Die Kunst, online zu lesen.

Home


Künstler

Portraits


Biographien A-Z





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 02.12.2020 116. Auktion: Fotografie des 19. – 21. Jahrhunderts - Sonderkatalog Werke aus der Sammlung Wilmar Koenig

© Galerie Bassenge Berlin

Anzeige

ohne Titel / Günther Uecker

ohne Titel / Günther Uecker
© Galerie Luther


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Portraits

Aktuellzum Archiv:Künstler-Portrait

Portrait Carsten Höller

Glücklich in die Zukunft



Carsten Höller (mit Brille???)

Carsten Höller (mit Brille???)

Die Kunstwerke des „verrückten“ Professors Carsten Höller erschließen sich uns oft nicht über die Augen, sondern vielmehr über die Nase. Denn Höller, der in Karlsruhe einen Lehrstuhl für Parasitologie innehat, versucht unsere Gene wach zu kitzeln; und das erreicht er am besten über die Nase. So gönnte er es seinen Ausstellungsbesuchern zum Beispiel in seinem Pealove-Room schwebend, und unter Drogeneinfluss (Phenylethylamin!) vollständig hemmungslosen Sex zu praktizieren. Höller sieht hierin eine Reduzierung auf das Wesentliche. Der Biologe weist uns mit seinem Werk in aller Deutlichkeit darauf hin, dass wir als nackte Menschen-Affen ebenso wie alle anderen Lebewesen dem ständigen Drang zur Reproduktion unterliegen.


Höller rät uns, unsere inneren Prozesse und natürlichen Triebe zu erkennen und uns dagegen zu wehren. Pflanzt euch nicht mehr fort! Nichtreproduktive Beziehungen seien in Bezug auf ihre soziale Verträglichkeit sowieso viel ratsamer. Sollten wir dennoch den Fehler begangen haben, Kinder in die Welt zu setzen, so weiß Höller auch hier Abhilfe, bzw. Möglichkeiten einer nachträglichen Regulation. Auf der „Killing Children II“ in London, stellte Höller seine tödlichen, als Spielzeug oder Süßigkeit getarnten Kinderfallen vor. Da fanden sich Schnuller mit Fliegenpilzextrakten, Fahrräder mit Benzinbomben oder Elektrostecker, die zwischen Schokoladenbonbons zum Lutschen einluden.

Mit seinem als „Pest Control“ getarnten Kinderfängerjeep, den er 1993 auf der Aperto der Biennale in Venedig ausstellte, kann man kleine Ausreißer wieder einfangen, um sie dann in Käfige zu sperren. Der zynische Witz dieser Arbeiten entsteht durch das Spannungsfeld, in dem kindliche Unschuld der real existierenden Brutalität unserer Gesellschaft gegenübergestellt wird.

Tatsächlich wird Höller nichts gegen Kinder haben. Schon in seinen ersten künstlerischen Arbeiten, Streichholzschachteln von 1987 mit dem Aufdruck „Zukunft ist wichtiger als Freizeit“, hat er für sich die „Zukunft“ zum Thema gemacht. Auch mit seinem 20 Meter langen Spruchband am Gebäude des Hamburger Kunstvereins „Gemeinsam in die Zukunft“ zur Ausstellung „D & S“ von 1989, hat sich Höller zu dem damals leicht in Verruf geratenem Begriff Zukunft gewidmet. Dabei wird er jedoch nie zum unkritischen Trommler. Anstatt sich blind der Zukunft zu überlassen, fordern auch diese Werke zur Reflektion auf. Ist die Zukunft wirklich so oberflächlich und inhaltslos wie dieser Allgemeinplatz? Wieso wird gerade auf Streichholzschachteln Werbung für die Zukunft gemacht?

