassung und subjektiver Inszenierung: Die Ausstellung „Photography Calling!“ im Sprengel Museum Hannover untersucht den dokumentarischen Blick in der zeitgenössischen Fotografie seit 1960

Der Lockruf der Wirklichkeit


Für die amerikanische Fotografenlegende Walker Evans war die Sache klar: In der Kunst gibt es keine rein dokumentarische Fotografie. Ein Polizist, der einen Tatort fotografiert, erstellt ein reines Dokument, weil er einen Sachverhalt ohne jegliche Bedeutungsverschiebung oder Reflexion des Mediums, der eigenen Tätigkeit oder der künstlerischen Tradition des Bildermachens sachlich und neutral festhält. Jede Kunst aber ist Interpretation. Ihr haften Momente der subjektiven Auswahl, der künstlerischen Konstruktion oder des ironischen Spiels mit Zitaten und Bedeutungsverschiebungen an. Evans schlägt daher den Begriff „dokumentarischer Stil“ vor, um den künstlerisch-fotografischen Umgang mit der uns umgebenden Wirklichkeit von der reinen Tatsachenerfassung polizeilicher oder wissenschaftlicher Fotografie abzugrenzen. ...mehr

Seit 50 Jahren residiert das einzige Schmuckmuseum Europas im Pforzheimer Reuchlinhaus. Eine glanzvolle Sonderausstellung zum Schlangenmotiv feiert dieses Jubiläum

Schlangen zum fünfzigsten Geburtstag


René Lalique, Brustschmuck „Schlangen“, Paris 1898/99

Nein, in eine Schlangengrube gerät man wahrlich nicht, auch wenn die durch ein Loch führende Wendeltreppe vom lichten Foyer ins dunklere Souterrain des Reuchlinhauses ein mulmiges Gefühl suggeriert. Das elegant geschlängelte, freitragende Konstrukt aus gefalteten Stahlrohrkästen mit Wangen aus Plexiglas lenkt auch wegen knatternder Geräusche die Aufmerksamkeit auf sich. Die klare, kalte Formensprache des International Style zeichnet die in den Park ausgreifende Baugruppe innen wie außen aus. Das Reuchlinhaus der badischen Schmuckmetropole Pforzheim gilt weit über die Staatsgrenzen hinaus als erstes Kulturzentrum. Am 20. Oktober 1961 fand die Einweihung statt, ein halbes Jahr vor der Eröffnung der Wolfsburger Variante von Alvar Aalto. Heute steht die Collage scharfkantiger Quader aus wechselnden Materialien unter Denkmalschutz. ...mehr

Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigt zwölf junge Nachwuchsdesigner, die sich um den HFBK-Designpreis der Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst bewerben

Zwischen Alltagstauglichkeit und Subversion


Oliver Schau, Sitzbank DN_100, 2011

„Das Design sollte das Produkt sozusagen zum Sprechen bringen“. So definiert der deutsche Möbel- und Produktdesigner Dieter Rams, Jahrgang 1932, bekannt vor allem durch seine Entwürfe für die Elektronikmarke Braun, sein Hauptkriterium für eine gelungene Gestaltung. Ob Rams für den jungen Designernachwuchs überhaupt noch eine feste Bezugsgröße darstellt, sei dahingestellt. Dinge zum Sprechen zu bringen, gelingt aber auch den zwölf Nachwuchsgestaltern, die jetzt für den HFBK-Designpreis der Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst nominiert wurden. Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigen sie ihre teils alltagstauglichen, teils subversiven oder eher spaßorientierten Entwürfe. Gesellschaftlich virulente Themen wie Nachhaltigkeit, Rohstoffknappheit, Recycling und Wiederverwertbarkeit spielen dabei eine große Rolle. Fast allen Arbeiten ist aber auch gemeinsam, dass sie den Spieltrieb des Benutzers anregen. ...mehr

Die Langen Foundation präsentiert erlesene Stücke aus ihrem Fundus

Auf anspruchsvollen Pfaden der Weltkunst


Schamane, Kultur der Tairona (900-1600), Kolumbien

Am Anfang der Sammeltätigkeit von Viktor und Marianne Langen standen die grafischen Künste. 1949 kaufte das Unternehmerpaar aus Meerbusch dann mit einem Bild von Adolf Hölzel sein erstes Gemälde, gefolgt von einem Frauenbildnis Alexej von Jawlenskys. Auf Geschäftsreisen, die Viktor Langen in den 1960er Jahren nach Japan führten, entwickelte sich seine Leidenschaft für außereuropäische Kunst. Allein rund 500 Stücke aus Japan, darunter an die 200 Rollenbilder, umfasst heute der Fundus. So ist die Sammlung Langen auch das Resultat vieler Fernreisen rund um die Welt und präsentiert sich heute als individuelle Zusammenstellung qualitätvoller Artefakte aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Epochen. ...mehr

Duisburg untersucht zum einhundertsten Geburtstag von Lehmbrucks bahnbrechender Plastik seine Inspirationen und den Zeitgeist in Paris um 1910

Vor wem kniet die Kniende?


