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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Spiegel und Spiegelungen der zeitgenössischen Kunst im Wiener Belvedere

Auf welcher Seite stehe ich eigentlich?


In Cocteaus Filmklassiker „Orphée“ weist Heurtebise dem liebeskranken Orpheus einen Weg in die Unterwelt. Heurtebise begleitet den Verzweifelten in seine Wohnung, fordert ihn auf, ein Paar Gummihandschuhe anzuziehen, legt ihm die Hände auf die Schultern und dirigiert ihn vor einen lebensgroßen Spiegel, der sich zerteilt wie eine Wasseroberfläche. Beide schlüpfen durch die schimmernde Oberfläche hindurch ins Zwielicht einer schattenhaften Gegenwelt. Jean Cocteau, dessen Film 1950 in die Kinos kam, war fasziniert von der transzendentalen Kraft des Spiegels. Für ihn war der Spiegel „das Geheimnis der Geheimnisse“ und seine reflektierende Fläche jene Pforte, durch die „der Tod kommt und geht“. ...mehr

Geliebt, gehasst, gestorben: Eine Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau beleuchtet jetzt das ambivalente Verhältnis des Wahl-Römers Pier Paolo Pasolini zur Stadt am Tiber

Chronik eines angekündigten Todes


Wintertage können auch in Rom oft trist und nebelverhangen daherkommen. Und so wird wohl auch jener 28. Januar 1950, der Tag, an dem der damals 27jährige Pier Paolo Pasolini zusammen mit seiner Mutter am römischen Hauptbahnhof, der Stazione Termini, ankam, sicherlich kein strahlender Sonnentag gewesen sein. Der spätere Filmregisseur, Dichter, Maler und Essayist musste seine bisherige Heimat, das im Friaul gelegene Städtchen Casarsa, geradezu fluchtartig verlassen. Seine im Verborgenen ausgelebte Homosexualität war plötzlich publik geworden; er wurde gezwungen, seine Tätigkeit als Lehrer aufzugeben, und auch die Kommunistische Partei schloss den Bewunderer nicht ganz linientreuer französischer Intellektueller wie André Gide und Jean-Paul Sartre mit sofortiger Wirkung aus. ...mehr

Mehr Transparenz wagen: Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe gewährt jetzt Einblicke in den schwierigen Umgang mit Werken der NS-Raubkunst

Das Vorleben der Dinge


in der Ausstellung „Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des MKG“

Die große Holzvitrine im Foyer des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe (MKG) fällt sofort ins Auge. Darin: Jede Menge Tafelsilber, Teekannen, Trinkbecher, Schalen, Saucieren oder Salzfässchen. Alle Stücke sind angelaufen und offenbar seit Jahrzehnten nicht mehr geputzt oder verwendet worden. Vergilbte Zeitungen auf den Regalböden deuten auf eine längst vergangene Zeit hin. Was da so prominent im Eingangsbereich eines der größten Kunstgewerbemuseen Deutschlands präsentiert wird, entstammt ehemals jüdischem Besitz, der während der NS-Diktatur beschlagnahmt wurde und nach Ausgleichszahlungen an die „Jewish Trust Corporation“ in den 1960er Jahren dem Museum übergeben wurde. Seitdem wurden diese Objekte weder ausgestellt noch weiter wissenschaftlich erforscht. Ein dunkles Erbe, das bei den heute Verantwortlichen Scham, aber auch den Willen zur Aufarbeitung auslöst. Die Vitrine bildet den denkwürdigen Auftakt der Ausstellung „Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des MKG“. ...mehr

Max Beckmann einmal ganz anders: Die Hamburger Kunsthalle zeigt als Weltpremiere erstmals eine umfangreiche Schau zu den Stillleben des großen deutschen Malers

Die sanften Bilder eines Giganten


Max Beckmann steht für Gemälde voller Wucht und Kraft: für Selbstporträts im Smoking und mit dicker Zigarre, für die zeitlose Bearbeitung mythologischer Themen und für die malerische Bewältigung grandioser Küstenlandschaften und fulminanter Großstadtszenen. Ein künstlerischer Grenzgänger, der 1937 in Deutschland als „entartet“ gebrandmarkt, ins Amsterdamer Exil ging und gerade auch im Ausland als einer der wichtigsten Repräsentanten einer von humanistischen Idealen geprägten deutschen Kunst steht. Seine Landschaften, Selbstporträts und Figurenbilder sind immer wieder in groß angelegten Ausstellungen und Retrospektiven gezeigt worden. Seine Stillleben jedoch, die eine andere Seite seines facettenreichen Werks repräsentieren, waren international noch nie in konzentrierter Form zu sehen. Mit der Ausstellung „Max Beckmann. Die Stillleben“ widmet die Hamburger Kunsthalle diesem lange vernachlässigten Werkaspekt jetzt eine große und faszinierende Schau. ...mehr

Anlässlich des Starts der Manufaktur Hutschenreuther vor 200 Jahren feiern Selb und Hohenberg das Jubiläum der Porzellanproduktion in Oberfranken

