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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Wuppertal stellt in einer instruktiven Ausstellung Œuvre und Verdienste des Malers Camille Pissarro vor

Der Champion der Impressionisten


Camille Pissarro, Boulevard Montmartre bei Nacht, um 1897

So eine Bleibe erträumt sich wohl jeder Paris-Besucher. Aus der Fenstertür des Grand Hotels bietet sich ein grandioser Blick auf pulsierende Boulevards. Schon vor 120 Jahren genoss ihn der Maler Camille Pissarro. In flirrender atmosphärischer Dichte beschreibt er in seinen Bildern zu verschiedenen Tageszeiten das quirlige Treiben der Flaneure, Kutschen und Passanten auf Plätzen und Brücken, den Louvre oder das Seineufer. In schnell aufgetragenen dicken Pinselstrichen führt er die in Licht, Farbe und Fläche aufgelösten Sujets fast bis zur Gegenstandslosigkeit. Mehrmals mietet sich Pissarro auch in Rouen ein. In seinen Bildern von der nordfranzösischen Hafenstadt verschwimmen Brücken und Quais im Nebel, bei Regen oder im Sonnenuntergang. Geschäftiges Kommen und Gehen, das Be- und Entladen großer Schiffe regen ihn zu vielen Motiven an. ...mehr

Vor 500 Jahren verstarb in Merseburg der Kirchenfürst Thilo von Trotha. Die Stadt an der Saale rückt ihn nun in den Mittelpunkt einer Ausstellung

Von der Starkarriere des Rabenbischofs


Epitaph des Thilo von Trotha, nach 1514

Als der Bischof Thilo von Trotha eines Tages einen kostbaren Ring vermisste, beschuldigte er seinen Kammerdiener des Diebstahls. Zur Strafe ließ er ihn hinrichten. Nach einiger Zeit fand ein Schieferdecker den Schmuck im Horst eines Raben. Die Unschuld des Bestraften war offensichtlich. Als Sühne zierte der Bischof sein Wappen mit der Darstellung eines Raben, der einen Ring im Schnabel trägt. Darüber hinaus sollte als ständige Mahnung ein Rabe im Käfig vor den Augen der Bischöfe gehalten werden. An die erstmals im 17. Jahrhundert schriftlich fixierte Legende mit dem weit übertriebenen Urteil erinnert bis heute die Rabenvoliere vor dem Schloss in Merseburg. Im Gebäudeensemble selber ist Bischof Thilo von Trotha durch weite Streuung des Rabenwappens präsent. ...mehr

Die Albertina in Wien widmet sich dem Schaffen Joan Mirós und stellt den Spanier als großen Poeten in der Kunst des 20. Jahrhunderts vor

Von der Erde zum Himmel


Ende August dieses Jahres wurde bekannt, dass 85 Gemälde von Joan Miró aus dem Besitz der Banco Português de Negócios (BPN) nun doch versteigert werden sollen. BPN war in der Finanzkrise wegen ihrer horrenden Verluste verstaatlicht und mit Steuergeldern gerettet worden. Trotz massiver Proteste der Bevölkerung und verschiedener Institutionen wurden die Werke nicht als Kulturerbe eingestuft und dürfen nun außer Land gebracht werden. Christie’s hatte den Wert der Sammlung mit rund 37 Millionen Euro beziffert und sie als eine der umfassendsten und eindrucksvollsten Kollektionen des spanischen Künstlers bezeichnet, die jemals zur Versteigerung gekommen sind. ...mehr

Seine frühen Farbaufnahmen von Fast Food, Tankstellen und Straßenkreuzungen haben ihn berühmt gemacht. Dass sich der amerikanische Fotograf Stephen Shore aber bis heute immer wieder neu erfindet, führt jetzt die weltweit erste große Retrospektive in der Fundación Mapfre in Madrid eindrucksvoll vor Augen

