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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Gebrauchsfotografie mit hohem künstlerischem Anspruch: Die Ausstellung „F.C. Gundlach. Das fotografische Werk“ im Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt den Doyen der deutschen Fotoszene als begnadeten Fotografen

Die Neuentdeckung einer Legende


F.C. Gundlach gilt heute in erster Linie als einer der wichtigsten deutschen Fotografiesammler und als unermüdlicher Förderer des Mediums. Zahlreichen jungen Fotografen hat er als Galerist und als Inhaber von PPS, einem Dienstleistungsunternehmen für Fotografen, tatkräftig zur Seite gestanden. So förderte er zum Beispiel nachhaltig die Karriere amerikanischer Fotokünstler wie Nan Goldin oder Robert Mapplethorpe. Seit er 2003 zum Gründungsdirektor des Hauses der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen berufen wurde, hat Gundlach mit zahlreichen Ausstellungen zur festen Verankerung des Mediums im Hamburger Museumsbetrieb beigetragen. Dass er selbst in den Jahrzehnten zuvor auch aktiv als Fotograf tätig war, wusste man zwar, doch bis auf wenige ikonenhafte Aufnahmen, die immer wieder die Runde gemacht hatten, war der Öffentlichkeit von seinem Werk nicht allzu viel bekannt. ...mehr

Design für die Massen oder der Sperrmüll von morgen? Die Ausstellung „Fenomen IKEA“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe präsentiert Entwürfe des schwedischen Möbelhauses – kritische Fragen stellt sie nicht

Schraubst du noch oder lebst du schon?


Morten Kjelstrup und Allan Östgaard, Kindermobiliar Mammut, 1994

Billy-Regale, praktische Ordnungssysteme und bunt gemusterte Heimtextilien. Kaum ein Haushalt kommt ohne IKEA-Produkte aus. Bezahlbare Küchen, pfiffige Sitzmöbel und immer wieder neue überraschende Raumideen für das Kinderzimmer werden von dem 1943 von Ingvar Kamprad gegründeten Einrichtungskonzern in mittlerweile knapp 300 Filialen des „Unmöglichen Möbelhauses aus Schweden“ rund um den Globus angeboten. IKEA-Produkte haben den Ruf, gut gestaltet, funktional und für jeden Geldbeutel erschwinglich zu sein. Der Konzern selbst gilt als vorbildlicher Arbeitgeber, Skandale sind selten. Die Produkte tragen lustige schwedische Namen wie Hennes oder Kritter, der Kunde wird geduzt, die Werbekampagnen sind originell und frech. Der Käufer darf seine Möbelstücke in der praktischen flachen Verpackung selbst nach Hause transportieren und dort eigenhändig montieren. Er ist also mehr als bloß Konsument, er ist Teil der Produktionskette, „Prosumer“, wie es im besten Marketing-Neudeutsch heißt. Der durchschnittliche IKEA-Kunde ist offenbar rundum zufrieden mit der Serviceleistung seines blaugelben Möbelkaufhauses am Stadtrand, dem stets gut besuchten Restaurant, den Köttbular genannten Fleischklößchen, dem Knäckebrotverkauf und dem Småland Kinderparadies. ...mehr

Schwules und lesbisches Leben im Amerika Haus München – eine ehrliche Sicht auf das schwierige Dasein von Angehörigen einer Minderheit

Das etwas andere Leben


In dem Gästebuch, das im Foyer des Amerika Hauses München ausliegt, liest man einen merkwürdigen Eintrag: Die Menschen, welche von der an den Wänden des Erdgeschosses umlaufenden Fotoserie den Betrachter anblicken, entsprächen nicht dem antiken Ideal eines perfekt gebauten, dem gängigen Schönheitsbegriff entgegenkommenden Körpers. Die Autorin der Bilder sollte sich doch einmal in die nahegelegene Glyptothek begeben und dort die Jahrtausende alten Bildwerke ihrer bildhauernden Vorgänger studieren. Ein Kommentar, der – das muss man ihm lassen – zumindest erahnt, dass keiner der Protagonisten vor der Kamera steht, um den Betrachter mit seinem Anblick unmittelbar zu erfreuen. Leider kommt er darüber nicht hinaus. Die Sache, um die es der Fotografin Molly Landreth geht, nicht erkennend, ist dieser Kommentar zugleich symptomatisch für die Schwierigkeit, ein sensibles Thema an die Öffentlichkeit zu bringen. Vorurteile und Ressentiments gegen Schwule und Lesben bestehen nach wie vor. ...mehr