Das Thema Zukunft greift Höller auch in seiner Ausstellung „Skop“ auf, die 1996 in der Wiener Secession zu sehen war. Hier wurden vergangene Zukunftsutopien, wie zum Beispiel das Ufo-artige „Futuro-Haus“ von Matti Suuronnen aus der 1968er Generation mit heutigen Visionen, wie Ultraleichtfliegern, Solarmobilen oder transportablen Erdbeerfeldern kombiniert. Dabei wurde klar, dass die Zukunft (wenn überhaupt) nur aus der Vergangenheit zu verstehen ist. Viele unserer heutigen Phantasien werden in 30 Jahren wahrscheinlich ebenso obsolet sein wie die Folgen von „Raumpatrouille Orion“.

In jedem Fall steht der Mensch im Mittelpunkt der Höllerschen Kunst. In dem Ausstellungsprojekt „Glück“ von 1996 und 1997, das im Kölner und Hamburger Kunstverein sowie in Utrecht zu sehen war, richtete der Künstler ein Versuchslabor des Glücksgefühls ein. Die Gäste wurden aufgefordert, alle Ausstellungsstücke zu benutzen. In dieser Versuchslandschaft konnte der Gewillte Glückspillen schlucken, Flugmaschinen benutzen, mit streichelzarten „Delphinen“ aus Polyurethan kuscheln, sich in einem Solar-Iglu sonnen oder sich von einem Massagestuhl verwöhnen lassen. So wurde der Besucher zum Versuchsobjekt und Versuchsleiter in einer Person. Höller möchte, daß wir uns kritisch mit unserem Glücksgefühl auseinander setzen, denn eigentlich sei Glück eine biologische Eigenschaft, die in der Evolution dazu diene, den Reproduktionserfolg des Individuums zu vergrößern. Eine „Befreiung von dieser Zweckgerichtetheit des Glücks“ ist Höllers Intention.

Wissenschaftliche Einflüsse zeigen sich auch bei den Gemeinschaftsarbeiten mit Rosemarie Trockel, die sich um die Beziehung Mensch-Tier drehen, die in laborartigen Installationen hinterfragt wird. Dabei widmen sich die beiden Künstlern mit besonderer Vorliebe unbeliebten Tiergattungen, wie Mücken und Silberfischchen, oder wie in der aktuellen Arbeit für die Weltausstellung in Hannover mit Ratten und Tauben.

Nach seiner Habilitation im Jahr 1994 über „Hyperparasitoiden von Blattläusen: Bedeutung und Möglichkeiten der Regulation“ hat sich Carsten Höller von dem Wissenschaftsbetrieb abgewandt, da er die ständig fortschreitende Spezialisierung in den Wissenschaften als zu einengend empfand. Und doch fließt in Höllers Kunst oft sein Hintergrundwissen um biologische Zusammenhänge mit ein. So entsteht auch der instrumentale Charakter vieler seiner Arbeiten. Er bevorzugt Werke, mit denen „man irgend [ ] etwas machen kann und dann darüber nachdenkt“. Es geht also um die Selbsterfahrung des Rezipienten, die durch die Kommunikation mit Höllers Arbeiten entsteht. Obwohl er selber sagt, dass es für ihn Arbeiten gibt, „wo es wirklich nur darum geht, wie das Ding funktioniert – und wie es aussieht ist dann völlig wurscht!“, ist selbigen dennoch eine Ästhetik zu eigen, die über den rein funktionalen Wert hinaus geht.



20.09.2000

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Alberto Saviello

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 10

Seiten: 1  •  2

Berichte (1)Variabilder (8)Künstler (1)

Bericht:


Zwölf Rentiere auf der Suche nach dem Zaubertrank

Variabilder:

Ein Haus für Ratten und Tauben
Ein Haus für Ratten und Tauben

Variabilder:

Ausstellung Glück, Delphin, Köln, 1996
Ausstellung Glück, Delphin, Köln, 1996

Variabilder:

Ausstellung Glück, Flugmaschine, Köln, 1996
Ausstellung Glück, Flugmaschine, Köln, 1996

Variabilder:

Ausstellung Skop, Futuro Haus, 1996
Ausstellung Skop, Futuro Haus, 1996

Variabilder:

Pest Control, Vendedig, 1993
Pest Control, Vendedig, 1993

Variabilder:

Kinderfalle, Killing Children III, London 1994
Kinderfalle, Killing Children III, London 1994

Variabilder:

Pealove Room, Köln, 1993
Pealove Room, Köln, 1993

Variabilder:

Carsten Höller (mit Brille???)
Carsten Höller (mit Brille???)







