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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Zum 20jährigen Bestehen vergibt die Adolf-Luther-Stiftung ihren Kunstpreis an Julius Popp. Der Wissenschaftskünstler hat dazu im Haus Lange in Krefeld eine Ausstellung eingerichtet

Wissenschaftlichen Realitäten auf der ästhetischen Spur


Kaum ist der Gast ins Krefelder Haus Lange eingetreten, wird er Teil eines flexiblen Systems permanenter Reflexe. In der einstigen Wohnhalle des von Ludwig Mies van der Rohe für Hermann Lange entworfenen Baus findet man sich inmitten vertikal stehender, teils leicht geneigter Kapseln wieder. „Mikro.Perpendiculars“ nennt Julius Popp seine Installation, die bei manchem Gast zunächst Assoziationen an überdimensionierte Produkte der Pharmaindustrie wecken dürfte. Eingebaute Prozessoren antworten auf Einflüsse wie Luftströme, menschliche Bewegungen oder andere Veränderungen im Raum. ...mehr

Zum 300sten Jubiläum der Meißner Porzellanmanufaktur zeigen zwei Ausstellungen in Berlin und Dresden selten zu sehende Spitzenstücke aus aller Welt. Warum aber lösen sie keinen Besucherstrom aus wie einst die Gemälde aus dem MoMA oder die von Frida Kahlo in Berlin?

Gebremste Glückshormone


Terrine mit Galathea und Amor aus dem Schwanenservice, Meißen, um 1736

Das Japanische Palais in Dresden sollte einst der strahlende Showroom für seine Porzellansammlung werden. Hier wollte August der Starke Gleichrangige und Untergebene, Verbündete und Feinde vor allem mit Porzellanen aus der eigenen Manufaktur blenden. Wäre die Vision vom Schloss voller Porzellane jemals so geworden, wie der Kurfürst sich das vorgestellt hatte, Sachsens Glanz wäre ins Unermessliche gestiegen. Nicht nur dass Meißen seit 1710 der europäischen Kulturgeschichte ein neues Fenster aufgestoßen hat, Meißner Porzellan, das war von Anfang an Kunst, Luxus, Meisterschaft der Modelleure und Maler. ...mehr

Das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main beleuchtet das Lebenswerk des Industriedesigners Dieter Rams

Kühle Eleganz


Dieter Rams, Braun Lautsprecherbox mit Kufengestell „L 2“, 1958

Was sich derzeit in drei Ausstellungssälen des Frankfurter Museums für Angewandte Kunst vor den Besuchern ausbreitet, dürfte jedem Erwachsenen nur allzu bekannt sein. Fast kommt man sich vor wie in einem Haushaltsgeräteladen der 1960er oder 1970er Jahre. Die meisten werden sicherlich das eine oder andere in ihrem Fundus finden, und wenn es nur die Kaffeemaschine, Lautsprecherbox, Armbanduhr, der Haartrockner, Rasierapparat, Plattenspieler, Wecker, das Feuerzeug, Radio, Tonbandgerät oder Blitzlicht ist – Dinge, die vielleicht schon längst ausrangiert im Keller lagern. Ein Mann zeichnet allein oder in Mitautorenschaft von Kollegen für diese Entwürfe verantwortlich, der gelernte Architekt Dieter Rams. „Weniger, aber besser“, unter diesem Vorzeichen hat der wohl konsequenteste deutsche Entwerfer des 20sten Jahrhunderts zusammen mit seinem Team zeitgemäßes Design auf die Wurzeln der Funktionalität zurückgeführt. ...mehr

Von Liebe, Sex und Leidenschaft: Die Ausstellung „I Love You“ im Kunstmuseum ARoS im dänischen Aarhus hält einen großen Parcours der Gefühle bereit

