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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Heute vor 150 Jahren wurde in Antwerpen der Formgestalter Henry van de Velde geboren. Neben Thüringen würdigt ihn nun erstmals auch Belgien

Verdrängung alles Überflüssigen


Louis Held, Henry van de Velde, um 1908

Über 50 Jahre Schaffenszeit waren Henry van de Velde vergönnt. Daraus erwuchs ein reiches wie vielseitiges Œuvre. Der am 3. April 1863 geborene Flame verstarb im gesegneten Alter von 94 Jahren am 25. Oktober 1957 in Zürich. Neben einem großen Anteil baukünstlerischer Leistungen sowie einem Frühwerk als Maler und Grafiker umfasst sein Werkschaffen speziell angewandte Künste, darunter Mobiliar, Textilien, Metallarbeiten, Bestecke, Keramik, Schmuck, Beleuchtungskörper, Typografie oder Buchkunst. Darüber hinaus engagierte er sich als Verfasser theoretischer Schriften und Polemiken. Wegen seines recht individuell geprägten Gestaltungswillens waren nur wenige Schöpfungen für industrielle Fertigungsprozesse sowie serielle Massenproduktion ausgelegt; dennoch erfreuen sich Van de Veldes Arbeiten bis heute recht populärer Präsenz. ...mehr

Werkzustände und Handlungsanweisungen: Die Hamburger Kunsthalle würdigt das Frühwerk des einflussreichen Künstlers und Hochschullehrers Franz Erhard Walther

Kunst als Geste und Handlung


Eigentlich wollte er nur drei Monate lang für eine Gastprofessur nach Hamburg gekommen. Daraus wurden fast 35 Jahre Lehrtätigkeit an der Hochschule für Bildende Künste. Franz Erhard Walther bildete zahlreiche wichtige Gegenwartskünstler aus, darunter Christian Jankowski, Andreas Slominski und Jonathan Meese. Der 1939 in Fulda geborene Bildhauer und Prozesskünstler gilt als konsequenter, konzeptueller Denker, als einer, der das künstlerische Objekt radikal neu befragt und zum Betrachter, der bei ihm immer auch potenziell Handelnder ist, in Beziehung setzt. Die Hamburger Kunsthalle zeigt jetzt in der Galerie der Gegenwart rund 120 Arbeiten des zweifachen Documenta-Teilnehmers, die in den 1960er und 1970er Jahren entstanden sind. Diese Arbeiten aus dem frühen Schaffen Walthers, die als Schlüsselwerke gelten, stammen aus der Sammlung der Hamburger Kunsthalle und aus Beständen des Künstlers. ...mehr

Eine aufgrund ihrer Materialfülle kaum zu bewältigende Schau in der Hamburger Deichtorhallen-Dependance Sammlung Falckenberg stellt den Beat-Literaten William S. Burroughs jetzt als bildenden Künstler und Zentralgestirn der Subkultur vor

Kultfigur mit Knarre


Plakat zur Ausstellung „William S. Burroughs – Retrospektive“

Alkohol, Marihuana, Opium, Heroin, Codein, Morphin und, wer weiß, wie viele weitere Drogen prägten seinen Alltag. Erstaunlich nur, dass er mit diesem nicht eben gesundheitsfördernden Mix ein recht passables Alter von 83 Jahren erreicht hat. Die Rede ist von William S. Burroughs (1914-1997), neben Allen Ginsberg und Jack Kerouac einer der zentralen Vertreter der amerikanischen Beat-Generation. Burroughs war Autor von Short Stories und bahnbrechenden Undergroundromanen wie „Junkie“, „Queer“ oder „Naked Lunch“, gesuchter Interviewpartner, Pionier der Spoken Word Performance und unumstrittene Kultfigur für ganze Generationen von Lesern, Schriftstellern, Musikern und bildenden Künstlern. ...mehr

Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München zeigt eine breit angelegte Retrospektive zum Werkschaffen Karl Friedrich Schinkels

