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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Nicht nur Zürich feiert 100 Jahre Dada. Auch das Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen widmet sich der Genese dieser wichtigen Kunstströmung des frühen 20. Jahrhunderts

Ich will meinen eigenen Unfug


Hans Arp, Tristan Tzara und Hans Richter vor dem Hotel Elite, Zürich 1918

„Als ich das Cabaret Voltaire gründete, war ich der Meinung, es möchten sich in der Schweiz einige junge Leute finden, denen gleich mir daran gelegen wäre, ihre Unabhängigkeit nicht nur zu geniessen, sondern auch zu dokumentieren. Ich ging zu Herrn Ephraim, dem Besitzer der ‚Meierei‘ und sagte: ‚Bitte, Herr Ephraim, geben Sie mir Ihren Saal. Ich möchte ein Cabaret machen.‘ Herr Ephraim war einverstanden und gab mir den Saal. Und ich ging zu einigen Bekannten und bat sie: ‚Bitte geben Sie mir ein Bild, eine Zeichnung, eine Gravüre. Ich möchte eine kleine Ausstellung mit meinem Cabaret verbinden.‘ Ging zu der freundlichen Züricher Presse und bat sie: ‚Bringen sie einige Notizen. Es soll ein internationales Cabaret werden. Wir wollen schöne Dinge machen.‘ Und man gab mir Bilder und brachte meine Notizen. Da hatten wir am 5. Februar ein Cabaret. Mde. Hennings und Mde. Leconte sangen französische und dänische Chansons. Herr Tristan Tzara rezitierte rumänische Verse. Ein Balalaika-Orchester spielte entzückende russische Volkslieder und Tänze. … Es soll die Aktivität und die Interessen des Cabarets bezeichnen, dessen ganze Absicht darauf gerichtet ist, über den Krieg und die Vaterländer hinweg an die wenigen Unabhängigen zu erinnern, die anderen Idealen leben. Das nächste Ziel der hier vereinigten Künstler ist die Herausgabe einer Revue Internationale. La revue paraîta à Zurich et portera le nom ‚DADA‘.“ ...mehr

Anlässlich des Düsseldorf Photo Weekends beherbergt das NRW-Forum seit Februar zwei Fotografie-Ausstellungen: Eine Hommage an Modefotograf Horst P. Horst tritt gegen die Abbildung der Realität durch Mareike Foecking an

Der Magier des Lichts im Scheinwerfer der Wirklichkeit


Der aus Deutschland stammende Fotograf Horst P. Horst zählt zu den wichtigsten Vertretern seiner Zunft im 20. Jahrhundert. Seine Modeshootings waren nicht nur genrebildend, sondern sind bis heute auch stilprägend. Grund genug für das NRW-Forum, ihm die umfassende Retrospektive „Horst: Photographer of Style“ zu widmen. Als einzige Stadt in seinem Heimatland machen die über 250 Werke aus 60 Jahren Schaffenszeit seit Anfang Februar Station in Düsseldorf. Das Londoner Victoria and Albert Museum konzipierte die Schau unter der Leitung von Susanna Brown und entschied sich für das NRW-Forum als einen von insgesamt fünf Ausstellungsorten weltweit. Zu bestaunen gibt es vor allem Horsts berühmte Arbeiten als Fotograf für die Vogue, Porträts von Stars wie Marlene Dietrich, Rita Hayworth oder Bette Davis, aber auch surrealistische Aufnahmen im Stil Dalís sowie Natur- und Reisebilder. Skizzenbuchauszüge, private Briefe, Couturekleider und bisher unveröffentlichtes Material komplettieren das Museumserlebnis, das sich Fashion Victims und an Fotografiegeschichte Interessierte nicht entgehen lassen sollten. ...mehr

In der Wunderkammer der Produktgestaltung: Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe erlaubt faszinierende Einblicke in die Alltagsdesign-Sammlung des Schweizer Produktgestalters und Designers Franco Clivio

