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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Kolumba, das Kunstmuseum der Erzdiözese Köln, präsentiert seine neue Jahresausstellung

Denken im Museum der Nachdenklichkeit


Kann man heute freies Denken überhaupt noch voraussetzen? Geistiges Erörtern basiert immer stärker auf konkreten Zwecken, verlagert sich hin zur raschen Abrufbarkeit von Wissen im Rechner. Als wesentliches Element gehört das Lesen zum Denken. Bücher als Medien der Langsamkeit sind auf dem Rückmarsch, so dass das Nachlesen, Wiederholen und Nachsinnen einem flüchtigen Informationssurfen gewichen sind. Nun stemmt sich Kolumba, das Kunstmuseum des Erzbistums Köln, gegen diesen Trend. Aufregende, aber gehaltlose Stars, marktschreierische Sensationen, durchschlagende Blockbuster-Ausstellungen und oberflächliche Events – all das findet im Museum der Nachdenklichkeit keinen Platz. Im dem etwas anderen Ausstellungshaus entführt in den nächsten zwölf Monaten eine denkwürdige Werksauswahl in eine befruchtende und erhellende Atmosphäre unter dem Vorstoß, Denken zu provozieren. ...mehr

Von mittelalterlichen Heiligen auf Goldgrund zu lebensechten Darstellungen des Menschen: Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg zeigt Bilder der italienischen Renaissance aus dem Lindenau-Museum im thüringischen Altenburg und beschert damit auch Hamburg eine herbstliche Renaissance-Ausstellung

Die Renaissance der Renaissance


Liberale da Verona, Brustbild der Madonna mit Kind, um 1467

Liebhaber der italienischen Renaissance können sich zur Zeit auf eine Reise quer durch die Republik begeben. Museen in München, Berlin, Dresden und Hamburg zeigen Spitzenwerke von Luca Signorelli, Fra Angelico und Sandro Botticelli. Normalerweise könnte man auch noch im thüringischen Altenburg Halt machen. Oft übersehen: Das dortige Lindenau-Museum beherbergt in seiner Sammlung den größten Komplex früher italienischer Tafelmalerei in Deutschland. Die Sammlung geht zurück auf den Universalgelehrten Bernhard August von Lindenau (1779-1854). Der der Aufklärung verpflichtete Jurist wirkte als Kunstsammler und Kulturpolitiker in Thüringen und Sachsen. Im Revolutionsjahr 1848 stiftete er seine eindrucksvolle Sammlung. Normalerweise wäre also Altenburg der ideale Ort, um der italienischen Renaissance in Deutschland nachzuspüren. Bis Anfang Januar jedoch sind rund 40 Tafeln aus dem Lindenau-Museum im Bucerius Kunst Forum in Hamburg zu Gast. ...mehr

Die Staatsgalerie Stuttgart widmet sich in einer monografischen Schau dem Architekten ihres Anbaus

Die ausdrucksstarken Baukünste des James Stirling


James Stirling, Neue Staatsgalerie Stuttgart, 1977-1984

Heiter, verspielt, ohne Symmetrie gibt sich das geschickte Arrangement aus verschachtelten Terrassen, Rampen, Treppen und Wänden. Hellblaue und pinkfarbene dicke Röhren ziehen die horizontalen Linien der gestreiften Mauern aus lokalen Travertin- und Sandsteinlagen nach, unterbrochen von weit aufschwingenden Glasschirmen in grünen Stahlrahmen. Der Bau ohne Fassade lädt zum Begehen ein; ohne Hemmschwelle kann jeder den Parcours hangaufwärts abschreiten. Von hier aus erwecken Durchblicke ins Innere Neugier. Eine Anmutung feierlicher Ehrwürdigkeit aus Entree und Prachttreppen findet sich auch hier nicht. Die postmoderne Collage aus dem Spielzeugkasten der Architekturhistorie setzt sich im Inneren mit Pilzsäulen oder übergiebelten Durchlässen fort. Der giftgrüne Noppenboden aus Kautschuk im Foyer ist zum Wahrzeichen der Staatsgalerie Stuttgart avanciert. Wie bei Karl Friedrich Schinkels Altem Museum aus dem Jahr 1830 tritt hier als Mittelpunkt die Rotunde auf. In Stuttgart allerdings ist sie offen und mit sprießenden Pflanzen auf dem Mauerring zur Ruine ironisiert. Das Galeriegeschoss kopiert geschickt verschleiert Schinkels Symmetrie aus einer Enfilade rechtwinklig umlaufender Schausäle. ...mehr

