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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Im Krieg verliert immer das Individuum: 15 internationale Künstler untersuchen jetzt in Münster das Schicksal des Einzelnen im Angesicht militärischer Konflikte

Abu-Ghuraib in der Einbauküche


Kriege, Bürgerkriege oder, wie manche Politiker und Kommentatoren es gerne beschönigend ausdrücken, sogenannte „bewaffnete Konflikte“ sind seit Jahrhunderten beliebte Motive der Kunst. Ob Francisco de Goyas berühmte Radierungsfolge „Los Desastres de la Guerra“, Pablo Picassos „Guernica“ oder die vor Brutalität nur so strotzenden apokalyptischen Modellbaulandschaften der britischen Schockartisten Jake & Dinos Chapman – an oftmals schwer zu ertragender Detailtreue mangelt es diesen Darstellungen jedenfalls nicht. Eine Präsentation in der Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst in Münster untersucht dieses beklemmende Menschheitsthema nun von einer ganz anderen Seite: „Krieg/Individuum“ heißt die Schau, die sich dem Thema eher mit subtileren Bildern nähert, als rein vordergründig auf Läuterung durch Schock und Sensation zu setzen. ...mehr

Mehr als 120 Aquarelle des Brücke-Künstlers Erich Heckel auf großer Ausstellungstournee durch Deutschland – derzeitige Station ist die Städtische Galerie Villingen-Schwenningen

Der stille Expressionist


Es gibt Sammler, die behaupten, dass sich Erich Heckels wahres Talent erst nach dem Zweiten Weltkrieg richtig entfaltet hätte. Die Brücke-Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, die 1920er und 1930er Jahre in Berlin und die damals entstandenen Stadtansichten und auch seine in der Formsprache weicher und in den Farben ausgewogener gewordenen Landschaften seien nur ein Suchen, Tasten und Ringen gewesen, um in den Jahren nach 1945, als sich Erich Heckel am Bodensee angesiedelt hatte, als Künstler ganz zu sich selbst zu kommen. ...mehr

Martin Elsaesser – kein Genie, aber ein solider Modernist des Frankfurter Stadtbilds. Jetzt zeigt das DAM seine Hauptwerke der Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre

Modern bis heute


Begonnen hat er wie die meisten Kollegen aus seiner Generation: 1907 erbaute der 1884 geborene Martin Elsaesser die evangelische Kirche zu Baden-Baden-Lichtenthal in einer Mischung aus Romanik und Barock, seine evangelische Pfarrkirche von Stuttgart-Gaisberg entstand 1912 in den kirchlich modifizierten Formen des klassischen Jugendstil. Doch die Zukunft seiner Architektenzeit gehörte nicht dem Kirchenbau, die letzten Hüllen des schwelgerischen 19ten Jahrhunderts, das um die Problematik seines eigenen architektonischen Schaffens wusste und sie doch nicht zu lösen vermochte, streifte er ab, kurz nachdem die Baukunst überall endlich den Befreiungshieb aus dem Dschungel des Historismus in die Moderne geschlagen hatte. Während einer erstaunlich kurzen Zeit als Baudirektor in Frankfurt am Main zwischen 1925 und 1932 avancierte Elsaesser zu einer der wichtigsten Architektenpersönlichkeiten und griff bis heute prägend in das Bild der ständig sich verändernden Großstadt ein. Auch heute noch lohnt ein Blick auf sein Gesamtwerk. ...mehr

Im Proberaum der Künstlerexistenz: In einer opulenten Inszenierung präsentiert der Kunstverein Harburger Bahnhof den erfundenen Künstler Gernot Faber und stellt in Hamburg spannende Fragen nach Konstruktion, Mythisierung, Verklärung und Auflösung von Künstlerpersönlichkeiten

