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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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Leda mit dem Schwan / Eduard Veith

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Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack

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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Subversive Zivilisationskritik in sinnlich-konzeptueller Verpackung: Die Overbeck-Gesellschaft in Lübeck zeigt die international gefragten Künstlerinnen Haegue Yang und Rivane Neuenschwander im Dialog

Leise Tropfen und sanftes Licht


Betritt man in diesen Tagen die Overbeck-Gesellschaft, so wird man von einem vielstimmigen Konzert fallender Tropfen empfangen. 16 handelsübliche Edelstahleimer hat die brasilianische Künstlerin Rivane Neuenschwander, 45, in verschiedenen Höhen an dünnen Stahlseilen aufgehängt. Die Eimer sind mit winzigen Löchern im Boden versehen und jeweils mit etwas Wasser gefüllt. Unter jedem Eimer steht ein weiterer, der die Tropfen auffängt und gleichzeitig als Resonanzkörper dient. Die ebenso minimalistische wie sinnliche Installation trägt den Titel „Rain rains“. Neuenschwander schafft ein begehbares Environment, das auf die knappe Ressource Wasser anspielt, andererseits aber auch die Geräuschkulisse im tropischen Regenwald zitiert. In Brasilien hat die einst optimistische Nachkriegsmoderne von Architekten wie Oscar Niemeyer die ersten Spuren ihres sanften Verfalls bereits erfahren. Der beiläufig aufgestellte Eimer, der die eigentlich notwendige Reparatur eines Lecks in der Decke nur kaschiert, gehört zum Alltag in den Tropen. Solchen Momenten der Improvisation wohnt aber immer auch etwas Poetisches inne. ...mehr

Die Kunstbibliothek in Berlin zeigt das Werk der vergessenen Art Déco-Künstlerin Dodo aus den wilden 1920er Jahren. Zu verdanken ist die Wiederentdeckung einem Zufall und der Hamburger Kunsthändlerin Renate Krümmer

Die mondäne Gesellschaft einer Metropole


Mehr als ein halbes Jahrhundert war das Werk der Berliner Künstlerin Dodo vergessen. Kein Künstlerlexikon, kein Ausstellungsverzeichnis der Nachkriegszeit führte diesen Namen. Dabei haben tausende von Lesern des Berliner Satiremagazins „Ulk“ in den Jahren 1927 bis 1929 Dodos heiter-bittere Szenen über die dekadent-mondäne Welt der oberen Zehntausend wahrgenommen, abgedruckt neben Arbeiten der damals gefeierten Jeanne Mammen. Die pragmatischen, leeren Beziehungen zwischen gut betuchten, älteren Gentlemen und jungen, schönen aber gelangweilten Damen waren das große Thema der gerade einmal 22 Jahre alten, talentierten Zeichnerin Dodo. Nur vage erinnern ihre Arbeiten an die metallisch-harten Bilder einer Tamara de Lempicka oder an die veristisch überzogenen Porträts eines Christian Schad. Mit ihnen haben sie höchstens den unterkühlten Blick und die Stilisierung gemein, die die Zeit des Art Déco auch im grafischen Gewerbe und der veristische Einfluss der Neuen Sachlichkeit mit sich brachten. ...mehr

Gefrorene Augenblicke: Die Doppelausstellung „Psycho“ in der Hamburger Sammlung Falckenberg konfrontiert Bilder der New Yorkerin Ena Swansea und des in Berlin lebenden Finnen Robert Lucander

Szenarien der Beunruhigung


Der Times Square in New York: Hier vergnügt sich Amerika in mehr als 40 Musicaltheatern, hier konsumiert die Nation in den Flagship-Stores der Unterhaltungskonzerne, hier feiert sie kollektiv Silvester – und hier rekrutiert sie ihre Soldaten. Eine bunte Parade hat auf dem von Neonschriften gesäumten Platz Aufstellung bezogen. Die Teilnehmer sind lässig hingetupft. Polizisten warten im Hintergrund. Eine leicht diabolisch grinsende Micky Mouse lugt aus einer Ecke hervor. Das 2008 entstandene Gemälde „Demands“ der New Yorker Malerin Ena Swansea ist atmosphärisch verdichtet und zugleich politisch. Subtile Anspielungen auf den Irak-Krieg und den Afghanistan-Einsatz lassen sich ebenso finden wie Hinweise auf die Finanzkrise. Hinzu kommen kunsthistorische Zitate: Eine abstrahierte US-Flagge direkt über dem Rekrutierungszentrum der US-Army etwa spielt auf die Neonarbeiten des Minimalisten Dan Flavin an. ...mehr

