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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Caspar David Friedrichs früh verstorbener Zeitgenosse: Die Hamburger Kunsthalle widmet ihrem zweiten „Säulenheiligen“ Philipp Otto Runge zum 200. Todestag eine umfassende Ausstellung

Wiederentdeckung eines Unvollendeten


Philipp Otto Runge, Selbstbildnis mit braunem Kragen, 1802

Das Selbstporträt bietet dem Künstler vielfältige Möglichkeiten. Er kann sich seinen Zeitgenossen und der Nachwelt gegenüber stilisieren, idealisieren, aber auch durchaus kritisch befragen. Er kann seine gegenwärtige Gemütsverfassung oder seinen sozialen Status zum Thema machen, sich in der Pose berühmter Vorbilder inszenieren oder aber schonungslos all seine Selbstzweifel und inneren Zerwürfnisse auf die Leinwand bannen. Kurzum, er kann Held oder Märtyrer, selbstbewusst Schaffender oder exemplarisch Leidender sein. Der 1777 im pommerischen Wolgast geborene Maler und Zeichner der deutschen Frühromantik, Philipp Otto Runge, der 1810 im Alter von nur 33 Jahren an Lungentuberkulose verstarb, schien sich der besonderen Bedeutung der Selbstdarstellung durchaus bewusst zu sein. ...mehr

Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt hat sein Haus nach der Sanierung mit einer Retrospektive zu Paul Bonatz eröffnet

Brisante Moderne


Paul Bonatz, Hauptbahnhof in Stuttgart, 1911-1927

Vor genau 100 Jahren gewann der Architekt Paul Bonatz gemeinsam mit Friedrich Eugen Scholer den Wettbewerb um den neuen Hauptbahnhof Stuttgart. Aber nicht nur deshalb widmet sich das Deutsche Architekturmuseum in seiner Eröffnungsschau nach erfolgtem Umbau dem Baumeister im Rahmen einer großen Retrospektive. Wohl selten war in Frankfurt eine Schau von so aktueller Brisanz. Nahezu täglich ist die schwere, monumentale Großform des aus differenten Kuben zusammengesetzten Verkehrsbaus aus den Jahren 1914 bis 1928 in den Nachrichten präsent. Seit 1987 besitzt dieses wohl zu den spektakulärsten Bauwerken der Weimarer Republik zählende Zeugnis der Frühmoderne den Rang eines Kulturdenkmals von besonderer Bedeutung. Nichts desto trotz ist bislang die Teilzerstörung des „Nabels Schwabens“ im Rahmen neuer unterirdischer Gleisführungen in Gange. ...mehr

Die Ausstellung „Unscharf. Nach Gerhard Richter“ untersucht die Unschärfe als postmodernes Stilprinzip und konfrontiert in der Hamburger Kunsthalle unscharfe Bilder von Gerhard Richter mit Werken von 24 jüngeren Malern und Fotografen

Nachmoderne Blicke


Gerhard Richter gilt als einer der bedeutendsten Maler der Gegenwart. Andere an ihm zu messen, fällt nicht leicht. Die Hamburger Kunsthalle wagt jetzt dennoch den Versuch, einen Vergleich zwischen der jüngeren Künstlergeneration und dem Werk Gerhard Richters anzustellen. Dabei geht es um die Unschärfe, ein Stilmittel, das Gerhard Richter immer wieder durch Verwischungen und andere verunklärende Maltechniken erzeugt hat. Kunsthallendirektor Hubertus Gaßner und Kurator Daniel Koep stellen 20 Richter-Gemälden und -Fotografien, überwiegend aus der eigenen Sammlung, die Werke von 24 jüngeren Künstlern gegenüber. Die Ausstellung trägt den Titel „Unscharf. Nach Gerhard Richter“ und spielt damit auf mehreren Ebenen auf das „Nachahmerprinzip im systematischen Sinne“, so Gaßner, an. ...mehr