Wilhelm Lehmbruck, Kniende, 1911

Genau erfasst der Betrachter Wilhelm Lehmbrucks Plastik „Kniende“ am ehesten, wenn er selbst in die Knie geht. Trotz ihrer Allansichtigkeit scheint sie viele dazu zu animieren. Die kühne Figur mit der sonderbar anmutigen Haltung und einzigartigen Gestik nötigt bei einer erschöpfenden Erfassung aber auch zum Umschreiten. Keineswegs strebt das Kunstwerk nach Gleichgewicht und Vollkommenheit der Form, wie es antike Statuen kultivieren. Gefühlszustände, Denken und Fühlen formuliert Lehmbruck über expressive Streckungen. Kniend lebensgroß, aber überlebensgroß, würde sie aufstehen, wird die Figur bald als „Vorwort zum Expressionismus der Skulptur“ tituliert. Doch in Paris dominierte damals noch der Symbolismus. Wie kam Wilhelm Lehmbruck dazu, in Paris dieses Meisterwerk moderner Plastik zu schaffen? ...mehr

Ästhetischer Nachhilfeunterricht für eingefleischte Anhänger beigefarbener No-Name-Computer: Eine Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe verortet die Produktgestaltung des Computerriesen Apple im Kontext historischer Designikonen

Mister Apple im Designolymp


Ausstellung „Stylectrical – Von Elektrodesign, das Geschichte schreibt“

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dass sich diese altbekannte deutsche Redensart durchaus auch auf die Produkte des kalifornischen Computergiganten Apple anwenden lässt, beweist eine groß angelegte Design-Schau im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG): „Stylectrical – Von Elektrodesign, das Geschichte schreibt“. So lautet der etwas umständliche Titel einer Ausstellung, die erstmals weltweit nach den designhistorischen Wurzeln der vielfach für ihre gute Form ausgezeichneten High-Tech-Produkte aus dem kalifornischen Cupertino fragt. ...mehr

Die Zeit und wie sie uns entgleitet: Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt eine große Ausstellung zur Dialektik von Beschleunigung und Stillstand in über 200 Jahren Kunstgeschichte. 160 Arbeiten von 85 Künstlern sind zu sehen

Düsen im Sauseschritt


Der sanfteste Autounfall der Welt findet zur Zeit in der Autometropole Wolfsburg statt. Der kalifornische Künstler Jonathan Schipper, Jahrgang 1973, hat vor dem Kunstmuseum ein Podest aufgebaut, auf dem sich zwei protzige amerikanische „Muscle Cars“ der 1980er Jahre gegenüberstehen. Die PS-starken Boliden werden von einer im Podest versteckten Mechanik unweigerlich aufeinander geschoben. Ihre Geschwindigkeit beträgt jedoch nur einen Millimeter pro Stunde. Der Moment des Aufpralls, die Entladung von Energie und die Verformung von Materie, auf der Straße eine Sache von Sekundenbruchteilen, wird hier ins Unendliche gedehnt. Dass am Ende zwei ineinander verkeilte Schrottfahrzeuge übrig bleiben, steht jedoch fest. Schippers Arbeit, die ein wenig an eine Hightech-Version der einbetonierten Straßenkreuzer des Fluxus-Künstlers Wolf Vostell erinnert, ist der Eye Catcher einer Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg, die das paradoxe Verhältnis von Stillstand und Beschleunigung untersucht. ...mehr

Das Frankfurter Städel leitet mit einem Blick auf das Schaffen von Max Beckmann in den USA den Veranstaltungsreigen zur Neueröffnung ein

Ein europäischer Maler auf amerikanischem Boden


Hinter ihm liegt eine schwere Zeit. Man schreibt das Jahr 1940, und schon drei Jahre weilt Max Beckmann im an Entbehrungen reichen Amsterdamer Exil. Die Einladung, am Art Institute in Chicago einen Sommerkurs zu unterrichten, muss er ausschlagen. Der amerikanische Konsul in Den Haag verweigert ihm das Visum mit der Begründung, dass er nach Abschluss des Kurses der öffentlichen Wohlfahrt zur Last fallen werde. Doch dabei ist Beckmann bereits ein etablierter und renommierter Maler, dessen Bilder sich in Amerika gut verkaufen. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten bleibt für ihn aber weiter das Land der uneingeschränkten ästhetischen Spielräume. Erst 1947 kann er nach New York einschiffen. Am 8. September passiert sein Schiff die Freiheitsstatue, und vom Ankunftstag an wird er als berühmter Malerstar behandelt. Nach einer bürokratisch bedingten Interimsrückkehr nach Amsterdam im Folgejahr erhält er im Herbst 1948 das Einwanderervisum und kehrt bis zu seinem Tod nie mehr nach Europa zurück. ...mehr

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