Harte kleinkünstlerische Appetitanreger


August Billmann, Nashornvogel, 1918

Nach den Reminiszenzen auf die 300jährige Porzellanerzeugung in Sachsen im Jahr 2008 und zahlreichen Ausstellungen anlässlich der 250jährigen Porzellanherstellung in Thüringen 2010 ziehen nun die Franken nach. Denn im Jahr 1814 etablierte der aus Thüringen nach Hohenberg an der Eger umgesiedelte Carolus Magnus Hutschenreuther in der Dienstwohnung seines Schwiegervaters auf der örtlichen Burg eine Porzellanmalerei. Das zu dekorierende Weißporzellan importierte er aus der alten Heimat. Nahebei aufgespürte Kaolinvorkommen und reichlich Brennholz liefernde Wälder versprachen eine so gute Rohstoffsituation, dass Hutschenreuther nach erteilter Konzession 1822 nicht nur weiter verarbeiten, sondern auch selbst produzieren konnte. ...mehr

Edmund de Waal bespielt den Theseustempel im Wiener Volksgarten mit einer feinsinnigen Installation über Besitz und Verlust und die Zeit

Lichtzwang


Es gibt Orte, die findet man zufällig. Eigentlich wollte man nur durch den Volksgarten schlendern, auf einer der Bänke sitzen, die Sonne auf den Wangen spüren und sich mit den Kindern über die Enten freuen. Nebenbei streift der Blick den mitten im Park stehenden Theseustempel. Frisch saniert und in strahlendem Weiß, wirkt der rechteckige, leicht erhöhte Bau noch abweisender als vor seiner unlängst erfolgten Restaurierung. Meist ist das klassizistische Bauwerk, das ursprünglich ein einziges Kunstwerk, die Figurengruppe „Theseus erschlägt den Kentauren“ von Antonio Canovas beherbergte, geschlossen. Doch das große, metallene Tor ist heute geöffnet, und so betritt man ein wenig ehrfurchtsvoll die hohe, langgestreckte Halle, die nur vom Tageslicht erhellt wird, das durch das Dachfenster schimmert. ...mehr

Statt hochtrabender ästhetischer Ausführungen bietet das Augustinermuseum anlässlich des Freiburger Münsterjubiläums Einblicke in den Betrieb mittelalterlicher Großbaustellen

Bericht aus der Praxis


Domenico Quaglio d.J., Das Münster von Nordwesten, 1821

„Wo geht es hier zum Dom?“ Viele Freiburger werden tagtäglich mit dieser Frage von Besuchern aus aller Welt konfrontiert. Maßgeblich prägt das imposante Münster die Silhouette der schmucken Stadt im Breisgau. „Der schönste Turm auf Erden“, wie der Baseler Kunsthistoriker Jacob Burckhardt den markanten Münsterturm einst bezeichnete, löst sich auf einzigartige Weise an der weithin sichtbaren Spitze in geometrischen Schmuckformen fast völlig auf. Sie gilt als ältester Maßwerkhelm der Gotik. Nach der Grundsteinlegung 1354 und über 150 Jahren Bauzeit konnte am 5. Dezember 1513 der Konstanzer Weihbischof die Segnung von Hochaltar nebst Hochchor vollziehen. Damit war der Bau fast vollendet; aber erst 1597 ist der offizielle Abschluss aller Arbeiten zu verzeichnen. ...mehr

Die Ausstellung „Visual Leader“ in den Hamburger Deichtorhallen versammelt das Beste aus deutschen Zeitschriften, Zeitungen und dem Internet. Am 12. September werden die prestigeträchtigen Lead Awards in vielen Kategorien vergeben

Medien, Macher, Marken


Die Zahlen sind beeindruckend: Aus 450 Zeitschriften und 120 Zeitungen aus dem deutschsprachigen Raum wählte eine Vorjury eine Shortlist aus. Diese Auswahl von 18.000 Seiten wird dann der Hauptjury der Lead Awards vorgelegt, die die Gewinner der begehrten Medienpreise im September bestimmt. Bereits zum elften Mal präsentieren jetzt die Hamburger Deichtorhallen im Haus der Photographie die Nominierten in den Hauptkategorien Fotografie, Design, Zeitschriften, Zeitungen, Werbung und Online. Diese nicht ganz uneitle Leistungsschau der Medienbranche ist jedoch keineswegs eine reine Insiderveranstaltung, wie Ingo Taubhorn, gemeinsam mit Tempo-Gründer Markus Peichl einer der beiden Kuratoren, betont: „25.000 bis 30.000 Besucher pro Jahr sprechen für sich. Wir haben extrem viele Gruppenführungen, gerade auch für Schulklassen und Hochschulseminare.“ ...mehr

Karl der Große in Aachen

Vater Europas


Karlsbüste

Nur eine Handvoll an Jahren während seiner fast ein halbes Jahrhundert umfassenden Regierungszeit schaffte er es, nicht auf Feldzug zu sein. An seinen Händen klebte das Blut der viertausend Hingerichteten von Verden, er führte Eroberungskriege gegen die Sachsen und Langobarden, die Awaren und Mauren, war ein Machtpolitiker großen Stils und ebenso berechnend wie brutal – und doch ist Karl der Große als ein Herrscher in die Geschichte eingegangen, zu dem die Menschen bis heute aufschauen. Ob in der politischen Geschichte oder den Wissenschaften, in der Kunst oder dem kulturellen Austausch zwischen Zeiten und Völkern: in jeder Hinsicht gilt die Herrschaft Karls des Großen zwischen 768 und 814 als ein Wendepunkt im Werden Europas. Der Internationale Karlspreis zu Aachen erinnert bis heute an den „großen“ Karl und sein – langfristig allerdings für viele Jahrhunderte gescheitertes – Projekt, das in Stämme zersplitterte Europa unter eine gemeinsame Herrschaft zu zwingen. ...mehr

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