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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Bewundert in Übersee und kritisiert daheim: Der stille Maler Neo Rauch wird zu seinem 50. Geburtstag in Leipzig und München mit einer imposanten Doppelretrospektive geehrt. Viele Bilder des berühmten Leipzigers befinden sich in amerikanischen Privatsammlungen und reisen nur selten nach Europa

Rauchzeichen aus Leipzig


Er hat viele Bewunderer und Fürsprecher, jedoch ebenso viele Gegner. Am Werk des Leipziger Malers Neo Rauch, Jahrgang 1960, lässt sich eine tiefe Zäsur zwischen den verschiedenen Fraktionen des Kunstbetriebs festmachen. Die einen werfen dem prominentesten Vertreter der Neuen Leipziger Malerschule eine konservative, rückwärtsgewandte und allzu traumwandlerische Haltung vor. Andere, darunter mächtige Museumsdirektoren und Kunsthistoriker, vergleichen den stillen deutschen Malerstar bereits mit historischen Größen wie El Greco, Tintoretto oder Tizian. Fest steht, an Neo Rauch kommt zur Zeit keiner vorbei. Seine narrativ-surrealen Gemälde produziert er, offenbar unbeirrt von den Lockrufen der Kunstmetropolen Berlin und New York, bis heute in seinem angestammten Atelier in der Leipziger Baumwollspinnerei. Etwa zehn Stück entstehen pro Jahr. Vor allem bei amerikanischen Großsammlern sind sie stark gefragt. Sein findiger Galerist Gerd Harry Lybke von der Galerie Eigen + Art führt seit Jahren Wartelisten. Er hat viele von Neo Rauchs Werken in amerikanische Privatsammlungen vermittelt. Gerade in den USA wird seine allegorisch-märchenhafte Form der malerischen Weltaneignung sehr geschätzt. „Der Maler, der aus der Kälte kam“, so bezeichnete ihn einst die New York Times. Das New Yorker Metropolitan Museum of Art richtete ihm bereits 2007 eine große Einzelausstellung aus. ...mehr

Eine visuelle Reise in die Tiefen und Untiefen der menschlichen Existenz: Die Düsseldorfer Julia Stoschek Collection zu Gast in den Hamburger Deichtorhallen

Kaleidoskop des modernen Lebens


Robert Boyd erspart dem Betrachter nichts. Der 1969 geborene New Yorker Künstler zeigt in seiner 4-Kanal-Videoinstallation „Xanadu“ aus dem Jahr 2006 Gewalt- und Katastrophenbilder aller Art. Noch einmal sehen wir, wie Flugzeuge von Terroristen ins World Trade Center gesteuert werden. Wir sehen Kriege und Naturkatastrophen, den Giftanschlag auf die Tokioter U-Bahn 1995, die Massenselbstmorde von Sekten und ganz am Schluss George W. Bush, wie er vor laufender Kamera seinen Rachefeldzug gegen Saddam Hussein ankündigt. Schnelle Schnitte erinnern an die Ästhetik von MTV-Musikvideos. Den Soundtrack dazu liefert Olivia Newton-Johns 1980 entstandener Hit „Xanadu“, die musikalische Beschwörung einer nur aus Liebe bestehenden Welt. Über allem schwebt als ironisches Aperçu eine Discokugel. ...mehr

Das Düsseldorfer Museum Kunst Palast widmet sich in einer großen Schau den Nachkriegskünsten des Informel und des Abstrakten Expressionismus

Freiheitsgelüste


Vor genau fünfzig Jahren verhalf die zweite Documenta der Abstraktion zum Durchbruch. Dem totalen staatlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruch in Deutschland und weiten Teilen der Welt folgte in der Kunst ein Aufbruch. Ungebändigt, von Zwängen befreit und abbildenden Gesinnungen abgeneigt, etablierten Künstler weltumspannend eine einheitliche Ausdrucksform. Sie lassen von klassischen Konstruktionsprinzipien ab, brechen bestehende Bildmuster mit ihren hierarchischen Aufbau aus Formen und Farben auf und lehnen alles Kompositorische ab. Spontane, impulsive Gesten entsprießen den Leinwänden, offene, experimentell inspirierte Strukturen in formaler Reduktion überziehen die Bildfläche, nicht aber strenge geometrische Abstraktionen. ...mehr

Materialreiche Inszenierung: Das New Yorker Künstlerduo Nicholas Kahn und Richard Selesnick zeigt in der Lübecker Overbeck-Gesellschaft die Fiktion einer historischen Katastrophe

