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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Am 15. Juli vor 115 Jahren wurde die erste Ausstellung der 1892 gegründeten Münchner Secession eröffnet. Anlässlich der 850-Jahr-Feier der Stadt München zeigt das Museum Villa Stuck die bislang umfangreichste Ausstellung über diese für die Moderne richtungsweisende Künstlervereinigung

Der Beginn einer neuen Zeit


Oskar Zwintscher, Der Tote am Meer, 1913

Der Berliner Maler Max Liebermann, anfangs Mitglied der Münchner Secession, später Präsident der 1899 gegründeten Berliner Secession, wusste es schon damals: „Die Secession ist eine Weltanschauung.“ Wie so oft traf Liebermann den Nagel auf den Kopf, denn eine stilistische Schule, eine malerische Bewegung oder gar eine Künstlergruppe wie die Schollemaler oder die sich nach Dachau bei München zurückgezogenen Pleinair-Landschafter war die Secession nicht. Ihren Gründungsmitgliedern, darunter Fritz von Uhde, Ludwig Dill und Franz von Stuck, ging es um die Abkehr von veralteten Kunstprinzipien, um kunstpolitische Bestrebungen. Man verstand sich als Forum für eine künstlerische Erneuerung, dessen Notwendigkeit andere Institutionen wie die Akademie oder die Münchner Künstlergenossenschaft nicht wahrhaben wollten. Vor allem eins einte die Secessionisten – der Aufbruch in die Moderne. Egal, in welche Richtung sich jeder einzelne auch bewegte. ...mehr

Alte Pinakothek ruft mit einer Ausstellung den vergessenen frühbarocken Maler Ulrich Loth in Erinnerung

Prachtvolle Symbiose verschiedener Kunstströmungen


Ulrich Loth, Der Evangelist Matthäus

Der heilige Franz Xaver im Messgewand betet in einem dunklen, undefinierbaren Raum, während ihm die Mutter Gottes erscheint. Bücher, ein Schädel samt Kruzifix betonen das meditative Moment. Die untere Hälfte fußt auf einer Vorlage von Peter Paul Rubens, die der Maler Ulrich Loth um einige Elemente bereicherte. Im oberen, himmlischen Bildsektor wird der Einfluss seines Lehrers Peter Candid sichtbar. Irdischer Raum und visionäre Erscheinung sind stilistisch divergierend in einem Altargemälde vereint. Gleich das früheste bekannte Werk von Ulrich Loth gibt sich pogrammatisch: Loth versteht es, unterschiedliche Ausprägungen zu einem ihm eigenen Stil zu verschmelzen. Dies wird sein gesamtes Schaffen begleiten. Sein Talent begünstigt dabei das auftragsgemäße Arbeiten für zwei Kunden: Die Kirche und den bayerischen Hof. ...mehr

Das Atelier im Fokus der eigenen Kunst: Adolph von Menzel und Lois Renner in der Hamburger Kunsthalle

Der heilige Ort als Modellanordnung


Kunst entsteht im Atelier. Und wie jeden anderen Ort der kulturellen Produktion, sei es das Komponistenzimmer oder die Dichterklause, umgibt auch das Künstleratelier eine Aura des Genialen. Das Atelier wird gern als mythischer, fast schon erotischer Ort der künstlerischen Schöpfung glorifiziert, als Wiege der Kreativität überhöht: Hier küssten ihn die Musen, hier posierten seine Modelle, hier traf er sich mit Käufern, Gönnern und Künstlerkollegen, leerte so manche Flasche Wein und schmauchte so manche Zigarre. Hier genoss der Künstler seine größten Triumphe und hier durchlitt er Momente größter Einsamkeit. ...mehr

Münchener Architekturmuseum ehrt den deutschen Architekten Sep Ruf zum 100sten Geburtstag

Bauten ohne Sturz und Schwelle


Der erste große Wurf gelingt dem gerade examinierten Architekten Sep Ruf im Alter von 23 Jahren. Das 1931 geplante Privathaus für Karl Schwend in München setzt sich als weißer Kubus mit Flachdach deutlich von der üblichen lokalen Wohnarchitektur ab. Aufgeschlitzte Wandscheiben samt vertikaler Fensterbahn werden harmonisch verschmolzen mit traditionellen Elementen wie sichtbaren Balkenköpfen und einer handwerklich ausgearbeiteten Rundbogentür aus Holz. Statt Gegensätzlichkeiten bietet sich eine Moderne mit Tradition, ein Dialog, der zwei Strömungen zu etwas eigenständigem Neuen zusammenführt. Diese Haltung des Ausgleichs prägt Rufs Architektur zeitlebens. Wie kaum ein zweiter deutscher Nachkriegsbaumeister exerziert er die kreative Auseinandersetzung mit dem spezifischen Ort und greift dabei prinzipiell auf das Neue Bauen der Weimarer Republik zurück. Bei fehlendem historischem Umfeld entfalten seine Bauten hingegen eine radikale Offenheit und Transparenz. ...mehr

