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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Zwischen Lakonik und Redseligkeit: Die Hamburger Deichtorhallen zeigen in der Sammlung Falckenberg das fotografische Werk des Filmemachers Wim Wenders

Die Einsamkeit des Bildersuchers


Manchmal muss man eben etwas aufräumen, bevor man zur Kamera greift. Das behauptet zumindest Wim Wenders. Die Straßenecke zum Beispiel, die er 2003 im kleinen Ort Butte in Montana entdeckte, verströmte das Flair eines Gemäldes von Edward Hopper. Stahlblauer Himmel, eine menschenleere Straße, zwei einsame Laternenmasten, ein roter Hydrant und ein mit Trödel angefülltes Schaufenster. Ein Klick auf den Auslöser, und die fotografische Zeitreise in Edward Hoppers Amerika der 1930er oder 1940er Jahre wäre gelungen. Doch einige moderne Details erschwerten die Angelegenheit. Blumenkübel aus den 1960er Jahren und einen allzu zeitgenössischen Papierkorb entfernte Wenders kurzerhand. Erst als dann auch die Straße frisch gefegt war, drückte er auf den Auslöser. Der Regisseur Wim Wenders, Jahrgang 1945, dessen relativ unbekanntem fotografischen Werk die Hamburger Deichtorhallen jetzt in der Sammlung Falckenberg eine umfangreiche Ausstellung mit über 60 meist großformatigen Bildern widmen, sieht sich, auch wenn er mit dem Fotoapparat agiert, in erster Linie als Bildermacher. Da darf man der Wirklichkeit auch schon mal auf die Sprünge helfen. Andere bearbeiten ihr Rohmaterial am Computer. Der Fotograf Wenders, der mit einiger Vehemenz jegliche digitale Technik ablehnt, schleppt dann lieber Störendes persönlich zur Seite. Seine Assistenten lässt er zu Hause. Seine weltweiten Fotostreifzüge unternimmt er ganz allein. ...mehr

Duchamps München-Aufenthalt vor 100 Jahren nimmt das Lenbachhaus unter der Lupe

Nicht ein Donnerschlag


Marcel Duchamp, der Erfinder des Readymade, nannte München später einmal den „Ort meiner völligen Befreiung“. Gut drei Monate verbrachte der 25jährige Franzose im Sommer 1912 in der bayerischen Hauptstadt, nur ein Jahr später hat er ein Rad auf einen Hocker montiert und das Werk auf das Jahr 1912 zurückdatiert. Duchamps Aufenthalt an der Isar vor exakt 100 Jahren inspirierte die Städtische Galerie im Lenbachhaus zur Ausstellung „Marcel Duchamp in München 1912“. Es ist die erste Duchamp-Ausstellung in München und sie geht der Frage nach, wie die damalige 600.000-Einwohner-Stadt mit ihrer lebendigen Künstlerszene und ihren industriellen Fortschrittsbemühungen Teil jenes imaginären Labors wurde, in dem Duchamps Ideen von einer radikal neuen Kunst gärten. ...mehr

Konzentration und Zerstreuung, Einheit und Fragment, Politik und Poesie in Kassel. Ein erster Rundgang durch den zentralen Ausstellungsort, das Museum Fridericianum

Documenta 13


Routinierte Documenta-Besucher wissen es: Der Auftakt im Erdgeschoss des Museums Fridericianum vermittelt bereits die Grundstimmung – neudeutsch könnte man sagen: den „Mood“ – der nach wie vor wichtigsten Weltkunstausstellung. Auf der Documenta IX beispielsweise – wir schreiben das Jahr 1992 und der Kurator hieß Jan Hoet – mussten sich die Besucher zwischen aufeinandergestapelten Videomonitoren hindurchquetschen, auf denen der Amerikaner Bruce Nauman einen kahlköpfigen Darsteller zeigte, der unablässig darum bat, ihn zu füttern, ihm zu helfen, ihn zu verletzen oder gar ihn zu verspeisen. Derlei harte Kost hebt sich Documenta 13-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev für andere Ausstellungsorte auf. Im Erdgeschoss des Fridericianums jedoch geht es ihr ganz offenbar um Reduktion und Klarheit. Wendet sich der Besucher nach links, so betritt er einen verschwenderisch großen Saal, in dem sich nur eine winzig kleine Vitrine befindet. Darin liegt ein handgeschriebener Absagebrief des Kölner Künstlers Kai Althoff, der sich den Luxus leistet, der Einladung zur Teilnahme zu widerstehen, und so doch ins Zentrum der Aufmerksamkeit gespült wird. ...mehr

