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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Der Bauhauskünstler László Moholy-Nagy gilt als Vorreiter der Moderne. Eine Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau feiert ihn jetzt als Künstler des Lichts

Kompromisslos modern


László Moholy-Nagy, Lago Maggiore, Ascona, Schweiz, um 1930

Er hatte zeitlebens den Anspruch, ein ganzheitlicher Künstler zu sein. Der 1895 geborene Ungar László Moholy-Nagy, der im Jahr seines Todes noch die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt, bewegte sich virtuos zwischen zahlreichen Disziplinen. Er war im Medium Fotografie ebenso zu Hause wie in der Malerei. Er beschäftigte sich mit dem Film, der Werbung, dem Industriedesign, der Wirkung von Skulptur im Raum und der Bühnengestaltung. 1923 berief Walter Gropius ihn ans Weimarer Bauhaus. Moholy-Nagy erwies sich dort als begeisterter Lehrer. 1925 zog er mit dem Bauhaus nach Dessau, wo er eines der Meisterhäuser bewohnte. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft verließ er Deutschland bereits 1934 und zog nach Amsterdam um. 1937 emigrierte er in die USA und gründete wiederum mit Hilfe von Walter Gropius die amerikanische Designschule „New Bauhaus – American School of Design“ in Chicago. Schon zwei Jahre später eröffnete er dort seine eigene Privatschule: die „School of Design“. 1946 starb Moholy-Nagy im Alter von nur 51 Jahren an Leukämie. ...mehr

Das Centraal Museum im niederländischen Utrecht würdigt mit Gerrit Rietveld den größten Sohn der Stadt

Leben im unendlichen Raum


Das Rietveld-Schröder-Haus in Utrecht, Oktober 2010

Mit Gerrit Rietveld verbindet man den rot-blauen Stuhl von 1917/19 und das 1924 fertig gestellte Schröder-Rietveld-Haus in Utrecht. Der Stuhl ist zu seinem Markenzeichen auf dem Gebiet des Möbeldesigns geworden, sein erster architektonischer Auftrag avancierte rasch zur Ikone moderner Baukunst. Im Dezember 2000 hat die UNESCO ihn in ihre Liste zum Weltkulturerbe aufgenommen. Über hundert weitere realisierte Gebäude und viele Möbelstücke, darunter der legendäre Zickzackstuhl oder der Berlinstuhl, stehen im Schatten der zwei Hauptwerke. Schon lange schien es daher an der Zeit, den „gesamten Rietveld“ im Rahmen einer Retrospektive vorzustellen. Es lag nahe, dies im Centraal Museum seiner Heimatstadt Utrecht zu tun, das weltweit die größte Sammlung von Entwürfen des Meisters besitzt. Die große Ausstellung „Rietvelds Universum“ bildet nun den Höhepunkt zahlreicher Aktivitäten des heuer in Utrecht begangenen „Rietveld Jahres“. Dabei rücken besonders das Denken, die Mentalität sowie das Umfeld des Künstlers in den Fokus. ...mehr

William Kentridge in der Wiener Albertina

In die fünfte Dimension


Ein Mann tritt vor eine mit dunklen Farbspuren befleckte Wand. Wir sehen ihm dabei zu, wie er durch die Luft fliegende Papierfetzen fängt. Mit Verve setzt er die gezeichneten Fragmente an der Wand zu einem Selbstportrait zusammen und radiert das abstrakte Liniengeflecht, das den gezeichneten Kopf zunächst noch überdeckt, sorgfältig aus. Nachdem der Mann wie mit Zauberhand den Schatten des Kopfes verdunkelt und schließlich sein Werk bewundert hat, geht er nach links ab; in seiner Abwesenheit erwacht die Figur auf dem Foto zum Leben und verlässt ihrerseits den Raum nach rechts. „Invisible Mending (Unsichtbares Flicken)“ ist der erste Abschnitt von „7 Fragmente für Georges Méliès“, in dem William Kentridge in wenigen Minuten ein charmantes, intelligentes, subtil-versponnenes Portrait von sich selbst entwirft. Zusammen mit den beiden weiteren Filmen „Reise zum Mond (Journey to the Moon)“ und „Day-for-Night“, beide von 2003, präsentiert der südafrikanische Künstler „7 Fragmente“ als Auftakt zu seiner Ausstellung „5 Themen“, die nach Stationen in New York und Paris nun in der Albertina in Wien zu sehen ist. ...mehr

