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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Hohepriester oder Dompteur der Warenwelt? Die Hamburger Deichtorhallen stellen das Werk des umstrittenen Kunstmarktstars Anselm Reyle zur Diskussion

Zwischen Glamour und Alltagstrash


in der Ausstellung „Anselm Reyle – Mystic Silver“

„Mein Ruf ist sowieso nicht mehr zu retten“, sagt Anselm Reyle, halb scherzhaft, halb ernst. Und in der Tat, an dem 1970 in Tübingen geborenen Berliner Künstler scheiden sich die Geister. Sammler aus aller Welt reißen sich um seine Werke. Viele Kritiker dagegen werfen ihm allzu geschmeidige Marktgängigkeit, Oberflächlichkeit und eine Nähe zum Design vor. Tatsächlich entwarf Reyle im vergangenen Jahr für das Luxuslabel Dior sündhaft teure Handtaschen und den Nagellack für den kleinen Geldbeutel gleich dazu. In Berlin Treptow unterhält Reyle einen großen Atelierbetrieb mit zeitweise bis zu 50 Assistenten. Seine Arbeitsweise erinnert an die einer Renaissancewerkstatt. Jetzt stellen die Hamburger Deichtorhallen Reyles Werk zur Diskussion. ...mehr

Essenzen der Kunstgeschichte: Im Künstlerhaus Bremen hat das Duo Korpys/Löffler in Zusammenarbeit mit Dieter Schmal legendäre Ausstellungskataloge und Kunstwerke zu Schnaps destilliert. Trinkfeste Besucher durften sich Kostproben der Destillate einverleiben

Alchemistische Übersetzungsprozesse


Kunst und Kulinarik gehen mitunter merkwürdige Allianzen ein. Der Schweizer Künstler Daniel Spoerri eröffnete 1968 ein Restaurant in Düsseldorf und veranstaltet seit den 1970er Jahren bis heute Eat-Art-Bankette. Künstler wie Joseph Beuys oder Dieter Roth verwendeten vergängliche Lebensmittel wie Honig, Margarine oder Schokolade für ihre Happenings, Objekte und Skulpturen. Jetzt hat sich das in Bremen und Berlin lebende Künstlerduo Andree Korpys und Markus Löffler mit dem Künstlerkollegen und passionierten Schnapsbrenner Dieter Schmal zusammengetan. Das Bremer Trio experimentierte über Monate mit der Destillation ungewöhnlicher Zutaten. Die Ergebnisse ihrer konzeptuellen Brennpraxis durften jetzt im Künstlerhaus Bremen im Rahmen von Zwanzig12, des Programms zum 20jährigen Bestehen des Atelier- und Ausstellungshauses, besichtigt – und probiert werden. ...mehr

In einer teils gruselig-geisterhaft anmutenden Ausstellung widmet sich die Bundeskunsthalle exzentrischen Außenseiterpositionen

Bizarre Grenzgänger


Maske mit schiefem Mund, Graubünden, um 1900

Führende Geistesgrößen kritisieren bereits seit längerem, dass die Egalität zum beherrschenden Diktat der Jetztzeit ausartet. Dabei geraten all jene, die Neues wagen, sich abseits ausgetretener Pfade bewegen oder kompromisslos unberechenbaren Dingen nachgehen, rasch in den Ruf, abseits der Normalität zu stehen. Erfindern, Wissenschaftlern, insbesondere zeitgenössischen Kunstschaffenden haftet die Rolle des Exzentrikers an. Die Bundeskunsthalle in Bonn bietet derzeit eine Ausstellung, die im Kern dieses Phänomen griffig auf den Punkt bringt und zu verdeutlichen versucht, warum dies so ist, worin sich dies äußert und weshalb auch solche Außenseiter einen Platz in der Gesellschaft besitzen. Rund 200 Werke teils in ihren eigenen Sphären wandelnder Grenzgänger unterschiedlichster Disziplinen, ethnologischer Provenienzen und Epochen versammelt die von „Narren, Künstlern und Heiligen“ erzählende Schau. ...mehr