In der Bonner Bundeskunsthalle ist das Londoner Victoria and Albert Museum zu Gast

Kunstillusionen für alle


William Linnaeus Casey, Marlborough House: Zweiter Raum, 1857

„Weltausstellungen sind Wallfahrten zum Fetisch Ware“. Schon die erste „Exhibition of Works of Industry of all Nations“ bestätigt Walter Benjamins späteren Befund. Über sechs Millionen Menschen strömen 1851 in den viel bewunderten Crystal Palace von Joseph Paxton im Londoner Hyde Park. 8,4 Hektar überspannt das transparente Gebäude. Über 100.000 Objekte vereint die Welt unter einem Dach. Dieses Know-how inklusive eines satten Gewinns von 180.000 Britischen Pfund gilt es zu nutzen. Noch im selben Jahr werden mit Hilfe ihres Spiritus Rektor, des deutschstämmigen Prinzgemahls Albert, 244 Stücke aus der Weltausstellung heraus für die Lehrsammlungen der School of Design erworben; 5.000 Pfund werden für Schmuck, Silberschmiedearbeiten, Wandbehänge, Glas und Keramik bewilligt. Zwei Drittel davon sind Artefakte aus außereuropäischen Ländern. ...mehr

Die Hamburger Kunsthalle begibt sich mit der Ausstellung „Müde Helden“ auf die Suche nach dem Ideal des „Neuen Menschen“ im 20. Jahrhundert

Im Wachkoma der Moderne


Draußen herrscht tiefschwarze Nacht. Vier Männer im besten Alter begegnen sich auf Neo Rauchs 2006 entstandenem, großformatigem Gemälde „Interview“ in einem hell erleuchteten Wohnzimmer. Es ist Sommer. Große Fenster geben den Blick frei auf im Wind wogende Gräser. Insektenschwärme dringen ins Haus. Zwei der Protagonisten stehen, zwei weitere sitzen mit geschlossenen Augen und schlaffen Gliedern auf Sesseln. Einer der beiden trägt eine mit Farbe bekleckste Hose, die ihn als Maler ausweist. Offenbar besorgt über den Zustand der Sitzenden, fühlen die Stehenden ihnen den Puls und vollziehen an ihnen krankengymnastische Dehnungsübungen, wie man sie mit Bettlägerigen oder Wachkomapatienten macht. Ob das Interview je stattgefunden hat, bleibt im Unklaren: Ein altmodisch aussehendes Aufnahmegerät mit Mikrofon liegt unbeachtet in einer Ecke. Alles scheint gesagt, alle Bücher gelesen, alle Bilder gemalt zu sein. ...mehr

Rebellisches Mastermind: Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ehrt den britischen Modemacher Alexander McQueen, der sich Anfang 2010 das Leben genommen hat

Der intellektuelle Meisterschneider


Alexander McQueen, Kurzes Abendkleid/Cocktailkleid

Sein Freitod im Februar 2010 schockierte die Modewelt. Der britische Stardesigner Lee Alexander McQueen (1969-2010) galt als genialer Querdenker der Branche. Seine Prêt-à-porter-Kreationen für das Haus Givenchy und sein eigenes Label Alexander McQueen waren bei Stilikonen wie Lady Gaga oder Björk ebenso gefragt wie bei Sammlern und Museen. Auch das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe erwarb immer wieder herausragende Einzelstücke. Jetzt hat die Kuratorin der Abteilung Mode und Textil, Alexandra Riley, unter dem Titel „Alexander McQueen. Inspirations. Fashion Design“ eine kleine, aber feine Schau mit 30 Exponaten des ebenso erfolgreichen wie rebellischen Modedesigners zusammengestellt. Beispiele aus der umfangreichen Modesammlung des Hauses ergänzen die Präsentation. Zu sehen sind etwa Kreationen von McQueens Londoner Kollegin Vivienne Westwood, aber auch historische Referenzobjekte vom 14. bis zum 19. Jahrhundert. ...mehr

Ein Rocker, der sich einmischt: Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg widmet dem Sänger, Songschreiber und (Hobby-)Maler Udo Lindenberg eine große Ausstellung

