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Die Finalisten des Hugo Boss Prize 2002: Anri Sala

Auf der Suche nach Wahrheit und Heimat



Anri Sala, Intervista, 1997

Anri Sala, Intervista, 1997

Sie ist jung, die dunklen Haare umspielen ihr Gesicht, aus dem ein paar erste Augen einen Blick direkt zum Betrachter werfen. Zu dieser Frau scheinen sie so gar nicht zu passen, die pathosschwangeren Parolen und harschen Anklagen, die am unteren Bildschirmrand eingeblendet werden.



Aber sind es wirklich ihre Worte, die da an uns vorbeiziehen? Nicht mal die Rednerin selbst kann sich heute noch an das Gesagte erinnern. Lange hat sie auch niemand mehr danach gefragt. Bis ihr Sohn das 20 Jahre alte Band, dass seine Mutter bei einem Interview zeigt, in einer Umzugskiste entdeckte.

Wäre der Sohn der Protagonistin nicht der albanische Videokünstler Anri Sala, würde das Zeitdokument wohl noch heute in irgendeiner dunklen Kiste sein Dasein fristen. Doch stattdessen begann mit der Entdeckung des 16mm Films, dessen Tonspur verlorengegangen ist, eine Odyssee, an dessen Ende Salas eindringlicher Film „Intervista“ von 1997 steht.

Wie seine Mutter, die das Interview als Vorsitzende der kommunistischen „Jugend-Allianz“ im staatlichen albanischen Fernsehen gegeben hatte, litten auch ihre ehemaligen Parteigenossen unter unerklärlichem Gedächtnisschwund. Erst die Schüler einer Taubstummenschule waren in der Lage, das Gesagte zu rekonstruieren. Doch die Frage bleibt: Gelang den gehörlosen Schülern mit Hilfe der Gebärdensprache tatsächlich eine 1:1 Übersetzung? Denn die ideologischen Phrasen der Sprecherin bereiteten ihnen Mühe – die Parolen der Enver Hoxhas-Diktatur stammen schließlich aus einer längst vergangenen Zeit.

Es ist ein emotional bewegendes Dokument, das Anri Sala da in die Hände gefallen ist, und es macht auf spannende Art und Weise zweierlei deutlich: Zum einen, dass ideologische Sprache Gültigkeit nur in dem System besitzt, in dem sie geprägt wurde. Zum anderen – und das ist die eigentliche Quintessenz von „Intervista“ – dass ein historisch korrektes Erinnern und Erinnertwerden unmöglich ist.

Erinnerungen, auch die eigenen, sind ein Hauptmotiv in den Arbeiten des 1974 in Tirana geborenen Künstlers, der an der National Academy of Arts in Tirana und an der Pariser Ecole Nationale des Arts Decoratifs studierte und seit 1996 auch dort lebt. Für sein Werk „Byrek“ aus dem Jahr 2000 ließ er eine seiner frühesten Kindheitserinnerungen wieder aufleben. Es ist ein Gefühl von Heimat, das auch jene Zuschauer befällt, die nicht in Albanien aufgewachsen sind, wenn sie die starken Arme einer Frau sehen, die immer wieder Teig über ein Tischtuch zieht, bis er fast den gesamtem Bildschirm ausfüllt. Überblendet wird diese heimelige Szene von dem Originalrezept, das Anri Salas Großmutter in ihrer geschwungenen Schrift festhielt. Ungewöhnlich dabei: Das Endprodukt dieser Prozedur, das albanische Nationalgericht „Byrek“, wird nicht gezeigt.

Ebenso symbolträchtig wie „Byrek“ ist Salas Beitrag für die Biennale in Venedig 1999. „Uomoduomo“ nannte er seinen Film über einen schlafenden Mann in einer Kirchenbank des Mailänder Doms. Die Kamera fokussiert den zusammengesackt daliegenden Mann, während im Hintergrund geschäftig Touristen hin und her rennen. In seinen Filmen reflektiert er in detaillierten Skizzen die Menschen in ihren geografischen, zeitgeschichtlichen, sozialen und politischen Kontexten und erschafft so eine Schönheit der Erinnerung.

www.hugobossprize.com



30.09.2002

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sonja Hausmanns

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Variabilder:

Anri Sala,
 Intervista, 1997
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Variabilder:

Anri Sala, Byrek,
 1999
Anri Sala, Byrek, 1999

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Anri Sala, Byrek, 1999

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