Ist das noch Kunst oder bloß Event? Carsten Höller verwandelt den Hamburger Bahnhof in Berlin in eine gigantische Versuchsanordnung mit Rentiergehege, Vogelbauern und einem Lotterbett für 1.000 Euro die Nacht

Zwölf Rentiere auf der Suche nach dem Zaubertrank


Carsten Höller, Soma, 2010

Das Museum als Animal Farm: Unvorbereitete Besucher, die dieser Tage den Hamburger Bahnhof in Berlin betreten, dürften sich zunächst einmal die Augen reiben. Zwölf ausgewachsene Rentiere haben es sich in der langgestreckten Hauptausstellungshalle des Museums bequem gemacht. Offenbar ganz und gar an den Menschen gewöhnt, gehen die traditionellen Haustiere der Lappen und Samen ihren üblichen Verrichtungen nach. Sie fressen und trinken, reiben sich ab und zu an den Geweihen und scheiden am Ende die Überreste dessen aus, was sie zuvor zu sich genommen haben. Nein, auch wenn es penetrant nach Stall riecht und in überdimensionalen Vogelbauern die Kanarienvögel zwitschern, das ist keine Nebenstelle des Zoologischen Gartens und auch keine verfrühte Version der demnächst überall aus dem Boden sprießenden Weihnachtsmärkte. Kein „Santa Claus“ weit und breit, der die namenlosen Tundrabewohner vor seinen Schlitten spannen will. ...mehr

Die Ausstellung als Produktionsort: Der Hamburger Kunstverein lud Gastkünstler aus Amsterdam, Bergen, Oslo, Berlin und Glasgow zum Arbeitsaufenthalt ein. Herausgekommen ist die prozessuale Gruppenausstellung „Zwischenraum: Space Between“

Netzwerke auf Zeit


Betritt man dieser Tage den Hamburger Kunstverein, so steht man mitten in einer Druckwerkstatt. Ausstellungsplakate und Ankündigungen für Veranstaltungen werden hier im Siebdruckverfahren hergestellt. Besucher dürfen mitmachen, unter der Anleitung von Ciara Phillips, Jahrgang 1976, die in Glasgow das Projekt „Poster Club“ betreibt. Und anzukündigen gibt es vieles während der Laufzeit der Gruppenausstellung „Zwischenraum: Space Between“. Grundidee der Schau ist das Prinzip des Gastaufenthalts. Junge Künstler aus verschiedenen europäischen Ländern wurden ausgewählt, auf Einladung des Kunstvereins einen mehrwöchigen Arbeitsaufenthalt in Hamburg zu verbringen. Ganz ohne thematische Vorgaben, aber mit der Freiheit, sich auf das Unbekannte einzulassen, entstand so eine gemeinsame Ausstellung. Viele Abendveranstaltungen wie Performances, Vorträge oder Katalogpräsentationen umrahmen die Schau und halten den Prozess der Recherche und Diskussion zwischen den Künstlern und dem Publikum lebendig. ...mehr

Der 41jährige David Claerbout zählt heute zu den wichtigsten Videokünstlern seiner Generation. In seinen Filmen geht es hauptsächlich um die Zeit. Die Pinakothek der Moderne in München zeigt nun fünf Arbeiten des Künstlers