Preußens Baumeister hält Hof in Bayern


Karl Friedrich Schinkel, Die Sternenhalle der Königin der Nacht, um 1815

In vielen Sparten beheimatete Multitalente hat es in nahezu allen Abschnitten der Kunstgeschichte gegeben: Von Leonardo da Vinci über Michelangelo Buonarroti bis hin zu Henry van de Velde. Doch kaum einer scheint allein durch seine zahlreichen Bauwerke noch immer öffentlich so präsent zu sein wie Karl Friedrich Schinkel, der sich auch als Raum- und Objektdesigner, Theoretiker, Maler, Zeichner, Denkmalpfleger oder Bühnenbildner betätigte. Als Mitglied der Preußischen Oberbaudeputation war es seine Aufgabe, sämtliche Entwürfe maßgeblicher öffentlicher Neubauten unter ästhetischen Gesichtspunkten zu prüfen und die Denkmalpflege in Preußen zu etablieren. Ab 1830 stand er an der Spitze der Deputation. Der von ihm ausgeformte Klassizismus dominierte sämtliche Bauvorhaben im gesamten Staat, da die Provinzialregierungen die Projekte genehmigen lassen mussten und sich an Entwurfsvorgaben zu halten hatten. Die Folge war eine relative Einheitlichkeit der Bauweisen von Staatsbauten im gesamten Land. Erst nach Auflösung der Baudeputation 1848/49 setzten sich in stärkerem Maße andere baukünstlerische Formen durch. ...mehr

Mathias Poledna stellt in der Wiener Secession seinen Film „A Village by the Sea“ vor

Nostalgische Seifenblasen


In dem Film „Die fantastische Welt von Oz“, der derzeit in den Kinos läuft, spricht Prinzessin Gilda einen Satz aus, der das Hollywoodspektakel für einen Moment mit einer Prise von Erkenntnis würzt: „Wir leben in schlechten Zeiten“, teilt die Gute dem dubiösen Zirkusmagier mit und ermuntert ihn, ihrem geplagten Volk etwas zu geben, woran es glauben kann. Im Wissen darum, dass in einer Krise zugleich die Gefahr einer Regression wie auch die Chance zur Veränderung steckt, thematisiert der opulente Hollywoodschinken die Flucht aus oder vor der realen Welt in eine imaginierte Scheinwirklichkeit. Bereits J.R.R. Tolkien erkannte in dem Phänomen der Alltagsflucht nicht allein die Chance zum Vergessen und zum Entfliehen vor eigenen Problemen, nicht allein die passive Entspannung und das Erzeugen von Emotionen und Ablenkungen von Regeln und den Normen der Realität, sondern auch die Möglichkeit der Alltagsbewältigung und der fantasiemäßigen Erfüllung von Wünschen und Sehnsüchten, die die „wirkliche“ Welt nicht bieten kann. ...mehr

Der britische Bildhauer und Konzeptkünstler David Tremlett hat die Lübecker Overbeck-Gesellschaft in ein lebendiges Archiv seiner sechs Jahrzehnte umfassenden Karriere verwandelt. Mit einer temporären Wandzeichnung erweist er zudem der neusachlichen Architektur des Pavillons seine Reverenz

Bis ans Ende dieser Welt


100 britische Pfund und ein Ziel vor Augen. Als der junge David Tremlett Anfang der 1970er Jahre sein Studium beendet hatte, zog es ihn nach Australien. Seine Eltern waren dorthin ausgewandert, und eine Galerie unterstützte die Reise mit eben dieser Summe. Acht Monate war Tremlett unterwegs. Als Tramper durchquerte er Europa und reiste über Afghanistan, Indien und die indonesische Inselwelt bis zum fünften Kontinent. Das restliche Reisebudget verdiente er sich unterwegs. Das Reisen durch ferne Länder bildet bis heute ein Grundelement in der Kunst des 1945 geborenen Bildhauers und Konzeptkünstlers. Tremlett, der zu den bedeutendsten Künstlern seines Landes zählt, gehört zur gleichen Generation wie Gilbert & George, Richard Long und Hamish Fulton. ...mehr

