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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Der Melancholiker Pierre Bonnard macht sich im Wiener Bank Austria Kunstforum mit seinen poetischen Bildern vom Alltäglichen Gedanken über das Vergehen der Zeit

Malen aus der Erinnerung


Pierre Bonnard, Die Wanne (Das Bad), 1925

Es ist ein Motiv das jeder kennt: Eine Frau liegt nackt in der Badewanne. Lang ausgestreckt hat sie ihren jugendlichen Körper in der halbvoll mit Wasser gefüllten Wanne, den Kopf leicht erhoben, berühren ihre dunklen Locken den rechten Rand. Versonnen und vollkommen unbeeindruckt vom Blick des Betrachtenden scheint sie die wohlige Berührung des Wassers zu genießen. 1925 malt Pierre Bonnard dieses Bild von seiner Partnerin Marthe de Méligny. Als 26jähriger hatte er die zwei Jahre jüngere Veilchenverkäuferin in Paris kennengelernt. Seit mehr als 30 Jahren sind die beiden ein Paar, und unzählige Male saß Marthe ihrem Mann in der Zwischenzeit Modell. ...mehr

15.10.2019

Das Museum Kunst Palast in Düsseldorf will eine Übersicht über die Malereigeschichte der DDR geben. Neues bringt die Schau aber nicht hervor

Ein differenzierter Blick


Wolfgang Mattheuer, Die Flucht des Sisyphos, 1972

Homogene Entwicklungen sind in der Kunst fremd. Nirgendwo gab es sie zu irgendeinem Zeitpunkt. Trotz Vorgaben geistlicher, weltlicher oder gesellschaftlicher Systeme existierte immer mehr oder minder offen, latent im Verborgenen oder ganz im Schatten großer Strömungen eine Schar abweichender Positionen. Der allgemeinen Wahrnehmung blieb die Entfaltung der Künste in all ihren Facetten jedoch zumeist verborgen. Politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen Gegebenheiten geschuldet, konzentrierte sich der Blick auf aktuelle Sichtweisen oder bekannte Namen. Eine Ausstellung im Düsseldorfer Museum Kunst Palast unternimmt nun den Versuch, die Breite künstlerischer Ausdrucksformen in der ehemaligen DDR offenzulegen. Dafür fährt der hausinterne Kurator Steffen Krautzig rund 160 Werke auf, darunter überwiegend Gemälde, aber auch Grafiken und Plastiken. ...mehr

07.10.2019

Das Leopold Museum in Wien hat eine Auseinandersetzung mit dem Maler Richard Gerstl initiiert und zeigt sein Nachwirken bis in die Gegenwart

Schräge Formen statt klassischer Kompositionen


Richard Gerstl, Selbstbildnis als Halbakt, 1902/04

Fast schon indiskret beäugt kommt sich der Betrachter vor, wenn er am Bildnis der Schwestern Karoline und Pauline Fey vorbeischlendert. Aus dem dunklen, leeren Raum stechen schwarze Knopfaugen hervor. Eindringlich fixieren sie das Publikum. Ihre Gesichter erscheinen fleckig verwischt, und der unklare Duktus verunsichert den Besucher noch weiter. Grobe Pinselzüge illustrieren die körperlosen, gleißend hell gewandeten Frauen vor einer flackernden Verfinsterung. Keine feierliche Ornamentpracht, kein floraler Linienschwung, stattdessen irritiert ein trennender schwarzer Pinselstrich zwischen den Gestalten noch weiter. Das frühe, um 1905 entstandene Meisterwerk von Richard Gerstl fällt vollkommen aus seiner Zeit. In seinen expressiven Gebärden zwischen Verdichtung und Auflösung gilt das Doppelporträt als exemplarisch für den Maler. Statt den zeitadäquaten Schönheits- und Harmoniebestrebungen der Secessionisten und der Klimt-Gruppe zu entsprechen, reizte Gerstl mit einer schonungslosen, ungewöhnlich freien Formensprache voller unheimlicher Düsternis. Mit energiegeladenen Linienaufschlägen und flirrenden Lichterscheinungen initiierte er eine Ausdruckskunst, mit der er eine Reaktion beim Betrachter erzielen wollte. Gerstl stellte nicht nur etwas dar, sondern war imstande, einen Inhalt zu transportieren. ...mehr