Mannheim widmet dem heiligen Benedikt, dem Vater des abendländischen Mönchtums, eine kunst- und kulturhistorische Ausstellung

Von gewagten Aufbrüchen


Der heilige Benedikt übergibt die Regel, Augsburg, 1. Viertel 17. Jahrhundert

Einen neuen Aufbruch wagen, das wollen viele. Inwieweit der gerade beendete Katholikentag in Mannheim getreu seinem Motto einen Aufbruch bedeutet, wird sich wohl erst nach einiger Zeit beurteilen lassen. Am Rande dieser mit 80.000 Teilnehmern gut besuchten Zusammenkunft stellt eine kunst- und kulturhistorische Ausstellung den Mann vor, dessen Aufbruch noch heute das christliche Abendland nachhaltig prägt: den heiligen Benedikt. Der Ordensgründer der Benediktiner schuf über ein engmaschiges Netz von Niederlassungen seiner Bruderschaft eine einflussreiche Institution, die in Europa auf den Gebieten der Bildung und Wissensvermittlung in ihrer dominanten Stellung bis heute nicht zu unterschätzen ist. ...mehr

Das Angermuseum in Erfurt entdeckt den Maler Armin Reumann neu und zeigt 120 Werke des deutschen Impressionisten

Dem Vergessen entrissen


Ein Maler, der vergessen stirbt. Erben, die sein Schaffen bewahren. Ein wichtiges Buch und ein Museum, das „anbeißt“. Aus diesen Versatzstücken werden die Wiederentdeckungskrimis der Kunstgeschichte kompiliert. Ein solcher „Krimi“ wird jetzt in Erfurt wahr: Das Angermuseum hat einen kaum bekannten deutschen Impressionisten wieder ans Licht der Öffentlichkeit geholt. Armin Reumann, vor 60 Jahren in Sonneberg im Süden Thüringens gestorben, kommt der Impressionist zur Ehre einer Einzelausstellung mit 80 Gemälden und 40 Zeichnungen. ...mehr

Aus den Archiven einer Seherin: Die Hamburger Kunsthalle präsentiert in einer atmosphärisch dichten Ausstellung das ebenso faszinierende wie rätselhafte Spätwerk der 2010 verstorbenen Jahrhundertkünstlerin Louise Bourgeois

Im Netz der Spinnenfrau


Vor der Hamburger Kunsthalle hat sich eine gigantische Spinne breit gemacht. Das Ungetüm, das an Horrorfilme der 1950er und 1960er Jahre erinnert, stammt von Louise Bourgeois. Bereits vier Wochen für Ausstellungsbeginn wurde die 1999 entstandene, neun Meter hohe, bronzene Spinnenskulptur „Maman“ der Grande Dame der Bildhauerzunft des ausgehenden 20. Jahrhunderts auf dem Sockel zwischen dem Altbau der Kunsthalle und der Galerie der Gegenwart aufgestellt. Seitdem ist der achtbeinige Gliederfüßer, in dessen vergittertem Bauch sich geheimnisvolle Eier aus Marmor befinden, zum vielfotografierten Hingucker in der Hamburger Innenstadt geworden. „Wenn wir Aufmerksamkeit erregen wollen, wollen wir das mit großer Qualität tun“, kommentiert Kunsthallendirektor Hubertus Gaßner die von seinem Haus eher selten praktizierte Aufstellung einer Großskulptur im Außenraum. Als reinen Eyecatcher möchte er die Spinne nicht verstanden wissen. ...mehr

Das Bonner Kunstmuseum zeigt in seiner Reihe zu zentralen Malereipositionen der Gegenwart das Werk Albert Oehlens