The Lost Album: Der Berliner Martin-Gropius-Bau würdigt das übersichtliche, aber grandiose fotografische Werk des kalifornischen Allround-Künstlers Dennis Hopper

Psychogramm einer Nation im Umbruch


Ob an der Seite von James Dean in „...denn, sie wissen nicht, was sie tun“, als Regisseur und Hauptdarsteller im 1960er Jahre-Kultfilm „Easy Rider“ oder als Psychopath Frank Booth in David Lynchs Thriller „Blue Velvet“: Dennis Hopper ist einem breiten Publikum in erster Linie als glänzender Charakterdarsteller und bahnbrechender Filmemacher bekannt. Die Rollen der Exzentriker, Nonkonformisten und Rebellen waren ihm wie auf den Leib geschrieben und prägen bis heute sein Image. Dass er aber auch bildender Künstler, Autor, tonangebender Kunstsammler und Fotograf war, wird dagegen meist übersehen. ...mehr

Opulente Wiederentdeckung eines bedeutenden Landschaftsmalers der Goethezeit: Die Hamburger Kunsthalle zeigt Skizzen, Radierungen, Zeichnungen und Gemälde des Deutschrömers Johann Christian Reinhart

Das Ideale und das Gesehene


Johann Christian Reinhart, Ansicht des Tibers an der Quelle von Acqua Acetosa, 1808

Eine „nicht entschuldbare Glätte der Ausführung“ attestierte Ludwig Schorn, Kunstkritiker und Herausgeber der im 19. Jahrhundert einflussreichen Kunstfachzeitschrift „Kunst-Blatt“, der Malerei Johann Christian Reinharts (1761-1847). Mit der überaus harschen Reaktion des Kritisierten dürfte er nicht gerechnet haben. Der gedemütigte Reinhart tat sich mit anderen in Rom arbeitenden deutschen Malern zusammen und brachte als Gegenreaktion auf die als ungerecht und aufgeblasen empfundene Kritik aus der alten Heimat eine Streitschrift „gegen Kunstschreiberei aus Deutschland“ heraus. Deren Titelblatt zierte eine nicht eben schmeichelhafte Karikatur des verhassten Ludwig Schorn. Dargestellt als hochnäsigen Bildbetrachter mit überdimensionaler Lupe, Eselsschweif und beigesellten Affen als Kunstrichter, verhöhnt Reinhart den „Doctor, der sich prepariert, daß er fein kritische Blätter schmiert“. ...mehr

Die Albertina in Wien stellt den menschlichen Körper als Protestform gegen allzu glatte Schönheitsideale vor

Fett, faltig und behaart


Er war bereits 64 Jahre alt, als er damit begann, seinen eigenen Körper zu fotografieren. Schonungslos dokumentierte der britische Künstler und Kritiker John Coplans (1920-2003), der Chefredakteur des Kunstmagazins Artforum war, seit Anfang der 1980er Jahre den Zustand seines gealterten Leibes: behaart, füllig und voller Falten. In einer Gesellschaft, in der Jugendlichkeit und Perfektion als Ideal galten, widersetzte sich der Spätberufene allen gängigen Inszenierungen von Männlichkeit. Coplans’ Fotografien bilden das Herzstück einer kleinen, kompakten Ausstellung, die derzeit in der Albertina zu sehen ist. Die Schau „Körper als Protest“ versammelt rund 40 Werke von acht Künstlerinnen und Künstlern, die der gemeinsame Anspruch eint, klassische Darstellungsweisen des Körpers zu hinterfragen und sich gegen normierte Schönheitsbilder und künstlerische Konventionen abzugrenzen. ...mehr

Die Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel und die Museumslandschaft Hessen Kassel versuchen, mit einer groß angelegten Ausstellung zum Werk von Jacob Jordaens bislang verengte Sichtweisen zu revidieren

