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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Am Frankfurter Museumsufer zeigen zwei Ausstellungen antike Originale und ihre Interpretation im Zeitalter des Klassizismus

Die Klassik und deren Transformation


Statue eines Faustkämpfers, aus Rom (Quirinal), Bronze, 2. Hälfte des 4. Jh. v. Chr. oder 3. Jh. v. Chr.

Mit vorgebeugtem Oberkörper sitzt der Faustkämpfer auf einem Stein, den Kopf abwendend und über die rechte Schulter blickend. Erschlafft stützt er seine Unterarme auf die Oberschenkel. An den übereinander gelegten Händen trägt er Boxhandschuhe, deren kantige Lederriemen die Schlagkraft erhöhen. Der Kampf des Mannes hat deutliche Spuren am nackten Körper hinterlassen. Farbige Einlegearbeiten im Gesicht und an den Ohren markieren die frischen Hautritze, Kratzer und Schrammen. Rote Fäden in Kupfer verdeutlichen das auf Schulter und vom rechten Oberarm sowie rechten Unterschenkel herabtropfende Blut. Zudem ist die rechte untere Augenhöhle des Kämpfers angeschwollen. Zahlreiche zottelige Körperhaarlocken auf Bauch und Brust sind mit der Nadel aufgetragen. ...mehr

Eine Ausstellung im Historischen Museum Regensburg widmet sich der Kelheimer Befreiungshalle. Beeindruckend ist vor allem der gewaltige Katalog

Ein Bauwerk im Wandel der Zeiten


Inneres der Befreiungshalle in Kelheim

Profitiert haben in jedem Fall die Kelheimer von diesem Projekt, das über Jahrzehnte hinweg Baumeister, Steinmetze, Bildhauer, Zimmermeister, Fuhrunternehmer und andere Handwerksmeister und Gewerbetreibende beschäftigte. Bereits kurz nach den Befreiungskriegen als Idee in Angriff genommen, wurden die Pläne für eine Halle als Denkmal der ruhmreichen deutschen Überwindung des napoleonischen Jochs erstmals 1836 konkret, als Ludwig I., König von Bayern, in Griechenland weilte. Von einem seiner Stararchitekten, Friedrich von Gärtner, entworfen, nach dessen Tod 1847 von Leo von Klenze verändert weitergeplant, wurde der gewaltige, achtzehnseitige Kuppelbau 1863 eingeweiht. Wegen der lange Zeit eher ungünstigen Verkehrsanbindung Kelheims ließen die großen Tourismuswellen zwar bis gegen Ende des 19ten Jahrhunderts auf sich warten, doch seither boomt das Geschäft mit dem Fremdenverkehr: 1898 waren es schon über 30.000 Personen, 1913 mehr als 80.000, die das Städtchen im äußersten Nordwesten Niederbayerns und seine Befreiungshalle besuchten. Die großartige Lage des Bauwerks auf dem Michaelsberg über den sich einander annähernden Flusstälern von Donau und Altmühl zieht einfach an – und überdeckt die Frage, ob man das darauf stehende Bauwerk wirklich „schön“ und „gelungen“ findet oder nicht. ...mehr

Das Würzburger Museum im Kulturspeicher stellt sich seiner Vergangenheit und macht im Rahmen der Ausstellung „Tradition & Propaganda“ Kunstwerke aus der NS-Zeit für die Öffentlichkeit zugänglich

Nazi-Kunst für alle?


Darf die propagandistische Kunst der Nationalsozialisten aus den Depots geholt werden? Diese häufig diskutierte Frage ist nicht einfach zu beantworten. In den Beständen vieler Museen verbergen sich Kunstwerke aus der Zeit der Nazi-Herrschaft. Jedoch nur eine Hand voll Einrichtungen in Deutschland wagte es bisher, ihr „braunes Erbe“ aufzuarbeiten und es auch auszustellen. Sicherlich spielt dabei die befürchtete Reaktion der Öffentlichkeit auf die bisher wenig bekannten Schöpfer der propagandistischen Kunst eine große Rolle. Nicht alle Arbeiten transportieren das nationalsozialistische Gedankengut aber auf direktem Weg, es gibt auch übersehbare, unterschwellig politische Kunst. ...mehr

