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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Die materialreiche Hauptausstellung der 55. Biennale Venedig flüchtet sich in längst vergangene Utopien. Aufbruchstimmung dagegen herrscht im deutschen Pavillon

Utopia am Lido


Marino Auriti, Encyclopedico Palazzo del Mondo, 1950er Jahre

Das Giardini-Gelände der Biennale Venedig. Auf der während der Preview-Tage gedrängt vollen Hauptallee befinden sich die Pavillons von Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Routinierte Besucher dürften in diesem Jahr allerdings ein wenig irritiert sein. Wo Deutschland draufsteht, ist Frankreich drin und umgekehrt. Die beiden Länder haben ihre Pavillons getauscht. Eine kuratorische Entscheidung war das allerdings nicht. Die Idee, im Jahr des 50jährigen Jubiläums des Élysée-Vertrages die Pavillons zu wechseln, entstand im Auswärtigen Amt. Auch die oft kritisierte Beschränkung auf rein nationale Präsentationen scheint 2013 eindeutig überwunden. Die deutsche Kommissarin Susanne Gaensheimer, die vor zwei Jahren für ihre Christoph Schlingensief-Schau den Goldenen Löwen für den besten Pavillon gewann, hat in diesem Jahr ausschließlich Künstler ausgewählt, die ihre kulturellen Wurzeln ganz oder teilweise in anderen Ländern haben. „Ich habe mich dieses Mal entschlossen, die Idee des nationalen Pavillons als eher offenes Konzept zu verstehen“, so Gaensheimer. ...mehr

Reine Retrospektiven findet er langweilig: Im Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt der in Indien geborene britische Bildhauer Anish Kapoor daher eine grandiose Schau, die zur Hälfte aus ganz neuen Arbeiten besteht

Vorwärts und nicht vergessen


„Skulptur ist die Transformierung von Material in einem Prozess“, definiert der britische Bildhauer Anish Kapoor sein Metier. Die internationale Kunstwelt ist sich weitgehend einig, dass der 1954 in Bombay geborene Brite indischen Ursprungs, der 1973 nach London kam, der bedeutendste Bildhauer Großbritanniens ist. Manche behaupten gar, Kapoor, der die Gattungsgrenzen zwischen Bild, Skulptur, Bühne und Performance immer wieder radikal aufhebt, sei der wichtigste Bildhauer der Welt. „Kapoor in Berlin“ ist eine umfassende Ausstellung des Materialvirtuosen betitelt, die der britische Gastkurator Sir Norman Rosenthal jetzt im Martin-Gropius-Bau eingerichtet hat. Kapoor ist bekannt dafür, seine Materialien bis an die Grenze des physikalisch Machbaren zu treiben. 70 Werke aus Stein, Stahl, Wachs, Pigmenten, PVC und High-Tech-Materialien, darunter auch Kapoors bekannte Spiegelarbeiten, in denen der Betrachter sich und seine Umgebung in unterschiedlichen Graden der Verzerrung immer wieder neu entdecken kann, sind zu sehen. Gut die Hälfte der Arbeiten ist extra für den Gropiusbau entstanden. ...mehr

Eine seltene Würdigung eines großen Meisters: Nach 33 Jahren rückt die Kunsthalle zu Erfurt erstmals wieder Peter Behrens ins Rampenlicht

Klare Linien von charaktervoller Kraft


Peter Behrens, Gläser, 1901

Alle paar Tage bildet sie den Hintergrund von Reportagen, die Westfront des Berliner Reichstagsgebäudes mit der Inschrift „Dem Deutschen Volke“ über dem Portal. Mitten im Ersten Weltkrieg, im Dezember 1916, wurden die aus „Geschützbronze“ gegossenen Buchstaben angeschraubt. Ihre markante Typografie schuf Peter Behrens. Sicherlich werden zahlreiche Leser auch den klaren Schriftzug der Marke AEG beim Nachsehen an ihren Haushaltsgeräten finden. Auch dieser wurde von Behrens kreiert; arbeitete er doch von 1907 bis 1914 als künstlerischer Beirat für den seinerzeit führenden Elektrokonzern AEG. Als einer der ersten verantwortete er das gesamte Erscheinungsbild einer Firma, entwarf das Corporate Design vom Logo über Briefbogengestaltungen, Werbeprospekte und Produkte bis hin zu den Fabrikgebäuden. Von der Malerei her kommend, avancierte Peter Behrens zu einem der überragenden Vertreter moderner angewandter Kunst in Deutschland sowie zum Synonym für innovative Industriekultur. ...mehr