Der konstruierte Künstler


Konzert der Dead Brains – im Türrahmen: Gernot Faber

Wer in diesen Tagen den Kunstverein Harburger Bahnhof betritt, dem vermittelt sich zunächst der Eindruck, im falschen Film gelandet zu sein. Der große Ausstellungsraum ist völlig verdunkelt, an seiner Stirnseite ist eine Konzertbühne aufgebaut, überall liegen leere Bierflaschen herum. Der erste Eindruck täuscht nicht: Zur Eröffnung der Ausstellung „Gernot Faber – Proberaum“ hat hier eine Londoner Band gespielt. Die Überreste des Abends sind jetzt Teil der Ausstellung. Doch die endet keineswegs an der Bühne. Erst wer auf die Bühne klettert und von dort in den Backstage-Bereich vordringt, bekommt die ganze Ausstellung zu sehen. ...mehr

Prüfstand fürs Auge: Die Ausstellung „Täuschend echt“ im Bucerius Kunst Forum in Hamburg zeigt illusionistische Kunst von der Antike bis zur Gegenwart und lockt den Betrachter spielerisch auf manche falsche Fährte

Die uralte Kunst der Täuschung


Pere Borrell del Caso, Flucht vor der Kritik, 1874

Vor dem Bucerius Kunst Forum am Hamburger Rathausmarkt stehen neuerdings drei lebensgroße Figuren aus Bronze. Die eine zeigt Che Guevara in stolzer Revoluzzerhaltung, die zweite Julius Cäsar in Feldherrenpose und die dritte eine kapriziöse Frau mit Sonnenschirm, die ganz offensichtlich einem Dalí-Gemälde entsprungen ist. Die Figuren stammen von dem Berliner Künstler Christian Jankowski. Er hat sich die an touristischen Orten posierenden Kleindarsteller, die für ein Paar Münzen neckische Bewegungen machen, zum Vorbild genommen. Jankowskis „Living Sculptures“ sehen den von Gauklern verkörperten Figuren täuschend ähnlich, sind jedoch aus dem hochwertigen Material Bronze hergestellt – wahre Kunstobjekte eben. Den touristisch konditionierten Städtereisenden dürften sie in den nächsten Monaten nicht nur täuschen sondern „ent-täuschen“. Ein genialer Eye-Catcher sind sie auf jeden Fall. ...mehr

Rummelplatz des Pop oder Horrorkabinett des Kunstbetriebs? Die Ausstellung „Pop Life“ in der Hamburger Kunsthalle präsentiert mit Hirst, Koons und Murakami die schamlosesten Selbstvermarkter der Gegenwartskunst. Doch die Schlüsselfigur der Mega-Schau ist die Pop-Ikone Andy Warhol

Andy Warhols ungezähmte Erben


Andy Warhol, Self-Portrait in Drag (Platinum Pageboy Wig), 1981

Provokation oder brave Chronistenpflicht? Im Foyer der Hamburger Galerie der Gegenwart steht ein massiver Marmorsockel, darauf thront ein vergoldeter Glasbehälter mit einem in Formaldehydlösung eingelegten weißen Kalb. Wer sich auch nur oberflächlich mit zeitgenössischer Kunst auskennt, weiß natürlich sofort, von welchem Künstler diese Arbeit stammt: Dem mittlerweile in die Jahre gekommenen, einstigen Enfant terrible der Young British Art Damien Hirst. Hirst, dessen Kalb zudem noch vergoldete Hufe hat, gilt als eine der Galionsfiguren einer künstlerischen Haltung, die keinerlei Berührungsängste zu den Sphären des Marketing, des Merchandising und der kommerziellen Selbstinszenierung hat. Die von der Londoner Tate Modern übernommene, für Hamburg aber leicht modifizierte Megaschau „Pop Life“ untersucht genau diese Phänomene. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehört die originalgetreue Rekonstruktion des legendären „Pop Shops“, den der New Yorker Graffiti-Künstler Keith Haring einst im Szene-Stadtteil SoHo betrieb. Doch auch in Hamburg darf gekauft werden. ...mehr

Nicht übertreiben: Adolf Hölzel ist ein bedeutender Wegbereiter der Moderne, aber nicht ihr konsequentester und bester Protagonist

