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Marijke van Warmerdam

Von der Poesie des Alltags



Der Junge ist klein und schmächtig. Die Hände in die Hüften gestemmt steht er nass und zitternd am Ufer eines Gewässers, inmitten der Stille der Natur. Die Taschen seiner gelben Badehose sind beidseitig nach außen gestülpt, Wassertropfen rieseln von ihnen herab auf den Boden. Ein banaler Alltagsmoment, der in poetischer Schönheit daherkommt. Solch erstarrter Augenblick voller Intensität präsentiert sich derzeit dem Besucher der Ausstellung „It crossed my mind, 2000 filmstills“ in der Nürnberger Kunsthalle.



Lichte Stelle

Als Kontrastprogramm für den von Reizüberflutung geplagten Expo-Besucher präsentierte sich diese so titulierte „Lichte Stelle“ bereits als Ruhepol des Ereignisparks in Hannover. Ein Ort der Entspannung, eine lichte Stelle, die zum Umdenken einlädt. In einen Kubus aus Beton und mattiertem Glas ist der 35 Millimeter Endlos-Film integriert. Bei längerer Beobachtung des „zitternden Jungen“ scheint sich zunächst gähnende Langeweile aufzutun. Gleichzeitig jedoch fungiert der ins Unendliche sich ausdehnende Moment als Chance, eine neue Erfahrung von Intensität zu machen.

Den Genuss dieses Einatmens von Alltagspoesie verdankt der Betrachter der Künstlerin Marijke van Warmerdam, die sich auf Alltagsdokumentationen mit statischen und bewegten Bildern spezialisiert hat. Bereits für das im Rahmen der Expo stattfindende Kunstprojekt „In Between“ schuf sie die so titulierte Installation „Lichte Stelle“, die nun in Nürnberg Einzug gehalten hat, und dort bis zum 21. Januar 2001 im Rahmen der ersten Überblicksschau Deutschlands zum Werk der Niederländerin zu sehen ist. Lässt man sich auf die Betrachtung ihrer fröhlich-kraftvoll und poetischen Schöpfung ein und konzentriert seine Aufmerksamkeit ganz auf das Schauen, so tut sich eine neue, faszinierende Ebene der Wahrnehmung auf: Die Schönheit der Banalität.

Marijke van Warmerdam wurde 1959 in Nieuwer Amstel, in der Nähe von Amsterdam geboren. Die Arbeiten der gelernten Bildhauerin umfassen unterschiedlichste Materialien wie Videos, Filme, Sound, Fotografien, Poster und Skulpturen.

1995 zog sie bei der Biennale Venedig erstmals mit ihrer Schau von drei Filmen im holländischen Pavillon die Aufmerksamkeit auf sich. Unter anderem präsentierte sie hier das Video „Dusche“, in dem in konstanter Wiederholung die kurze Sequenz eines Mannes unter einem Wasserstrahl zu dargestellt war. Der selbe Film-Loop zog drei Jahre später die Wartenden im Amsterdamer Flughafen Schipol in seinen Bann.

In dieser Loop-Form sind auch andere filmische Arbeiten, Fotografien und Objekte der Künstlerin angelegt. Stets handelt es sich um die Darstellung simpler Aktionen oder Situationen, bei denen sich eine Verschmelzung von Augenblick und Ewigkeit vollzieht. Eine Frau, die sich die Haare föhnt, Flugzeuge, die Kondensstreifen am Himmel bilden oder eben ein Mann, der unter der Dusche steht. Die Filme erzählen keine Geschichte, enthalten keine messbaren Kriterien für ein zeitliches Handlungsgeschehen und widersprechen somit dem gängigen Erwartungshorizont des Betrachters.

„Don’ t Walk“, „Walk“ und “Hin und her”

Gehen oder nicht gehen? – Das ist hier die Frage. Was tun, wenn beide Aufforderungen gleichzeitig von einer Ampel leuchten? Jeder weitere Schritt ist mit einem Risiko behaftet. Jede Handlung basiert letztendlich auf der freien Entscheidung des sich in Zerrissenheit befindlichen Individuums. In van Warmerdams Werken kann man sich getrost vertiefen, sie immer wieder aufs neue sichten, ohne eine Entscheidung fällen zu müssen.

1997 tat Marijke van Warmerdam den Schritt zu ihrer ersten Museumstournee und konfrontierte die Betrachter ihrer Arbeiten mit solchem Spiel binärer Opposition. Mittels Fotomontage versetzte die Künstlerin ihre mit zweifachem Appell geladene Ampel in einen strahlend blauen New Yorker Himmel. Im Kölner Museum Ludwig war van Warmerdam 1997 die erste Künstlerin, die ihre Werke im damalig neu initiierten Projektraum des Hauses installierte. Hier präsentierte sie in großformatiger Projektion ihren Film „Skytypers“, in dem am blauen Himmel formatierte Flugzeuge mit ihren Kondensstreifen lineare Zeichnungen hinterlassen. Den Themen Linie und Linearität widmete sie sich ebenso in der Offset-Wandarbeit „Hin und her“ als Verweis auf die Ziellosigkeit von Bewegungsabläufen.

„Streifenfest“

Bei ihrer Ausstellung „543—Streifenfest“ zeigte sie im letzten Jahr in der Berliner Galerie Barbara Weiss unter anderem einen Filmloop in einem über dem Projektor befindlichen Plexiglaskasten. Dargestellt wird ein Mädchen, das durch die von der Decke baumelnden Reinigungslappen einer Autowaschanlage spaziert. Die streifenförmigen Gebilde verdecken immer wieder ihr Gesicht, das einen Moment später wieder auftaucht. Scheinbar tänzerisch bewegt sie sich durch das Gewirr, schiebt einen zerschnittenen Vorhang immer wieder aufs neue zur Seite in der Bemühung, sich einen Weg durch den Streifendschungel zu bahnen. Unklar bleibt dabei der tatsächliche Gegenstand von Verdeckung und Enthüllung. Auch in diesem Fall ist man nicht zu einer Entscheidung gezwungen. Charakteristisch für van Warmerdams Schöpfungen ist die Kombination von Elementen, die sie kontrastreich aber sparsam verwendet. So sieht man bei ihrer 1999 entstandenen Installation „Pool“ bonbonfarbene Mülltüten gemächlich auf einem leuchtend blauen Wasserbecken dahintreiben.

„It crossed my mind”

Gleichermaßen ist van Warmerdams neuster Streich betitelt. Wiederum eine filmische Arbeit, die neben Skulpturen, Fotografien und einer Videoarbeit als eine der fünf raumfüllenden 16mm-Filminstallationen in die Nürnberger Ausstellungshalle integriert ist. Ein Bildfolge mit einem Auto und einem Portrait der Künstlerin zeigt „It crossed my mind“. Dabei verwendet van Warmerdam eine Wechselansicht von Scharf und Verschwommen. Die Details lösen sich auf und die Konturen verwischen zu traumartigen Gebilden. Der Betrachter sieht sich mit ausschnitthaften Handlungsmomenten und Zustandsveränderungen konfrontiert. Entspricht das Bild der Erinnerung wirklich dem Erlebten? Der flüchtige Augenblick wird auch hier ins Zentrum gerückt und mit farbkräftiger Fröhlichkeit präsentiert sich das Spiel mit der Wahrnehmung.



05.12.2000

Quelle/Autor:Sandra Herbrandt

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