In Mannheim bietet eine üppige Geschichtsschau einen Überblick über die Zeit der prägenden mittelalterlichen Herrscherdynastie

Die Staufer sind wieder da


Thronender König, Norditalien, um 1230/35

Historie wiederholt sich nicht. Dies gilt auch für die Geschichte von Ausstellungen. Wie sich der Zeitgeist hier wandelt, demonstriert gerade in Mannheim eine Vorstellung über die Staufer. Da bietet sich der Blick ins Jahr 1977 an. Vor 33 Jahren leistete sich Baden-Württemberg anlässlich seines 25jährigen Bestehens eine fulminante Schau über die wohl bedeutendste, aus seinen Landen stammende Herrscherdynastie des hohen Mittelalters. Gleich an zwei Orten, im alten Stuttgarter Schloss und im Gebäude des Kunstvereins, sorgte sie von März bis Juni 1977 unter dem Titel „Die Zeit der Staufer“ für Furore. 1084 Exponate zogen statt der erhofften 300.000 Besucher stolze 671.000 Interessierte an. Achtbare sieben Kilo wog der fünfbändige Katalog. Das waren noch Zeiten. ...mehr

Der Nachwuchswettbewerb „Gute Aussichten“ ermittelt Jahr für Jahr die besten jungen Fotografen aus deutschen Hochschulen. Im Hamburger Haus der Photographie werden sie jetzt präsentiert

Zwischen Abschied und Aufbruch


Er gilt als eine der wichtigsten bundesweiten Nachwuchsfördermaßnahmen für junge Fotografie: Der Wettbewerb „Gute Aussichten“. Bereits zum siebten Mal ist die Talentschau jetzt im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen zu Gast. Gezeigt werden Arbeiten der acht aktuellen Preisträger. Organisiert wird „Gute Aussichten“ von einer privaten Initiative rund um die Kunstwissenschaftlerin Josefine Raab und den Autor Stefan Becht. Kurator Ingo Taubhorn, selbst ständiges Jurymitglied, betont: „In so einer großen Ausstellung in einem renommierten Haus können sich die Arbeiten voll entfalten und ein breites Publikum finden.“ ...mehr

Das Gemeentemuseum in Den Haag stellt seinen Architekten Hendrik Petrus Berlage vor und macht auch auf sein Können als Designer aufmerksam

Vordenker des Neuen Bauens


Hendrik Petrus Berlage, Gemeentemuseum Den Haag, 1928-1935

Der Bau ist für ein Museum recht untypisch, er sieht eher aus wie eine Fabrik, ohne signifikantes Portal, statt dessen eine Kolonnade, kein repräsentatives Treppenhaus, eher nüchterne, klinisch steril plattierte Stiegenaufgänge. Sachlich gestaltet sich auch das verklinkerte Äußere ebenso wie der Rundgang durch tagesbelichtete Säle und Kabinette um einen Innenhof. Vor 75 Jahren wurde das umstrittene Gemeentemuseum in Den Haag eröffnet, dessen kühle Ästhetik in der Textur von Ziegelmusterung und Platten zu suchen ist. Der Architekt Hendrik Petrus Berlage sah sein letztes Meisterwerk nie vollendet. Er verstarb bereits am 12. August 1934 in Den Haag im Alter von 78 Jahren. Nun widmet das Museum dem Mitbegründer der sachlich-modernen Architektur in den Niederlanden eine Überblicksausstellung. ...mehr

Der Hamburger Kunstverein zeigt zwei politische Ausstellungen zu den Themen Fußball und Redefreiheit. Außerdem im Foyer: die Rekonstruktion eines Kultlokals

