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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Joseph Anton Koch – ein meisterhafter Zeichner und Grafiker im Museum Georg Schäfer Schweinfurt

Der Natur nachgeholfen


Joseph Anton Koch, Dalli Orti Farnesiani in Roma

Es hätte wohl keines Beweises mehr bedurft, das 2000 eröffnete Museum Georg Schäfer in Schweinfurt unter die ersten Adressen für deutsche Kunst des 19ten Jahrhunderts einzureihen. Wer ihn dennoch haben wollte, hat ihn jetzt bekommen: In illustrer Partnerschaft mit der Akademie der bildenden Künste in Wien und der Casa di Goethe in Rom richtet das unterfränkische Museum derzeit eine Ausstellung zu dem 1768 geborenen und 1839 in Rom gestorbenen Maler Joseph Anton Koch aus. Die fünf dafür reservierten Räume im ersten Stock des Hauses sind dabei ausschließlich mit Zeichnungen und Grafiken des Meisters bestückt, der eine der Gallionsfiguren der sogenannten Deutschrömer um 1800 war. Der Kernbestand der Ausstellung rekrutiert sich aus der Partnerinstitution in Wien, die 1865 durch Kochs Schwiegersohn, den Maler Johann Michael Wittmer, in den Besitz eines der größten Koch-Konvolute gelangte. Neben zwei Gemälden, die in der permanenten Ausstellung im zweiten Stock hängen, kann aber auch das Schäfer-Museum selbst auf einen beachtlichen Fundus von 17 Blättern Kochs zurückgreifen, der die Wiener Leihgaben aufs Vortrefflichste ergänzt. ...mehr

Das Museum Folkwang in Essen gewährt umfassende Einblicke in seine Fotografische Sammlung

Preziosen aus 200 Jahren Fotografiegeschichte


Julia Margaret Cameron, Sir John Frederick William Herschel, Baronet Collingswood, 7. April 1867

Nachdenklich lehnt der sinnierende Herausgeber und Verleger an stehenden Folianten in wertvollen Ledereinbänden, die rechte Hand gespreizt vor dem Bauch haltend, den Kopf gestützt auf der Linken. David Octavius Hill und Robert Adamson porträtierten um 1845 den „Publisher John Blackie“ zusammen mit seinen Objekten. Kurz darauf begegnet der Besucher in Neapel einem „Wasserhändler“ des Jahres 1895, der hinter seinem überladen verzierten fahrbaren Tresen das erfrischende Nass auf der Straße feilbietet, festgehalten von den Fratelli Alinari. Der bekannte Fotograf Erich Salomon gestattet einen intimen Einblick in das Restaurant „Anjema“ in Den Haag, wo 1930 eine Runde älterer Herren eine „Kriegsschulden-Konferenz“ abhält. Wie Nebel scheinen die Schuldenschwaden über den kahlen Köpfen in dem von Zigarrenrauch durchzogenen Salon zu qualmen. Viele Jahrzehnte später, im Jahr 2005, nimmt der 1976 geborene Fotograf Benjamin Rinner eine Personengruppe ins Visier. Wirklich? Die Fotografie „IO No 1 -4+1“ zeigt mehrere im Kreis stehende Figuren mit gleicher Gestik und Kleidung. Dabei handelt es sich um eine Person, den Künstler höchst selbst, der sich allansichtig als Narziss outet. Er selbst ist das Objekt. ...mehr

Das DAM Frankfurt zeigt eine Ausstellung zum Architektenbüro Schneider + Schumacher, den „Erbauern“ der neuesten Städelerweiterung

Erlaubt ist, was gut ist


Der unterirdische Erweiterungsbau des Städel Museums

In aller Munde ist es derzeit, das Frankfurter Architektenbüro Schneider + Schumacher, das mit seiner jüngst eröffneten Erweiterung des Städel Musems wieder einen echten Coup landete. Dabei zwangen die Grundstücksverhältnisse und die Rücksichtnahme auf den vorhandenen Altbau des 19ten Jahrhunderts zum Gegenteil dessen, was man von einem Architekten gewohnheitsmäßig erwartet: Mit ihren unter die Erde verlegten Ausstellungsräumen, die nach außen nur durch eine leichte Wölbung des darüber befindlichen Rasens und die 195 „Bullaugen“ erkennbar werden, schufen die beiden Architekten eigentlich eine Negation von Architektur. ...mehr