All you need is love


Dieser Satz hat über 400 Millionen Fundstellen bei Google: „I love You“ ertönt in Hollywood-Liebesfilmen ebenso wie in fast jedem zweiten Popsong. Er steht in Liebesbriefen und in Teenager-SMS, in den Drehbüchern von TV-Soaps, in Schmachtromanen und auf Lebkuchenherzen. Abgenutzt und doch griffig – ein Satz, der auf der ganzen Welt verstanden wird und dabei klingt wie der geniale Werbeslogan einer Markenkampagne. Nun ist er auch noch Titel einer Ausstellung geworden. Das Kunstmuseum ARoS im dänischen Aarhus zeigt Arbeiten zum Thema Liebe von 40 Künstlern des 19., 20. und 21. Jahrhunderts. Das Spektrum reicht dabei von Auguste Rodins anmutiger Marmorskulptur eines Liebespaares mit dem Titel „Ewiger Frühling“ von 1884 über Jeff Koons’ berühmt-berüchtigten Geschlechtsakt mit dem Pornostar Cicciolina bis zum lakonisch-konzeptuellen Video „Smoke“ aus dem Jahr 2003 der in Zürich lebenden Amerikanerin Elodie Pong: Die Zigarette danach in 3:47 Minuten Länge, so lang wie man im Schnitt eben auch zum Aufrauchen des Glimmstängels braucht. ...mehr

Berlins wichtigstes Fotografieforum C/O Berlin feiert mit der Ausstellung „Magnum. Shifting Media. New Role of Photography“ seinen 10jährigen Geburtstag. Doch die Zukunft ist ungewiss: Ihr imposantes Domizil im Postfuhramt muss die private Initiative wohl bald verlassen

Bildwelten im Wandel


Plakatmotiv für „Magnum. Shifting Media. New Role of Photography“

Das britische Coventry im November 1940. Die deutsche Luftwaffe hat in der mittelenglischen Industriestadt in der Nacht rund 4300 Häuser und die Kathedrale zerstört. Über 500 Menschen sind ums Leben gekommen. Doch die kleinen britischen Händler lassen sich ihren letzten Rest Humor nicht nehmen. In einer Snackbar wird am Morgen danach „Bombardierungsfrühstück“ angeboten. Am Stand eines Gemüsehändlers prangt selbstbewusst das Schild „Business as usual, Mr. Hitler“. Der britische Fotograf George Rodger war damals vor Ort und machte diese Aufnahmen: Zeitdokumente an der Schnittstelle zwischen schnellem Fotojournalismus und künstlerischem Bild. Rodger fotografierte später auch in Paris und Belgien und wurde dort fotografierender Zeuge der Befreiung von den deutschen Besatzern. Als er dann im April 1945 bei der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen mit der Kamera dabei war, fertigte er unter anderem Porträts von KZ-Aufseherinnen. Diese Porträtserie gibt einen unmittelbaren Einblick in die Härte, Brutalität und emotionale Kälte der Täterinnen. ...mehr

„Segeln, was das Zeug hält“: Die Hamburger Kunsthalle zeigt Gemälde und Grafiken aus dem Goldenen Zeitalter der Seefahrer- und Eroberernation Niederlande

Mit geblähten Segeln in die Welt hinaus


Ludolf Backhuysen, Niederländischer Angriff auf der Medway: Die „Royal Charles“ wird in niederländische Gewässer gezogen, 12. Juni 1667

„Mast- und Schotbruch“, „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“, „mit Mann und Maus untergehen“, „einen ruhigen Kurs fahren“ – die deutsche Sprache hält viele Redewendungen bereit, die aus der Welt der Schifffahrt und des Segelns stammen. Und gerade in Hamburg ist man dem Segelsport von jeher verbunden, und der Vorstellung vom Aufbruch hinaus auf die Weltmeere natürlich ebenso. So überrascht es nicht, dass sich die Hamburger Kunsthalle dem Thema der Schifffahrt in der holländischen Malerei widmet und in den Sommermonaten im Hubertus-Wald-Forum eine Ausstellung mit dem Titel „Segeln, was das Zeug hält“ präsentiert. ...mehr

Genauer Ausgang ungewiss: Der amerikanische Künstler Dan Peterman öffnet den Ausstellungspavillon der Lübecker Overbeck-Gesellschaft für allerlei natürliche Prozesse. Ganz vordergründig jedoch geht es dabei um Käse