Fernand Léger in der Fondation Beyeler

Farbig gebaute Bildmaschinen


In einem 1951 entstandenen Ölgemälde deutet Fernand Léger Figuren, Rad und Landschaft nur mittels schwarzer Linien an. Sie werden zudem von vier trapezförmigen, auf der Spitze stehenden Farbfeldern in Blau, Schwarz, Rot und Grün überlagert. Gleich nebenan hängt „Blue Black Red Green“ von Ellsworth Kelly aus dem Jahr 2000, vier große monochrome Ölbildtafeln von insgesamt über zwölf Metern Breite, die genau jene Farbflächen herauslösen, mit denen Léger seine Linien überlagert. Diese Einstimmung im Ausstellungsfoyer der Fondation Beyeler veranschaulicht die nachhaltige Kraft Légers als einem der bedeutendsten französischen Maler der Moderne. Die konzentrierte Retrospektive des Riehener Museums besteht somit auch aus viel mehr als einer beschaulichen Chronologie von Légers Werkschaffen. Kurator Philippe Büttner versteht es in seiner exzellenten Inszenierung der insgesamt 135 Exponate meisterlich, eine einsichts- wie erkenntnisreiche Schau von hohem visuellem und wissenschaftlichem Ertrag zu komponieren. Neben rund achtzig hochkarätigen Gemälden Légers führen auf dem Parcours Hauptwerke von Jasper Johns, Frank Stella, Kenneth Noland, Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Andy Warhol und anderen über gezielte Korrespondenzen die Wirkungsgeschichte eines Klassikers der Moderne vor. ...mehr

Tobias Rehberger in Köln

Frühling im Museum Ludwig


Mal sind es echte, mal Papier- und mal Plastikblumen, die auf weißen Podesten unter einem futuristischen, blaugrünen Dach aus Plexiglas stehen, große und kleine Luftschlagen hängen von der Decke, leere Designerstühle warten darauf, aus ihrer Nichtnutzung erweckt zu werden, Fernseher spulen Filme von Männern und Frauen ab, die sich schlagen und um den Hals fallen – was der Besucher der Ausstellung „Tobias Rehberger. Die Das-Kein-Henne-Ei-Problem-Wandmalerei“ im Museum Ludwig Köln abschreitet, ist ein siebzig Meter langer bunter, manchmal schriller, spielerisch-witziger Parcours aus 25 Kunstwerken voller unterschiedlicher Motive. Wie an einer Perlenkette reiht sich in der Mitte des langen, schlauchartigen Saales ein Defilee an Ideen aneinander, die irgendwo zwischen Kunst und Design, Nonsenses und Tiefsinn vagieren. „I lost 4 kilos in 5 weeks“ sagt die Flasche. Es könnte auch eine Vase sein. Jedenfalls antwortet die Ente – oder Gans? –: „I lost 5 kilos in 4 weeks“. ...mehr

Schloss Arenenberg feiert den 200sten Geburtstag von Napoleon III. mit einer opulenten Ausstellung im elterlichen Schloss

Kaiserresidenz und Arkadien am Bodensee


Emile-Henri Brunner-Lacoste, Ansicht von Schloss Arenenberg, 1859

Der Ort gehört zu den herrlichsten im gesamten Bodenseeraum. Nordwestlich von Konstanz thront einhundert Meter über dem See auf einem Felssporn Schloss Arenenberg inmitten eines Glückseligkeit versprühenden Landschaftsgartens. Traumhaft gestaltet sich der Ausblick auf die Insel Reichenau und den Hegau. Schon immer zog die Gegend um Salenstein Prominenz an. Früher waren es vermögende Adelige wie die Bonapartes. Heute residieren Operndiva Anneliese Rothenberger oder Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek nur einen Steinwurf entfernt. ...mehr

Extremes Sehen und neue Perspektiven: Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt einen umfassenden Überblick über das fotografische Werk des Russen Alexander Rodtschenko

Bilder für eine neue Zeit


Das traditionelle Fotografieren war seine Sache nicht. Der russische Maler, Grafiker und Fotograf Alexander Rodtschenko (1891-1956) liebte schräge Perspektiven, extreme Auf- und Untersichten, dramatisch eingesetzte Diagonalen und ungewohnte Ausschnitte. Im Moskau der 1920er Jahren prägte er mit seiner Art die Fotografie. Der revolutionär eingestellte Künstler misstraute plötzlich der Malerei, malte ein letztes programmatisches Bild und distanzierte sich öffentlich vom klassischen Tafelbild. „Ich will ein paar unglaubliche Aufnahmen vom Leben machen, die niemals zuvor gemacht wurden“, notierte er in sein Tagebuch. 1924 legte er den Pinsel beiseite, kaufte sich gleich zwei neue Kameras und wandte sich ganz der Fotografie zu. ...mehr

Der späte Ruhm einer zu Unrecht noch wenig bekannten Fotolegende: Das Kunstmuseum Wolfsburg entdeckt das Werk des Fotografen Heinrich Heidersberger

Die Moderne im Sucher


Ein Kraftwerk gilt gemeinhin als hässlich und monströs: ein notwendiges Übel, dessen Silhouette schon rein optisch die Landschaft verschandelt und dessen schweflige Ausdünstungen nicht unwesentlich zu Waldsterben und Klimawandel beitragen. Kann man so etwas überhaupt in ästhetisch ansprechender Form fotografieren? Man kann! Das beweisen zumindest die Aufnahmen des Fotografen Heinrich Heidersberger. Seine 1971 entstandene Schwarz-Weiß-Fotografie „Kraftwerk“ zeigt die werkseigene Energiezentrale des Wolfsburger Volkswagen-Werkes in nahezu hyperästhetischer Eleganz. Gestochen scharfe Linien und Konturen kontrastieren auf dieser brillanten Aufnahme mit der extrem in die Länge gezogenen weißen Rauchfahne aus einem der beiden mächtigen Schornsteine. Das Ergebnis: eine Art magischer Realismus, der die gewohnte Wahrnehmung mit einer traumartig-surrealen Anmutung auflädt und so eine dritte Realitätsebene entstehen lässt. Heidersbergers Aufnahmestandort befand sich am gegenüberliegenden Ufer des Mittellandkanals, so konnte er als zusätzliches Stilelement auch noch die Spiegelung auf der künstlichen Wasserstraße, eine der Lebensadern der Industriestadt im niedersächsischen Flachland, ins Spiel bringen. ...mehr

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