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Portrait Rob Scholte

„E=mc2“ versus "Golden Horizon"



„E=mc2“ - für denjenigen, dessen letzte Physikstunde auch schon in weite Ferne gerückt ist, ruft Rob Scholtes gleichnamiges Bild wohl nur noch vage Erinnerungen an die Relativitätstheorie wach. Wer jedoch reicher mit naturwissenschaftlichem Verständnis gesegnet wurde, wird vermutlich in Lichtgeschwindigkeit die raffinierte Bildbotschaft entschlüsseln. Die 1984 entstandene Arbeit ist eine subtile Hommage an Albert Einstein. Die Täuschung liegt hier im Detail. Die vier Ziffern der in fotorealistischer Manier dargestellten Digitaluhr zeigen eine unmögliche Uhrzeit an: 13 Uhr 97. Der Titel des Bildes verweist auf den Wissenschaftler Einstein, der mit seiner Formel E=mc die Illusion einer absoluten Zeit ad absurdum geführt hat.


Der Meister der Tricks und Täuschungen verwendete in den Achtzigern Bildzitate und Trompe-l’oeil-Effekte wie andere Leute ihre Zahnbürste. Heute beschreitet der 42jährige andere Wege: er hat sich der Schönheit verschrieben. Begonnen hat Scholte seine Beauty-Serie 1998 mit den „Plug-ins“. Zu dieser Serie gehören 36 digital verfremdete Portraits bekannter Schönheitsikonen - von Isabella Rossellini bis Sharon Stone. Der Wandel im bildnerischen Werk, die Suche nach neuen Horizonten hat nicht zuletzt mit der Biografie des Künstlers zu tun.

Rob Scholte, dem bereits als Kunststudent an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam eine große Karriere prophezeit worden ist, hat diese Erwartungen schon auf seiner ersten Einzelausstellung 1984 in der Galerie „The Living Room“ erfüllt: von den Kritikern wurde der 26jährige als der aufgehende Stern am Amsterdamer Kunsthimmel gefeiert. Bereits seine frühen Bilder bestechen durch ein fein durchkomponiertes Spiel von Bildbedeutungen und Irritation der Sehgewohnheiten. So sein 1988 entstandenes „Selbstportrait“: Anstatt eines Abbildes seiner eigenen Person malte Rob Scholte ein gelbes Copyrightzeichen auf rotem Grund. Internationale Bekanntheit erlangte Scholte durch die Teilnahme an der documenta 8, auf der er mit seinem Bild „Der Schrei“ auf sich aufmerksam machte: der Maler ist in Gestalt eines aufziehbaren Blechclowns dargestellt, der Edvard Munchs berühmtes Werk „Der Schrei“ auf einen Pappkarton zeichnet. Presse und Kritiker waren sich einig, dass der junge Niederländer mit seiner, von ihnen als „Neo-Konzeptkunst“ deklarierten Arbeit einen der bedeutendsten Beiträge zur Kasseler Schau geliefert hatte.

Der Künstler selbst wurde schon als visueller Fetischist bezeichnet, da er jedes Bild, jedes Photo, das ihn fasziniert in einem Ideendepot sammelt. Je nach Bedarf schöpfte Scholte aus seinem „optischen Archiv“ und verband diese Bilder mit ironischen Anspielungen: „Disney ist Kunst, warum sollte also Kunst nicht Disney sein?“ Das bisher aufwendigste Projekt ist „Apres nous la deluge“, das er 1991 in Japan begann und erst nach vier Jahren mit Hilfe von zwölf Assistenten realisierte. Es besteht aus 1200 Meter von Scholte gestalteten Wand- und Deckenflächen sowie von Harald Vlugt eigens dazu entworfenen Möbeln. „Nach uns die Sintflut“ ist eine Endzeitvision mit Flammeninferno, Seeschlachten und riesigen Explosionen. Im zeitlichen Kontext betrachtet, erscheint dieses Werk wie ein Blick des Künstlers in die nahe Zukunft.

Bis zu dem Bombenanschlag am 24. November 1994 gestaltete sich das Leben für den Szenestar Rob Scholte als Rausch: Parties, Drogen, schöne Frauen und beachtlicher künstlerischer Erfolg. Nach dem Attentat, änderte sich Scholtes Kunst: „Der Verlust meiner Beine zwang mir körperlich und seelisch eine neue Existenz auf. ... Früher, vor dem Bruch in meinem Werk, arbeitete ich mit ironischer Distanz, heute ziehe ich mir die Kunst an die Brust.“ Kurz nach dem Anschlag stellte der Niederländer seinen ausgebrannten BMW aus und projizierte auf eine Wand daneben das Bibelzitat: „Herr, lass mich ein Werkzeug Deines Friedens sein. Lass mich Liebe säen, wo Hass ist.“ Das Publikum reagierte mit Unverständnis und war teilweise peinlich berührt, da es die neue Eindringlichkeit nicht einordnen konnte.

1996 zog Scholte nach Teneriffa, wo er das ehemalige Restaurant „La Perla“ kaufte und dieses zu seinem Atelier umbaute. Dort begann der Niederländer Illustriertenbilder, die er mittels Computer veränderte, zu neuen Bildern zu kombinieren und schließlich auf Leinwand zu übertragen. Für Scholte sind die schönen Bilder eine Hommage an das Leben. Die Galeristen standen diesen neuen Arbeiten zunächst skeptisch gegenüber und verlangten nach Bildern des „alten Stils“. Mittlerweile hat sich der „neue Scholte“ etabliert. 1999 waren seine Arbeiten in Paris, Amsterdam sowie auf dem Kölner und Münchner Kunstmarkt zu sehen. Der Bilderzyklus des Agnostikers Rob Scholte „Die sieben Todsünden“ wird von Januar bis Dezember 2000 in Rom gezeigt. Einen Großauftrag erhielt Scholte im vergangenen Jahr von der Bundesrepublik: ein dreizehn Meter hohes und acht Meter breites Gemälde für den Festsaal des Berliner Bundespräsidenten-Palastes. Es ist wahrscheinlich, dass Rob Scholte der Kunstwelt auch nach der Siebdruckserie „Golden Horizon“ noch weitere künstlerische Horizonte erschließen wird.



18.09.2000

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Christine Bretz

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