Im Zwischenreich von Kunst, Natur und Technik


Wenn es um die vielfältigen thematischen Berührungen zwischen Kunst und Natur, Ökologie und Ökonomie geht, dann ist der in Chicago lebende amerikanische Künstler Dan Peterman, Jahrgang 1960, immer ganz vorne mit dabei. Berühmt ist seine Fahrradreparaturwerkstatt, die er zusammen mit benachteiligten Jugendlichen in einem Nebengebäude der Universität von Chicago betreibt. Der interdisziplinäre Austausch mit Naturwissenschaftlern und Umweltaktivisten gehört zu seinen Markenzeichen. Peterman, der seit über 20 Jahren künstlerisch arbeitet, wurde jetzt von der Lübecker Overbeck-Gesellschaft eingeladen, den Ausstellungspavillon des Kunstvereins in ein vielschichtiges Ensemble aus skulpturalen Setzungen und organischen, durchaus schwer kontrollierbaren Prozessen zu verwandeln. ...mehr

In den 1960er Jahren war Uwe Lausen ein Jungstar in der deutschen Malerszene. Nach dem Freitod des 29jährigen vor 40 Jahren geriet sein Werk fast in Vergessenheit. Doch scheint jetzt die Zeit der Wiederentdeckung gekommen zu sein: Die Villa Stuck in München erinnert derzeit mit einer Retrospektive an ein Talent zwischen Rebellion und Depression

Von der Unerträglichkeit des Seins


Uwe Lausen war eine Ausnahmenfigur in der Malerszene seiner Zeit und doch gehört er heute neben Georg Baselitz und Sigmar Polke zu den wichtigsten Vertreter der figurativen Malerei der Bundesrepublik in den 1960er Jahren. Seine Karriere war kurz und heftig. Denn gerade einmal neun Jahre umfasste die Schaffenszeit des Malers, der ähnlich getrieben war wie sein Zeitgenosse Rainer Werner Fassbinder und irgendwann vor lauter innerem Druck und rastlosem Tempo verglühte. Auch menschlich scheint es Parallelen zu geben. Beide neigten zu Exzessen und galten als mürrisch. Lausen war zudem bekannt für seinen Hang zu Haschisch und LSD. Mit 20 Jahren fing er an zu malen, mit 29 hörte er abrupt wieder auf. Doch so überschaubar sein Werk ist, umso intensiver ist darin die Zerrissenheit der Gesellschaft jener Epoche spürbar und gleichermaßen die des psychisch labilen Künstlers. Das wird nun eindrücklich in der Münchner Villa Stuck wieder lebendig, die zum 40sten Todestag des Künstlers seinem Schaffen eine Retrospektive ausrichtet. ...mehr

Das Rheinland würdigt Johann Wilhelm Schirmers Schaffen mit einer Ausstellungsserie

Landschaften im Verbund


Johann Wilhelm Schirmer, Römische Campagna mit Wasserleitung, um 1847

Mitte des 19ten Jahrhunderts geriet die akademische Malerei in die Defensive. Das Historienbild, eine Darstellung von handelnden Menschen in Poesie, Religion und Geschichte, hatte nachhaltig an Boden verloren. Es war zunehmender Kritik ausgesetzt und nur noch bei öffentlich-staatlichen oder kirchlichen Auftraggebern gefragt. Der von Staat und Kirche eingeforderten Dienstbarkeit der Künste stellten sich die neue Ideen entgegen. Das Individuelle, Typische, Wahre, Fragen nach Identität und Realität, Natur und Dichtung, Geist und Anschauung revidierten konventionelle künstlerische Positionen. Auch die Käuferstruktur änderte sich. Staffeleibilder mit Genre- und Naturschilderungen erfreuten sich mehr und mehr privater Wertschätzungen. Nicht nur, aber vor allem in Deutschland trat damit die Landschaftsmalerei einen Siegeszug an. Alles drängte schließlich zur Landschaft; sie traf den Nerv der Zeit. ...mehr

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