Die Kohärenz des Heterogenen


Auf hohen weißen Wänden, in hellen weiten Räumen hängen große Leinwände in ausdruckstarken Farben. Dazwischen finden sich vereinzelt immer wieder einige grau-monochrome Bilder. Ungewöhnlich elegant und luftig ist die Hängung von Albert Oehlens Werken im Bonner Kunstmuseum. Ungewöhnlich in Bezug auf das Œuvre des Künstlers, denn Eleganz scheint in sein malerisches Selbstverständnis zunächst wenig zu passen. Ausdrücklich wurde diese Hängung von Oehlen selbst gewünscht – und tatsächlich erweist sich diese Entscheidung bei näherer Betrachtung als symptomatisch für seine Positionen. Ausgehend von der Paradoxie des „Bad Painting“ – ein Begriff zurückgehend auf eine Ausstellung im New Yorker New Museum of Contemporary Art von 1978 – entwickelte Albert Oehlen in den frühen 1980er Jahren eine ironisch-uneigentliche Haltung, die sich in der Folgezeit zu strukturell widersprüchlichen und uneindeutigen Behauptungen in seinen Bildern entfaltete. Die Dichotomie der „Postungegenständlichkeit“, wie der gebürtige Krefelder es selbst nennt, prägte von da an die letzten drei Jahrzehnte sein Schaffen. Gegenständlichkeit als inhaltliche Herausforderung existierte nicht mehr, vielmehr war sie formales Element. Seine Werke behaupten und widerlegen dies zugleich. ...mehr

Berlin produziert, Hannover stellt aus: Zum zweiten Mal nach 2007 präsentieren das Sprengel Museum, die Kestnergesellschaft und der Kunstverein Hannover parallel zur Kasseler Documenta junge Kunst „Made in Germany“

Frisch von der Leine gelassen


Fiktive Personen, Kunstfiguren oder künstlerische Alter Egos scheinen im Trend zu liegen: Auffallend viele der 45 in der Hannoveraner Übersichtsausstellung „Made in Germany Zwei“ vertretenen Künstler arbeiten offensiv mit detailreich konstruierten Erzählmustern, in deren Mittelpunkt Personen stehen, die sich am Ende als erfundene Kopfgeburten entpuppen. Dirk Dietrich Hennig zum Beispiel, der einzige aus Hannover stammende Teilnehmer der Schau, lockt den Betrachter in ein klaustrophob kulissenhaftes Raumgefüge voller Fundstücke, Querverweise und Indizien, die die Existenz des psychisch kranken Fluxus-Künstlers Jean Guillaume Ferrée glaubhaft versichern sollen. Der Nachbau einer Nervenheilanstalt darf betreten werden. Fingierte Cover der wichtigsten internationalen Kunstmagazine tragen ihr Übriges zur Legendenbildung bei. Der Brite Simon Fujiwara fährt dann gleich vier prall gefüllte Büchervitrinen und einen Schreibtisch voller Recherchematerial auf, um sich auf die Spuren eines gewissen Theo Grünberg zu begeben, dessen Sammlung erotischer Literatur er angeblich auf dem Flohmarkt erworben hat. Am Ende der akribischen Spurensuche stehen gleich drei Theo Grünbergs mit recht unterschiedlichen, aber für das 20. Jahrhundert prototypischen Biografien: ein Ethnologe, ein Sexualforscher und ein marxistischer Ökonom. ...mehr

Verdrahtet und verschnürt, verknotet und verschraubt: Die Kölner Bildhauerin Alexandra Bircken transformiert im Hamburger Kunstverein Natur- und Alltagsmaterialien, Fundstücke, Abfall und Haushaltsgegenstände zu narrativ aufgeladenen, grotesken Gebilden

Skateboard trifft Fischkonserve


Manchmal möchte man lieber nicht wissen, um welches Material es sich genau handelt. Die Objekte, Skulpturen, Wandbehänge und Kehrichthäuflein, die die Künstlerin Alexandra Bircken im Hamburger Kunstverein installiert hat, propagieren alles andere als eine Ästhetik des Edlen, Kostbaren oder besonders Exklusiven. Sie bestehen aus vertrockneten Früchten, knorrigen Ästen, Wollfäden, Deckeln von Fischkonserven, Haaren oder Fellstückchen, um nur einige Beispiele zu nennen. Kunstwürdig sind bei der 1967 geborenen Kölnerin nahezu alle Materialien, die sich in einem normalen Haushalt so anfinden: Im Küchenschrank, in Schubladen, im Kleiderschrank, im Keller, auf dem Dachboden oder auch im Müll. „Hausrat“, so lautet denn auch der ironisch unterfütterte Titel ihrer Ausstellung. ...mehr

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