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Die Finalisten des Hugo Boss Prize 2002: Hachiya Kazuhiko

Retter der Spaßgesellschaft



Hachiya Kazuhiko, Inter Discommunication Machine, 1993/2002

Hachiya Kazuhiko, Inter Discommunication Machine, 1993/2002

Engagierten Museumsaufsehern sind die Arbeiten von Hachiya Kazuhiko ein Greuel: Hier sind alle „Bitte nicht berühren“-Rufe zwecklos. Denn für den japanischen Künstler gehören die Besucher unbedingt zu seinen Kunstwerken dazu. Erst sie machen die auf Interaktion angelegten Arbeiten komplett. Die Besucher nehmen die Aufforderung Kazuhikos, Teil seiner Kunstwerke zu sein, gerne an. Schließlich lockt ein Kunsterlebnis mit allen Sinnen – und manchmal auch mit den Sinnen anderer.



1992 entwarf Kazuhiko den „Reach/Unreach Suit“, einen Anzug, ausgerüstet mit Schutzbrille, Monitoren sowie einem mit Video-Kameras und Kopfhörern ausgestatteten Helm. Bewegt sich der Anzugträger, werden seine Bewegungen in Lichtstrahlen und umgewandelt. Bewegungen, die sonst nebenher ablaufen, werden so zum sinnlichen Erlebnis. Der Körper kommuniziert mit sich selbst.

Mit der „Inter Discommunication Machine“ aus den Jahren 1993/2002, geht Kazuhiko noch einen Schritt weiter: Zwei Personen, die für eine bestimmte Zeit ihres Hör- und Seesinns beraubt sind, müssen sich während dieses Experiments völlig auf die Augen und Ohren anderer Menschen verlassen. Es ist durchaus belustigend, zuzusehen, wie die mit Flügeln ausgestatteten Probanden vorsichtig durch den Raum laufen, so als könnten sie jederzeit auf etwas treten. Doch die Kunstwerke des 1966 im japanischen Saga geborenen Kazuhiko, der mit seinem jugendlichen Aussehen scheinbar ein typischer Vertreter der Spaßgesellschaft ist, sollen nicht nur Vergnügen bereiten. Ziel ist es, auf den Mangel an Kommunikation aufmerksam zu machen, der das moderne Leben beherrscht.

Vor allem der Aufbau neuer Kontakte fällt vielen Menschen in der anonymisierten Gesellschaft zunehmend schwerer. Hier setzt Kazuhikos „Vanishing Body“ an, eine Arbeit für die Gruppenausstellung De-Genderism, die 1997 in Tokio stattfand: Ein dunkler Raum, geteilt durch einen Bildschirm. Auf jeder Seite befindet sich eine Person. Mit speziellen Brillen ausgestattet, können sie die Silhouette des jeweils anderen sehen. Der Bildschirm ist elastisch und erlaubt es den beiden, sich zu berühren. Freunde entdecken sich so neu. Und was in einer Zeit, in der ein direkter Blick in der U-Bahn als Verletzung der Privatsphäre gilt, besonders verwunderlich ist: Fremde berühren einander ohne unangenehm berührt zu sein.

Hat der moderne Mensch erst einmal Freundschaften geschlossen, pflegt er sie mit SMS und E-Mails. Doch gerade der elektronischen Post werfen viele Gegner vor, sie sei unpersönlich und ohne Seele. Auch für dieses Problem hat Kazuhiko eine Lösung. Seit 1996 entwirft er PostPets: kleine knuddelige Wesen – das erste war Momo, ein pinker Bär –, die Nachrichten übermitteln. Sie leben im virtuellen Raum, der, bunt dekoriert, zum greifbaren Ort wird. PostPets liefern Mails ab und schlagen an, wenn neue gekommen sind. Ganz so wie Hunde, die bellen, wenn der Postbote am Briefkasten steht. Vorteil: PostPets beißen nicht. Dafür fangen sie aber oft Streitereien untereinander an, die in regelrechte Raufereien ausarten können. Seit 1997 bietet Sony die PostPets an: Viele Millionen User nutzen bereits diese Möglichkeit, ihren E-Mails die Nüchternheit zu nehmen.

Für Kazuhiko ist Kommunikation die Antwort auf viele Probleme der Gegenwart. Vielleicht trägt gedanklicher Austausch sogar dazu bei, dass viele der jährlich 1,25 Millionen Unfälle, die sich auf Japans Straßen ereignen, verhindert werden können. Doch die Kommunikation von Autofahrern beschränkt sich in der Regel auf ärgerliches Hupen oder den aggressiven Einsatz der Lichthupe. Wäre es nicht schön, den anderen Fahrern auch mal mitzuteilen: „Mir geht es heute richtig gut“ oder „Danke, dass du nicht auf deiner Vorfahrt beharrt hast?“ Kazuhiko macht’s möglich: Er hat „Hundeschwänze“, entworfen, die an des Heck der Autos montiert werden und es dem Fahrer erlauben, wie ein Hund vor Freunde mit dem Schwanz zu wedeln.

Die Kunstwerke Kazuhikos sind ohne Interaktion und Kommunikation undenkbar. Doch da bleibt ein Paradox: Der Künstler selbst ist davon überzeugt, dass Kommunikation unmöglich ist.

www.hugobossprize.com



09.10.2002

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sonja Hausmanns

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Hachiya Kazuhiko, Inter Discommunication Machine, 1993/2002
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Hachiya Kazuhiko, Vanishing Body, 1997
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Hachiya Kazuhiko, Die PostPets-Familie, 1996-2002

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Hachiya Kazuhiko, Vanishing Body, 1997

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Hachiya Kazuhiko, PostPets, 1996-2002

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