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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Menschen, Schicksale und Landschaften jenseits des American Dream: Die Fundación Mapfre in Madrid zeigt eine großangelegte Retrospektive zum Werk des 1933 geborenen New Yorker Fotografen Bruce Davidson

Humanist mit der Kamera


Berühmt geworden ist der amerikanische Fotograf Bruce Davidson mit Aufnahmen, deren Entstehungszeit zwar schon lange zurückliegt, deren Aktualität aber auch heute noch mit den Händen greifbar ist. In den 1950er und 1960er fotografierte er amerikanische Individuen, an denen die aufgewühlte Grundstimmung und Verfasstheit einer Nation ablesbar wurde. Für sein Langzeitprojekt „Brooklyn Gang“ etwa dokumentierte er 1959 den Alltag einer Jugendbande in New York. Zwischen 1961 und 1965 reiste er für seine umfangreiche Serie „Time of Change“ im Auftrag der New York Times durch das ganze Land, insbesondere aber immer wieder in die Südstaaten der USA, um dort die Auswüchse der Rassentrennung, den harten Alltag der Farbigen, die Machenschaften des Ku-Klux-Klans, aber auch das allmähliche Erstarken der Bürgerrechtsbewegung zu fotografieren. Seine Aufnahmen aus Selma, Alabama, oder vom legendären „March on Washington“ im August 1963 gehören zu den Ikonen der US-amerikanischen Fotografiegeschichte. ...mehr

Das Porzellanikon in Hohenberg an der Eger stellt in einer umfassenden Überblicksschau die Porzellanmanufaktur „Royal Copenhagen“ vor

Im Gleichmaß zeitlicher Strömungen


Christian Thomsen, Maria mit Kind, 1908

Vor bald 300 Jahren von Fürstenhäusern in Europa gegründet, lieferten Manufakturen Porzellan für hochgestellte Kreise. Trotz individueller Interpretation war in den Anfängen die Orientierung am chinesischen Vorbild überall spürbar. So war es auch in Kopenhagen. Zu Beginn einer sorgfältigen, rund 300 Exponate umfassenden Auswahl im Porzellanikon in Hohenberg offenbart die Blaumalerei der ersten Serie der Manufaktur „Royal Copenhagen“ dieses Phänomen. Dem nordischen Charakter und der Natur angepasst, repräsentiert das „Muster Nr. 1“ mit zeitlos klarem Duktus ohne schwülstig verspieltes Dekor symptomatisch Frische und Klarheit. „Musselmalet“, übersetzt „muschelbemalt“, wird seit 240 Jahren produziert und besitzt den Status als Aushängeschild Dänemarks. Immer wieder variiert und neu interpretiert, reduziert sich nun die einst aus vielen spezifischen Teilen bestehende Folge auf multifunktionale Stücke. Bis jetzt ist die Serie wirtschaftliches Fundament der Manufaktur. ...mehr

Die Bonner Bundeskunsthalle installiert eine Werksübersicht des Raumkünstlers Gregor Schneider

Beklemmende Wechselbäder


Kurz vor Weihnachten wird der Ausstellungsbesucher auf Reisen geschickt. Über 20 Orte reihen sich eng aneinandergebaut zu einem diffizilen Parcours in der Bonner Bundeskunsthalle. Sie bestehen aus kopierten Räumen, deren Originale sich über die Welt verteilen. Die eigentlichen Ausstellungssäle der Kunsthalle sind nicht mehr wahrnehmbar, ja bedeutungslos geworden. Institutionskritisch stellt sie der Künstler infrage. „Wand vor Wand“, der Titel der Präsentation, umschreibt die künstlerische Praxis von Gregor Schneider und damit den Kern seines Schaffens. Seit fast 30 Jahren bilden doppelt gebaute Räume seinen Arbeitsschwerpunkt, die er als dreidimensionale, begehbare Plastiken begreift. Dabei begibt er sich in die Metaphysik. Welche Kräfte wirken neben den verbrieften fünf Sinnen auf unser kognitives Empfinden und mithin an der objektiv begriffenen Realität? Schneiders „Immersionskunst“ hinterfragt unser unbewusstes Erleben. Berühmt geworden ist der 1969 in Rheydt geborene durch sein Haus „u r“ in der Unterheydener Straße in Mönchengladbach-Rheydt, wofür „u r“ steht. Seit diesen Sommer lehrt der Künstler in der Nachfolge von Tony Cragg an der Düsseldorfer Kunstakademie, an der er selbst von 1989 bis 1992 studiert hat. ...mehr