Lustvoll-erotisches Schwelgen


Jacob Jordaens und Frans Snyders, Allegorie der Fruchtbarkeit des Landes, um 1623/25

In den Rahmen eines Fensters gesetzt, präsentiert sich vor blau-rotem Abendhimmel der Maler, schwarz gewandet und bekrönt von einem auffallend breitkrempigen Hut. Anstatt mit Pinsel und Palette stellt sich Jacob Jordaens mit einer kleinen antiken Statue vor. In den Händen hält er die Doppelfigur aus Venus und Cupido. In vornehmer Pose und weicher Modulation unterstreicht er so seinen Status als edler Gentleman in einer Reihe bedeutender Gestalten der Zeit. Bezüge zu Peter Paul Rubens lassen sich leicht herstellen. Die Analogien kommen nicht von ungefähr. Denn der am 19. Mai 1593 in Antwerpen geborene Jordaens arbeitete zwischen 1616 und 1620 als Gehilfe in der Werkstatt seines 16 Jahre älteren Malerkollegen. Aber nicht nur dies: Neue Forschungen belegen, dass sogar verwandtschaftliche Bande zwischen Rubens und Jordaens existierten. ...mehr

Magdeburg vollendet nun eine Ausstellungstrilogie zu Otto dem Großen. Die mit dem Herrscher eng verbundene Geschichtslandschaft Sachsen-Anhalts ist in das Ausstellungskonzept integriert

Kaiserlicher Glanz in Deutschlands Mitte


Kaisersiegel Ottos des Großen

Weit streckt sich der ausgebreitete linke Arm dem Besucher zum Gruße entgegen. Zweieinhalb Tonnen wiegt die frisch restaurierte Sitzstatue eines römischen Kaisers aus der Mitte des ersten Jahrhunderts nach Christus. Seit der Antike stetig verändert, trägt die vermutlich Kaiser Claudius verkörpernde Monumentalskulptur den neuzeitlich aufgesetzten Kopf von Kaiser Trajan. Umbrüche der Geschichte können eben viel in Unordnung bringen. Hinter diesem thematischen Auftakt zur Magdeburger Ausstellung „Otto der große und das Römische Reich“ stehen 300 weitere erstrangige Kunstwerke und historische Zeugnisse von der Antike bis ins Mittelalter und konkretisieren das Amts- und Selbstverständnis des antiken und frühmittelalterlichen Herrschers am Beispiel Ottos des Großen, einer der hervorstehenden Kaisergestalten des Mittelalters. Seitlich der antiken Kaiserstatue tritt er auch persönlich in Erscheinung. Bei dem um 1240 entstandene „Magdeburger Reiter“ vermuten die Forscher das Abbild Ottos des Großen. ...mehr

In der Lübecker Overbeck-Gesellschaft tritt der Berliner Künstler Alexander Wolff in einen multimedialen Dialog mit Objekten aus der 2007 geschlossenen Völkerkunde-Sammlung der Stadt

Wertesysteme auf dem Prüfstand


Was haben ein frei im Raum hängendes, asiatisches Rollbild mit Buddhadarstellungen und die in Malerei zurückübertragenen Postkartenreproduktionen berühmter minimalistischer Gemälde miteinander gemeinsam? Zunächst einmal nur so viel, dass der Berliner Künstler Alexander Wolff beide Bildtypen im ersten Raum seiner aktuellen Ausstellung in der Lübecker Overbeck-Gesellschaft präsentiert. Denkt man dann aber über Bilder und ihr Eingebundensein in religiöse, kulturelle oder ökonomische Wertesysteme, Verehrungs- und Anbetungsmechanismen nach, so ergeben sich ganz naheliegende Fragen. Sind die Ikonen der Nachkriegsabstraktion nicht längst zu pseudoreligiös verehrten Fetischen der Moderne geworden? Zumal, wenn man die immer höheren Auktionsergebnisse betrachtet? ...mehr

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