Leopold Museum befasst sich wieder einmal mit dem Hauskünstler Egon Schiele und setzt sein Werk in Beziehung zu Arbeiten jüngerer Künstlergenerationen

Provozierende Existenz


Egon Schiele, Sitzender Männlicher Akt (Selbstdarstellung), 1910

Die große Ausstellung, mit der das Leopold Museum in diesem Herbst sein zehnjähriges Bestehen feiert, verfolgt die Karriere einer Obsession. „Melancholie und Provokation“ steht als Titel über der großen Egon Schiele-Schau, die ihr Augenmerk auf zwei Grundzustände richtet, die sich durch Leben und Werk des jung verstorbenen Expressionisten ziehen. Die Ausstellung gibt anhand von 200 Werken, die überwiegend zwischen 1910 bis 1915 entstanden sind, und einer Vielzahl von Briefen und persönlichen Gegenständen einen relevanten Einblick in die Geisteshaltung des sensiblen Malers. ...mehr

Parcours der Fremdbestimmtheiten: Der Österreicher Markus Schinwald im Kunstverein Hannover

Depressive Fische und ein eingeklemmtes Bein


Im Zentrum von David Lynchs 1980 gedrehtem Filmklassiker „Elephant Man“ steht eine Hauptfigur, deren Gesicht während der kompletten ersten halben Stunde unter Umhängen verborgen bleibt. So deformiert ist sein Schädel, so schockierend offenbar für den unvorbereiteten Betrachter der Blick auf die leidende Kreatur. Auf den 16 schwarzweißen Pigmentprints, die Markus Schinwald jetzt im Rahmen seiner Einzelausstellung „Orient“ im Kunstverein Hannover zeigt, geht es den Porträtierten ähnlich. Auch ihre Köpfe verbergen sich unter mehrlagig drapierten Stoffen oder obskuren Kopfbedeckungen. Ausgehend von Originalstichen aus dem 19. Jahrhundert, tilgt Schinwald die individuellen Züge der Porträtierten, indem er die vorgefundenen Faltenwürfe zu alles bedeckenden Umhüllungen erweitert. Der beabsichtigte Effekt bleibt nicht aus: Den Betrachter beschleicht ein unterschwelliges Gefühl der Beunruhigung. ...mehr

Ein Pionier der Moderne in schwierigem Fahrwasser: Die Hamburger Kunsthalle zeigt den großen Berliner Maler Max Liebermann in einer alle Werkphasen umfassenden Retrospektive

Liebermann komplett


Max Liebermann, Selbstbildnis, 1909/1910

„Ich hatte zu viele Feinde, ich bot ja auch drei Angriffsflächen. Ich war erstens Jude, zweitens reich, und drittens hatte ich auch Talent. Eines davon hätte doch genügt.“ Mit diesem Satz hat der Berliner Maler Max Liebermann sein Leben und Wirken ebenso treffend wie selbstironisch zusammengefasst. Hineingeboren in eine wohlhabende jüdische Textilunternehmerdynastie, beginnt der junge Max zunächst ein Studium der Chemie, wird aber wegen „Studienunfleiß“ kurz darauf wieder exmatrikuliert. Sein wahres Interesse gilt der Malerei. Nach einigem Hin und Her finanzieren ihm die Eltern schließlich das Studium an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule in Weimar. Eine kluge Entscheidung, denn ihr talentierter Sohn wird in den kommenden Jahrzehnten zum führenden, immer aber auch umstrittensten Maler Preußens aufsteigen. ...mehr

Dem Cowboy Feuer geben: Daniel Richter zeigt in der Kestnergesellschaft Hannover seine neuesten Bilder und Zeichnungen