Anstifter


Adolf Hölzel, Komposition in Rot I, 1905

Leicht könnte man dazu neigen, ihn zu überschätzen. In vielen Kunstgeschichten der Moderne, in Ausstellungen und Auktionen geistert der Name Adolf Hölzel immer wieder als Wegbereiter und Hauptvertreter der gegenstandslosen Malerei in Deutschland umher. Doch erst jetzt gibt es mit der Ausstellung „Kaleidoskop. Hölzel in der Avantgarde“, die zunächst im Kunstmuseum Stuttgart stattfand und jetzt im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg zu sehen ist, eine monografische Würdigung dieses Meisters in größerem Umfang. Der Ausstellung ist hoch anzurechnen, dass sie sich auch bei größerer Kenntnis seines Lebens und Lebenswerkes nicht vermisst, Hölzel auf ein höheres Podest zu stellen, als ihm gebührt. Wenngleich man allein ihres Umfangs wegen – gezeigt werden immerhin über zweihundert Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle und Glasfenster – leicht auf dumme Gedanken kommen könnte. Hat man sich auf die unerlässliche Voraussetzung geeinigt, dass Hölzel an die besten seiner Zeitgenossen und Mitstreiter nicht heranreicht, lässt sich das Werk des Stuttgarter Akademielehrers unbefangen und gerecht besehen, einordnen und bewerten. ...mehr

Revisionen des American Dream: Das Münchner Haus der Kunst zeigt Ed Ruscha, den malenden Großmeister amerikanischer Selbstbespiegelungen

Letzte Ausfahrt Großtankstelle


Ed Ruschas Bilder wirken wie Kinoleinwände im Cinemascopeformat: perfekt, erhaben, überinszeniert. Weit ausladend, akribisch genau gemalt und häufig angereichert mit mal ganz banalen, mal bedeutungsschweren Schriftelementen, hängen sie jetzt im Münchner Haus der Kunst. Der Besucher begegnet Tankstellen, die, gemalt in extremer Untersicht, wie Kathedralen des Automobilzeitalters wirken. Er darf den berühmten Hollywood-Schriftzug vor glühend rotem Himmel ganz ungewohnt von hinten betrachten. Er darf einen ganzen Saal voller frostig-unterkühlter Bergpanoramen bewundern. Und er darf gemeinsam mit dem Maler seine leisen, aber leider wohl berechtigten Zweifel entwickeln, ob der rasante Fortschritt der westlichen Zivilisation angesichts all der gesellschaftlichen Werte, die dabei auf der Strecke bleiben, wirklich uneingeschränkt zu beklatschen ist. Denn abgesehen von der visuellen Attraktivität ihrer Farben und Kompositionen, stellen Ed Ruschas Bilder auch Fragen an den Zustand der Welt, in der wir leben. Was wird wohl in einer Fabrik produziert, auf der der Schriftzug „Fat Boy“ prangt? Was haben die Namen multinationaler Konzerne vor dem Hintergrund scheinbar unversehrter Landschaften zu suchen? Warum tauchen in den 1980er Jahren, zur Zeit der Reagan-Administration, immer häufiger Zensurbalken auf seinen Bildern auf? ...mehr

Gebrauchsfotografie mit hohem künstlerischem Anspruch: Die Ausstellung „F.C. Gundlach. Das fotografische Werk“ im Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt den Doyen der deutschen Fotoszene als begnadeten Fotografen

Die Neuentdeckung einer Legende


F.C. Gundlach gilt heute in erster Linie als einer der wichtigsten deutschen Fotografiesammler und als unermüdlicher Förderer des Mediums. Zahlreichen jungen Fotografen hat er als Galerist und als Inhaber von PPS, einem Dienstleistungsunternehmen für Fotografen, tatkräftig zur Seite gestanden. So förderte er zum Beispiel nachhaltig die Karriere amerikanischer Fotokünstler wie Nan Goldin oder Robert Mapplethorpe. Seit er 2003 zum Gründungsdirektor des Hauses der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen berufen wurde, hat Gundlach mit zahlreichen Ausstellungen zur festen Verankerung des Mediums im Hamburger Museumsbetrieb beigetragen. Dass er selbst in den Jahrzehnten zuvor auch aktiv als Fotograf tätig war, wusste man zwar, doch bis auf wenige ikonenhafte Aufnahmen, die immer wieder die Runde gemacht hatten, war der Öffentlichkeit von seinem Werk nicht allzu viel bekannt. ...mehr

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