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Der unbekannte Joseph Oppenheimer

Ein bewegtes Leben für die Malerei



Weder Ruhm noch Geld konnten ihn locken. Sein Leben und seine große Liebe galten einzig der Malerei. Bescheiden wie er war, lag ihm nichts an der Vermittlung und Förderung seiner Arbeit durch geschäftstüchtige Galeristen oder Museen.


Für Joseph Oppenheimer, der am 13. Juli 1876 in Würzburg geboren wurde und hier vierzehn Jahre lebte, war es nur wichtig, seine Zeichnungen, Aquarelle und Ölbilder in guten Händen vereint zu wissen. Diesem letzten Wunsch entsprach sein ältester Enkel Vincent Mark Prager mit der postumen Gründung der Joseph-und-Fanny-Oppenheimer-Stiftung vor einigen Jahren in Montreal. Sie verfolgt den Zweck, Oppenheimers zahlenmäßig großes und weit verstreutes Œuvre der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, und will es seitens der Kunstgeschichte entsprechend gewürdigt wissen. Denn viele, vor allem großformatige Bilder, die vor 1933 entstanden, befinden sich heute in Privatsammlungen oder sind zerstört worden, was eine Würdigung der Arbeiten für die Kunstgeschichte bislang erschwert hat.

Um den weithin in Vergessenheit geratenen Künstler wieder in Erinnerung zu rufen, beabsichtigt die Stiftung an jenen Orten, die Oppenheimer zur Heimat wurden, feste Ausstellungen einzurichten. Neben London, wo Oppenheimer mehrere Jahre lebte und Montreal, wo er 1966 starb, soll dies auch in seiner Geburtsstadt Würzburg geschehen, die ihren Sohn bereits 1987 und 1998 mit Ausstellungen in der Städtischen Galerie ehrte.

Ausbildung und realistisches Frühwerk

Die zufällige Bekanntschaft mit Otto von Bismarck auf einer Reise mit seiner Tante Sophie Baum ins Kurbad Bad Kissingen lenkte Oppenheimers Talent in die für ihn richtigen Bahnen. Nachdem der 14jährige den "eisernen Kanzler" porträtiert und ein persönliches Dankesschreiben dafür erhalten hatte, waren alle möglichen Zweifel an seiner künstlerischen Laufbahn zerstreut. Bereits nach kurzer Studienzeit unter den Fittichen des Würzburger Malers Franz C. Fischer, zog es den Sohn jüdischer Eltern nach München, um sich zuerst an der Privatschule von Conrad Fehr und schließlich ab 1893 an der Königlichen Akademie ganz seiner Passion widmen zu können. In der Tradition von Franz Lenbach (1836 bis 1904), Hans Makart (1840 bis 1884) und Wilhelm Leibl (1844 bis 1900) entstanden, zum Teil durch erste Fotografien unterstützt, dem Realismus zuzuordnende Zeichnungen, die Menschen und flüchtige Straßenszenen aus der Situation heraus zum Inhalt machten.

Begegnungen mit der Freiluftmalerei

Mit dem Ziel, sein Handwerk zu vervollkommnen, zog es den jungen Oppenheimer 1895 nach Italien, wo er sich durch das Kopieren Alter Meister schulte. Bei einem Aufenthalt in Rom brachte er mit dem Ölgemälde "Pferde und Kutsche auf dem Monte Pincio" sein erstes impressionistische Bild in der thematischen Nachfolge Max Liebermanns hervor. Hier gewöhnte sich der bisherige Ateliermaler auch an das milde Klima und die in den reizvollen Landschaften Frankreichs bereits länger praktizierte Pleinair-Malerei.

Die Münchener Jahre in der Secession

Zurück in München richtete Oppenheimer 1896 sein Atelier im Hause des Archäologieprofessors Adolf Furtwängler (1853 bis 1907) ein und erhielt als Ateliernachbar Kontakt zu anderen Künstlern und Intellektuellen, für die er hin und wieder Portraits fertigte. In die Jahre bis 1899 fallen weitere Reisen ins Ausland, unter anderem in fremde Kulturkreise wie den Mittleren Osten, der Oppenheimers Anschauungswelt mit neuen Formen und Traditionen konfrontierte. Nach der Rückkehr schien die Zeit reif, sich der Kritik eines breiteren Publikums zu stellen. Dem Ausstellungsdebüt mit der realistischen, dem nüchternen Stil Leibls angelehnten „Porträtgruppe“ und der „Beleuchtungsstudie im Atelier“ folgten als Mitglied der Münchner und Berliner Secession weitere erfolgreiche Ausstellungen in Berlin und Hamburg, unter anderem bei dem bekannten Kunsthändler Paul Cassirer (1871 bis 1926), über den der junge Maler Kontakte zu englischen Künstlerkreisen gewann.

