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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Dialog der Gegensätze: Das Hamburger Ernst Barlach Haus konfrontiert das Frühwerk des lange Zeit vergessenen Expressionisten Ludwig Meidner mit den Werken Ernst Barlachs

Wiederentdeckung eines Ungestümen


Fahles Mondlicht, im Hintergrund die Überreste eines vom Feuer zerstörten Hauses. Alles ist in kaltes Blau getaucht. Im Bildzentrum kauert eine Gruppe verzweifelt wirkender Personen auf der Erde. Sie scheinen alles verloren zu haben: ihr Zuhause, ihre wirtschaftliche Existenz und vielleicht auch ihre Angehörigen. Auf dem 1912 entstandenen Gemälde „Die Abgebrannten (Heimatlose)“ von Ludwig Meidner dominiert Hoffnungslosigkeit. Das Individuum, eben noch geborgen in seiner schützenden Behausung, ist plötzlich ausgesetzt, bedroht von Hunger, Kälte und der Unberechenbarkeit seiner Mitmenschen. ...mehr

Das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt inszeniert in einer ersten monografischen Schau wirkungsvoll und opulent die Möbel André-Charles Boulles

Prachtentfaltung am Hof des Sonnenkönigs


André-Charles Boulle und Söhne, Münzschrank von Jules-Robert de Cotte, um 1723

Er hat ihn sogar um einige Jahre überlebt: André-Charles Boulle starb hoch betagt im Alter von 89 Jahren 1732 in Paris. Da war der nur vier Jahre ältere Ludwig XIV. schon 17 Jahre tot. Geprägt haben sie beide ihre Epoche. Der französische König als einer der mächtigsten Herrscher das absolutistische Staatswesen in seinem Land und in Europa, Boulle die Möbelkunst. Wie kein zweiter Künstler bestimmte er um 1700 die Raumausstattungen am Hof des Sonnenkönigs und in den Schlössern vieler europäischer Fürsten. Mit seinen Entwürfen kam er dem barocken Repräsentationsbedürfnis seiner Auftraggeber nach. Die prunkvollen Möbel Boulles trafen exakt den damals herrschenden Geschmack für verschwenderische Prachtentfaltung. Sein Name wurde gar zum Synonym für eine handwerkliche Technik. Obwohl er nicht der Erfinder von Einlegearbeiten aus Messing und Schildpatt ist, hat sich dafür der Begriff „Boulle-Marketerie“ durchgesetzt. ...mehr

Nun ist es aber genug: Für seine dritte große Mittelalterausstellung innerhalb von zehn Jahren geht dem Gespann von Museum in der Kaiserpfalz und Diözesanmuseum Paderborn sichtlich die Puste aus

Öfter mal was Neues


Grabplatte Bischof Meinwerks aus dem Paderborner Dom

Die Kaiserpfalz, vor zehn Jahren ein Panorama der karolingischen Kultur und auch vor drei Jahren den Dualismus von Kaisertum und Papsttum noch wirkungsvoll inszenierend, ist in diesem Jahr fast leer. Ein paar aufgeschlagene Handschriften blicken dem Besucher etwas müde entgegen, Ritterrüstungen illustrieren Krieg und Kampf wie in jedem Mittelaltermuseum, wie zufällig steht ein Fensterrahmen des 11ten Jahrhunderts in einer Vitrine herum. Amüsant wenigstens ist der Einfall mit den Bauschildern, die in lockerer Folge auf die rege Bautätigkeit der Bischöfe des spätottonischen und frühsalischen Kaiserreiches hinweisen. Die nebenstehenden Vitrinen aber gähnen den Betrachter wiederum mehr an, als dass sie ihm viel erklären könnten. Das Untergeschoss des Baus ist schon gar nicht mehr voll genutzt, im Mittelpunkt steht hier, was man auch sonst immer bewundern kann: ein Modell von Paderborn, wie es Anfang des 11ten Jahrhunderts ausgesehen haben könnte. ...mehr

