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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Neue Eiszeitfunde auf der Schwäbischen Alb markieren den Beginn der künstlerischen Entwicklungen vor rund 40.000 Jahren. Neue Museen im Ulmer Umkreis sowie eine Ausstellung in Bonn stellen sie vor

Kunstwerke einer mobilen Gesellschaft


Löwenmensch im Ulmer Museum

Die Statuette ist eine Mischung aus menschlichen und tierischen Komponenten: Kopf und Arme sind eindeutig einem Löwen zuzuordnen, Körper und Beine dagegen muten menschlich an. Breite Schultern lassen das Mischwesen kräftig erscheinen. Eine Mähne fehlt. Das bewusst geschnitzte männliche Glied identifiziert eindeutig das Geschlecht. Die Proportionen des Körpers sind jedoch eher tierisch. Legen sechs waagerechte parallele Kerben am linken Oberarm Tätowierungen nahe? Was hat den Menschen vor rund 40.000 Jahren veranlasst, solch eine Chimäre zu schnitzen? Handelt es sich um einen Schamanen mit übergestülptem Löwenfell oder eine Gottheit? ...mehr

Die Nachwuchsausstellung „Gute Aussichten“ im Haus der Photographie der Hamburger Deichtorhallen versammelt acht prämierte junge Fotografen: L’art pour l’art ist offenbar out. Im Trend liegt eindeutig wieder die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Realitäten

Zurück ins pralle Leben


Das pralle Leben statt Rückzug in den Elfenbeinturm – so lautet der Trend des diesjährigen Nachwuchsfotowettbewerbs „Gute Aussichten. Junge deutsche Fotografie“. Im elften Jahr gab es 115 Einsendungen von 40 Hochschulen, aus denen eine siebenköpfige Jury mit dem britischen Fotokünstler Paul Graham als prominenten Gast acht Preisträger zwischen 26 und 35 Jahren auswählte. „Gute Aussichten“-Initiatorin Josefine Raab hat beoachtet, „dass die knallharte Realität und Brutalität des Alltags vermehrt in die Fotoarbeiten einfließen, wobei es mehr um persönliche Erfahrungen als um einen sensationalistischen Ansatz geht. Es sind Fotos, die jeden betreffen.“ ...mehr

Diego Velázquez im Kunsthistorisches Museum Wien

Er ist der Maler der Maler


Diego Velázquez, Venus mit dem Spiegel (Rokeby Venus), 1648/51

Er begann als Straßen- und Küchenmaler, endete als Schlossmarschall und gilt bis heute als einer der größten Meister der Malerei. Schon zu Lebzeiten hoch geschätzt, beeinflussten die Werke des spanischen Malers Diego Velázquez (1599-1660), der am Hof Philipps IV. zahlreiche Mitglieder der königlichen Familie portraitierte, unter anderem Francisco de Goya, Edouard Manet, Pablo Picasso, Francis Bacon und Salvador Dalí. Allein Picasso malte 58 verschiedene Versionen der „Las Meninas“. Von den insgesamt 110 bis 120 Velázquez sicher zugewiesenen Gemälde füllen derzeit 46 Werke, darunter Portraits, Stillleben, Genrebilder und Allegorien, drei Säle und mehrere Kabinette des Kunsthistorischen Museums in Wien. Die Ausstellung ist die erste Präsentation des spanischen Barockmalers im deutschsprachigen Raum und kann dank der hochkarätigen Leihgaben aus Madrid und London als einzigartig genannt werden. Wenn man die Werke des „Malers der Maler“, so Manet, außerhalb von Madrid studieren und bewundern will, dann führt bis Mitte Februar kein Weg an Wien vorbei. ...mehr

Ziemlich weit vorne: Die Hamburger Kunsthalle präsentiert die drei Preisträger des Ars Viva Preises 2014/15. Die Generation der „Digital Natives“ überzeugt mit einer neuen Materialästhetik und ihrer souveränen Aneignung vorhandener Bilder, Objekte und kunstfremder Materialien