Provokant oder bloß kunstgewerblich? Die Hamburger Kunsthalle zeigt erstmals Werke des ebenso populären wie umstrittenen Grafikers Paul Wunderlich. Ob das Frühwerk tatsächlich musealen Ansprüchen genügt, darf diskutiert werden

Späte Ehrenrettung


Paul Wunderlich? Ist das nicht der Schöpfer kunstgewerblich-erotischer Grafiken und Bronzen in hoher Auflage, die seit mehr als 40 Jahren den Markt überschwemmen? Dem 1927 in Eberswalde geborenen Wahl-Hamburger hat bisher noch kein Hamburger Museum eine Einzelausstellung eingerichtet. Die Kunsthalle wagt jetzt den Anfang. Unter dem Titel „Paul Wunderlich. Das frühe lithographische Werk“ sind 90 überwiegend druckgrafische Arbeiten aus den Jahren 1948 bis 1975 zu sehen. Einige Gemälde ergänzen die Schau. Anlass für die Präsentation ist eine Schenkung des langjährigen Berliner Wunderlich-Galeristen Dieter Brusberg von 535 Arbeiten an das Kupferstichkabinett. Außerdem hätte der vor zwei Jahren verstorbene Künstler am 10. März 2012 seinen 85. Geburtstag gefeiert. ...mehr

Das Städel in Frankfurt zeigt die erste monografische Ausstellung zu Claude Lorrain in Deutschland seit 1983

Zauber des Lichts, Ausdruckskraft der schwarzen Linie


Claude Lorrain, Pastorale mit dem Konstantinsbogen, 1648

Klein, inmitten einer pittoresken Landschaft im sanften Abendlicht sitzt ein Zeichner auf einem Baumstumpf. Der Mann schaut konzentriert auf das Papier in seinen Händen und lässt seinen Stift über die Oberfläche gleiten. Flankiert wird er von einem Jäger, der sein Tun gespannt verfolgt. Der dunkle Vordergrund öffnet sich in die Weite und gibt den Blick frei auf eine in goldenes Licht getauchte Szenerie. Hirten und Hirtinnen treiben ihre Schafe und Kühe zum Stall, eine Furt durchzieht die Landschaft, auf einer Anhöhe stehen bekannte Versatzstücke römisch-antiker Architektur. Das stimmungsvolle Licht der sich ankündigen Dämmerung versetzt das gesamte Geschehen in eine gelöste Ruhe. ...mehr

Malerei der 1980er Jahre in der Kunsthalle Darmstadt

Kein Capri


Wild waren sie, extrem wollten sie sein, die jungen Maler in Berlin, in Köln oder in Düsseldorf, und es schein ihre Zeit zu sein: Der Nato-Doppelbeschluss im Dezember 1979 hatte den Europäern die Gefahr einer nuklearen Katastrophe erneut unmissverständlich vor Augen gestellt und in Deutschland eine breite Protestbewegung ausgelöst. Zwei Wochen danach marschierte die Sowjetunion in Afghanistan ein. Während der Kalte Krieg weitertobte, hatte sich in Deutschland der „Heiße Herbst“ ein wenig abgekühlt, doch die Zeichen standen weiter auf Sturm. Der gesellschaftlichen Zerreißprobe der Achtundsechzigerbewegung folgte – nach Großbritannien und den USA – auch in Deutschland eine konservative Reaktion. Mit bürgerlicher Behaglichkeit aber wollten sich die Jungen nicht abfinden: Weniger politisch engagiert als existentiell desillusioniert, machte sich eine Art „Scheiß egal“-Stimmung breit, die sich auch in Liedtexten der neuen führenden Gruppen niederschlug, von denen der Song „There is no future“ der Sex Pistols 1977 nur die Spitze dieses eiskalten, unbeweglichen Eisbergs war. ...mehr

