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Portrait Carsten Höller

Glücklich in die Zukunft



Die Kunstwerke des „verrückten“ Professors Carsten Höller erschließen sich uns oft nicht über die Augen, sondern vielmehr über die Nase. Denn Höller, der in Karlsruhe einen Lehrstuhl für Parasitologie innehat, versucht unsere Gene wach zu kitzeln; und das erreicht er am besten über die Nase. So gönnte er es seinen Ausstellungsbesuchern zum Beispiel in seinem Pealove-Room schwebend, und unter Drogeneinfluss (Phenylethylamin!) vollständig hemmungslosen Sex zu praktizieren. Höller sieht hierin eine Reduzierung auf das Wesentliche. Der Biologe weist uns mit seinem Werk in aller Deutlichkeit darauf hin, dass wir als nackte Menschen-Affen ebenso wie alle anderen Lebewesen dem ständigen Drang zur Reproduktion unterliegen.


Höller rät uns, unsere inneren Prozesse und natürlichen Triebe zu erkennen und uns dagegen zu wehren. Pflanzt euch nicht mehr fort! Nichtreproduktive Beziehungen seien in Bezug auf ihre soziale Verträglichkeit sowieso viel ratsamer. Sollten wir dennoch den Fehler begangen haben, Kinder in die Welt zu setzen, so weiß Höller auch hier Abhilfe, bzw. Möglichkeiten einer nachträglichen Regulation. Auf der „Killing Children II“ in London, stellte Höller seine tödlichen, als Spielzeug oder Süßigkeit getarnten Kinderfallen vor. Da fanden sich Schnuller mit Fliegenpilzextrakten, Fahrräder mit Benzinbomben oder Elektrostecker, die zwischen Schokoladenbonbons zum Lutschen einluden.

Mit seinem als „Pest Control“ getarnten Kinderfängerjeep, den er 1993 auf der Aperto der Biennale in Venedig ausstellte, kann man kleine Ausreißer wieder einfangen, um sie dann in Käfige zu sperren. Der zynische Witz dieser Arbeiten entsteht durch das Spannungsfeld, in dem kindliche Unschuld der real existierenden Brutalität unserer Gesellschaft gegenübergestellt wird.

Tatsächlich wird Höller nichts gegen Kinder haben. Schon in seinen ersten künstlerischen Arbeiten, Streichholzschachteln von 1987 mit dem Aufdruck „Zukunft ist wichtiger als Freizeit“, hat er für sich die „Zukunft“ zum Thema gemacht. Auch mit seinem 20 Meter langen Spruchband am Gebäude des Hamburger Kunstvereins „Gemeinsam in die Zukunft“ zur Ausstellung „D & S“ von 1989, hat sich Höller zu dem damals leicht in Verruf geratenem Begriff Zukunft gewidmet. Dabei wird er jedoch nie zum unkritischen Trommler. Anstatt sich blind der Zukunft zu überlassen, fordern auch diese Werke zur Reflektion auf. Ist die Zukunft wirklich so oberflächlich und inhaltslos wie dieser Allgemeinplatz? Wieso wird gerade auf Streichholzschachteln Werbung für die Zukunft gemacht?

Das Thema Zukunft greift Höller auch in seiner Ausstellung „Skop“ auf, die 1996 in der Wiener Secession zu sehen war. Hier wurden vergangene Zukunftsutopien, wie zum Beispiel das Ufo-artige „Futuro-Haus“ von Matti Suuronnen aus der 1968er Generation mit heutigen Visionen, wie Ultraleichtfliegern, Solarmobilen oder transportablen Erdbeerfeldern kombiniert. Dabei wurde klar, dass die Zukunft (wenn überhaupt) nur aus der Vergangenheit zu verstehen ist. Viele unserer heutigen Phantasien werden in 30 Jahren wahrscheinlich ebenso obsolet sein wie die Folgen von „Raumpatrouille Orion“.

In jedem Fall steht der Mensch im Mittelpunkt der Höllerschen Kunst. In dem Ausstellungsprojekt „Glück“ von 1996 und 1997, das im Kölner und Hamburger Kunstverein sowie in Utrecht zu sehen war, richtete der Künstler ein Versuchslabor des Glücksgefühls ein. Die Gäste wurden aufgefordert, alle Ausstellungsstücke zu benutzen. In dieser Versuchslandschaft konnte der Gewillte Glückspillen schlucken, Flugmaschinen benutzen, mit streichelzarten „Delphinen“ aus Polyurethan kuscheln, sich in einem Solar-Iglu sonnen oder sich von einem Massagestuhl verwöhnen lassen. So wurde der Besucher zum Versuchsobjekt und Versuchsleiter in einer Person. Höller möchte, daß wir uns kritisch mit unserem Glücksgefühl auseinander setzen, denn eigentlich sei Glück eine biologische Eigenschaft, die in der Evolution dazu diene, den Reproduktionserfolg des Individuums zu vergrößern. Eine „Befreiung von dieser Zweckgerichtetheit des Glücks“ ist Höllers Intention.

Wissenschaftliche Einflüsse zeigen sich auch bei den Gemeinschaftsarbeiten mit Rosemarie Trockel, die sich um die Beziehung Mensch-Tier drehen, die in laborartigen Installationen hinterfragt wird. Dabei widmen sich die beiden Künstlern mit besonderer Vorliebe unbeliebten Tiergattungen, wie Mücken und Silberfischchen, oder wie in der aktuellen Arbeit für die Weltausstellung in Hannover mit Ratten und Tauben.

Nach seiner Habilitation im Jahr 1994 über „Hyperparasitoiden von Blattläusen: Bedeutung und Möglichkeiten der Regulation“ hat sich Carsten Höller von dem Wissenschaftsbetrieb abgewandt, da er die ständig fortschreitende Spezialisierung in den Wissenschaften als zu einengend empfand. Und doch fließt in Höllers Kunst oft sein Hintergrundwissen um biologische Zusammenhänge mit ein. So entsteht auch der instrumentale Charakter vieler seiner Arbeiten. Er bevorzugt Werke, mit denen „man irgend [ ] etwas machen kann und dann darüber nachdenkt“. Es geht also um die Selbsterfahrung des Rezipienten, die durch die Kommunikation mit Höllers Arbeiten entsteht. Obwohl er selber sagt, dass es für ihn Arbeiten gibt, „wo es wirklich nur darum geht, wie das Ding funktioniert – und wie es aussieht ist dann völlig wurscht!“, ist selbigen dennoch eine Ästhetik zu eigen, die über den rein funktionalen Wert hinaus geht.



20.09.2000

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Alberto Saviello

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