Ein Meister der Entschleunigung


Es gibt viele Definitionen zur Videokunst. Die einen halten sie für eine Skulptur in Bildern, die anderen für die Befreiung des Films vom Zwang des Geschichtenerzählens. Die Videos des belgischen Künstler David Claerbout gehören eher zur zweiten Kategorie. Doch während sich das Kino in den letzten Jahrzehnten durch immer schnellere und härtere Schnittfolgen hervortat, ging Claerbout den entgegengesetzten Weg. Seine Sequenzen sind von minimalistischer Langsamkeit und mitunter nur in einer einzigen Kameraeinstellung gedreht. Sie sind fotografisch-filmische Reflexionen über die Beziehung zwischen Zeit und Realität, über die Wahrhaftigkeit und das Trügerische des Abgebildeten. ...mehr

Joan Miró verzaubert das Museum Frieder Burda in Baden-Baden

Die Heiterkeit des Südens


Fast möchte man meinen, der weiße, helle Bau von Richard Meier sei speziell für diese Ausstellung geschaffen. Vor dem Hintergrund der weiten, von Licht durchfluteten Architektur erzeugt Joan Mirós formale Schöpferkraft aus knappen Zeichen und satten Farben ein inspirierendes Universum von spielerischen Bahnen und Verwandlungen. Nichts scheint besser mit der entspannenden, duftigen Atmosphäre des mondänen Kurbades zu harmonieren, als die ungemein fantasievollen Arbeiten des großen Katalanen. Sinnlich, entkrampft und voller anmutiger Unbeschwertheit hat das Museum Frieder Burda in Baden-Baden seine Bilder arrangiert, die zwischen Figuration und Abstraktion oszillieren. Bis heute bestechen sie durch Präsenz und Aktualität, die die Menschen ansprechen, begeistern und zum Träumen einladen. ...mehr

Darf man das? Die Ausstellung „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“ versammelt das visuelle Inventar des Alltags im Dritten Reich und sucht so nach Antworten auf die Frage: Wie war Hitler möglich?

Ein Sideboard aus der Reichskanzlei


Lampion mit Hakenkreuz, um 1940

„Es geht nicht um Hitler als Person“. Hans Ottomeyer, der Präsident des Deutschen Historischen Museums weiß um die Brisanz des Ausstellungsunternehmens, mit dem sein Haus in den nächsten Tagen und Wochen weltweit in die Schlagzeilen geraten wird. Auch wenn der Titel der bis zum 6. Februar 2011 laufenden Ausstellung „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“ lautet, und damit so wissenschaftlich ausgewogen wie möglich daherkommt, so wird wahrscheinlich doch ganz rasch von der „Hitler-Ausstellung“ die Rede sein, die es da in der Ausstellungshalle Unter den Linden zu sehen gibt. Ein sprachlicher Lapsus, der übrigens auch den Ausstellungsmachern selbst während der Pressekonferenz unterlaufen ist. ...mehr

Ein Künstler im Pyjama: Die Hamburger Kunsthalle zeigt eine große Retrospektive des kanadischen Künstlers Rodney Graham

Konzeptkunst mit Humor


Der talentierte Hobbymaler: Im Wohnzimmer eines geschmackvoll möblierten Bungalows aus den 1960er Jahren ist das kostbare Parkett mit Zeitungen ausgelegt. Ein Maler hat hier seine Utensilien aufgebaut: eine große Leinwand, diverse Farbtöpfchen und Stapel von opulenten Kunstbänden seiner Heroen: Pablo Picasso, Joan Miró, Max Ernst. Der gut gelaunte Amateurmaler steht dort barfuß im blau gestreiften Altherrenschlafanzug, eine Zigarette lässig im Mundwinkel. Er schüttet gelbe Farbe auf die schräg aufgestellte Leinwand, um sein abstraktes Gemälde zu vollenden. Das überdimensionale Leuchtkastenbild „The Gifted Amateur, Nov. 10th, 1962“ aus dem Jahre 2007 stammt von dem kanadischen Konzeptkünstler Rodney Graham, Jahrgang 1949. Die Hamburger Kunsthalle widmet dem neben Jeff Wall wohl bekanntesten kanadischen Künstler jetzt eine große Retrospektive. Viele der ausgestellten Arbeiten sind zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. ...mehr

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