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Kunst als Kommentar zur Zeit: Die Hamburger Konzeptkünstlerin und Komponistin Hanne Darboven ist am 9. März 2009 im Alter von 67 Jahren verstorben

Die Dompteurin der Zahlenreihen ist tot



Ihr Werk ist sperrig und faszinierend zugleich. Hanne Darboven, eine der bedeutendsten internationalen Gegenwartskünstlerinnen, ist, wie die Düsseldorfer Galerie Konrad Fischer jetzt bestätigte, am vergangenen Montagabend im Alter von 67 Jahren nach langer schwerer Krankheit in ihrem Haus in Hamburg-Harburg verstorben. 1941 wurde Hanne Darboven als mittlere von drei Töchtern einer bekannten Hamburger Unternehmerfamilie geboren. Aufgewachsen ist sie im südlich der Elbe gelegenen Stadtteil Rönneburg. Zunächst wollte sie Pianistin werden. Sie entschied sich dann aber doch für die Bildende Kunst.


Von 1962 bis 1965 studierte Hanne Darboven in Hamburg an der Hochschule für Bildende Künste. Die entscheidenden Weichenstellungen jedoch erfuhr ihr Werk während eines zweijährigen New York-Aufenthaltes in den Jahren 1966 und 1967. Darboven begegnete hier den Vertretern der Minimal Art und der Konzeptkunst. Sie pflegte enge und freundschaftliche Kontakte zu Künstlern wie Sol LeWitt und Carl Andre. Darboven begann in New York mit ihrer eigenständigen Methode der akribischen Aufzeichnung von Zeit. Auf Millimeterpapier nahm sie Additionen unter Berücksichtigung des jeweiligen Kalenderdatums vor, die schnell seriellen Charakter bekamen. Was sie dabei antrieb, so die vierfache Documenta-Teilnehmerin Darboven in einem Interview, war die „Angst, nicht zu wissen, was ich auf dieser Welt sollte“.

Über ihr Schaffen äußerte sich Hanne Darboven: „Ich wähle Zahlen, weil sie mir erlauben zu schreiben ohne zu beschreiben. Das hat nichts mit Mathematik zu tun. Überhaupt nichts! Ich wähle Zahlen, weil sie so gleichförmig, begrenzt und künstlich sind. Die einzigartigste Sache, die jemals erfunden wurde, ist die Zahl. Nicht eine Zahl von etwas (2 Stühle...), das ist etwas anderes. Es ist keine wirkliche Zahl, und sie hat keine Bedeutungen.“

Schreibexerzitien mit Füllfederhalter und Schreibmaschine bestimmten ihr Leben und damit auch ihr Werk. Hanne Darboven betrieb ein strenges, nur auf den ersten Blick an naturwissenschaftliche Methoden angelehntes, aber letztlich kaum entschlüsselbares, persönliches System des Aufzeichnens. Die Repräsentationsmedien ihrer Kunst waren nicht Malerei, Skulptur oder Zeichnung, sondern in erster Linie Diagramm, Tabelle und Archiv.

1978 begann sie, gefundene oder abfotografierte Materialien in gleichförmiger Rahmung auszustellen: Postkarten aus aller Welt, Magazincover, Seiten aus Kunstkatalogen, Kalenderblätter, religiösen Kitsch, Soldatenfotos aus den beiden Weltkriegen, naive Glanzbilder, Poesiebögen und persönliche Erinnerungen verwob sie zu monumentalen visuellen Systemen. Die Arbeit „Kulturgeschichte 1880-1983“, eine ihrer größten, besteht aus 1590 Blättern und 19 skulpturalen Objekten. Sie befindet sich im Besitz der New Yorker Dia Art Foundation.

Der Informationsgehalt des herkömmlichen Archivs wird bei Hanne Darboven durch verunklärende Methoden der Anhäufung und der verwirrenden Querverweise ad absurdum geführt. Eine konkrete Lesbarkeit oder ein Nutzen werden verweigert, das Phänomen Zeit aber wird durch die schiere Wiederholung des zeitaufwändigen Schreibaktes und die Anhäufung des Materials in ihrem Werk sicht- und erfahrbar gemacht. Daneben war Hanne Darboven auch als Komponistin tätig. Ihr „Sextett für Streicher, opus 44“ wurde 2002 auf der Documenta 11 aufgeführt. Im Jahr 2000 gründete sie eine Stiftung zur wissenschaftlichen Erforschung ihres Werks und zur Unterstützung junger Künstler im In- und Ausland.

Der Zeit, auch ihrer eigenen Lebenszeit, hat Hanne Darboven wie kaum ein anderer Künstler Gestalt gegeben. Die „Schreibzeit“, so nannte sie ihre Methode, ist vorbei. Das komplexe Werk einer großen Humanistin, das von der beständigen Akkumulation gekennzeichnet war, wird nun nicht weiter anwachsen. Aber überdauern wird es sie auf jeden Fall.



15.03.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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