Edmund de Waal hat im Kunsthistorischen Museum in Wien eine Wunderkammer eingerichtet und lässt die Dinge leise ihre Geschichte murmeln

Traumgesicht in der Nacht


in der Ausstellung „Edmund de Waal trifft Albrecht Dürer – During the Night“

Gerade zwei Jahre sind vergangen, seit der britische Keramikkünstler und Autor Edmund de Waal im Rahmen einer vom Kunsthistorischen Museum organisierten und von Jasper Sharp kuratierten Ausstellungsreihe im Wiener Theseustempel sein Werk „Lichtzwang“ präsentieren konnte. Nun wurde der 1964 in Nottingham geborene und in London lebende Künstler neuerlich eingeladen, um im Kunsthistorischen Museum eine persönliche Auswahl von Objekten aus den Beständen des Hauses zusammenzustellen. Das Konzept der als zeitlich lose Folge angelegten Ausstellungsreihe folgt einer Einladung, die das Museum 2012 dem amerikanischen Künstler Ed Ruscha gegenüber ausgesprochen hatte und der sich in der Schau „The Ancients Stole All Our Great Ideas“ mit der Sammlung des Museums auseinandersetzte, Kunstwerke aussuchte, aus ihrem üblichen Zusammenhang löste und unerwarteten Nachbarn zur Seite stellte. ...mehr

Surreale Begegnungen an der Elbe: Die Hamburger Kunsthalle versammelt Meisterwerke von Dalí, Ernst, Magritte und Co. und beleuchtet das enge Verhältnis zwischen Sammlern, Mäzenen und Künstlern

Risse in der Wirklichkeit


„Ich glaube an die zukünftige Auflösung dieser scheinbar so gegensätzlichen Zustände von Traum und Wirklichkeit in einer Art absoluter Realität, wenn man so sagen kann Surrealität.“ Dieser Satz aus dem von André Breton herausgegebenen „Ersten Manifest des Surrealismus“ aus dem Jahr 1924 kann als eine Art Glaubensbekenntnis der Surrealisten verstanden werden. Was die Künstler dieser in den 1920er Jahren aufkommenden Bewegung reizte, war nicht die sachliche Darstellung der äußeren Welt. Sie waren vielmehr an den Rissen in der Wirklichkeit, an Traumzuständen, Halluzinationen, Imaginationen, inneren Befindlichkeiten und dem Unbewussten interessiert. Auf der Leinwand, in Collagen, Papierarbeiten, Fotografien, aber häufig auch in Form dreidimensionaler Objekte schleusten sie ihre Kopfgeburten in die Realwelt ein. ...mehr

Das Leopold Museum in Wien nimmt die Materialität in der zeitgenössischen Kunstproduktion in den Blick und hat neue Arbeiten von sechs Künstlerinnen und Künstlern schaffen lassen

Träger kultureller Bedeutung


In der Tradition der Kunsttheorie und in der kunsthistorischen Methodik wird dem Material meist nur eine zweckdienliche Funktion zugeschrieben. Die Kunst der Moderne ist gegen diese periphere Stellung der Materialität angegangen. Über die Medienanalyse in der Malerei des 19. Jahrhunderts und die verschiedenartige Materialität in Collagen und Assemblagen im 20. Jahrhundert ist die Angewiesenheit von bildender Kunst auf einen unwiederholbaren und dauerhaften materiellen Träger grundsätzlich in Frage gestellt worden. Die Ausstellung „Poetiken des Materials“, die derzeit im Leopold Museum gezeigt wird, reflektiert diese Entwicklung innerhalb der zeitgenössischen Kunst, in der sich vermehrt Strategien beobachten lassen, die dem Material sowie materiellen Phänomen der Wirklichkeit einen hohen Stellenwert einräumen und unter dem Schlagwort eines „Neuen Materialismus“ verhandelt werden. ...mehr