Die Kunst einer neuen Zeit


Ein Preis mit Tradition: Seit 1953 wird der Ars Viva-Preis jährlich vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI in der Sparte Bildende Kunst verliehen. Die drei diesjährigen Preisträger sind alle Anfang 30, sie leben in Berlin, sind jedoch alle keine deutschen Staatsbürger. Aleksandra Domanovic, Jahrgang 1981, stammt aus dem serbischen Novi Sad. Yngve Holen wurde 1982 in Braunschweig geboren, wuchs aber in Norwegen auf, und James Richards, Jahrgang 1983, stammt ursprünglich aus Cardiff. Allen gemeinsam ist, dass sie ganz selbstverständlich mit Computern, Internet, Mobilfunk und MP3-Playern aufgewachsen sind. Ihre Generation bezeichnet man als „Digital Natives.“ Vor diesem Hintergrund entsteht auch ihre Kunst. „Das ist etwas, was die Künstler in ihrer Strategie verbindet, aber es gibt Unterschiede in ihrer künstlerischen Ausprägung“, sagt Brigitte Kölle, die die Ausstellung mit den drei Preisträgern in der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle kuratiert hat. In einer schlüssigen Choreographie wechseln sich Skulpturen, Videoarbeiten, Objekte, Folienarbeiten und Wandtexte miteinander ab. „Die Räume sind miteinander vernetzt“, so Brigitte Kölle. ...mehr

Georg Baselitz gehört zu jenen Künstlern, die beständig aus dem eigenen Œuvre schöpfen. Auch bei seinem jüngsten Werkblock, den schwarzen Bildern. Sie sind derzeit in der großen Baselitz-Schau im Haus der Kunst in München zu sehen

Der Adler fliegt noch immer


Altersmüde ist der 76jährige Georg Baselitz auf keinen Fall. 2013, als ihm der in Paris und Salzburg agierende Galerist Thaddaeus Ropac in seiner Ausstellungshalle an der Seine eine Jubiläumsschau ausrichtete, kam das Unerwartete. Baselitz, der Maler expressiver, aber heller und oft hintergrundloser Bilder, war abgetaucht in die Untiefen der Farbe Schwarz. Von radikal neuen, bildnerischen Konzepten, von der Eliminierung der Kontraste, von Minimalismus war die Rede. Groß und monumental und auch mit einem gewissen pathetischen Anspruch hängen sie derzeit in der retrospektiv angelegten Ausstellung „Georg Baselitz – Damals, dazwischen und heute“ im Haus der Kunst in München. Doch Baselitz folgt mit diesen schwarzen Bildern, wie der Werkblock bereits genannt wird, nicht den Spuren eines Kasimir Malewitschs, der das Metaphysische des schwarzen Quadrats erkunden wollte, oder den Mustern Ad Reinhardts, der mit seinen balkenartigen Schattierungen strikt im Abstrakten blieb. Wie immer schöpft Baselitz aus dem eigenen Œuvre. Die Selbstreflexion bleibt der Dreh- und Angelpunkt seines künstlerischen Agierens. Das ist der rote Faden der Ausstellung, und die schwarzen Bilder sind Anfangs- und Endpunkt zugleich. In ihnen steckt Kontinuität und zugleich Abweichung. Denn für diese Serie pastoser Arbeiten hat er seine Bilderwelt in die Dunkelkammer geschickt, die Farben bis zum äußersten gedimmt. Und doch erhebt sich auf dem Gemälde mit dem abstrusen Titel „Dunkel age schwarzim“ jener Adler mit bewegtem Gefieder, den er schon in den 1970er Jahren in stürmischer Pose und mit energischem Gestus auf die Leinwand gebracht hat. ...mehr

Erstmals stellt auf der Darmstädter Mathildenhöhe eine umfassende Übersicht das Werkschaffen von Hans Christiansen vor. Lange führte der Star unter den deutschen Jugendstilkünstlern ein Schattendasein

Der Erstberufene des Jugendstils


Im Gespräch zu bleiben, ist allein schon eine strategische Kunst. Wie erbarmungslos Zeitläufe filtern, zeigt die Durchsicht alter Verzeichnisse vordem renommierter Kunstschaffender, deren Namen heute mit Achselzucken begegnet wird. Von den sieben durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt im Jahr 1899 in die Mathildenhöher Künstlergemeinschaft Berufenen spielen lediglich der Österreicher Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens in Kunstdiskursen immer noch eine Rolle; beider Werkschaffen wurde in den vergangenen Jahren in großen Ausstellungen erneut vorgestellt. Hans Christiansen gehört zu denen, die hinter den Frontfiguren im Dunkel der Kunstgeschichte verharren. Immerhin taucht Christiansens Name ab und an auf Auktionen auf, wenn Ölbilder, Grafiken oder Gebrauchsgegenstände zum Verkauf stehen. Von den restlichen vier – dem Kunstgewerbler Patriz Huber, dem Bildhauer Ludwig Habich, dem Kleinplastiker und Medailleur Rudolf Bosselt sowie dem Dekorationsmaler und Entwerfer Paul Bürck – sind nicht einmal alle in einschlägigen Künstlerlexika angeführt. ...mehr