Von den Grenzen der Redefreiheit


Zeitschriften vor Fotodisplay in der Ausstellung „Freedom of Speech“

Ehemalige Stammgäste werden sich die Augen reiben, wenn sie in diesen Tagen das Foyer des Kunstvereins in Hamburg betreten. Zu sehen ist dort eine Rekonstruktion des einst benachbarten Restaurants „Jena Paradies“. Unter dem Titel „Die erlösende Eloquenz erprobter Dinge – Jena Paradies revisited“ hat der Hamburger Künstler Werner Büttner das Kultrestaurant, das von 1992 bis 2007 das Stammlokal der Hamburger Kunstszene war, partiell wieder aufgebaut. Büttner verstand das von ihm entworfene „Jena Paradies“, benannt nach einem Bahnhof in seiner Geburtsstadt, als Gesamtkunstwerk mit eigens konstruierten Lampen, Möbeln, Zeichnungen und Texten. Das Zentrum bildete eine opulente Bar. Essen und Trinken sind für Büttner Lebenselixier, die Gastronomie ein Ort des Austausches, des Schlagabtausches und nicht zuletzt auch des kultivierten Rausches. Der Kunstverein lässt die untergegangene Gastronomielegende mit zahlreichen Veranstaltungen und Kochabenden jetzt für knapp ein Jahr wiederauferstehen. ...mehr

Weit mehr als eine Künstlerwitwe: June Newton alias Alice Springs wird in der Berliner Helmut Newton Stiftung mit einer umfassenden Retrospektive ihres fotografischen Werkes geehrt

Schau mir in die Augen


Manchmal muss man ins kalte Wasser springen, um eine große Karriere zu starten. Helmut Newton war 1970 viel zu verschnupft, um den Aufnahmetermin für eine Zigarettenkampagne wahrzunehmen. Seine Ehefrau June ließ sich daher kurz die Kamera erklären, ging ans Set und machte den Job. Offenbar zur vollsten Zufriedenheit des Kunden. Die Aufnahme eines wild gelockten, maskulinen Models für „Gitanes“, die leicht verruchte Lieblingszigarette französischer Musiker und Intellektueller, entsprach genau dem Image der Marke. Das Honorar jedenfalls wurde anstandslos an Helmut Newton überwiesen. So trat June Newton aus dem Schatten ihres berühmten Mannes heraus und wurde von da an regelmäßig für Werbestrecken, unter anderem für den Pariser Edelcoiffeur Jean Louis David, und trendige Modekampagnen gebucht. Die Helmut Newton Stiftung in Berlin präsentiert jetzt die weltweit erste große Retrospektive mit 250 Aufnahmen der Newton-Witwe. Die firmierte jedoch bald schon unter dem Pseudonym Alice Springs. Angeblich, so die Künstlerlegende, hat sie während eines Abendessens einen Dartpfeil auf eine Australienkarte geworfen und dabei rein zufällig die Kleinstadt mit dem wohlklingende Namen getroffen. ...mehr

Das Mauritshuis in Den Haag präsentiert erstmals öffentlich Gemälde niederländischer Meister des 17ten Jahrhunderts aus der amerikanischen Privatsammlung von Eijk und Rose-Marie de Mol van Otterloo

Eine greifbare Welt


Gerrit Dou, Schlafender Hund, 1650

Eine süße, flauschige Maus knabbert an einer geöffneten Wallnuss, ein reizvoller kleiner Hund schläft angelehnt an einen Tonkrug, sommerliche Szenarien mit Hirten, eine Frau, die ihren Milchbrei verspeist, oder eine Gaunerin, die dem berauschten Mann in die Geldtasche greift, ein Barbier bei der Verarztung eines Patienten, Porträts junger und alter Menschen, frische, zauberhaft anmutige Blumenstillleben – all jene Hauptgattungen aus dem 17ten Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter niederländischer Malerei, sind in ihrer anspruchsvollen Kollektion vertreten. Darüber hinaus haben Eijk und Rose-Marie de Mol van Otterloo seit 1993 auch Landschaften, historische Akte oder klassisch-antike oder griechische Mythologien gesammelt. ...mehr

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