Portraits

 Achenbach, Andreas
 Ahtila, Eija-Liisa
 Alÿs, Francis
 Appel, Karel
 Arlt, Elsbeth
 Bagnato, Johann Caspar
 Balla, Giacomo
 Baselitz, Georg
 Beer, Tjorg Douglas
 Beutler, Michael
 Beuys, Joseph
 Bleyl, Fritz
 Boberg, Oliver
 Bonatz, Paul
 Borowsky, Natascha
 Botticelli, Sandro
 Bredow, Rudolf
 Burkhard, Balthasar
 Böhm, Gottfried
 Carron, Valentin
 Chillida, Eduardo
 Chirico, Giorgio de
 Cmelka, Kerstin
 Colani, Luigi
 Conrads, Michael
 Darboven, Hanne
 Davis, Lynn
 Eliasson, Olafur
 Freud, Lucian
 Gaillard, Cyprien
 Gaß, Nabo
 Gelitin - Gelatin
 Giacometti, Alberto
 Gogh, Vincent van
 Grcic, Tamara
 Grimm, Georg
 Götz, Karl Otto
 Hackert, Jakob Philipp
 Hans, Rolf
 Haring, Keith
 Hirst, Damien
 Huber, Stephan
 Huth, Walde
 Huyghe, Pierre
 Höller, Carsten
 Ingold, Res
 Kazuhiko, Hachiya
 Kokoschka, Oskar
 Koo Jeong-a
 Koolhaas, Rem
 Kuball, Mischa
 Kunc, Milan
 Lebeck, Robert
 Lippmann, Holger
 Lucas, Sarah
 Lüthi, Urs
 Mack, Heinz
 Marcks, Gerhard
 Margolles, Teresa
 Martin, Agnes
 Nauman, Bruce
 Nay, Ernst Wilhelm
 Newman, Barnett
 Niemeyer, Oscar
 Nussbaum, Felix
 Oppenheimer, Joseph
 Paik, Nam June
 Piene, Otto
 Prinz, Bernhard
 Raffael
 Renner, Lois
 Roentgen, David
 Sala, Anri
 Schlingensief, Christoph
 Schneider, Gregor
 Scholte, Rob
 Schwer, Paul
 Schwontkowski, Norbert
 Shore, Stephen
 Shulman, Julius
 Siem, Wiebke
 Sierra, Santiago
 Soulages, Pierre
 Spierling, Hubert
 Stewen, Dirk
 Thun, Sophie
 Tobias, Gert und Uwe
 Trockel, Rosemarie
 Tuttle, Richard
 Tàpies, Antoni
 Utzon, Jørn
 Vinci, Leonardo da
 Warmerdam, Marijke van
 Weiss, David
 Wesselmann, Tom
 West, Franz
 Wissel, Stefan
 Wolfson, Jordan
Ein Haus für Ratten und Tauben

Ein Haus für Ratten und Tauben

Ausstellung Glück, Delphin, Köln, 1996

Ausstellung Glück, Delphin, Köln, 1996

Ausstellung Glück, Flugmaschine, Köln, 1996

Ausstellung Glück, Flugmaschine, Köln, 1996

Ausstellung Skop, Futuro Haus, 1996

Ausstellung Skop, Futuro Haus, 1996

Pest Control, Vendedig, 1993

Pest Control, Vendedig, 1993

Kinderfalle, Killing Children III, London 1994

Kinderfalle, Killing Children III, London 1994

Pealove Room, Köln, 1993

Pealove Room, Köln, 1993




Copyright © '99-'2020
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Künstler

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce