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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Stadtmuseum Halle zeigt erstmals Eberhard Zwickers Fotos des Apostelzyklus aus dem Dom zu Halle

Aus eisiger Nacht ins helle Licht


Diese Gesichter haben es in sich: fein geschnittene Lippen, ausdrucksvolle Augenpartien, sorgsam modellierte Wangen. Eine zerfurchte Stirn, eine kräftige Nase. Oder die weichen Züge eines jugendlichen Antlitzes in spannungsvollem Kontrast zu der fast schon resignierten Haltung eines alten Mannes. Gebildet hat diese Gesichter wohl der Mainzer Bildhauer Peter Schroh, ein Meister der späten, in die Renaissance führenden Gotik. Aufgenommen hat sie ein Meister aus Halle, der nach dem Krieg in Unterfranken eine Karriere als Fotograf gemacht hat: Eberhard Zwicker (1915-1999). Ausgestellt sind die expressiven Schwarzweiß-Fotografien jetzt erstmals im Stadtmuseum Halle. ...mehr

Die Hamburger Deichtorhallen präsentieren im Haus der Photographie eine breit angelegte Retrospektive des französischen Fotografen Guy Bourdin

Sex and Crime im Dienste der Mode


Anders als Helmut Newton, Richard Avedon oder Ellen von Unwerth gehört er heute zu den eher unbekannten Fotografen der Mode- und Magazinfotografie, die in den 1970er Jahren von sich reden machten. Zu seinen Lebzeiten jedoch galt er als Star. Guy Bourdins auf erotische Schlüsselreize, Fetischobjekte, kraftvolle Farben und surreale Verrätselungen setzende Ästhetik wird bis heute immer wieder, mal mehr und mal weniger dreist, zitiert. Zum Beispiel eine seiner berühmtesten Fotografien, die Aufnahme eines weiblichen Modells mit knallrot geschminkten Lippen, das sich mit acht Händen, deren Fingernägel im gleichen Rot wie der Lippenstift leuchten, die Augen zuhält. Die Aufnahme entstand im Mai 1970 für die französische Ausgabe der Vogue. Zurzeit wird das leicht abgewandelte Motiv sowohl in der deutschen Ausgabe von Harper’s Bazaar als auch in einer Kampagne der Parfümeriekette Douglas eingesetzt. ...mehr

Das Amsterdamer Stedelijk Museum zeigt eine überbordende Ausstellung mit Werken von Kasimir Malewitsch im Kontext der damaligen Avantgarde

Der Donnerhall des schwarzen Quadrates


in der Ausstellung „Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde“

St. Petersburg vor genau einhundert Jahren: Am 3. Dezember wurde im Lunapark-Theater die futuristische Oper „Sieg über die Sonne“ uraufgeführt. Vier Künstler bezweckten mit dieser Gemeinschaftsproduktion die Abkehr vom romantisch schwelgerischen Duktus hin zu einer klaren, reinen und logischen Sprache. Einer von ihnen war Kasimir Malewitsch. Er kreierte geometrisch geformte Kostüme aus einfachen Materialien, die wie Roboter oder Kinderspielzeuge anmuteten. Der Bühnenvorhang zeigte ein schwarzes Quadrat. „Als ich 1913 den verzweifelten Versuch unternahm, die Kunst vom Gewicht der Dinge zu befreien, stellte ich ein Gemälde aus, das nichts mehr war als ein schwarzes Quadrat auf einem weißen Grundfeld. … Es war kein leeres Quadrat, … sondern vielmehr die Empfindung der Gegenstandslosigkeit.“ ...mehr

Mit den Ausstellungen „Reading Andy Warhol“ und „Andy Warhol – Zeichnungen der 50er Jahre“ begibt man sich in München im Museum Brandhorst und in der Pinakothek der Moderne auf die Suche nach den frühen Indikatoren einer Kunst-Ikone des 20sten Jahrhunderts

Als Warhol noch kein Superstar war


Etwa zehn Jahre trennen die einfachen, linearen Zeichnungen, die derzeit in der Pinakothek der Moderne zu sehen sind, von Warhols Gemälde „The Silver Car Crash“. Das Bild von 1963 soll bei Sotheby’s am 13. November mindestens 60 Millionen Dollar einspielen soll. Keine Frage, dass man bei dieser Bewertung durchaus mit einem neuen Warhol-Rekord kokettiert. Mit Aufgeld würde dieser Zuschlag den derzeitigen Höchstpreis knacken: 2007 hatte der „Green Car Crash“ 71,7 Millionen Dollar erzielt. Auch Christie’s ist in seiner Preisgestaltung nicht zimperlich. Einen Tag vor der Konkurrenz ruft man hier eine auf Leinwand manifestierte Coca-Cola-Flasche des schillernden Künstlers für 40 Millionen Dollar auf. Das Œuvre des Pop Art-Erfinders hat in den letzen Jahren eine der steilsten Preiskurven gezeichnet, spektakuläre Arbeiten wechselten nicht selten im zweistelligen Millionenbereich die Besitzer. ...mehr

In seiner respektlos-ironischen Malerei zermalmt der Hamburger Werner Büttner die scheinbaren Gewissheiten der Kunst- und Lebenswelt. Jetzt sind 300 seiner Werke in einer großen Retrospektive in Bremen zu sehen