England: Eine neue Sicht der Natur

Im August 1902 kehrte Oppenheimer Deutschland den Rücken und siedelte nach London über, wo er sich schnell mit Porträtarbeiten einen Namen machte und angeregt durch die elegante Ausstattung seines Ateliers an Interieurthemen Gefallen fand. Zahlreiche Bekanntschaften und Freundschaften mit angesehenen Persönlichkeiten verschafften dem Maler Zutritt zu gehobenen Kreisen der englischen Gesellschaft. War bis ins Jahr 1905 die Porträtmalerei die Hauptquelle seiner Einnahmen, begann er danach immer stärker die Landschaftsmalerei in sein tägliches Schaffen aufzunehmen. Eine neue Sicht der Natur und seine Liebe zu der bereits lang verehrten Fanny Sternfeld verhalfen ihm zu einem weicheren, beinahe lyrisch zu nennenden Ansatz in seiner Kunst. Als Anhänger der neuen englischen Romantik zielte sein Schaffen fortan nicht mehr nur auf die exakte Wiedergabe der Natur. Vielmehr wollte Oppenheimer wie viele seiner Künstlerkollegen Natur mit Hilfe von dramatischen Kontrasten, sorgfältig ausgesuchten Farbtönen und einer lockereren Pinselführung selbst interpretieren. Seine kleinformatigen heiteren Bilder von der Henley Regatta, entstanden in den Jahren 1906 und 1907, verdeutlichen diese Neuorientierung am eindrucksvollsten.

Die Jahre vor und nach den Kriegen

Nach der Hochzeit mit Fanny Sternfeld im Juli 1908 kam Oppenheimer dem Wunsch seiner Frau nach, wieder nach Berlin zu gehen, wenngleich er die Kontakte zu England durch zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen aufrecht erhielt. Mehrere Medaillenauszeichnungen für sein „Chinesisches Porzellan“ oder den „Nachmittagsee im Garten von Kensington“ trugen kurz vor dem Aufziehen der dunklen Wolken über Deutschland zur internationalen Anerkennung Oppenheimers bei. Im Schatten des Ersten Weltkriegs gingen dann nicht nur viele seiner internationalen Verbindungen verloren, der Krieg bedeutete auch das vorläufige Ende seiner Porträtmalerei. Eingeschränkt in der Wahl seines Handwerkzeugs, verlegte sich Oppenheimer, zum kartographischen Dienst eingezogen, von 1920 bis 1930 auf die Druckkunst, die für den Künstler eher selten und in vornehmlich expressionistischer Manier Gesellschaftskritik transportierte.

42 Jahre alt war Joseph Oppenheimer, als der Krieg zu Ende war und er sich als Porträtmaler mit der High Society ein neues Klientel zu erschließen begann, das ihm ganze Listen von Aufträgen bescherte. Zwischen jenen Auftragsarbeiten hielt er in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Freunde und immer wieder seine Familie auf der Leinwand fest. Viele jener persönlichen Bilder, die Mutter, Frau und Tochter im Wandel der Jahre zeigen, sind in den Würzburger Ausstellungen zu sehen und geben ein Zeugnis von Oppenheimers Fähigkeit, der dargestellten Person auf Leinwand oder Holz Leben einzuhauchen.

Ein Leben zwischen England und Kanada

Im Zuge der Machtergreifung Hitlers kehrte Oppenheimer mit seiner Familie nach London zurück. Den größten Teil seiner Bilder hatte er zurücklassen müssen. Etwa 30 wichtige Arbeiten blieben auch trotz intensivster Nachforschungen Fanny Oppenheimers für immer verschollen. Recht schnell faßte Oppenheimer wieder in London Fuß, erschloß sich einen neuen Kundenkreis und genoß nach kurzer Zeit bereits wieder das Ansehen, das ihm die englische Gesellschaft vor Jahren entgegengebracht hatte. Als seine Tochter Eva mit Mann und Sohn 1949 nach Montreal auswanderte, begann für Joseph Oppenheimer und seine Frau die lange Zeit des Pendelns zwischen England und Kanada. Bis eine Woche vor seinem tödlichen Herzversagen am 31. August 1966 hatte Oppenheimer Pinsel und Stift nicht aus der Hand gelegt.

Die Oppenheimer-Schenkung und Leihgabe an die Städtische Galerie in Würzburg soll im späteren Kulturspeicher, dem neuen Domizil der Städtischen Sammlung, ihren Platz finden.

Städtische Galerie
Hofstraße 3
D-97070 Würzburg

Telefon: + 49 (931) 32 22 5 - 0
Telefax: + 49 (931) 32 22 5 - 18



04.10.2000

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Petra Jendryssek

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