Die visuelle Kraft des Banalen


Mit sechs die erste eigene Dunkelkammer. Mit 14 die erste Begegnung mit der Foto-Legende Edward Steichen, der für das Museum of Modern Art (MoMA) gleich drei Fotografien des Teenagers erwirbt. Mit 18 regelmäßiger Besucher und Mitarbeiter in Andy Warhols Factory. Mit 23 die erste Einzelausstellung im Metropolitan Museum, und mit 29 dann die erste große MoMA-Schau. Viel rasanter und erfolgreicher kann eine Fotografenkarriere eigentlich gar nicht verlaufen. Dem 1947 in New York geborenen amerikanischen Fotografen Stephen Shore ist all das gelungen. Darüber hinaus gehört er auch heute noch zu den bekanntesten und gefeiertsten Vertretern seiner Zunft. Ein Pionier, der den etablierten Kanon der Fotografie immens erweitert hat. Eine große Retrospektive seines umfangreichen Gesamtwerks hat er bisher jedoch immer abgelehnt: Zu früh, zu endgültig, was soll danach überhaupt noch kommen? Der Fundación Mapfre in Madrid ist es jetzt gelungen, Shores Bedenken zu zerstreuen und seine Unterstützung für eine rund 320 Werke umfassende retrospektive Werkschau zu gewinnen. In den nächsten zwei Jahren wird die Ausstellung dann auch in Arles, Berlin, Turin und Amsterdam zu sehen sein. ...mehr

Eine zentrale Ausstellung, mehrere Begleitschauen sowie viele kunsthistorisch bedeutende Orte erinnern anlässlich des Wiener Kongresses vor 200 Jahren an die knifflige Koexistenz von Preußen und Sachsen

Ambitionierte Konkurrenz


Schloss Doberlug

„Brennet des Nachbarn Wand, so bist du selber gefährdet.“ Das mitunter heikle Nebeneinander brachte der römische Dichter Horaz mit diesen Worten auf den Punkt. Wie konkret sich „Szenen einer Nachbarschaft“ auf die Geschichte zweier Staaten auswirken können, beschreibt unter diesem Titel die erste brandenburgische Landesausstellung und nimmt dafür die Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress von 1814/15 zum Anlass. Weite Teile Sachsens wurden damals Preußen zugeschlagen. Auch Doberlug im Südwesten Brandenburgs gehörte dazu. Das jüngst innen wie außen vortrefflich restaurierte Renaissanceschloss verkörpert nicht nur symptomatisch das Thema, sondern tritt zugleich als größtes Exponat auf. Unter dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts das Abtshaus des Zisterzienserklosters zum Schloss umgebaut. Bis 1989 trainierten auf dem weiten Gelände Soldaten. Jetzt bieten neben der trutzigen, von einem Graben umwehrten Vierflügelanlage auch das zum Veranstaltungszentrum hergerichtete Refektorium nebst der gotischen Kirche ein sehenswertes Ensemble, das für sich genommen schon einen Besuch lohnt. ...mehr

Fotografie zwischen Repräsentation und Abstraktion, Autorschaft und Aneignung: Der Kunstverein in Hamburg zeigt die New Yorker Künstlerin Lisa Oppenheim in einer großen Einzelausstellung

Feldforschung im Dickicht der Fotografiegeschichte


Lisa Oppenheim, Lunagrams (From The Catalogues Of The Kunstverein In Hamburg), 2014

Die New Yorker Künstlerin Lisa Oppenheim, Jahrgang 1975, arbeitet vorzugsweise mit zwei Medien: der Fotografie und dem Film. Die Tatsache jedoch, dass sie so gut wie nie einen Fotoapparat oder eine Film- oder Videokamera in die Hand nimmt und selbst auf den Auslöser drückt, macht die Angelegenheit schon etwas komplizierter. Die in den USA bereits mit wichtigen Ausstellungen gefeierte Künstlerin, die jetzt in einer großen Einzelausstellung im Hamburger Kunstverein präsentiert wird, macht keine originär eigenen Fotos oder Filme. Sie unterzieht stattdessen Fotos so berühmter Fotografen wie Walker Evans oder Manuel Álvarez Bravo oder aber Videobilder aus dem Internet komplexen Transformations- und Übersetzungsprozessen, an deren Ende dann wieder statische oder bewegte Bilder herauskommen. Mit ihnen hat Oppenheim schon mehrere Ausstellungen, etwa „New Photography“ 2013 im New Yorker Museum of Modern Art, bestritten. ...mehr

Die Ausstellung „Pompeji. Götter, Mythen, Menschen“ im Hamburger Bucerius Kunst Forum veranschaulicht das Leben im untergegangenen Pompeji am Beispiel eines prachtvollen Stadtpalastes

Das Haus der Schönen Künste


Hochzeit von Zephyros und Chloris, um 50–79 n.Chr.