Ein Eisberg als Metapher


Das Jahr 1923 war zweifellos eines der krisenreichsten Jahre des 20. Jahrhunderts: Die Inflation galoppierte, belgische und französische Truppen besetzten das Ruhrgebiet, und ein gewisser Adolf Hitler versuchte sich in München an die Macht zu putschen – zunächst zum Glück noch ohne Erfolg. Die Menschen in der Hansestadt Lübeck aber sahen sich mit einem sehr ambivalenten Naturereignis konfrontiert, von dem sie zunächst gar nicht wussten, ob sie es fürchten oder begrüßen sollten: Ein gigantischer Eisberg hatte sich am 17. November 1923 quasi über Nacht in den Lübecker Hafen geschoben. Er veränderte das Leben der Bewohner schlagartig. ...mehr

Claus Bury im Neuen Museum Nürnberg

Das war’s – und geht doch weiter


„Maßstabssprünge“ heißt die Ausstellung, die das Neue Museum Nürnberg dem 1946 in Meerholz bei Gelnhausen geborenen Claus Bury für dieses Frühjahr ausrichtet. Eigentlich gibt es in Burys Werk vor allem einen gewaltigen Maßstabsprung: 1979 entschließt sich der gelernte Goldschmied und bislang durchaus erfolgreiche Schöpfer erlesener Kleinkunstarbeiten, seine bisherige Tätigkeit an den Nagel zu hängen und sich fortan als Entwerfer temporärer, zum Teil auch permanenter Architekturskulpturen zu betätigen. Der Erfolg gibt ihm recht. Schon seit Ende der 1970er Jahre ist Bury mit seinen Werken international präsent: 1979 mit einer „Black Sculpture“ im australischen Noojee und der „Wave Sculpture“ in Palm Beach, 1981 wird eine „Raumverschiebung“ im Dreiechpark in Offenbach installiert, 1983 ein „Bridge Project“ im Madison Square Park in New York, 1993 bereichert er die Stuttgarter Gartenbauausstellung mit einer komplex verschachtelten und doch einfache Raumformen bildenden Skulptur „Am Kreuzungsbogen“, 1999 den Park des Museums für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main mit einem sternwartenartigen „Blick zum Wipfel“. Und in den vergangenen Jahren immer wieder Brücken, die ihn 2006 zu einem seiner Höhepunkte, dem sogenannten „Bitterfelder Bogen“, führen. Dieser steht nicht nur exemplarisch für das Werk des Künstlers, sondern offenbart auch das allgemeingültige Potential, das in dessen Kunst steckt: Von der Landschaft und vom Menschen ist dieses mit über achtzig Metern Länge keinesfalls kleine Monument längst angenommen und wurde zum Wahrzeichen einer ganzen Region, deren Image sich von einer Dreckschleuder der DDR-Industrie in einen Park modernster Technologien gewandelt hat. ...mehr

Zum Abschluss seines Stipendiatenaufenthaltes in der Wassermühle Trittau bei Hamburg öffnet der Hamburger Künstler Dirk Meinzer sein faszinierendes Kabinett der Wunder und Exotica

Im Kabinett des Doktor Meinzer


Schlangenschwänze, Kaimankörper, Schmetterlingspuppen, Schwaneneier oder Gürteltierpanzer. Die Materialliste der Arbeiten des Hamburger Künstlers Dirk Meinzer liest sich wie das Handbuch eines Zoologen oder die Bestandsliste eines Tierpräparators. Und tatsächlich stammen die Zutaten der leichthändig zu maskenartigen Fantasiewesen zusammengefügten Objekte und Assemblagen aus zunächst ganz kunstfernen Quellen: Dirk Meinzer bezieht Tierpräparate, Felle, Krokodilhandtaschen und andere illegale Reisemitbringsel aus den Asservatenkammern des Hamburger Zolls. Mit einigem Geschick hat er im Laufe der Jahre noch weitere Quellen aufgetan, um seinen Bedarf an bunt schimmernden Insekten, Fischpräparaten und anderem Getier zu decken. Diese exotischen Schätze halten bei Meinzer Einzug in die Kunst. Aluminiumdraht, Buchbindemittel, Stofftieraugen, phosphoreszierende Acrylfarbe, sorgsam vom Künstler aufbewahrte, getrocknete Pommes Frites, Spaghetti, Gurke und Kartoffel werden ergänzt und mitverarbeitet. ...mehr

