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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Eine Ausstellung in Hamm beleuchtet die Geschichte der Zeche Sachsen und ihres Architekten Alfred Fischer

Gleichklang von Form und Funktion


Alfred Fischer, Kesselhaus, 1913-1914

Viel ist nicht mehr geblieben von der einstigen Pracht einer optimistischen Wirtschaftskultur. Wie für so viele große Kohlebergwerke kam auch für die Zeche Sachsen in Hamm-Heesen während der 1970er Jahre der große Einbruch. Noch 1963, knapp fünfzig Jahre, nachdem hier die erste Kohle das Tageslicht erblickt hatte, erreichte der Großbetrieb seine höchste Förderungsleistung. Keine 15 Jahre später aber war Schluss: 1976 wird die Zeche Sachsen stillgelegt, die Schächte werden verfüllt, und innerhalb kürzester Zeit verschwinden fast sämtliche Bauten, die das Gesicht einer ganzen Landschaft geprägt hatten. Einzig die Maschinenhalle überlebte die radikale Demontage, ragt aus dem Gelände hervor, das heute als Öko-Zentrum firmiert, und dient, seit gut zwanzig Jahren unter Denkmalschutz stehend, als Mehrzweckhalle für Großveranstaltungen und Konzerte. Sie allein zeugt von dem hohen Anspruch, den der Architekt Alfred Fischer den riesigen Anlagen einst verliehen hatte, und erinnert an eine Kultur, die unter Stichworten wie Zeche Zollverein in Essen oder Völklinger Hütte erst seit wenigen Jahren einen festen Platz in Denkmalpolitik und Öffentlichkeitswahrnehmung einnimmt. ...mehr

Abkehr von Mitte: Die 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst beendet den Mitte-Hype und entdeckt Kreuzberg als Experimentierfeld für die Erkundung der Wirklichkeit. Im Versuch, um jeden Preis politisch korrekt zu sein, kommt sie jedoch spröde und belehrend daher

Zaungäste des Lebens


Berlin. Oranienplatz 17. Ein ehemaliges Kaufhaus, wie es zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele gab in Berlin. Ecklage mitten im multikulturellen Stadtteil Kreuzberg. Seit Jahren sind die Fenster im Untergeschoss von dicken Plakatschichten überzogen. Die einst prächtige Gewerbeimmobilie stand leer. Mit der 6. Berlin Biennale ist hier jetzt für zwei Monate neues Leben eingekehrt. Kuratorin Kathrin Rhomberg nutzt das weitgehend unrenovierte Gebäude als Hauptaustragungsort einer Berlin Biennale, die erstmals seit ihrer Gründung 1998 den Nachwendehype um den Stadtteil Mitte hinter sich lässt und sich neue Quartiere im ehemaligen Westen der Stadt erobert. ...mehr

Die Hamburger Kunsthalle leistet mit der wissenschaftlich fundierten Ausstellung „Der Jesus-Skandal“ rund um ein Gemälde Max Liebermanns wichtige Aufklärungsarbeit in Sachen Schmähkritik und Antisemitismus

Ein Bild sorgt für Empörung


Max Liebermann, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1879

Es gibt nur einige wenige Bilder der Kunstgeschichte, die solchen Hasstiraden ausgesetzt waren wie dieses: Der jüdische Maler Max Liebermann malte im Jahre 1879 nach einigen Vorstudien in Amsterdam das Bild „Der zwölfjährige Jesus im Tempel“. Der für seinen prägnanten Realismus und seine Vorliebe für soziale und alltägliche Genrebilder bekannte Maler widmete sich hier ausnahmsweise einmal einem klassisch religiösen Thema. Die Szene mit dem kindlichen Jesus, der nach dem Pessachfest ohne seine Eltern in Jerusalem zurückblieb und im Tempel mit den Schriftgelehrten diskutierte, wurde bereits von Dürer und Rembrandt dargestellt. Max Liebermanns Gemälde jedoch löste bei seiner öffentlichen Präsentation auf der Zweiten Internationalen Kunstausstellung im Münchner Glaspalast 1879 einen handfesten Skandal aus. ...mehr

