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Ins rechte Licht getaucht: Der Lichtkünstler Mischa Kuball setzt mit seiner Installation „Pacemaker“ starke Akzente auf dem Gelände der Stadtwerke Düsseldorf

Ein Herzschrittmacher fürs Arbeiterviertel



Mischa Kuball, Ehemaliger Kühlturm, nachempfunden durch acht Scheinwerfer in oktagonaler Anordnung, sowie der Turm der Müllverbrennungsanlage in pulsierendem Rhythmus

Mischa Kuball, Ehemaliger Kühlturm, nachempfunden durch acht Scheinwerfer in oktagonaler Anordnung, sowie der Turm der Müllverbrennungsanlage in pulsierendem Rhythmus

Fabriken, Schrottplätze, Autowerkstätten – so richtig schick ist Düsseldorf woanders. Der zentrumsnahe Stadtteil Flingern-Süd galt lange Zeit als benachteiligt. Hier wohnten einfache Leute, Arbeiter und kleine Angestellte. Sie arbeiteten in kleinen Manufakturen und Fabriken oder bei den Stadtwerken. Nach und nach aber entwickelt sich der Stadtteil zum bevorzugten Quartier von Studenten, jungen Familien und Künstlern. Mitten drin steht auch die 2001 vom Architekten Christoph Ingenhoven neu errichtete Zentrale der Düsseldorfer Stadtwerke. Ein moderner und transparenter Glaskasten an einer viel befahrenen Straße. Der Clou des Neubaus: Er ist geschickt mit dem Altbaubestand, insbesondere der imposanten Turbinenhalle, verzahnt. Den Stadtwerken in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt scheint es gut zu gehen. Trotzdem: So abgehoben wie die bundesweit tätigen großen Energiekonzerne geben sich die vergleichsweise kleinen Stadtwerke nicht. Das kommunale Unternehmen fühlt sich seit jeher dem Stadtteil, in dem es ansässig ist, verbunden.


Auf dem weitläufigen Gelände der Stadtwerke steht allerdings auch eine eher unansehnliche Müllverbrennungsanlage. Hier wird Abfall mittels moderner Technologie in Strom und Wärme verwandelt. Dass hier, mitten im Stadtteil, pausenlos Energie erzeugt wird, lässt sich nicht vollständig kaschieren. Doch alte Gebäudeteile aus vergangener Zeit konnten zum Teil bereits stillgelegt und abgebaut werden. So ist hinter der Zentrale der Stadtwerke ein Park für alle auf halböffentlichem Grund entstanden. Das unterstreicht den offenen Umgang des Managements mit dem Standort. Annäherung statt Abschottung lautet offenbar die Devise. Da kann manchmal auch die Kunst helfen.

Die Stadtwerke Düsseldorf haben den international renommierten Düsseldorfer Bildhauer, Medien- und Installationskünstler Mischa Kuball, Jahrgang 1959, beauftragt, eine komplexe Lichtinstallation auf ihrem Betriebsgelände zu realisieren. Die Arbeit trägt den Titel „Pacemaker“, was im Deutschen nichts anderes als „Herzschrittmacher“ bedeutet. Sie wurde seit 2006 sukzessive installiert und besteht jetzt aus vier autonomen Elementen, die sich zu einem stimmigen Ensemble ergänzen. Ein 50 Meter hoher Gasturbinenturm wird im 10-Sekunden-Rhythmus wellenartig durch weißes Licht illuminiert. Mit dem Einbruch der Dunkelheit kommt hier jeden Abend ein erstaunliches Lichtspektakel in Gang, das die Industriearchitektur künstlerisch umspielt.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Gasturbinenturm stehen drei Kühltürme, ein vierter wurde bereits abgetragen. Kuball verweist auf dieses verschwundene Element, indem er einen Lichtkegel installiert der die ehemaligen Konturen akzentuiert. Kuball versteht sich als Bildhauer, sein Rohstoff ist das Licht. Aus acht in den Boden eingelassenen Scheinwerfern kommen stark gebündelte Lichtstrahlen, die sich an der imaginären Spitze des ehemaligen Kühlturmes treffen. Das Oktogon scheint nicht von Ungefähr gewählt: Es erinnert an die perfekt symmetrischen Grundrisse zahlreicher sakraler Bauten wie etwa des Felsendoms in Jerusalem oder des Kaiserdoms in Aachen. Zudem steht die Ziffer Acht im Christentum für die Auferstehung. Der Kunst- und Medientheoretiker Peter Weibel sieht in dieser immateriellen Reinszenierung von etwas historisch und architektonisch Gewesenem auch ein Hauptcharakteristikum der Kunst Mischa Kuballs: „Er reist mit dem Lichtstrahl nicht nach vorne in eine scheinbar helle Zukunft, sondern er macht eine Zeitreise in umgekehrter Art, er reist mit dem Lichtstrahl zurück in das Dunkel der Geschichte.“

Kuballs dritte Lichtintervention in Form einer pulsierenden Lichtstele funktioniert fast wie ein göttlicher Fingerzeig und schlägt die Brücke vom Stadtwerkeareal in den Düsseldorfer Stadtraum. Alle Elemente der Lichtinstallation sind sorgsam austariert und durchkomponiert. Pulsierende Lichtwellen wälzen sich über Gebäude und Kühltürme. Mit der heute modisch gewordenen, oft rein dekorativen Illumination von historischen Stadtkulissen und Fußballstadien hat das nichts zu tun.