Gitarren statt Knarren


in der Ausstellung „Udo. Die Ausstellung“

Wer ist Udo Lindenberg? Ein Rocker mit langen Haaren, Hut, Sonnenbrille, coolen Sprüchen und einer klaren politischen Meinung. Ein Sänger, der in den 1980er Jahren mit dem „Sonderzug nach Pankow“ fahren wollte, um im Palast der Republik in Ostberlin aufzutreten. Ein Maler, der aus seinem Alkoholkonsum keinen Hehl macht und mit Bols Likör und Blue Curaçao sogenannte Likörelle auf Papier bringt. Kurzum: Ein Mann, der sich selbst und sein Leben zum Gesamtkunstwerk hochstilisiert. ...mehr

Der Maler Karl Hubbuch gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit. Hubbuch aber war in den 1920er und 1930er Jahren auch ein leidenschaftlicher Fotograf. Zum ersten Mal zeigt jetzt das Münchner Stadtmuseum die bislang unbekannte Seite des Karlsruher Künstlers

Kühler Blick und kesse Posen


Die Ironie und der spielerische Ernst in den Fotografien aus den späten 1920er Jahren, etwa wenn Karl Hubbuch und seine spätere Frau Hilde in Pyjama und Turndress, bewaffnet mit Nudelholz und Föhn, vor der Kamera eine Art komischer Bürgerschreck spielen, sind kaum zu übersehen. Auch andere Fotos, in denen der Maler als Teil der Inszenierung mit Selbstauslöser vor die Kamera tritt, machen immer wieder deutlich, dass Hubbuch das Medium Fotografie, das seit der Erfindung des Zelluloidfilms für jedermann verfügbar war, in streng künstlerischem Sinne zur distanzierten Selbstbefragung und als Bühne eines neuen Weltbildes nutze. Die Sachlichkeit der Dinge in strengen Kompositionen zu erfassen wie etwa Albert Renger-Patzsch oder den ästhetische Reiz einer schattenwerfenden Gabel auf weißem Tischtuch auszukosten wie André Kertész, war die Sache von Karl Hubbuch nicht. Hubbuch war, wie auch in seinen Gemälden und Zeichnungen, an Menschenbildern interessiert, an einem modernen Typus Mensch und an unkonventionellen Kompositionen. Seine Modelle jedenfalls, angefangen bei der rauchenden, selbstbewussten Hilde Hubbuch bis hin zu Marianne, die als Schwimmerin zum Ideal eines neuen Körperbewusstseins stilisiert wird, verkörpern einen emanzipierten, modernen Frauentyp, der in der Geschichte der Fotografie nur selten im Fokus stand. Weder die mondäne Modefotografie noch die Sozialfotografie eines August Sander haben sich dieser Strömung gewidmet. ...mehr

Das Museum Kurhaus Kleve zeigt einen Überblick zum Schaffen Raimund Girkes

Verdichtung, Konzentration, Reflexion


Breite kurze Streifen überziehen in mehrteiligen Formationen das Bild wie ein Stoffgeflecht. Die weißen Bahnen des Gewebemusters tauchen an den Rändern in den blauschwarzen Hintergrund ab. Pinselzüge bleiben ablesbar. Sanft und weich breitet sich das Gefüge ohne kompositionelle Gewichtung vor den Augen des Betrachters aus. Dem 1999 geschaffenen „dichten Feld“ gehen Werke voran, die die Führungsrolle der Farbe Weiß im Schaffen Raimund Girkes untermauern. Pastose, in Zeilen mit dem Spachtel aufgetragene Schuppenformationen lassen in ihrem blättrigen Gerüst an Landschaften denken, wie es das 40 Jahre zuvor geschaffene Ölgemälde „bewegt“ demonstriert. In der Tat: Das derzeit inmitten der stillen, klirrend kalten, vom weißen Reif oder Schneegeriesel gemusterten niederrheinischen Landschaft eingebettete Museum Kurhaus Kleve hätte sich keine passgenauere Schau wünschen können, zumal das an Kraft gewinnende Licht bei den Bildern spannende, kontrastreiche Modulationen erzeugt. Dies begünstigt das kontemplative Aufblühen der 44 Gemälde von Raimund Girke ebenso wie die mustergültige Hängung der Werke im stimulierenden musealen Raumgefüge des klassizistischen Baus. ...mehr

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