Jean-Antoine Houdon wird im Frankfurter Liebieghaus nicht nur als Künstler gewürdigt, sondern auch in den geistesgeschichtlichen Kontext der französischen Skulptur der Aufklärung eingeordnet

Ist etwas kalt hier


Jean-Antoine Houdon, Der Winter – „Frileuse“, 1783

Sie friert, die arme Frau, und zwar ganz erheblich. Nur mit einem dünnen Tuch am Oberkörper bedeckt, empfängt sie den Besucher der Ausstellung „Jean-Antoine Houdon. Die sinnliche Skulptur“ im Frankfurter Liebieghaus fast wie ein Häufchen Elend. Die Bronze, die dort ganz allein im ersten Raum des Sonderausstellungsteils steht, ist noch dazu die spartanischste der erhaltenen Fassungen, das Tuch noch knapper um den Körper geschlungen, und nicht einmal die Vase begleitet ihre Füße, wie dies in der Marmorfassung der Fall ist, die einige Räume später auftritt. Doch die Vase, einst mit Wasser gefüllt, nun aber vom Eis zersprungen, weist darauf hin, dass mehr in dieser Figur steckt als ein anmutiges, erbarmungswürdiges Mädchen, das sich in die Kälte verirrt hat und daher auch als Winter gedeutet werden kann. Ihre Nacktheit, die versehrte Vase, die Zerbrechlichkeit ihres Körpers, deren jugendliche Blüte in der Kälte ihres Umgebung zwangsläufig verwelken muss – da steckt auch das Sinnbild der Vergänglichkeit, vor allem aber der verlorenen Unschuld drin, wie dies etwa Jean-Baptiste Greuze mit Rokokogemälden wie „Der zerbrochene Krug“ oder „Das junge Mädchen, das seinen toten Vogel beweint“ symbolisch andeutete. ...mehr

König der Bildermacher: Der Italiener Federico Fellini wird im Pariser Jeu de Paume als ebenso visionärer wie eigenwilliger Filmregisseur gefeiert

Tutto Fellini


Anita Ekberg als blonde Verführerin zwischen den Fontänen des nächtlichen Trevi-Brunnens. Marcello Mastroianni als ihr etwas hasenfüßiger männlicher Begleiter durch das römische Nachtleben. Die berühmte Brunnenszene zwischen der amerikanischen Filmschauspielerin Sylvia und dem römischen Klatschreporter Marcello aus „La Dolce Vita“ gehört zu den bekanntesten Momenten der Filmgeschichte. 2010 wird der bis heute wohl populärste Film des 1920 in Rimini geborenen Federico Fellini 50 Jahre alt. Für das Pariser Ausstellungshaus Jeu de Paume ist das ein mehr als willkommener Anlass, dem 1993 verstorbenen italienischen Kinomagier eine umfangreiche, wahrhaft opulente Ausstellung zu widmen. „Fellini, la Grande Parade“ beleuchtet anhand von über 400 Exponaten den Kosmos Fellini: seine Inspirationsquellen, die Rezeption seiner teils äußerst umstrittenen Werke, seine geheimen Tagebücher und Traumaufzeichnungen, seine Strategien der Selbstinszenierung – und nicht zuletzt: sein sehr spezielles Verhältnis zu den Frauen. ...mehr

Ausstellen in Zeiten des Sparzwangs: Das Jahresprogramm 2010 des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg

Die eigene Sammlung im Vordergrund


Der knallgelbe Farbfleck mitten im Grau der Hamburger Hauptbahnhofsgegend ist verschwunden. War das Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) bis vor kurzem noch an seiner freundlich gelb leuchtenden Fassade auszumachen, so passt es sich jetzt der eher grauen Tristesse seiner Umgebung an. Der Denkmalschutz wollte es so, schließlich wird das ganze Gebäude zur Zeit mit großem finanziellen Aufwand in seinen ursprünglichen Bauzustand zurückversetzt. Und dazu gehört eben auch die historisch korrekte beigegraue Fassadenfarbe. Doch die eigentliche Strahlkraft bezieht ein Museum dann doch aus seinen inneren Werten: der Qualität seiner Sammlung, der versammelten wissenschaftlichen Expertise und nicht zuletzt der Attraktivität seiner Sonderausstellungen. ...mehr