Eine ungewöhnliche Ausstellung vereint exzellente Reproduktionen bedeutender, aber weltweit verstreuter Kunstwerke mit einer neuen gigantischen Maskerade

Scheinwelten im Gasometer Oberhausen


Sandro Botticellis „Der Frühling“ und die Statue der „Aphrodite Braschi“

Schönheit kann unglaublich variantenreich sein: Elegant, schlicht, strahlend, harmonisch, heroisch, entfesselt, erschreckend, erregend, fantastisch, verträumt, verspielt oder verführerisch. Viele Versionen haben sich über Jahrhunderte herausgebildet. Auch die grandiose Architektur des Oberhausener Gasometers versprüht eigenen Charme. Der 117,5 Meter hohe Scheibengasbehälter aus dem Jahr 1929 dient heute als Ausstellungshalle, deren Attraktion der über einhundert Meter hohe Luftraum über der fixierten Gasdruckscheibe ist. Spektakuläre Experimente und Inszenierungen machen das Industriedenkmal seit 1994 zum Symbol für den Strukturwandel. Nach Christo im Jahr 2013 hat heuer „Der schöne Schein“ Einzug gehalten. Die Bandbreite ästhetischer Vorstellungen verschiedener Epochen und Kulturen erfahrbar zu vermitteln, animierte die Kuratoren Peter Pachnicke und Wolfgang Volz zu einem „imaginären Museum“. ...mehr

Das Frankfurter Städel beleuchtet das Werk Albert Altdorfers und die Kunst im frühen 16. Jahrhundert

Stürmisch und mild


Albrecht Altdorfer, Geburt Christi, um 1511

Klassisch wie auf einem Gemälde der Spätgotik sind Christus und die beiden Schächer angeordnet: Der Blick geht frontal auf das Kreuz, dem die beiden Mitverurteilten achsensymmetrisch beigeordnet sind. Davor spielen sich die üblichen Szenen ab: Maria, die ohnmächtig niederfällt und von Jünger Johannes nur mühsam aufgefangen werden kann, auf der anderen Seite einige Hauptleute zu Pferde, die gestikulierend das Geschehen zu kommentieren scheinen. Und doch ist etwas anders in dieser sogenannten Schottenkreuzigung des Lucas Cranach d.Ä. Schaut man genau hin, so erweisen sich die Figuren als teilweise ausgesprochen verzeichnet, die Konturen sind unscharf umrissen, fast urwaldartig wirkt die umgebende Landschaft, in die die Szene regelrecht hineingebettet ist. Die Neuerungen, die dieses um 1500 entstandene Gemälde kennzeichnen, sind vergleichsweise zaghaft, mehr angedeutet als wirklich durchgeführt. Und doch senden sie ein Signal dem Kunstbetrachter und Kunstkenner: Etwas wird anders in der deutschen Malerei auf der Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhunderts, die Künstler verlassen die eingefahrenen Wege und eröffnen der Kunst neue Ausdrucksmöglichkeiten. ...mehr

Das Arp Museum in Remagen präsentiert die Menschenfiguren von Aron Demetz und fragt nach den Bedingungen menschlichen Seins

Ich bin


Unter dem Leitmotto „Menschliche Dimensionen“ versucht das Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen, das Thema des menschlichen Körpers durch die Kunst zu visualisieren und neue Perspektiven aufzuzeigen. Das zeigt sich etwa in der aktuellen Präsentation „Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz“ der Kunstkammer Rau, die Dauergast im Arp Museum ist. Zu diesem Themenjahr wurde auch Aron Demetz aus Gröden in Südtirol, Jahrgang 1972 und Teilnehmer der 53. Biennale in Venedig, eingeladen. Die Präsenz seiner Menschengestalten im italienischen Pavillon des Jahres 2009, entdeckt von Jutta Mattern, die die Ausstellung in Remagen kuratierte, überträgt sich nun auf den Bahnhof Rolandseck. ...mehr

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