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Sitzende Bäuerin mit Kind, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Vor 50 Jahren verstarb mit Jean Lurçat der Spiritus Rektor des modernen Bildteppichs. Dieses Medium, der Künstler und sein Einfluss stehen nun im Fokus umfangreicher Ausstellungen in und um Halle an der Saale

Kunstvolle Verwebungen voller Charme und Zuversicht


Auf der riesigen Tapisserie nach rechts unten gerückt schweben zwei Gestalten auf einem Teppich. Während die vordere, aus Blattwerk umrissene dem Betrachter einen Spiegel mit dem Abbild ihres Profils entgegenhält, erweist sich die direkt dahinter liegende Parallelfigur gleichsam als Schatten. Aus den beiden erwächst ein Baum, von dem herbstlich bunte Blätter ins braune Nichts vor feuerrotem Grund regnen. Das gelbe, braune und rote Kolorit gibt sich deutlich erdfarben abgetönt. Im Krieg 1939 entstanden, herrscht eine eher herbstlich gedrückte Stimmung vor. Die Überlappungen der beiden Personen sind als Aufforderung zur Selbstreflexion menschlichen Handelns zu verstehen. Die vom Menschen als Teil des Kosmos erzeugten Geschehnisse werden subtil hinterfragt. ...mehr

Jim Dine mit Selbstportraits in der Wiener Albertina

Die Erforschung des anderen Ichs


Was mag im Menschen vorgegangen sein, als er sich einst über eine spiegelnde Wasseroberfläche beugte und das Gesicht, das ihm entgegenblickte, als sein eigenes erkannte? Der Prozess der Selbstforschung, die Suche nach dem Ich reicht weit in die Frühgeschichte der Menschheit zurück und hält bis heute unvermindert an. Im egozentrischen Facebook-Zeitalter ist die Selbstdarstellung zur bevorzugten Beschäftigung für viele geworden. Tag für Tag schicken wir fotografische Dokumente unserer Befindlichkeit in ein gigantisches digitales Bildarchiv. Das traditionelle Selbstportrait des Künstlers vor dem Spiegel ist dagegen rar geworden. ...mehr

Kaum zu glauben: Aber auch die für ihre alle Dimensionen sprengenden Großformate bekannte Malerin Katharina Grosse hat einmal mit handlichen Leinwänden angefangen. Die Entwicklung ihres Werks von den frühen 1990er Jahren bis heute zeigt eindrucksvoll eine Ausstellung im Museum Frieder Burda in Baden-Baden

Das anarchische Potential der Farbe


Denkt man an die Berliner Malerin Katharina Grosse, so kommen einem sofort Bilder in den Kopf, die eine hart arbeitende Frau im farbbespritzten Ganzkörperschutzanzug zeigen. Ihr Kopf ist dabei meist unter einer an einen Astronautenhelm erinnernden Atemmaske verborgen, in den Händen hält sie eine Sprühpistole, durch deren feine Düsen Pigmentnebel nach außen dringen und alles mit Acrylfarbe überziehen, was ihnen in die Quere kommt. 1961 in Freiburg im Breisgau geboren, lebt und arbeitet sie heute in Berlin. Seit 2010 hat Grosse eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf inne, seit rund 25 Jahren sind ihre Arbeiten, aber auch ihre temporären Interventionen weltweit gefragt. ...mehr

Emil Nolde und die Künstler der Brücke im Landesmuseum Mainz

Ein Stück farbleuchtender norddeutscher Himmel


Tiefe Horizonte, wogendes Meer, dramatische Wolkenformationen, Farben von tiefem Schwarz, mehrschichtigem Blau bis hin zu grellem Orangerot oder zarten Pastelltönen –die Künstler „Der Brücke“, allen voran Emil Nolde, malten die norddeutsche Landschaft in einem wahren Farbenrausch. Dieses ungestüme Bersten der Farben bei den Expressionisten des frühen 20. Jahrhunderts kann man zur Zeit im Mainzer Landesmuseum bewundern. Dabei stehen nicht nur die weite Gegend Schleswig-Holsteins und der norddeutschen Tiefebene oder die Küsten der Ostsee im Mittelpunkt, sondern auch farbintensive Blumenstillleben, ruhende Bauernhöfe und die vollkommene Einheit von Mensch und Schöpfung. ...mehr

Steile Perspektiven, nüchterne Bestandsaufnahmen und einfühlsame Porträts: Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt das vielfältige Werk der amerikanischen Jahrhundertfotografin Berenice Abbott in einer kleinen, aber feinen Retrospektive

Das Zeitmaß der Metropole


„Die Stadt New York zu fotografieren, bedeutet, den Geist der Metropole auf der höchst empfindlichen fotografischen Emulsion festzuhalten, ohne ihre wesentlichen Merkmale aufzugeben – ihr eigenes Tempo, ihre verstopften Straßen, die enge Nachbarschaft von Vergangenheit und Gegenwart... Das Zeitmaß der Metropole ist der im Entschwinden begriffene Augenblick.“ Diese Sätze stammen von der 1898 geborenen amerikanischen Fotografin Berenice Abbott. Und sie sind heute noch so wahr wie zu ihren Lebzeiten. Auch wenn die „fotografische Emulsion“ im digitalen Zeitalter längst durch Begriffe wie Pixel und C-Print ersetzt worden ist. ...mehr

Drei Ausstellungen in Trier begeben sich auf die Spur des berühmt-berüchtigten römischen Kaisers Nero und versuchen, ihn ins historisch richtige Licht zu rücken

Superstar Nero


Marmorporträt des Nero, um 64/68 n. Chr.