Lehmbruck Museum in Duisburg widmet sich Giacomettis Frauen

Hoch auf dem Wagen vereint mit dem Tod


Mit seinen expressiv überlängten Figuren, deren ausgezehrte Formgebungen entmaterialisiert und vergeistigt wirken, schrieb der Schweizer Alberto Giacometti Kunstgeschichte. Verlassenheit und Einsamkeit, triumphale Dominanz und existentialistische, morbide Empfindungen gelangen in seinem sehr persönlichen Stil zu beeindruckenden Ausprägungen. Doch erstaunlicherweise besitzen deutsche Museen keine Großplastiken. Einzige Ausnahme ist die um 1945 entstandene Arbeit „Die Frau auf dem Wagen“. Die Erstfassung dieser gut 150 Zentimeter hohen Figur, der die Wissenschaft die Rolle eines Schlüsselwerkes bei der figurativen Neuorientierung des Bildhauers zuweist, gelangte 1986 in den Fundus des Duisburger Lehmbruck Museums. Als Ergebnis langjähriger Forschungen präsentiert das Institut nun eine konzentrierte, aber dennoch facettenreiche Ausstellung, die sich auf die Entstehung und das Umfeld dieser singulären Arbeit konzentriert. ...mehr

Elegante Formen mit kritischem Potenzial: Die Berliner Künstlerin Julia Horstmann zeigt in der Lübecker Overbeck-Gesellschaft ihre Ausstellung „Klirren“

Die Ambivalenz der Moderne


Der Ausstellungspavillon der Lübecker Overbeck-Gesellschaft im Skulpturengarten des Behnhauses passt sich in diesen Tagen seiner winterlich-weißen Umgebung perfekt an. Das 1930 von dem Architekten Wilhelm Bräck (1875-1968) im Stil des Neuen Bauens entworfene Gebäude ist ebenso schlicht wie funktional, ebenso zeitlos wie zurückhaltend elegant. Dass das denkmalwürdige architektonische Kleinod eigentlich schon längst einer grundlegenden Renovierung bedurft hätte, steht auf einem anderen Blatt. Die aktuelle Ausstellung „Klirren“ der in Berlin lebenden Künstlerin Julia Horstmann jedenfalls passt perfekt in dieses aufgrund seiner versteckten Lage oft übersehene Überbleibsel der architektonischen Moderne des frühen 20. Jahrhunderts in der Backsteinstadt Lübeck. ...mehr

Die Künstlerkolonie Nidden wird in einer Ausstellung der Dachauer Gemäldegalerie vorgestellt

Malen in der Wüste


Rauschen, einen Badeort nordwestlich von Königsberg, nannte er ein „ziemlich triviales Ostseebad, wie es viele gibt“. Von Nidden aber war er begeistert. „Meine Worte können Ihnen keine Vorstellung von der eigenartigen Primitivität und dem großartigen Reiz des Landes geben“, schwärmte Thomas Mann 1931 in einem Vortrag über den kleinen Ort an der Kurischen Nehrung. Die Maler hatten das Dorf schon eine gute Generation früher für sich entdeckt: Heinrich Krüger und Eduard Anderson gehörten zu den ersten, durch Ernst Bischoff-Culm wurde sein Reiz auch in Berlin bekannt und zum Anziehungspunkt einer ganzen Reihe mehr oder weniger bekannter Meister. Auch der Erste Weltkrieg und die Abtrennung des Gebietes vom Deutschen Reich taten dem Strom der Künstler nach Osten keinen Abbruch, erst der Nationalsozialismus sowie die Eroberung Anfang 1945 durch die russische Armee und die erzwungene Auslagerung des künstlerischen Geschehens machten Nidden als expliziter Künstlerkolonie ein Ende. ...mehr

Schönheitsideale im Wandel: Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigt rund 220 Aktfotografien aus 150 Jahren Fotografiegeschichte