02.10.2019

Das Museum der Moderne in Salzburg bereitet Sigalit Landau und ihrer eindringlich poetischen Kunst einen großen Auftritt

Die Jahre des Salzes


Sigalit Landau, DeadSee, 2005

Das Tote Meer nennt Sigalit Landau ihr Atelier. Für die israelische Künstlerin ist der 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegende und von Jordanien, Israel und dem Westjordanland begrenzte See ein „magischer Ort“, der gleichermaßen Inspirationsquelle und Labor für ihre Videoarbeiten, fotografischen Serien und Salzskulpturen ist. Er dient ihr sowohl als Metapher für die Abgründe der Geschichte, als auch für eine ästhetische Utopie. Aktuell ermöglicht eine Ausstellung im Salzburger Museum der Moderne eine intensive Begegnung mit dem Werk der Tochter jüdischer Immigranten mit österreichischen Wurzeln. Mit ihren ortsspezifischen Arbeiten nimmt sie seit mehr als zwanzig Jahren Bezug auf Geschichte und Erinnerung, privates und kollektives Gedächtnis, archaische und utopische Mythen ebenso wie auf aktuelle Fragen zur menschlichen Verfasstheit. ...mehr

24.09.2019

Kiki Smith erörtert Grundfragen der menschlichen Existenz. Das Belvedere in Wien stellt nun ihr vielgestaltiges Werk vor

Entrückung der Welt


Vor rund zwei Jahren übernahm Stella Rollig, die zuvor im Lentos Kunstmuseum in Linz tätig war, das Amt der Generaldirektorin und wissenschaftlichen Geschäftsführerin des Wiener Belvedere. Seitdem konnte sie mit Präsentationen von Künstlerinnen einen Schwerpunkt setzen, der in dieser Qualität und Dichte bemerkenswert ist. Highlight dieses Spätsommers ist eine großartige Ausstellung mit Arbeiten der amerikanischen Künstlerin Kiki Smith. Die Schau, die einen Überblick darüber gibt, in welcher thematischen Vielfalt Smith in den letzten drei Jahrzehnten gearbeitet hat, war zuvor am Haus der Kunst in München und im Sara Hildén Art Museum im finnischen Tampere zu sehen und bietet mit rund 90 Arbeiten den bislang größten Überblick in Europa. Wegbereiter der Ausstellung war der nigerianische Kurator Okwui Enwezor, der bis Juni 2018 das Haus der Kunst in München leitete und im Frühjahr 2019 verstarb. Ihm ist die Wiener Schau gewidmet. ...mehr

Magdeburg thematisiert die Entfaltung von Städten im Mittelalter. Mit der Errichtung rechtlicher, gewerblicher, religiöser oder politisch-institutioneller Strukturen blühten auch die Künste auf

Die Stadt als Keim autonomer Kunst


Thorner Passionstafel, Nördliche Niederlande, um 1480/90

Was ist eine Stadt? Knapp auf den Punkt gebracht, lässt sie sich als Vielfalt in einer Einheit definieren. Innerhalb ummauerter Grenzen ballen sich zahllose Interessen, Regeln und Vorstellungen zusammen. Städte sind Bühnen der Gesellschaft, Schauplätze öffentlicher wie wirtschaftlicher Vorgänge, Orte einer Verdichtung von politisch-gesellschaftlichen Vorgängen und Konflikten. Als Motor von Entwicklungen erweisen sie sich bis in die Gegenwart als faszinierendes Erfolgsmodell: Bei steigender Tendenz lebt heute bereits mehr als die Hälfte aller Menschen in Städten. Denn sie verkörpern Unabhängigkeit, Aufstiegsmöglichkeiten und das Versprechen eines Lebens in Frieden und Freiheit. Hinzu kommt die Funktion eines Katalysators für innovative und auch für künstlerische Entwicklungen. ...mehr