Engel in vielen Spielarten: Die Hamburger Kunsthalle konzentriert sich in ihrer Ausstellung „Paul Klee. Engel“ auf einen zentralen Werkaspekt des Künstlers. Die keineswegs immer himmlischen Flügelwesen sind ein Spiegel seines Künstlerlebens

Himmlische Boten


Paul Klee, Engel, noch tastend, 1939

„Paul Klee ist der Meister der Uneindeutigkeit“, sagt Karin Schick, seit Dezember 2012 Kuratorin für Klassische Moderne an der Hamburger Kunsthalle. „Es geht ihm darum zu zeigen, wie die Welt ist. In all ihren Mehrdeutigkeiten.“ Für ihre erste Ausstellung in ihrer neuen Funktion hat sich Karin Schick, die zuvor das Kirchner Museum im schweizerischen Davos geleitet hat, auf einen zentralen Aspekt im Werk des 1879 in Bern geborenen Deutschen konzentriert: Die Darstellung von Engeln. Rund 80 Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen und Gemälde versammelt die sehenswerte Schau im Hubertus-Wald-Forum der Kunsthalle, die gemeinsam mit dem Zentrum Paul Klee in Bern und dem Museum Folkwang in Essen erarbeitet wurde. Ergänzt wird die Präsentation, die kurz vor dem Deutschen Evangelischen Kirchentag eröffnet, um Engelsdarstellungen von Albrecht Dürer, Peter Paul Rubens und James Ensor bis hin zu Louise Lawler als Vertreterin der Gegenwartskunst. ...mehr

Das Münchner Stadtmuseum zeigt die erste breitgefächerte Querschnittsschau zur frühen Fotografien aus und über Deutschland

Belichtung einer fotografischen terra incognita


Carl Wilhelm Häcker, Lilium gigantum. Im freien Lande blühend, um 1862

Es ist wie ein Bild aus einem Märchen. Ein junges Mädchen im Reifrock zeigt inmitten einer Tannenlichtung mit dem Regenschirm auf eine Riesenlilie. Die Blume ist doppelt so groß wie sie. 1862 hat Carl Wilhelm Häcker das Foto gemacht. Es ist durchwebt von einem romantischen Raunen und zugleich kommt es daher wie das Beweisstück eines kurzlebigen Naturwunders. Die Fotografie war damals gerade einmal zwanzig Jahre alt, und es scheint, dass man wie die Pleinair-Maler die freie Natur erobern wollte. Noch früher als der vermutlich aus Pirna stammende Carl Wilhelm Häcker verließ Franz Hanfstaengl das damals übliche Atelier des Fotografen. Er stellte sich schon 1854 auf den Münchner Odeonsplatz, Feldherrenhalle und Theatinerkirche im Fokus, und erfand mit seinem aufwendigen Apparat eine neue Form der Vedute. ...mehr

Das Museum Moderner Kunst in Wien hat die erste posthume Schau zum Schaffen Franz Wests allzu museal gestaltet

Wo ist mein Achter?


Wohl kaum jemand verkörperte die Spezies des „Künstler-Künstlers“ so überzeugend wie Franz West. Abgesehen davon, dass er seit Mitte der 1980er Jahre zu den herausragendsten Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene zählte, Ausstellungen in den großen Museen der Welt hatte und seine Werke bis zu einer halben Million Euro kosten, waren es vor allem „die Kollegen“, durch die seine Arbeiten besondere Anerkennung erfuhren. Denn in Wests Schaffen verband sich das Potenzial zu einer Abschottung gegenüber dem Marktgeschehen nonchalant mit den Voraussetzungen für ihren kommerziellen Erfolg. ...mehr

Das Zuhause von älteren Menschen kann geistreich und ästhetisch reizvoll gestaltet sein. Das Deutsche Architekturmuseum präsentiert in einer anregenden Schau erstmals profunde Beispiele

