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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Der Bildhauer Daniel Mauch wird in einer Ausstellung des Ulmer Museum gewürdigt

Schöne Madonnen und hässliche Alte


Daniel Mauch, Maria auf der Mondsichel, sog. Berselius-Madonna, 1529-1535

„Die berühmten Bildwerke des Altertums mögen Lebewohl sagen: Sie alle sind nichts gegenüber dem Werke Daniels.“ Einen hohen Anspruch verkünden die lateinischen Lettern am Sockel der Mondsichelmadonna, die der aus Ulm stammende Bildhauer Daniel Mauch zwischen 1529 und 1535 für den niederländischen Humanisten Pascal de Bierset schnitzte. Das Ulmer Museum, das die rund 64 Zentimeter hohe Lindenholzskulptur nicht nur als glanzvollen Schlusspunkt einer monografischen Ausstellung herausstellt, sondern auch auf Katalogtitel und alle Werbeplakate erhoben hat, bestätigt diesen Anspruch mit hoffentlich augenzwinkernder Provinzialität als den Beitrag zu einem künstlerischen „Wettstreit, aus dem Mauch als glänzender Sieger hervorgeht“. Dem Künstler, den schon die Zeitgenossen – die Verse dürften auf Bierset oder latinisiert Berselius selbst zurückgehen – als David gegen eine Reihe von Goliaths in den Ring steigen lassen, nimmt die Vermessenheit nichts von seinem Rang. ...mehr

Kolumba, das Kunstmuseum des Erzbistums Köln, thematisiert in seiner neuen Jahresausstellung Hinterlassenschaften

Was so alles zurückbleibt


Museen sind Zeugen der Geschichte. Dreieinhalbtausend Jahre lassen sich anhand von Funden vor Ort zurückverfolgen, an dem Kolumba steht. Der aus archäologischen Grabungen samt Ruinen emporwachsende Museumsbau der Kölner Erzdiözese stellt ein einzigartiges Erbe der Kulturgeschichte dar. So fiel es dem Museumsteam in Köln leicht, für die dritte Jahresausstellung die griffige Überschrift „Hinterlassenschaft“ zu finden. Dies geschah auch in Anknüpfung an Kurt Bennings Videoarbeit „Hinterlassenschaft. Ein deutsches Erbe“. In einem zwischen 1984 und 1999 angefertigten Typoskript beschreibt Henning penibel die Hinterlassenschaften der von ihm aufzulösenden mütterlichen Wohnung. Dinge, die jeder benutzt, gestaltet, mit denen man spielt oder arbeitet, die uns bekleiden und behausen, bestimmen nun die museale Präsentation. Erinnerungen, Werte, Umgang mit menschlichen Spuren, ausgehend von spezifischen Örtlichkeiten, werden mit rund einhundert Exponaten von der Spätantike bis zur unmittelbaren Gegenwart in sämtlichen medialen Ausprägungen vorgestellt. ...mehr

Das Palais für aktuelle Kunst in Glückstadt präsentiert Ausstellungen der Hamburger Künstlerin Cordula Ditz und des Berliner Fotografen Holger Niehaus

Spielarten des Verstörenden


Ein markerschütternder Schrei, zerspringendes Glas, der freie Fall aus schwindelerregender Höhe in die Ungewissheit der Nacht. In ihrer Videoarbeit „Jumping into the Void“ von 2009 komprimiert die Hamburgerin Cordula Ditz, Jahrgang 1972, in wenigen Sekunden eine geballte Ladung an Horror, Spannung und Entladung. Der verzweifelte Sprung einer jungen Frau, die sich offensichtlich nach endlosen Minuten der Verfolgung aus dem Fenster stürzt, ist der Höhepunkt einer Szene, wie man sie aus zahlreichen Horrorfilmen kennt. Das Genre des Horrorfilms, und zwar vorzugsweise der trashigen, mittlerweile kultigen Slasherfilme der 1980er Jahre, ist für die Absolventin der Hamburger Hochschule für bildende Künste eine wichtige Referenz. Das Palais für aktuelle Kunst in Glückstadt präsentiert jetzt unter dem Titel „And Soon the Darkness“ neue Videoarbeiten, Malerei und Collagen der 37jährigen. ...mehr

Bundesrepublikanische Zustände im Spiegel ironischer Malerei: Im dritten Teil der Hamburger Polke-Schau geht es um das Thema Politik – oder auch nicht

Anmerkungen eines Distanzierten


Der Blick zurück in die deutsche Geschichte ist in diesen Tagen überaus en vogue. Doch während landauf, landab mit Feiern und Ausstellungen, Buchneuerscheinungen und Fernsehbeiträgen auf allen Kanälen die Ereignisse rund um den Mauerfall gewürdigt werden, widmet sich die Hamburger Kunsthalle in der nunmehr dritten Folge ihrer groß angelegten Sigmar Polke-Schau einem ganz anderen Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte. Den programmatischen Auftakt liefern zwei Kollegen der Kölner Künstlerlegende: Klaus vom Bruch entführt in seiner aus Nachrichtenbildern zusammen geschnittenen Videoarbeit „Das Schleyer-Band“ zurück in die Zeit der Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer durch die RAF. Und Klaus Staeck zeigt auf seinem Künstlerplakat „Die Kunst der 70er Jahre findet nicht im Saale statt“, wie der kritische Journalist Günter Wallraff im Mai 1974 in Athen von griechischen Geheimpolizisten zusammengeschlagen wird. ...mehr