Welche Architektur nutzt dem Planeten Erde? Das fragt sich derzeit das Architekturzentrum Wien

Planschen über den Dächern von São Paulo


Paulo Mendes da Rocha und MMBB Arquitetos, SESC 24 Maio. São Paulo, Brasilien 2017

Architekten und ihr Fachgebiet werden von äußeren Einflüssen und Faktoren bestimmt. Macht- und gesellschaftspolitische Aspekte prägen die Architektur ebenso wie ihre technische Umsetzbarkeit. Gedrängt von den Interessen des Kapitals, sind Architektur und Urbanismus in eine Krise verstrickt. Neben der globalen Urbanisierungswelle bestimmen zwei große Themen die Architektur von heute. Während angesichts des von Menschen verursachten Klimawandels und der immer bedrohlicheren Ressourcenknappheit zum einen die Ökologie im Bausektor zunehmend an Gewicht erlangt, wächst auch der Einfluss der sozialen Verantwortung von Architekten. ...mehr

In ihrer ersten Einzelausstellung als bildende Künstlerin verwandelt die international gefeierte kanadische Electroclash-Queen Peaches den Kunstverein in Hamburg in einen genreübergreifenden Erlebnispark voller Sex, Humor und subtiler Gesellschaftskritik

Aufstand der Körper-Surrogate


in der Ausstellung „Peaches – Whose Jizz Is This?“

Es sollen sich sogar schon Peaches-Fans aus Paris gemeldet haben, die spontane Fahrgemeinschaften bilden wollen, um zu diesem Ereignis nach Hamburg zu reisen. Und auch ein extra gecharterter Bus aus Berlin war zur Eröffnung am Freitagabend unterwegs. Der Grund: Peaches ist in der Stadt. Die feministisch-queere Undergroundmusikerin, bekannt für ihre aufwändigen Bühnenshows und ihren offenen, mitunter provokanten Umgang mit allen möglichen Spielarten der Sexualität, zeigt im Kunstverein in Hamburg jetzt unter dem Titel „Whose Jizz Is This?“ ihre erste institutionelle Einzelausstellung als bildende Künstlerin. Der Slang-Ausdruck „jizz“ steht für Sperma. „Es ging uns nicht darum zu zeigen, wie man aus einer Musikerin eine Künstlerin macht“, betont Kunstvereinsdirektorin Bettina Steinbrügge. Vielmehr gehe es darum, in einem Performancedisplay mit vielen Bühnenelementen eine „intelligente Popstar-Ausstellung“ zu entwickeln. „Ein Transfer, der, so glauben wir, gelungen ist“, so Steinbrügge. ...mehr

Der Künstler als interdisziplinäre Instanz: Die Londoner Tate Modern feiert den isländisch-dänischen Welterforscher Olafur Eliasson mit einer großen Bestandsaufnahme seines Werks

Wasser marsch!


Olafur Eliasson, Your uncertain shadow (colour), 2010

Dicke Wassertropfen bedecken eine Fensterscheibe. Immer wieder vereinigen sie sich zu kleinen Rinnsalen, die am Glas hinablaufen und den Blick auf die umliegende Bebauung der Londoner Tate Modern trüben. Nun ist Regen in der britischen Hauptstadt nichts Besonderes. 11 bis 15 Regentage pro Monat sind hier ganz normal. Die Regentropfen, von denen hier die Rede ist, sind jedoch ganz anderer Natur. Erdacht hat sie sich der in Berlin arbeitende dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson, Jahrgang 1967. Seine Arbeit „Regenfenster“ stammt bereits aus dem Jahr 1999. Sie kann den jeweiligen Gegebenheiten der wechselnden Ausstellungsorte angepasst werden. Zur Zeit aber ist sie in der großen Londoner Werkschau zu sehen, die unter dem Titel „Olafur Eliasson: In Real Life“ jetzt sechs Monate lang rund 40 teils spektakuläre Arbeiten und Installationen aus der Zeit zwischen 1990 und 2019 versammelt. ...mehr

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