Peter Keetmans gestaltete Welt und eine Ausstellung mit eleganten Werken von Richard Avedon, George Hoyningen-Huene und Irving Penn aus Anlass des 90. Geburtstags von F. C. Gundlach, dem Gründungsdirektor des Hauses der Photographie: Die Hamburger Deichtorhallen zeigen jetzt klassische Schwarz-Weiß-Fotografie vom Feinsten

Sensible Schwingungen


Mit zwei großen und sehenswerten Ausstellungen klassischer Schwarz-Weiß-Fotografie startet das Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen in die diesjährige Wintersaison. Aus Anlass des 100. Geburtstags des 1916 in Wuppertal geborenen Fotografen Peter Keetman versammelt das Haus in einer groß angelegten Retrospektive, die zuvor bereits im Museum Folkwang in Essen zu sehen war, Bilder aus allen Schaffensphasen des 2005 verstorbenen Fotografen. „Es ist die erste umfassende Ausstellung zum Lebenswerk eines der einflussreichsten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit“, resümiert Sebastian Lux, Kurator der Stiftung F.C. Gundlach, der die materialreiche Schau stilsicher eingerichtet hat. Alle Aufnahmen stammen aus der in den Deichtorhallen beheimateten Sammlung F.C. Gundlach, der Peter Keetman bereits 1982 in seiner Galerie PPS in Hamburg gezeigt hatte. Keetman hatte Gundlach zum Alleinerben seines fotografischen Nachlasses bestimmt. ...mehr

Das Museum Ludwig in Köln feiert seinen 40. Geburtstag mit einer nicht ganz leicht zugänglichen Ausstellung, für die man Zeit mitbringen muss

Sie nannten es Ludwig!


Der Eingang zur Ausstellung ist verbarrikadiert. Hat hier ein Kampf stattgefunden? Was auf den Straßen von Köln zu finden war, scheint als Hindernis den Zugang in die Museumsräume zu erschweren. Selbst vor den heiligen Hallen der Kunst haben die mutmaßlichen Aufständischen nicht Halt gemacht. Zwischen Autos, Schildern, Schutt und Baugittern türmen sich unter anderem Werke von Oskar Kokoschka, Alexej von Jawlensky und Andy Warhol vor den Besuchern auf. Die Installation „Bakunin’s Barricade“ des türkischen Künstlers Ahmet Ögüt wirft Fragen auf. Fragen nach der Rolle der Kunst innerhalb der aktuellen, weltweiten gesellschaftlichen und politischen Konflikte. Der Auftakt der Ausstellung „Wir nennen es Ludwig“ ist also durchaus ernst. „Wir haben ganz bewusst viele institutionskritische Künstler eingeladen“, erzählt der Direktor Yilmaz Dziewior. Dass das Museum Ludwig in Köln sich mit dieser Jubiläumsschau nicht selbst beweihräuchern möchte, wird von Beginn an klar. ...mehr

Das Clemens-Sels-Museum in Neuss untersucht die Relevanz des Symbolismus in der Kunst von heute

Abgründig, anspielungsreich, rätselhaft


Im Foyer kreuzt den Weg des Besuchers ein grimassenhaft lächelnder Cowboy. Auf einem Schimmel reitend, überspringt der mit weißem Hut, rotem Halstuch und schwarzer Weste ausgestattete Draufgänger die Straßenflucht einer amerikanischen Einkaufs- und Vergnügungsmeile. Wie helle Spotlights durchsetzen glimmende Sterne den dunklen, von breiten grünblauen Pinselstrichen akzentuierten Himmel. In der bühnenhaft surrealen Atmosphäre machen sich erst auf den zweiten Blick zwei rot und violett konturierte, geisterhafte Gestalten unter dem Pferd bemerkbar. Stark geneigt, als würde Gegenwind blasen, bewegen sie sich fest umklammert zur anderen Straßenseite, wobei eine Person schon den Bodenkontakt verloren hat. In ihrem nahezu durchsichtigen artifiziellen Duktus scheinen sie außerirdischen Sphären entflohen und überbrücken den Rundblick in die bunte Szenerie aus parkenden Autos, Leuchtreklamen und wartenden Menschen. ...mehr

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