Labyrinth mit Duftstationen: In den komplett umgebauten Räumen des Hamburger Kunstvereins entführt der Berliner Aktions- und Installationskünstler John Bock in ein alle Sinne herausforderndes Environment

Großes Theater für kleine Nasen


Klaustrophobiker, Geruchsempfindliche und Rationalisten aufgepasst: In dem stark aromatisierten Gängelabyrinth, das der 1965 im schleswig-holsteinischen Gribbohm geborene Berliner Aktions- und Installationskünstler John Bock jetzt in den Räumen des Hamburger Kunstvereins aufgebaut hat, gibt es kein Entkommen vor merkwürdigen Gerüchen, engen Korridoren, kaltem Neonlicht und absurden Arrangements aus banalen Alltagsgegenständen. „Der Pappenheimer“ nennt Bock, der vielen noch als dauerperformender Bühnenberserker während der Documenta 11 im Jahr 2002 in Erinnerung geblieben sein dürfte, seine begehbare Installation mit Einbahnstraßencharakter. Die Anspielung auf den berühmten Ausspruch „Daran erkenn’ ich meine Pappenheimer“ aus Schillers Drama „Wallensteins Tod“ ist dabei nicht allzu wörtlich zu nehmen. Bock, ein Meister der absurden Wort- und Bedeutungsverdrehungen, nimmt gängige Ausdrücke und Redewendungen gern wörtlich und überführt sie in groteske, bühnenartige Settings. ...mehr

Stille Bilder voller Poesie und Innerlichkeit: Das Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen entdeckt in einer großen Retrospektive das Werk des amerikanischen Fotografen Harry Callahan

Vermeer mit der Kamera


Der amerikanische Fotograf Harry Callahan (1912-1999) reiht sich zunächst einmal nicht in die Reihe der auf Zuruf bekannten US-Fotografen des 20. Jahrhunderts ein. Er hat nicht wie Weegee spektakuläre Verbrechen und Katastrophen fotografiert oder Freaks und gesellschaftliche Außenseiter wie Diane Arbus. Auch hat er nicht die ärmlichen Lebensbedingungen der amerikanischen Landbevölkerung dokumentiert wie Walker Evans oder gar versucht, das Land in all seiner gesellschaftlichen Zerrissenheit inklusive der Rassentrennung zu erfassen wie Robert Frank in seinem großartigen Projekt „The Americans“ aus den 1950er Jahren. Harry Callahan ist ein eher stiller Meister des Unspektakulären, dessen sechs Jahrzehnte umfassendes Werk es hierzulande noch zu entdecken gilt. Die Hamburger Deichtorhallen zeigen jetzt – ein Jahr nach dem 100. Geburtstag Callahans – im Haus der Photographie die mit über 280 Arbeiten weltweit bisher größte Werkschau des Künstlers. ...mehr

Am Frankfurter Museumsufer zeigen zwei Ausstellungen antike Originale und ihre Interpretation im Zeitalter des Klassizismus

Die Klassik und deren Transformation


Statue eines Faustkämpfers, aus Rom (Quirinal), Bronze, 2. Hälfte des 4. Jh. v. Chr. oder 3. Jh. v. Chr.

Mit vorgebeugtem Oberkörper sitzt der Faustkämpfer auf einem Stein, den Kopf abwendend und über die rechte Schulter blickend. Erschlafft stützt er seine Unterarme auf die Oberschenkel. An den übereinander gelegten Händen trägt er Boxhandschuhe, deren kantige Lederriemen die Schlagkraft erhöhen. Der Kampf des Mannes hat deutliche Spuren am nackten Körper hinterlassen. Farbige Einlegearbeiten im Gesicht und an den Ohren markieren die frischen Hautritze, Kratzer und Schrammen. Rote Fäden in Kupfer verdeutlichen das auf Schulter und vom rechten Oberarm sowie rechten Unterschenkel herabtropfende Blut. Zudem ist die rechte untere Augenhöhle des Kämpfers angeschwollen. Zahlreiche zottelige Körperhaarlocken auf Bauch und Brust sind mit der Nadel aufgetragen. ...mehr

Eine Ausstellung im Historischen Museum Regensburg widmet sich der Kelheimer Befreiungshalle. Beeindruckend ist vor allem der gewaltige Katalog