Die Ausstellung „Klimakapseln“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe appelliert an unser ohnehin schon permanent schlechtes Gewissen gegenüber der Umwelt. Dennoch bleibt sie dabei sinnlich, lustvoll und spaßbetont

Stilvoll in die Katastrophe


Oasen finden sich manchmal auch mitten in der Stadt. Zur Zeit schwebt die „Oase Nr. 7“ vor der klassizistischen Fassade des Museums für Kunst und Gewerbe (MKG) in Hamburg. Von einem Ausstellungssaal im zweiten Stock aus können Besucher, nachdem sie eine Druckluftschleuse passiert haben, die ballonartige Kapsel der österreichischen Architekten- und Künstlergruppe „Haus-Rucker-Co“ betreten und in einer Hängematte zwischen zwei Palmen verweilen. In diesem futuristischen Gebilde, das, als wäre es dort immer schon gewesen, über dem urbanen Stadtraum direkt neben dem Hauptbahnhof schwebt, können sehnsüchtige Gedanken kommen. Vielleicht aber auch eher politische. Professor Günter Zamp Kelp von „Haus-Rucker-Co“ hat diesen fiktiven Notausgang, der erstmals 1972 während der Documenta 5 am Museum Fridericianum in Kassel gezeigt wurde, mitentworfen. Er wünscht sich jedenfalls eher kritische als fernwehbeseelte Besucher: „Die sollen sich mit der Realität auseinandersetzen und nicht davor fliehen“, sagt er. ...mehr

„Nürnberg baut auf“: Was 1950 aktuell war, wäre heute mehr denn je nötig

Ein Wiederaufbau in historischen Stilformen kommt nicht in Frage!


Das Plärrer-Hochhaus bei Nacht im Oktober 1953

Es gab viel zu tun in Nürnberg nach dem letzten Kriegsjahr 1945, an dessen Beginn – es war der 2. Januar – der verheerendste Bombenangriff noch einmal über 1.800 Menschenleben gefordert und den größten Teil der Stadt in Schutt und Asche gelegt hatte. Kaum ein Gebäude innerhalb der alten Stadtbefestigung war unbeschädigt geblieben, nach dem Abraum von rund 13 Millionen Kubikmeter Schutt gähnte mittendrin, etwa da, wo heute zwischen Rathaus, Egidienplatz und Pegnitzarmen das Leben pulsiert, die sogenannte „Sebalder Steppe“: ein riesiges leergeräumtes Feld, auf der nach kurzer Zeit das Gras grünte. Doch die Stadtväter säumten nicht, den Wiederaufbau der einst so stolzen, unter den Nationalsozialisten dann so perfide missbrauchten Reichsstadt anzupacken. Noch Ende 1945 lag der Wiederaufbauplan „Altstadt Nürnberg“ vor, der dann, im März 1947 Grundlage eines großen Architektenwettbewerbs wurde: „Das Gebiet der früheren Alt-Stadt Nürnbergs muß aus unserem heutigen baukünstlerischen Bewußtsein heraus aufgebaut werden. Das alte Kulturgut muß dabei bewahrt und liebevoll eingebunden werden. Ein Gesamtwiederaufbau Alt-Nürnbergs in historischen Stilformen kommt nicht in Frage.“ Die Bedingungen einer Beteiligung wurden klar formuliert. ...mehr

Bilder aus der Zwischenkriegszeit: Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigt vier Fotografinnen der Zwanziger Jahre

Neue Frauen – Neues Sehen – Neue Bilder


Bubikopf, Federboa und Zigarettenspitze – soweit das Klischee. Doch die Frauen der 1920er Jahre verkörpern heute noch das Ideal der freien, selbstbestimmten und mondänen Dame, die sich mutig die Welt erobert und auch den Neuerungen der Technik offen gegenübersteht. Die Hamburger Fotografinnen Minya Diez-Dührkoop, Lotte Genzsch, Natascha A. Brunswick und Hildi Schmidt Heins waren im Hamburg der zwanziger Jahre mit der Kamera unterwegs und haben diese Zeit des kurzen, aber intensiven Aufbruchs auf ihren Aufnahmen festgehalten. In der Schau „Eine Frage der Zeit. Vier Fotografinnen im Hamburg der Zwanziger Jahre“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) sind jetzt rund 160 Aufnahmen der vier zu sehen. ...mehr