Selbst vor Bratwurstschnecke


Acht an Husaren erinnernde Reiter stehen etwas verloren in der Landschaft herum. Der Betrachter sieht nur ihre Rücken und die Hinterteile ihrer Pferde. Die Staubwolke hinter ihnen wird sich bald gelegt haben, doch ein neues Ziel, eine neue Stoßrichtung ist nicht auszumachen. Rat- und Orientierungslosigkeit pur. „Die Avantgarde von hinten“, so ist ein 2011 entstandenes, großformatiges Gemälde des im schleswig-holsteinischen Geesthacht lebenden Hamburger Malers und Hochschulprofessors Werner Büttner betitelt. Eine respektlose Abrechnung mit den Altvorderen der Moderne und den in die Jahre gekommenen Heroen der deutschen Nachkriegskunst wie Markus Lüpertz, Georg Baselitz oder Anselm Kiefer vielleicht, aber vielleicht auch ein Sinnbild der eigenen Situation. Das Gemälde bildet den programmatischen Auftakt der Ausstellung „Werner Büttner. Gemeine Wahrheiten“ im Bremer Museum Weserburg. ...mehr

In Wien widmen sich derzeit zwei Museen dem Maler und Menschen Lucian Freud. Damit hat der Enkel Sigmund Freuds erstmals einen großen Auftritt in der österreichischen Hauptstadt

Nackt und intim


Es gibt eine schöne Fotografie, die Lucian Freud bei der Arbeit darstellt. Sie zeigt den Maler in seinem Londoner Atelier. Hemd und Schal hat er ausgezogen und über die Lehne eines Stuhles gehängt. Mit entblößtem Oberkörper steht der Dreiundachtzigjährige mitten im Raum. Freuds rechte Hand hält eine Palette, während er mit den Fingern der Linken zwei Pinsel umfasst. Wände, Türrahmen, Stühle und Malschürze sind mit erdigen Flecken übersät, allesamt Arbeitsspuren vieler Jahre, die immer dann entstanden, wenn der Maler überschüssige Farbe vom Pinsel strich. Kein Tageslicht erhellt das Atelier. Es ist eine nächtliche Szene. Scheinwerferlicht wirft harte Schatten und pointiert die Wölbungen und Vertiefungen des nackten Oberkörpers. ...mehr

Sensible Gesten und skulpturale Wutausbrüche: Der Münchner Bildhauer Olaf Metzel zeigt im Hamburger Kunstverein eine Überblicksschau mit politisch aufgeladenen und bildhauerisch starken Arbeiten aus den letzten 30 Jahren

Mit Gefühl und Härte


Zum Frühstück gibt es bei Olaf Metzel Kaffee, Zeitungen, Zigaretten und manchmal auch TV. Die Medien liefern ihm bereits am frühen Morgen seine Themen. Doch der seit den frühen 1980er Jahren für seine politisch provokanten Arbeiten bekannte Künstler beklagt den Niveauverlust: „Im Wahlkampf ging es nur um Merkels Kette und Steinbrücks Stinkefinger. Wirklich politische Themen wie der Abhörskandal spielten keine Rolle.“ Unter dem Titel „Gegenwartsgesellschaft“ widmet der Kunstverein in Hamburg dem 1952 in Berlin geborenen Münchner Bildhauer jetzt eine große Überblicksausstellung mit pointierten Arbeiten der vergangenen 30 Jahre. ...mehr

Das Ernst Barlach Haus in Hamburg stellt das Schaffen des Dresdner Malers Conrad Felixmüller vor. Der Schwerpunkt der Werkauswahl liegt auf den avantgardistischen Werken aus der Zeit der Weimarer Republik

Zwischen Familienglück und Politik


Ein rußgeschwärzter Arbeiter mit stahlblauen Augen steht vor einem brodelnden Stahlungetüm, seine Mütze tief ins Gesicht geschoben. Hinter ihm sprühen, einem Feuerwerk gleich, die Funken. Das Gemälde „Hochofenarbeiter“ von Conrad Felixmüller stammt aus dem Jahr 1927. Mit seinen Bildern aus der Arbeitswelt, die überwiegend im Ruhrgebiet und im Erzgebirge entstanden sind, aber auch mit seinen politischen Bildern, Radierungen und Holzschnitten, ist der Dresdner Maler berühmt geworden. Das Ernst Barlach Haus in Hamburg präsentiert jetzt mit rund 80 Werken aus den Jahren 1914 bis 1933 nach der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen die erste Retrospektive zum Werk Conrad Felixmüllers seit knapp 30 Jahren. Direktor Karsten Müller konzentriert sich vornehmlich auf die produktive Zeit der Weimarer Republik, in der Felixmüllers Werk zu großer formaler und inhaltlicher Reife gelangte. ...mehr

Die Albertina holt mit „Matisse und die Fauves“ die französische Avantgarde nach Wien und stellt die erste Strömung in der Kunst der klassischen Moderne vor

Wilde Lust an der Farbe


In Wien sind zurzeit Anzeigen zu sehen, die mit dem Slogan „So eine Schmiererei“ eine Ausstellung in einem der renommiertesten Kulturinstitute der Stadt bewerben. Die Aufmerksamkeit erheischenden Worte gelten der Schau „Matisse und die Fauves“, die derzeit in der Albertina präsentiert wird und ganz im Gegenteil eine Augenweide ist. Einen Sturm der Entrüstung verursachten einige der die hier gezeigten Bilder jedoch im Jahr 1905, als die Malerfreunde um Henri Matisse ihre Bilder im Pariser Kunstsalon und unmittelbar danach in der kleinen Galerie der französischen Kunsthändlerin Berthe Weill zeigten. Als „Fauves“, als „wilde Tiere“, wurden Matisse und seinen Kollegen diffamiert, und Kritiker reagierten mit Häme und boshaften Kommentaren auf deren Gemälde: „Ein Topf Farbe, dem Betrachter ins Gesicht geschüttet“. Da hatte sich das Pariser Publikum gerade erst mit dem Impressionismus angefreundet und schon bedrohte eine noch radikalere Malerei den Klassizismus und konservative Einrichtungen wie die Académie des Beaux-Arts und den von ihr eingerichteten Salon de Paris. ...mehr

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