Ein Bauwerk im Wandel der Zeiten


Inneres der Befreiungshalle in Kelheim

Profitiert haben in jedem Fall die Kelheimer von diesem Projekt, das über Jahrzehnte hinweg Baumeister, Steinmetze, Bildhauer, Zimmermeister, Fuhrunternehmer und andere Handwerksmeister und Gewerbetreibende beschäftigte. Bereits kurz nach den Befreiungskriegen als Idee in Angriff genommen, wurden die Pläne für eine Halle als Denkmal der ruhmreichen deutschen Überwindung des napoleonischen Jochs erstmals 1836 konkret, als Ludwig I., König von Bayern, in Griechenland weilte. Von einem seiner Stararchitekten, Friedrich von Gärtner, entworfen, nach dessen Tod 1847 von Leo von Klenze verändert weitergeplant, wurde der gewaltige, achtzehnseitige Kuppelbau 1863 eingeweiht. Wegen der lange Zeit eher ungünstigen Verkehrsanbindung Kelheims ließen die großen Tourismuswellen zwar bis gegen Ende des 19ten Jahrhunderts auf sich warten, doch seither boomt das Geschäft mit dem Fremdenverkehr: 1898 waren es schon über 30.000 Personen, 1913 mehr als 80.000, die das Städtchen im äußersten Nordwesten Niederbayerns und seine Befreiungshalle besuchten. Die großartige Lage des Bauwerks auf dem Michaelsberg über den sich einander annähernden Flusstälern von Donau und Altmühl zieht einfach an – und überdeckt die Frage, ob man das darauf stehende Bauwerk wirklich „schön“ und „gelungen“ findet oder nicht. ...mehr

Das Würzburger Museum im Kulturspeicher stellt sich seiner Vergangenheit und macht im Rahmen der Ausstellung „Tradition & Propaganda“ Kunstwerke aus der NS-Zeit für die Öffentlichkeit zugänglich

Nazi-Kunst für alle?


Darf die propagandistische Kunst der Nationalsozialisten aus den Depots geholt werden? Diese häufig diskutierte Frage ist nicht einfach zu beantworten. In den Beständen vieler Museen verbergen sich Kunstwerke aus der Zeit der Nazi-Herrschaft. Jedoch nur eine Hand voll Einrichtungen in Deutschland wagte es bisher, ihr „braunes Erbe“ aufzuarbeiten und es auch auszustellen. Sicherlich spielt dabei die befürchtete Reaktion der Öffentlichkeit auf die bisher wenig bekannten Schöpfer der propagandistischen Kunst eine große Rolle. Nicht alle Arbeiten transportieren das nationalsozialistische Gedankengut aber auf direktem Weg, es gibt auch übersehbare, unterschwellig politische Kunst. ...mehr

Engel in vielen Spielarten: Die Hamburger Kunsthalle konzentriert sich in ihrer Ausstellung „Paul Klee. Engel“ auf einen zentralen Werkaspekt des Künstlers. Die keineswegs immer himmlischen Flügelwesen sind ein Spiegel seines Künstlerlebens

Himmlische Boten


Paul Klee, Engel, noch tastend, 1939

„Paul Klee ist der Meister der Uneindeutigkeit“, sagt Karin Schick, seit Dezember 2012 Kuratorin für Klassische Moderne an der Hamburger Kunsthalle. „Es geht ihm darum zu zeigen, wie die Welt ist. In all ihren Mehrdeutigkeiten.“ Für ihre erste Ausstellung in ihrer neuen Funktion hat sich Karin Schick, die zuvor das Kirchner Museum im schweizerischen Davos geleitet hat, auf einen zentralen Aspekt im Werk des 1879 in Bern geborenen Deutschen konzentriert: Die Darstellung von Engeln. Rund 80 Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen und Gemälde versammelt die sehenswerte Schau im Hubertus-Wald-Forum der Kunsthalle, die gemeinsam mit dem Zentrum Paul Klee in Bern und dem Museum Folkwang in Essen erarbeitet wurde. Ergänzt wird die Präsentation, die kurz vor dem Deutschen Evangelischen Kirchentag eröffnet, um Engelsdarstellungen von Albrecht Dürer, Peter Paul Rubens und James Ensor bis hin zu Louise Lawler als Vertreterin der Gegenwartskunst. ...mehr

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