Wo die wilden Kerle wohnen


Er selbst könne beim besten Willen keinen einzigen Taliban erkennen, beteuert Daniel Richter mit der ihm eigenen Kühnheit. Obwohl es auf den neuesten Bildern des kürzlich von Hamburg nach Berlin übergesiedelten deutschen Malers von fundamentalistisch aussehenden Finsterlingen mit Turban, Kaftan und Vollbärten nur so wimmelt, behauptet Richter ganz keck, es liege bloß im Auge des Betrachters, diese Gestalten als Taliban zu identifizieren. Womöglich hat er sogar Recht. Genau zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 präsentiert Daniel Richter, Jahrgang 1962, jetzt in der Kestnergesellschaft Hannover ein größeres Konvolut neuerer Bilder und Zeichnungen aus den vergangenen drei Jahren. Das vorherrschende Sujet: Fantastisch wirkende Gebirgslandschaften, zerklüftete Canyons und irisierend leuchtende Felsformationen, die von rastlos umherwandernden Kerlen in traditioneller paschtunischer Tracht bevölkert sind. ...mehr

Eine Ausstellung zum Staunen und Erkennen: In den Hamburger Deichtorhallen wird jetzt dem Phänomen des Wunders nachgespürt

Zeichen und Wunder


Wunder geschehen immer wieder. Jedenfalls in den Überlieferungen der Katholischen Kirche: weinende Madonnen, Marienerscheinungen, Wunderheilungen in den Wallfahrtsorten Lourdes und Fátima. In bayerischen Kirchen finden sich noch häufig gemalte Votivtafeln, die in frommer Dankbarkeit wundersame Heilungen und individuelle Glücksmomente illustrieren. Eine Auswahl davon ist jetzt auch in der Ausstellung „Wunder“ in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen. Die zusammen mit der Siemens Stiftung entwickelte Schau beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Christentum, auch wenn sie zufällig zeitgleich zum Papstbesuch in Deutschland eröffnete. Wunder aus Kunst, Wissenschaft und Religion sind zu bestaunen, und das in einem weitgespannten Zeitrahmen vom 4. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Klassische Wunderkammerexponate sind da aufgebaut, aber auch ganz moderne Versionen etwa des chinesisch-kanadischen Künstlers Terence Koh, der die Exponate in einheitliches Weiß taucht, in Vitrinen mit zerbrochenen Scheiben ausstellt und somit kräftig entzaubert. Zum Auftakt der Schau wird der Betrachter mit den zerbeulten Überresten einer V2-Rakete von 1943 konfrontiert, die von den Nazis als „Wunderwaffe“ bezeichnet wurde. Dieser letzte Versuch nationalsozialistisch verblendeter Raketentechniker, einen aussichtslosen Krieg doch noch zu gewinnen, war zum Glück zum Scheitern verurteilt. ...mehr

Erstmals analysiert eine Ausstellung in Antwerpen die Leistungen Rubens’ auf dem Sektor der Architektur

Malen als Berufung, Baukunst als Leidenschaft


Anthonis van Dyck, Isabella Brant, um 1620

Ein Vordringen in verwandte Gattungen war früher unter hoch gebildeten, universal denkenden Künstlern eher selbstverständlich, Spartendenken nicht so gefragt. Auch heute ist das teils noch so: Der Architekt Gustav Peichl arbeitet mit Erfolg als Karikaturist, Le Corbusier als Maler und viele andere Baumeister als Designer. Doch noch mehr als in der Gegenwart war vor Jahrhunderten interdisziplinäres Schaffen nichts Außergewöhnliches. Neben dem Universaltalent Leonardo da Vinci schuf etwa dessen Renaissancekollege Giorgio Vasari Fresken, Tafelbildern sowie Bauten und verfasste Biografien. Auch Raffael betätigte sich als Architekt, Maler und Bildhauer ähnlich wie Michelangelo oder Giulio Romano. Letztere inspirierten vor allem Peter Paul Rubens, den überragenden Hauptmeister der flämischen Barockmalerei, zu eigenen Betätigungen auf dem Feld der Baukunst. Diese Leistungen und ihre Wirkung waren bislang kaum Gegenstand einschlägiger Untersuchungen. Eine exquisite Auswahl von 59 Gemälden, Zeichnungen, Drucken und Büchern von „Malerarchitekten“ in Rubens’ ehemaligem Antwerpener Wohn- und Atelierhaus, dem größten Exponat der Schau, beleuchten nun erstmals ausschließlich diesen Sektor. ...mehr

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