Wer war Nero wirklich? Ein Brandstifter, Multimörder, Christenverfolger? Das heute von Nero existierende Bild haben maßgeblich Autoren nach dessen Tod produziert. Doch vielfach entsprechen unsere Vorstellungen vom wohl bekanntesten aller römischen Kaiser nicht der Realität. Unter dem Titel „Kaiser, Künstler und Tyrann“ wollen erstmals drei Ausstellungen in Trier einen realistischen und objektiven Blick auf die Gestalt werfen, ohne sie zu rehabilitieren. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten erwartet den Besucher an drei Standorten in Deutschlands ältester Stadt eine anspruchsvolle Trilogie, in der unter Zuhilfenahme von annähernd 800 Exponaten viele Facetten des blonden, blauäugigen Herrschers auf der Grundlage aktueller Forschungsergebnisse dargelegt werden. ...mehr

In der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg zeigen die Hamburger Deichtorhallen die bisher weltweit größte Retrospektive des New Yorker Künstlers Raymond Pettibon

Tusche, Texte, dunkle Triebe


Amerikanische Mythologien oder was von ihnen heute noch übrig geblieben ist, sind seit Ende der 1970er Jahre Gegenstand von Zeichnungen, Texten, Gemälden und Collagen des heute in New York lebenden Künstlers Raymond Pettibon. In seinem primär zeichnerischen Werk verarbeitet Pettibon die Obsessionen, Affekte und Erregungszustände seiner Landsleute zu lakonischen, mitunter aber auch bitterbösen künstlerischen Kommentaren. Sein eigenes Verstricktsein klammert er dabei natürlich nicht aus. Auf der 1984 entstandenen Zeichnung „Untitled (I ran a)“ etwa ist ein grimmig dreinschauender Mann mittleren Alters mit einem doppelläufigen Gewehr und einem Zigarettenstummel im Mundwinkel zu sehen. An der Wand hinter ihm klebt ein Aushang mit der Botschaft „Plünderer werden erschossen“. Pettibon spielt damit auf das umstrittene Stand-Your-Ground-Gesetz an. Das bloße Gefühl, in Gefahr zu sein, reicht demnach in den USA schon aus, einen vermeintlichen Eindringling ganz legal zu töten. ...mehr

Berlinde de Bruyckere präsentiert im Wiener Leopold Museum ihre fragilen Skulpturen voller Poesie

Natur und Mensch im Leiden vereint


Auf Holländisch ist „Kreupelhout“ ein schönes Wort mit mehreren Bedeutungen. Es bezeichnet Holz, Unterholz oder niederes Buschwerk und verweist ebenso auf einen Körper mit Handicap, der auf einen Stock zum Laufen angewiesen ist. „Glass Dome with Cripplewood“ lautet der Titel einer Arbeit von Berlinde de Bruyckere, die die belgische Künstlerin derzeit im Entree ihrer aktuellen Schau im Wiener Leopold Museum präsentiert: auf einer verwitterten, runden Baumscheibe arrangierte sie ein aufrecht montiertes, etwa 40 Zentimeter langes Rundholz, dessen Ende von einer dunklen Kappe abgeschlossen wird. Über den Stab montiert sind dunkle Stofffetzen, die vulvaartig an dem Holz herabhängen und von diesem durchstoßen werden. Weitere Fetzen, die mit ihren wachsüberzogenen und bemalten Oberflächen an menschliche Haut, Fleisch und Adern, an Knochen und amputierte Gliedmaßen erinnern, umhüllen das malträtierte Innere, das Berlinde de Bruyckere wie eine kostbare Reliquie oder ein medizinisches Präparat unter einem Glassturz präsentiert. ...mehr

Statussymbole, Luxuswaren und Konsumfetische spießt die Schweizer Installations- und Videokünstlerin Sylvie Fleury auf. Was da in 25 Jahren alles zusammenkommt, zeigt in München die groß angelegte Schau „My Life on the Road“ in der Villa Stuck

Der Konsumrausch als Kunst


Als im Jahr 1990 die damals 29jährige Sylvie Fleury in der Galerie Rivolta in Lausanne ihr Ausstellungsdebüt gab, waren die Besucher verblüfft: Die junge Künstlerin arrangierte papierne Einkaufstüten der teuersten Luxus-Boutiquen und erklärte sie zur Kunst. Ein bisschen Ready Made und Konzeptkunst, ein bisschen freche Pop Art schimmerten da durch. Anstößig und provozierend aber waren die Shopping Bags kaum, auch wenn sie den Nerv einer anschwellenden Markenvergötterung trafen. Für die Ausstellung „My Life on the Road“, die derzeit in der Villa Stuck in München zu sehen ist und mit 60 Werken aus 25 Jahren von Kuratorin Verena Hein durchaus retrospektiv angelegt ist, fährt der Star der Schweizer Kunstszene wieder Label-Tüten auf. Diesmal aus dem Jahr 2014, wie zufällig vergessen im prachtvollen Empfangssalon des einstigen Hausherrn, des Malerfürsten Franz von Stuck. Doch ganz so subtil bleibt die Präsentation, die sich durch die historischen Räume schlängelt, nicht. ...mehr

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