Die Ausstellung „Bewegt“ des französischen Künstlers Christian Boltanski im Kunstmuseum Wolfsburg

Schlimmer als der Tod ist nur das Vergessen


Sirrend in Bewegung gehalten von einem unter der Decke befestigten Laufbandsystem, schweben sie durch den Raum: Die Fotos eines schwarz gelockten kleinen Jungen, von frommen Ordensleuten, frisch vermählten Paaren, jugendlichen Bikinischönheiten, aber auch uniformierten Wehrmachtssoldaten. 190 großformatige Porträts hat Christian Boltanski für seine neue Installation „Geist(er)“ auf unterschiedlich große transparente weiße Tücher drucken lassen. Jetzt gleiten sie aneinander vorbei, überlagern und verdichten sich kurz, um in nächsten Moment gleich wieder auseinander zu driften. 190 Menschen, von denen weder die Namen noch das Schicksal bekannt sind, blicken den Betrachter in Boltanskis meditativ gestimmter Ausstellung „Bewegt“ im Kunstmuseum Wolfsburg an. Die Auswahl stammt aus dem Fundus der ebenfalls ausgestellten früheren Arbeit „Menschlich“ von 1994, die aus 1.200 einzeln gerahmten Fotografien besteht, die bei schummrigem Licht präsentiert werden. Entnommen hat Boltanski sie privaten Fotoalben, die er auf Flohmärkten gefunden hat. Einige stammen auch aus Polizeiarchiven. Zurückreichend bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, begegnen sich in dieser ebenso eindringlichen wie ambivalenten Auswahl auch Opfer und Täter des Holocaust. ...mehr

Privates öffentlich machen: Die Hamburger Deichtorhallen bieten dem Werk des lakonischen Konzeptkünstlers Hans-Peter Feldmann jetzt eine große Bühne

Die Sensation des Unspektakulären


Fast jeder kennt es: Das Phänomen der gut gefüllten Damenhandtasche, für ihre Trägerin eine Versicherung in allen Lebenslagen. Der Düsseldorfer Künstler Hans-Peter Feldmann, Jahrgang 1941, hat sich diesem Phänomen clever angenähert. Er bat verschiedene Damen, ihm für je 500 Euro ihre prall gefüllte Handtasche zu verkaufen. Die Resultate sind jetzt neben weiteren zentralen Serien, Installationen, Skulpturen und Bildern aus mehr als vier Jahrzehnten in Feldmanns „Kunstausstellung“ in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen. In mehreren Glasvitrinen breitet Feldmann den Inhalt der rechtmäßig erworbenen Damenhandtaschen aus. Die sorgfältig angeordneten Utensilien verraten viel über den Charakter ihrer jeweiligen Besitzerinnen: Lidschatten von Dior, eine frische Zahnbürste, schicke Handys, Einladungskarten zu einer Vernissage – ausgerechnet in Feldmanns Berliner Galerie –, ein halb voller Tablettenblister, ein paar Münzen, ein Parfümflakon. ...mehr

Der Hamburger Künstler Dirk Meinzer entführt im Kunsthaus Stade in einen Kosmos surrealer Fantasien

Geheimnisvolle Wunderkammer


Schlangenschwänze, Schmetterlingspuppen, Schwaneneier, Gürteltierpanzer oder neuerdings auch Bienenflügel. Die Materialliste des Hamburger Künstlers Dirk Meinzer liest sich wie das Handbuch eines Zoologen oder das Bestandsverzeichnis eines Tierpräparators. Das Kunsthaus Stade widmet dem 1972 in Karlsruhe geborenen Künstler jetzt unter dem Titel „Wenn das Paradies fliegen lernt...“ seine erste große Museumsschau im norddeutschen Raum. Auf drei Etagen sind rund 100 Arbeiten, darunter Zeichnungen, Gemälde, Assemblagen, Collagen, zwei Videos und installative Eingriffe zu sehen. ...mehr

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