Die Berliner Konzeptkünstlerin Karin Sander zeigt in der Temporären Kunsthalle Berlin wie man einen leeren Ausstellungsraum mit Imagination – und Besuchern – füllen kann

Räume des Sichtbaren


Wer in diesen Tagen der Hektik und der penetranten Punsch- und Bratwurstdüfte der omnipräsenten Berliner Weihnachtsmärkte entfliehen will, landet vielleicht in der Temporären Kunsthalle Berlin. Der Eintritt ist hier frei, und gut geheizt ist die kompakte Kunstkiste auch. Noch bis Ende August 2010 steht sie auf der zukünftigen Baustelle des Berliner Stadtschlosses. Dort bietet sie all den Ausstellungen ein Forum, für die es sonst in Berlin keinen geeigneten Ort gibt. Zur Zeit präsentiert hier die Berliner Konzeptkünstlerin Karin Sander, Jahrgang 1957, ihr neues Ausstellungsprojekt „Zeigen. Eine Audiotour durch Berlin von Karin Sander“. Karin Sander arbeitet stets mit vorgefundenen Situationen und Örtlichkeiten, deren Wahrnehmung sie durch minimale Eingriffe verändert. So markierte sie bei den Skulptur.Projekten 1997 in Münster den zuvor kompliziert berechneten Schwerpunkt der Stadt mit einem Kreis aus rot lackiertem Beton – er befand sich an einem unscheinbaren Ort jenseits aller touristischen Attraktionen. ...mehr

Edvard Munch und das Unheimliche im Wiener Leopold Museum

Bilder für die Schattenseiten des Lebens


François-Nicolas Chifflart, Das Gewissen, 1877

1885 trifft der junge Edvard Munch in Paris ein. Die Erwartungen des 21jährigen Malers an die dortige Kunstszene sind groß. Doch die Werke seiner französischen Zeitgenossen enttäuschen ihn. Munchs drastischer Kommentar: „Ergriffen würde ich werden, glaubte ich, aber mich ergriff nur der Wunsch zu kotzen.“ Fast gar nichts scheint Munchs hohen Ansprüchen zu genügen, nichts als Anregung für seine eigenen Arbeiten zu taugen. So ist er ganz auf sich gestellt. Munch zumindest hat keinen Zweifel, dass seine Gemälde und Grafiken Erfahrungen und Nöte seiner eigenen Existenz beschreiben. „Meine Bilder sind mein Tagebuch“, formuliert er lakonisch. ...mehr

Späte Wiederentdeckung: Die Hamburger Deichtorhallen zeigen das umfangreiche und experimentelle fotografische Werk des New Yorker Künstlerpaars Lillian Bassman und Paul Himmel

Zu zweit durchs 20. Jahrhundert


„Fashion is in my blood.“ Dass ihr die Mode im Blut liegt, begreift jeder, der die feinsinnig in der Dunkelkammer komponierten Aufnahmen der heute 92jährigen Lillian Bassman betrachtet. Die betagte kleine Dame mit der übergroßen schwarzen Brille und den keck zu einem Zopf zusammengebundenen weißen Haaren hat den langen Flug von New York nach Hamburg auf sich genommen, um die Eröffnung der weltweit ersten umfassenden Retrospektive ihres fotografischen Œuvres im Haus der Photographie in den Deichtorhallen mitzuerleben. Genau genommen ist es eine Doppel-Retrospektive. Denn gefeiert wird in Hamburg nicht nur die Wiederentdeckung des Werkes der New Yorker Grafikdesignerin, Art Directorin und künstlerischen Modefotografin, sondern auch die Präsentation der bisher nahezu unbekannten Aufnahmen ihres Mannes Paul Himmel. Als Paul Himmel im Februar dieses Jahres im Alter von 94 Jahren starb, blickte das privat und künstlerisch in enger Verbundenheit lebende Paar auf 77 gemeinsame Jahre zurück. ...mehr

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