Die Alten halten Einzug und keiner merkt es


Kränzle+Fischer-Wasels Architekten mit Klotz+Knecht, Mehrgenerationenhaus in Darmstadt

Hell und offen gibt sich der Eintritt in eine grandiose Wohnlandschaft. In der hintersten Ecke steht sorgsam eingeparkt der Elektrosmart vom Carsharing. Fahrräder für Senioren, Einkaufswagen oder Rollatoren sind im Umgang ebenfalls abgestellt. Im großen Ausstellungskarree, das vom Atrium hell beleuchtet wird, zähmen warme hellbraune Holzverkleidungen das ansonsten dominierende holprige Stakkato aus Ungerschen Quadraten zumindest gedanklich. Ruhe und Übersichtlichkeit sind eingekehrt. Ebenerdig laden Designerstühle, Couchgruppe und Schlafgarnitur zur Benutzung ein. Nicht nur betagte, vor allem auch jüngere Besucher wissen das Angebot ausgiebig nutzen. Das Interesse scheint geweckt, Langeweile kommt erst gar nicht auf, jeder ist sofort ins Geschehen eingebunden, und ganz nebenbei wurden bereits wesentliche Aspekte der Schau „Netzwerk Wohnen. Architektur für Generationen“ subtil vermittelt. So stellt man sich eine erfrischend wie ansprechend gestaltete Ausstellung vor. ...mehr

Vom Surrealismus zum Informel: Die Kunsthalle Bremen zeigt eine umfassende Retrospektive zum Werk des 1932 nach Paris emigrierten Deutschen Wols

Realität fantastisch verwandelt


„Wols ist ein furchtbarer Künstler, weil er uns Mühe macht“, sagt der Frankfurter Kunsthistoriker und Wols-Experte Ewald Rathke. „Doch wenn man sich die Mühe macht, hat man ein Vergnügen, und man gewinnt Einsichten.“ Ewald Rathke hat zusammen mit Toby Kamps von der Menil Collection im texanischen Houston zum 100. Geburtstag von Wols eine umfangreiche Retrospektive mit über 200 Werken in der Kunsthalle Bremen zusammengestellt. Es ist die umfangreichste Wols-Präsentation seit 25 Jahren. Gezeigt werden 32 Fotografien, 126 Arbeiten auf Papier, 36 Gemälde, 19 illustrierte Bücher, aber auch der Malkasten und das Banjo des Künstlers. ...mehr

Seit Jahrzehnten gab es keine umfassende Ausstellung zum Werk der amerikanischen Fotografin Imogen Cunningham. In München zeigt die Versicherungskammer Bayern einen Querschnitt durch alle Genres und durch 70 Schaffensjahre

Vom Piktorialismus zur Street Photography


Auch wenn es nirgendwo explizit geschrieben steht, einer der größten Bewunderer der Grand Old Lady der amerikanischen Fotografie muss Robert Mapplethorpe gewesen sein. Wer wie Mapplethorpe so kühl und unnahbar eine Callas-Blüte inszeniert, wer wie er den Körper im ästhetischen Sinne benutzt, muss die Fotografien von Imogen Cunningham aus den 1920er und 1930er Jahren wahrgenommen und verinnerlicht haben. Wie modernistische, architektonische Wunder hat die 1883 geborene Filmpionierin Magnolienblätter, Kakteen und Aloesprösslinge ins Bild gesetzt. Und während sich ein Karl Blossfeldt zur selben Zeit vorwiegend für das Ornamentale von Blättern und Farnen interessierte, konzentrierte sich Cunningham auf die konstruktiven Formen des Vegetabilen und ihre grafische Wirkung. Edward Weston, einer der berühmtesten Fotografen des frühen 20sten Jahrhunderts und selber gerade mit dem ästhetischen Faszinosum Pflanzen beschäftigt, wählte 1929 zehn Pflanzenfotografien der damals 36jährigen für die Werkbundausstellung „Film und Foto“ in Stuttgart aus. Mit ihren stilisierten, der Wirklichkeit enthobenen Kompositionen war Cunningham endgültig im Reich der fotografischen Moderne angekommen. ...mehr

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