An einer der wichtigsten Kreuzungen der untergegangenen Stadt Pompeji, der Via dell’ Abbondanza und der Via Stabiana, lag der prächtige Palast Casa del Citarista der einflussreichen Familie der Popidier. Beim Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr. wurde die rund 10.000 Einwohner große Stadt nahezu komplett ausgelöscht. Heute gehört ein Besuch der archäologischen Stätte am Golf von Neapel zum Pflichtprogramm eines jeden Italien-Reisenden. Wer es jedoch nicht dorthin schafft, dem sei ein Besuch der Ausstellung „Pompeji. Götter, Mythen, Menschen“ im Bucerius Kunst Forum in Hamburg empfohlen. Rund 80 Leihgaben aus dem Archäologischen Nationalmuseum Neapel geben einen Überblick über die architektonischen Vorlieben, den Wohlstand und den Kunstsinn der Eliten Pompejis. Das Besondere an der Schau: In ihrem Zentrum steht beispielhaft die Rekonstruktion der Casa del Citarista mit ihren Atrien und Säulenhöfen, den Wandmalereien, Statuen, Fresken, Bronzen und Marmorbildnissen. ...mehr

Die Stuttgarter Staatsgalerie beleuchtet in ihrer Ausstellung „Königliche Sammellust“ die Rolle Wilhelm I. von Württemberg als Förderer der Künste und revidiert das diesbezüglich schlechte Image des Monarchen, dessen Todestag sich 2014 zum 150. Mal jährt

Der König und seine Bilder


Gottlob Friedrich Steinkopf, Blick ins Neckartal mit Schloss Rosenstein, 1828

Kunst und Macht gingen von jeher eine Liaison ein. Kunst und Leidenschaft aber auch. Diesen Schluss legen die Gemälde aus der privaten Sammlung des württembergischen Königs Wilhelm I. nahe, von der man sich derzeit in der Staatsgalerie Stuttgart erstmals wieder ein Bild machen kann. Die Kopien alter Meister etwa, die er für seine Privaträume fertigen ließ, verraten einen Mann mit Sinn für die erotische Komponente. Zahlreiche weibliche Figuren mit viel nackter Haut hingen in seinen Gemächern. Er war ein Sammler zwischen Schwärmerei und zurückhaltendem repräsentativem Ehrgeiz. Wilhelm I. kaufte eher die elegischen statt die heroischen mythologischen Darstellungen, etwa Georg Friedrich Eberhard Wächters „Odysseus und die Sirenen“ von 1820, und sah seine eigenen Ankäufe zum Teil wohl zugleich als Manifestierung der regionalen landschaftlichen Schönheit und als patriotischen Einsatz für württembergische Künstler. Dafür sprechen zumindest die großformatigen, idyllischen Landschaften „Blick auf Schloss Rosenstein und das Neckartal“ sowie „Schloss und Gestüt Weil bei Esslingen“ von Gottlob Friedrich Steinkopf, der um 1830 in Stuttgart das Renommee eines Joseph Anton Koch genoss. ...mehr

Bei ihm wird der American Dream zum konsumistischen Alptraum: Die Kunsthalle Bremen zeigt die überbordenden Installationen des 2006 früh verstorbenen Kaliforniers Jason Rhoades

Jongleur des Unmöglichen


Die Welt als Sammelsurium. Alte Computer, Monitore, Overheadprojektoren, Plastikeimer, T-Shirts, Bücher, chirurgische Instrumente, Zeichnungen, Collagen, Pornohefte, Neonschriften, eine Nebelmaschine, Ventilatoren und viele andere Materialien mehr benutzte der US-amerikanische Installationskünstler Jason Rhoades, um daraus überbordende Referenzsysteme voller vieldeutiger Anklänge an die Mythen und Versprechungen der Warenwelt und die in Amerika allgegenwärtige Pop- und Trashkultur zu konstruieren. Der 1965 in Kalifornien als Sohn eines Farmers geborene Totalkünstler starb 2006 am Ende eines wilden Partyabends an Herzversagen, ausgelöst durch eine Überdosis Rauschgift. ...mehr

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