Die norditalienische Firma Alessi steht für neue Formen, gute Funktion und auch für Ironie, wenn es um Haushaltsgeräte geht. Die Neue Sammlung in München zeigt ab heute, wie sich das Unternehmen seinen Platz in der Designgeschichte eroberte und bis heute bewahrt

Designlabor und Produzent von Klassikern


Bunt, bunt, bunt war das Image von Alessi in den hedonistischen 1990er Jahren, eine Traumfabrik mit hohem Gebrauchswert. Aldo Rossis postmoderne, zylindrische Kaffeemaschine mit der kleinen Kugel auf dem Deckel von 1984 war da schon fast Vergangenheit. Doch wofür steht Alessi wirklich? Für Spaß in der Küche oder innovatives Design? Es gehe ihm vor allem darum, Objekte mit einer Seele zu finden, die zudem einen humanistischen Sinn haben und eine menschliche Utopie zum Ausdruck bringen. So der 1931 geborene Architekt und Designer Alessandro Mendini, der seit den 1970er Jahren als Entwerfer und Berater für Alessi tätig ist, doch darüber hinaus mit eigenen Strategien und Theorien zur Designlegende wurde. Was Mendini unter Gegenständen mit Seele praktisch versteht, zeigt die von ihm kuratierte Alessi-Ausstellung „Oggetti e Progetti“ – zu deutsch „Objekte und Projekte“ der Neuen Sammlung in Münchens Pinakothek der Moderne. ...mehr

Das Palais für aktuelle Kunst in Glückstadt feiert mit einer großen Übersichtsausstellung sein 10jähriges Jubiläum. Ab März 2011 aber fallen alle städtischen Zuschüsse weg

Der Countdown läuft


Fünf Kuratoren, über 140 Künstler, zahlreiche Besucher aus ganz Norddeutschland: Das Palais für aktuelle Kunst (PaK) in Glückstadt feiert jetzt sein zehnjähriges Jubiläum. Aus einer Initiative engagierter Kunstfreunde hervorgegangen, hat sich der kleine, in einem Adelspalais aus dem 17. Jahrhundert am Hafen residierende Kunstverein weit über die Grenzen von Glückstadt hinaus einen guten Namen gemacht. Das Publikum und Künstler reisten aus Hamburg, Berlin und vielen anderen Orten im In- und Ausland an. Viele der Künstler bezogen sich auf die Stadtgeschichte, auf gesellschaftliche, architektonische oder historische Besonderheiten. Fotografische und zeichnerische Erkundungen fanden im Stadtraum statt. Der Strukturwandel und seine Spuren in Form verfallender Industriehallen etwa wurden fotografisch dokumentiert. Und sogar der Matjes, die kulinarische Spezialität der Stadt, wurde zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Arbeit. Kurzum: Die Künstler, die bisher im PaK ausgestellt haben, hinterließen in Glückstadt durchaus ihre Spuren. Dabei warfen sie immer wieder neue, auch kritische Blicke auf die im Alltag leicht zu übersehenden Bruchstellen innerhalb der Stadt. Um dekorative Hobbykunst ging es hier nie. ...mehr

Stochern im esoterischen Nebel: Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt gleich zwei Ausstellungen zu Leben, Werk und Wirkungsgeschichte des Anthroposophen Rudolf Steiner

Reinwaschung eines Umstrittenen


Dieser Mann spaltet die Öffentlichkeit in begeisterte Anhänger und erbitterte Gegner. Die einen sehen in dem Waldorf-Pädagogen Rudolf Steiner einen ganzheitlichen Heilsbringer, ein sinnstiftendes Bindeglied zwischen Individuum, Natur und Kosmos. Die anderen mahnen zur Vorsicht. Enthält sein Werk nicht auch rassistische und antisemitische Passagen? Tritt die Anthroposophie, seine Lehre, nicht mit einem unerträglichen Absolutheitsanspruch auf, indem sie für alle Fragen eine pseudowissenschaftliche Antwort parat hält? Glaubt der moderne aufgeklärte Mensch wirklich noch an „okkultes Sehvermögen“, „hellseherisches Bewusstsein“ oder an die „ehernen, großen Gesetze im ganzen Universum“? ...mehr

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