Etwas mehr Biss hätte man sich bei der Ausstellung „el dorado“ in der Nürnberger Kunsthalle gewünscht

Seichte Gewässer


Der Anfang ist stark. Der Torso eines schwarzen Gerichtssaals beherrscht den an sich schon klaustrophobischen Ausstellungssaal, dessen einzige Beleuchtungsquelle ein Neonröhrenrechteck an der Decke ist und der in drei Durchgängen in unbekannte Zonen weiterzuführen scheint. Eva Grubingers Installation „The Trial of Henry Kissinger“ ist zugleich Frage- und Ausrufungszeichen einer Ausstellung, mit der die Nürnberger Kunsthalle zum Nachdenken zu „el dorado. Über das Versprechen der Menschenrechte“, so der Titel, anregen möchte. Ausrufungszeichen, weil die am 10. Dezember 1948 durch die Vereinten Nationen verkündete „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ auf ein funktionierendes Staatssystem angewiesen ist, das sich ganz wesentlich auf eine unabhängige Jurisdiktion und damit auf einen von drei das Gemeinwesen konstituierenden Pfeilern stützt. Fragezeichen, weil genau diese absolute Gerichtsbarkeit, wie Geschichte und Gegenwart oft genug gezeigt haben, gar nicht so unabhängig ist und damit Menschen außen vor gestellt werden, für die die Menschenrechte keine Gültigkeit zu haben scheinen. ...mehr

Der Bremer Maler Norbert Schwontkowski wird mit einer Abschiedsausstellung an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg geehrt. Nach fünfjähriger Lehrtätigkeit zieht es ihn nun häufiger in die Ferne

Produktive Langeweile im Nirgendwo


Auf einem der neuen Gemälde Norbert Schwontkowskis ist die „Art Academy“ als eine Mischung aus Holzschuppen und Arche Noah mit einem Wellblechdach und schwarzen Bullaugen dargestellt. Auf dem Dach ist ein eiförmiges UFO gelandet, von links lugt etwas scheu eine Art Antilope hervor. Die Kunstakademie in Hamburg – das ist der Ort, an dem der Bremer Maler fünf Jahre lang gelehrt hat. Und dies überaus erfolgreich. Seine Klasse formte er zu einer eingeschworenen Gemeinschaft, die gemeinsam Ausstellungen auf die Beine stellte wie im letzten Winter in der Städtischen Galerie Delmenhorst die Gruppenausstellung mit dem schönen Titel „Ein Pferd frisst keinen Gurkensalat“. Gleich mehrere Schwontkowski-Schüler stellen mittlerweile in der renommierten Hamburger Produzentengalerie aus, die ersten haben bereits den Sprung nach New York geschafft. ...mehr

Der Galerist Ernst Hilger eröffnet seine eigene Brot Kunsthalle in Wien mit einer Schau zu jungen Künstlern aus dem Iran

The Promise of Loss


Die neue Brot Kunsthalle mit der aktuellen Ausstellung bei Nacht

Während ein großer Teil der Kunstszene die Auswirkung der Wirtschaftsbaisse deutlich zu spüren bekommt und Umsatzeinbußen beklagt, stehen die Zeichen beim Wiener Galeristen Ernst Hilger auf Expansion. Mit einer eigenen Kunsthalle hat sich der international erfolgreiche Galerist einen Wunsch erfüllt. Die Brot Kunsthalle erlaube ihm, wie er anlässlich der Eröffnung kundtat, „eine bis jetzt als schmerzlich empfundene Beschränkung in meinem Programm aufzuheben und der Kunst, an die ich glaube, einen starken Impuls zu geben.“ ...mehr

Dreiteilige Retrospektive beleuchtet im Rheinland den Facettenreichtum des Maler-Bildhauers Gerhard Hoehme

Sensible Verbindungen zwischen den Dingen


Es gibt Künstler, die sich zeitlebens einem Sujet oder Thema verschreiben, seien es Enten, Nägel oder Vasen. Dagegen viel schwerer fassbar sind Protagonisten des genauen Gegenteils. Auch das breit aufgefächerte, komplexe Œuvre Gerhard Hoehmes verweigert sich griffigen Kategorisierungen. Wie wenig der ihm nahezu ausschließlich vorauseilende Ruf eines Informellen gerechtfertigt ist, zeigt nun eine große dreiteilige Präsentation in Duisburg und Düsseldorf, die alle Facetten und Phasen in einem breiten Werkspanorama vor Augen führt. Willkommener Anlass ist neben dem 20sten Todestag des Künstlers die fünfzigjährige Wiederkehr der zweiten Documenta im Jahr 1959, auf der die abstrakte Kunst ihren internationalen Durchbruch erlebte. ...mehr

Schloß Balmoral in Bad Ems verabschiedet seine Stipendiaten mit einer Abschlussausstellung

Von der Villa Diana zum Künstlerhaus


Die Anfahrt nach Bad Ems und zum Schloß Balmoral lohnt sich in mehrfacher Hinsicht. Der historische Ort, dank heilender Quellen im 19ten Jahrhundert bekannt und berühmt für seine Trinkkuren, wurde im Krieg nicht zerstört und bietet noch heute eine weiße Zuckerbäckerarchitektur, die Träume an idyllische Zeiten weckt. Eines dieser strahlend hellen Gebäude ist Schloß Balmoral – Herberge für Stipendiaten in Sachen Kunst aus aller Herren Länder, die hier in eigenen Ateliers ihrer Kreativität und Fantasie freien Lauf lassen können. ...mehr

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