Vom Charme der kleinen Dinge


Plakat zur Ausstellung „No Name Design“

Sie finden sich massenhaft in unseren Küchenschubladen, Nähkästchen, Werkzeugkisten oder Schreibtischablagen. Manche davon tragen wir ständig in der Hosentasche mit uns herum, andere haben wir längst in alten Blechdosen oder Schuhkartons zum ewigen Schattendasein verurteilt. Die Rede ist von den unzähligen kleinen Dingen, die uns in unserem Alltag umgeben: Scheren, Taschenmesser, Feuerzeuge, Stifte aller Art, Zangen, Korkenzieher, Brieföffner, Anspitzer, Zollstöcke, Lineale, Pinsel, abgelegte Brillen, Haken, Schnallen und Ösen und was sich sonst noch so – womöglich über Generationen – in einem Haushalt angesammelt hat, um entweder regelmäßig, ganz selten oder gar nie zum Einsatz zu kommen. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy hat die Magie, die von solcherlei unscheinbaren Utensilien ausgeht, in ihrem Roman „Der Gott der kleinen Dinge“ beschrieben und dafür 1997 den renommierten Booker Prize erhalten. Und auch ihr türkischer Kollege, der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk, erliegt dem poetischen Zauber des vermeintlichen Krimskrams. Er hat den kleinen Objekten mit seinem „Museum der Unschuld“ in Istanbul sogar einen eigenen Ort geschaffen. ...mehr

Kunst im Knast: Die international besetzte Großausstellung „Hacking Habitat – Art of Control“ im ehemaligen Stadtgefängnis von Utrecht entwirft das verstörende Szenario einer allumfassenden Kontrollgesellschaft. Zugleich zeigt sie aber auch Auswege und Alternativen auf

Alles unter Kontrolle?


Das ehemalige Gefängnis Wolvenplein am Rande der Utrechter Innenstadt diente der viertgrößten niederländischen Stadt noch bis vor zwei Jahren als zentrale Haftanstalt. 2014 allerdings wurde das letzte noch mit Einzelzellen ausgestattete Gefängnis der Niederlande geschlossen. Die Haftbedingungen in den nur zwei mal drei Meter großen Zellen entsprachen nicht mehr den heutigen Standards. Der 1856 eröffnete und im Laufe der Zeit immer wieder erweiterte Gebäudekomplex hatte ausgedient. Für Ine Gevers, die Hauptkuratorin des groß angelegten Ausstellungsprojekts „Hacking Habitat – Art of Control“, ist das ein Glücksfall. Denn der einst als Straf- und Disziplinierungsanstalt erbaute, kreuzförmige Zentralbau bietet mit all seinen Zellen, Gängen, Freiflächen, Gemeinschafts- und Funktionsräumen den passenden Rahmen für eine Gruppenausstellung mit 85 Künstlern, Aktivisten und Theoretikern, die sich die künstlerische Auseinandersetzung mit Big Data, High-Tech-Überwachung, Internetkonzernen wie Google, Facebook und Microsoft, globalen Finanzströmen, Waffenhandel, Folter, Religions- und Rohstoffkriegen auf die Fahnen geschrieben hat. Wenn man so will, hat Ine Gevers also mit dem Gefängnis Wolvenplein nicht nur einen Ausstellungsort sondern gleichermaßen auch eine gebaute Metapher für das Anliegen ihres Projekts gefunden. ...mehr

Zum 12. Mal in den Hamburger Deichtorhallen zu Gast: Der Wettbewerb „Gute Aussichten“ mit prämierter Nachwuchsfotografie aus deutschen Kunsthochschulen versammelt Aufnahmen von Ist-Zuständen und Utopien

Alles ist möglich


Neun Preisträger aus 104 Einsendungen von 36 deutschen Kunsthochschulen, ausgewählt von neun Jurymitgliedern. Das sind die nackten Zahlen des Fotonachwuchswettbewerbs „Gute Aussichten“, der jetzt bereits zum zwölften Mal im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen zu Gast ist. Dessen Gründerin, die Kunsthistorikerin Josefine Raab, bezeichnet den namhaften Wettbewerb, dem sich eine internationale Ausstellungstournee anschließt, als „wichtiges Sprungbrett für Nachwuchsfotografen“. Und Ingo Taubhorn, Kurator am Haus der Photographie, verortet die aktuelle Produktion zwischen zwei Polen: „Auf der einen Seite ist Fotografie eine Reflexion über das Medium, auf der anderen Seite stehen die gesellschaftlichen Fragestellungen im Medium Fotografie. In diesem Deutungsraum bewegt sich die junge Fotografie.“ ...mehr

Vor 150 Jahren starb der wenig bekannte Künstler Johann Anton Ramboux. Eine umfassende Schau in Neuss würdigt mit dem „Museum Ramboux“ das Wirken des Kopisten im Umfeld der Nazarener