Der Zufall schafft neue Kontexte: In der Berliner Akademie der Künste inszeniert Wulf Herzogenrath das selten gezeigte bildnerische Werk des radikalsten Komponisten des 20. Jahrhunderts im Dialog mit Künstlern wie Paul Klee, Josef Albers bis hin zu Gerhard Richter

Der visuelle Kosmos eines Klangvirtuosen


John Cage, das ist doch dieser weltberühmte amerikanische Radikalkomponist, dessen Stücke undurchschaubaren mathematischen Operationen folgen, auf dem Zufallsprinzip basieren oder – im Falle seines besonders konsequenten Werkes 4‘33‘‘ – nichts als die Stille zu Gehör bringen. Als konsequentester Vordenker und Erneuerer der Neuen Musik ist John Cage (1912-1992) gerade auch in Deutschland einem breiteren Publikum bekannt. Dass Cage aber auch eine enge Verbindung zur bildenden Kunst pflegte, ohne deren Impulse sein Werk gar nicht vollständig zu verstehen ist, demonstriert jetzt eine Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste. Die Schau „John Cage und... Bildender Künstler – Einflüsse, Anregungen“ stellt Cage als frühen Sammler von Alexej von Jawlensky vor, aber auch als engen Freund und Bewunderer so bekannter Künstler wie Anni und Josef Albers, Mark Tobey, Robert Rauschenberg, Marcel Duchamp und László Moholy-Nagy. ...mehr

Das Kunstforum der Bank Austria in Wien bietet einen Überblick zum Schaffen Herbert Brandls

Offen, wohin es weitergeht


„Ich bin ein Bergseher und kein Bergsteiger“, sagt einer, dem die Natur seit Jahren als Vorwand für seine Malerei dient. Im Gespräch mit Hans-Ulrich Obrist erläuterte Herbert Brandl 2002 seine Liebe und seinen Respekt zur Landschaft im Allgemeinen und den Bergen im Besonderen. Der 1959 in Graz geborene Steirer, der zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn in den 1980er Jahren zur Generation der „Neuen Wilden“ gezählt wurde, gehört seit langem zu den „malerischen Aushängeschildern“ der österreichischen Kunstproduktion. Neben zahlreichen Einzelausstellungen nahm Brandl an international bedeutenden Ausstellungen teil, darunter 1992 an der Documenta IX in Kassel. 2007 waren seine Arbeiten bei der Biennale di Venezia im Österreichischen Pavillon mit einer Einzelpräsentation vertreten. Zurzeit ist eine retrospektiv angelegte Schau mit circa 60 Arbeiten im Wiener Bank Austria Kunstforum zu sehen. Gezeigt werden Gemälde, die seit den frühen 1980er Jahren bis 2011 entstanden sind. ...mehr

Das Würzburger Museum im Kulturspeicher stellt die Verbindung von Studien zu ausgeführten Gemälden bei Camille Graeser vor

Vom mühsamen Finden der Form


Der ältere Herr am Zeichenbrett sieht genauso akkurat und aufgeräumt aus wie seine Kunst. Die Fliege um den Hals ist sorgfältig gebunden, die schon etwas lichten weißen Haare sind sauber nach hinten gekämmt. Das Foto, welches Emmy Rauch 1955 von ihrem Mann Camille Graeser schoss, verrät viel über den großen Zürcher Konkreten. In der rechten Hand hält er den Stift, mit dem er gerade an einer kleinen Skizze arbeitet. Auf dem Tisch liegt nichts Überflüssiges, nur das Brett und einige Zeichnungen. Die von den Brillengläsern eulenhaft vergrößerten Augen sehen aufmerksam und ernst in die Kameralinse. Der konzentrierte Blick des Künstlers mustert und analysiert. Und analytisch sind auch seine Werke, immer durchdacht und berechnet, ganz den Prinzipien der Konkreten Kunst unterworfen. Gleichzeitig aber sind sie von großer Frische und Farbkraft, manchmal haben sie sogar etwas Verspieltes – ganz so wie die gestreifte Fliege, die der Maler auf dem Foto zur sportlichen Jacke kombiniert. ...mehr

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