Zwischen Natürlichkeit und Idealisierung


Als im Jahr 1985 im Münchner Stadtmuseum die Ausstellung „Das Aktfoto“ eröffnete, war die Aufregung groß. Trotz des aufklärerischen Anspruchs der Schau, die einen enzyklopädischen Überblick über die Geschichte der Aktfotografie liefern wollte, geriet sie, angepeitscht von der Boulevardpresse, zum skandalösen Publikumsrenner. 130.000 Besucher wollten die angeblich pikanten Aufnahmen sehen, der Katalog war innerhalb von zehn Tagen vergriffen. Ein kleines pornografisches Kabinett wurde als nicht jugendfrei eingestuft und von einem Uniformierten der Münchner Wach- und Schließgesellschaft bewacht. ...mehr

Ein Fest des Impressionismus: Die Kunsthalle Bielefeld nimmt die deutsche Variante dieser Stilepoche mit einer opulenten Schau in den Blick

Seitenwege inbegriffen


Gotthardt Kuehl, Das Gartenzimmer, um 1890/1900

In der jüngsten Vergangenheit sind derart viele Impressionistenausstellungen veranstaltet worden, dass man meinen könnte, jetzt sei es aber genug. Doch die großartige Ausstellung, die die Kunsthalle Bielefeld in diesem Winter ausrichtet, sei trotzdem jedem auch nur ansatzweise Interessierten dringend ans Herz gelegt. Denn der Bau Philip Johnsons präsentiert nicht die sicher großartigere und bedeutendere französische Grundlage dieser Stilepoche, sondern seine deutsche Variante, die mit einer Zeitverschiebung einer knappen Künstlergeneration für etwa zwanzig Jahre das Feld der deutschen Kunst beherrschen sollte. Und nicht das übliche „Dreigestirn“, wie es Paul Cassirer definierte, nämlich Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt, stehen im Mittelpunkt der rund 180 Gemälde und Zeichnungen, sondern vor allem solche Namen, die erst die ganze Bandbreite und Vielseitigkeit des deutschen Impressionismus illustrieren und doch nur stellvertretend stehen können: Albert Weisgerber, Jakob Nussbaum, Friedrich Kallmorgen, Franz Skarbina, die Tiermaler Thomas Herbst und Heinrich von Zügel oder Maria Slavona als einzige Frau in dieser Männerriege – insgesamt 35 Künstler von den Anfängen über die Hochzeit und die experimentellen Seitenwege etwa des Pointillismus um Paul Baum und Curt Herrmann bis zum Ausklang der Bewegung seit den 1910er Jahren, für den exemplarisch ein Strandbild des späteren Expressionisten Max Beckmann von 1909 steht. ...mehr

Wie die Dinge wirklich sind: Die Ausstellung „Realismus – Das Abenteuer der Wirklichkeit“ im Kunstmuseum Emden zeigt 180 Werke von 120 internationalen Künstlern

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?


Der eine trägt einen grauen Arbeitskittel, verwaschene Bluejeans und ausgetretene Turnschuhe. Den Arm hat er auf eine Holzleiter gelehnt, in der Hand hält er eine Silikonkartusche. Der andere sitzt. Statt eines Kittels trägt er ein bedrucktes Sweatshirt. Ansonsten kaum Unterschiede. Auf dem Boden sind einige Arbeitsutensilien ausgebreitet: Arbeitshandschuhe, eine Kabeltrommel, eine Bohrmaschine. Die beiden prototypischen Arbeiter, die der amerikanische Bildhauer Duane Hanson 1993 lebensgroß in Bronze gegossen und anschließend akribisch genau bemalt hat, wirken wie aus dem Leben gegriffen. Hansons „Two Workers“ sind jetzt in der Kunsthalle Emden zu sehen. Unter dem Titel „Realismus – Das Abenteuer der Wirklichkeit“ präsentiert das Haus eine ebenso profund recherchierte wie umfangreiche Schau zum Phänomen der Wirklichkeitsdarstellung in der bildenden Kunst. 180 Werke, vom 19. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart, hat der scheidende Direktor, Nils Ohlsen, zusammengetragen. Ohlsen wechselt demnächst an die Nationalgalerie in Oslo. ...mehr

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