Ein Dokumentar der italienischen Kunst


Johann Anton Ramboux, Der hl. Franziskus predigt den Vögeln

„Ich muss gestehen, dass unter der großen Zahl an Schülern, die ich ausgebildet habe, niemand je mehr Talent gezeigt hat als der junge Ramboux; und ich fürchte nicht, dass jemand diesen lobenden Aussagen über ihn und seinen Anlagen widerspricht; er ist geboren, um dieser Kunst im Land seiner Geburt Ehre zu machen.“ Kein Geringerer als der Hauptmeister des französischen Klassizismus, Jacques-Louis David, stellte dem jungen Ramboux dieses berühmt gewordene Zeugnis aus. Allerdings: Davids streng komponierte, heroisch-realistische Malerei von bestechender Klarheit und Strenglinigkeit interpretierte Johann Anton Ramboux unverkennbar milder, nachdem er auf seiner ersten längeren, 1816 gestarteten Rom-Reise sich den Nazarenern angeschlossen hatte. Bis 1822 sowie insbesondere während seines zweiten ausgedehnten, von 1832 bis 1842 andauernden Italien-Aufenthalts durchstreifte er zeichnend und kopierend das Land von der Toskana bis in den Süden. ...mehr

Das Museum Kunst der Westküste auf der Nordseeinsel Föhr startet mit gleich vier Ausstellungen in die neue Saison

Leinen los für die Kunst!


Max Liebermann, Badende Knaben, um 1899

Mit gleich vier neuen Ausstellungen startet das Museum Kunst der Westküste in Alkersum auf der Insel Föhr in die diesjährige Saison. Das Spektrum reicht dabei von hochkarätigen Neuerwerbungen, darunter etliche Werke von Max Liebermann, über die Gruppenausstellung „Empty Rooms“, die sich dem Phänomen der Leere in der zeitgenössischen Kunst widmet, bis hin zu einer Serie von Schwarzweißfotografien des jungen Italieners Calogero Cammalleri, die auf der Insel Lampedusa entstanden sind. Außerdem hat der Hamburger Thomas Judisch augenzwinkernde Interventionen unter die Exponate des Museums gemischt. ...mehr

Der Stardesigner Stefan Sagmeister ist mit seiner „Happy Show“ im Museum für angewandte Kunst in Wien zugegen

Wege zum Glück


Eudaimonia, so lehrte Aristoteles, ist das höchste Gut, wonach es sich zu streben lohnt. Glück kann als Zustand oder als Ideal betrachtet werden, und die Suche nach diesem kostbaren Gut stand stets im Mittelpunkt der menschlichen Existenz. War noch von der Antike bis ins Mittelalter der Glücksbegriff vom vollkommenen Besitz objektiver Güter ausgegangen, so bestimmt seit Beginn der Neuzeit ein subjektives Zufriedenheitsmodell diese emotionale Befindlichkeit. Aktuell widmet sich der Künstler Stefan Sagmeister der Frage nach dem absoluten positiven vollkommenen Sein. Im Wiener Museum für angewandte Kunst ist seine höchst vergnügliche „Happy Show“ nach Prätentionen in Amerika und Paris zu sehen. ...mehr

Vor 500 Jahren verstarb im niederländischen ’s-Hertogenbosch der Maler Hieronymus Bosch. Aus diesem Anlass kehren die meisten seiner Werke für eine Ausstellung an den Entstehungsort zurück

Balanceakt zwischen Realität und Science Fiction


Hieronymus Bosch, Heuwagen, um 1515

Schwärme spinnenartiger Monster fliegen ins Paradies. Unheil droht. Auf dem Boden tummeln sich deformierte Mischwesen mit garstigen Fängen, gefährlichen Mäulern oder struppigem Fell. Dazwischen verführen nackte weibliche Schönheiten den Menschen. Nicht erst zu jüngster Zeit, sondern schon vor 500 Jahren erfand der Niederländer Hieronymus Bosch traumhafte Gebilde zwischen kosmischen Weiten und sexuellen Begierden. Blicke in gespenstige Tunnelgänge oder mechanische, unter Trichtern versteckte Kleinwesen variierte Bosch mit Vorliebe. Der wohl bedeutendste mittelalterliche Künstler der Niederlande schien seiner Zeit weit voraus. Landschaften, Menschen, Tiere – Boschs Sujets erscheinen nicht in klassischer Schönheit. Der Meister des Gegennatürlichen formulierte harsche Kritik an den allgemeinen Verhältnissen. Gerade seine Eigenwilligkeit faszinierte seine Sammler und Hauptauftraggeber wie Herzog Philipp den Schönen von Burgund oder Spaniens König Philipp II. Vor dem Hintergrund einer stark religiös geprägten Gesellschaft entwickelte der überzeugte, aber skeptische Katholik „Visionen eines Genies“, wie der Untertitel der fulminanten Überblicksschau in seinem Geburtsort andeutet. ...mehr

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