Die Schirn bietet in Frankfurt eine repräsentative Zusammenstellung zu Georges Seurat

Punktuelle Momente


Georges Seurat, La Tour Eiffel, um 1889

Paris im Januar 1889: Der zwei Jahre zuvor begonnene Eiffelturm ist zu vier Fünfteln errichtet, als ihn der Maler Georges Seurat in Öl festhält. Akribisch tupft er dicht gedrängt pastose Farbpunkte auf die Holztafel. Sie ist so bemessen, dass der Turm dort aufhört, wo er das Stadium der Montage zu diesem Zeitpunkt erreicht hat. Eiffelturm und Himmel verschwimmen an der Spitze im flirrenden Meer der Punkte. Alles weitere lässt der Maler offen. Den Status Quo des symbolträchtigen, bis 1930 höchsten Bauwerkes der Welt hält Seurat in seiner neuen Technik fest. Die Farben sind ungemischt in kleinen Flecken auf den Grund gesetzt. Aus der Distanz betrachtete mischen sie sich. Trotz fehlender Konturen und bleibender Unschärfen gewinnt das Motiv an Klarheit. Ein symbolträchtiger Neubau erscheint in neuer Maltechnik. Gleich zu Beginn eines Werksüberblicks in der Frankfurter Kunsthalle Schirn verdeutlicht das Bild signifikant die künstlerischen Talente des Franzosen. ...mehr

Lübeck, Montevideo, New York: Die Daros Latinamerica Collection in Zürich zeigt das noch weitgehend unentdeckte Werk des Konzeptkünstlers Luis Camnitzer

Konzeptkunst mit Poesie und Widerhaken


Leicht einordnen lässt er sich nicht. Der 1937 in Lübeck geborene, in Montevideo, Uruguay, aufgewachsene und seit 1964 in New York lebende Konzeptkünstler Luis Camnitzer gehört keiner Schule an. Er ist nicht Mitglied irgendeiner Künstlergruppe, und sein Werk lässt sich nur schwer mit irgendeinem der üblichen Ismen etikettieren. Camnitzer, der 2002 an Okwui Enwezors Documenta 11 teilnahm, ist ein Künstler, der stets seinen eigenen, von westeuropäischen oder nordamerikanischen Trends und Moden unabhängigen Weg gegangen ist. Seine Kunst wird jetzt mit rund 70 Werken aus der Zeit von 1966 bis 2010 in der Daros Latinamerica Collection in Zürich umfassend ausgestellt. Zusammengestellt wurde die Schau von den Kuratoren Hans-Michael Herzog und Katrin Steffen. ...mehr

Das Bank Austria Kunstforum in Wien breitet opulent die Alltagskultur des Essens und Trinkens aus und rückt speziell die „weibliche Note“ in den Mittelpunkt

Ein Genuss für Mund und Augen


Ein Stillleben: Von einem erhöhten Standpunkt aus gesehen fällt der Blick auf einen Tisch mit weißer Decke. Auf dem Tuch, dessen akkurate Bügelfalten harte Schatten werfen, befinden sich wenige Gegenstände – eine weiße Schale mit dunklen Kirschen zwischen einem roten und einem gelben Apfel. Auf den ersten Blick zeigt Maria Lassnigs „Stillleben mit rotem Selbstportrait“ aus dem Jahr 1969 ein konventionelles Arrangement. Irritierend sind jedoch die beiden Gestänge, die sich an der Längsseite des Tisches in die Platte bohren. Sie halten ein rotes, lippenförmiges Objekt. Allein der Titel verrät, dass es sich hierbei um ein Selbstbildnis der Künstlerin handeln soll. In ihrem verschlüsselten Portrait reduziert Maria Lassnig die Frau auf den Mund, ein Körperorgan, das passend zum Früchtestillleben mit der Nahrungsaufnahme assoziiert wird und ebenso als Symbol für Liebe, Begehren und Erotik steht. Der Mund als Schwelle zur Welt, durch den der Atem, die Sprache und die Nahrung hinein- und hinausgehen, als Sitz des Geschmacksinns, ist das ursprünglichste Organ der Erfahrung. In Maria Lassnigs Stillleben wird er als solcher zum metaphorischen Instrument, das der Spannung zwischen der Anverwandlung des Außen und der Veräußerung des Inneren Ausdruck verleiht. ...mehr

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