Das vierte und letzte Element bildet Mischa Kuballs jetzt neu eingeweihte Lichtintervention: die Illumination eines hoch aufragenden Schornsteins der 400 Meter entfernten Müllverbrennungsanlage. Auch hier arbeitet Kuball mit dem gleichen wellenartigen Rhythmus. Auf unaufdringliche Art verbindet die nunmehr komplette Lichtinstallation nicht nur die einzelnen baulichen Elemente des Stadtwerkeareals. Kuball gelingt es auch, komplexe Zusammenhänge des Energiekreislaufs, der Erzeugung und des Fließens von Energieströmen sichtbar zu machen. Sein mit dem Titel „Pacemaker“ angedeuteter Bezug zum Herzschrittmacher als Symbol eines überlebenswichtigen Impulsgebers erscheint einleuchtend.

„Ich versuche, durch Interventionen und zeitlich begrenzte Projekte ein Zeichen zu setzen“, erläutert Kuball seine an vielen Orten, Architekturen und in verschiedenen internationalen Ausstellungszusammenhängen erprobte Vorgehensweise. In der Vergangenheit hat Kuball mit ähnlichen Projekten seinen Ruf als politisch und historisch denkender Lichtkünstler nach und nach gefestigt. So ließ er 1994 die ehemalige Synagoge im niederrheinischen Stommeln mit Hilfe wattstarker Scheinwerfer kraftvoll aus sich selbst heraus leuchten. Kuball schuf damit ein temporäres Mahnmal für die aus dem Ort geflüchteten und deportierten jüdischen Bewohner.

Und bereits 1990 verwandelte er das Düsseldorfer Mannesmann-Hochhaus zu einem urbanen nächtlichen Megazeichen. „Licht an!“ oder „Licht aus!“, hieß es damals am Feierabend für die Nutzer der einzelnen Büros. Einer von Kuball festgelegten Lichtchoreografie folgend, ergaben sich so über einen sechswöchigen Zeitraum immer neue Fassadenmuster. „Ich gehe in den meisten Fällen über die Analyse des Ortes an ein Projekt heran. Da habe ich nicht das mögliche Medium im Kopf, sondern die Frage, was kann man hier machen?“, erläutert Kuball, der mal mit Scheinwerfern, mal mit Dia- oder Videoprojektionen arbeitet, seine Vorgehensweise.

Bei den Düsseldorfer Stadtwerken ist man mit Mischa Kuballs Projekt sehr zufrieden. „Wir wollen die Stadt auch in der dunklen Jahreszeit in Szene setzen, aber nicht flächendeckend“, betont Rainer Vennekamp, der Arbeitsdirektor der Stadtwerke. „Wir wollen Akzente setzen.“ Seit Jahren haben sich die Stadtwerke Düsseldorf die Förderung von Kunst und Künstlern auf die Fahnen geschrieben. Mitarbeiter und Besucher des Hauses werden in der Firmenzentrale direkt mit Kunstwerken von Daniel Buren, Andreas Gursky, Thomas Ruff und Studenten seiner Fotoklasse konfrontiert. Der kalifornische Künstler Jorge Pardo durfte die historische Turbinenhalle mit einer ausladenden Wand- und Bodenarbeit neu gestalten.

Abfallentsorgung, das weiß man spätestens seit der Müllkatastrophe von Neapel, ist ein heikles, schmutziges und von der Öffentlichkeit stets kritisch beäugtes Geschäft. Mischa Kuballs energiegeladene Lichtakzentuierung trägt sicherlich auch zum Imagegewinn der Stadtwerke Düsseldorf bei. Kunst als Trostpflaster für gepeinigte Anwohner einer Müllverbrennungsanlage? Der vom Unternehmen eingeladene Künstler kommentiert sein Werk gelassen: „Mit Abfall wird Strom erzeugt - das in den künstlerischen Kreislauf zu kriegen, war die Herausforderung.“

Die Lichtinstallation „pacemaker.2008“ von Mischa Kuball ist dauerhaft bei den Stadtwerken Düsseldorf zu sehen. Buchempfehlung: „Mischa Kuball: ...in progress“, Hatje Cantz Verlag 2007, 408 Seiten, 253 Abbildungen, Deutsch/Englisch, Preis 49,80 Euro.

www.mischakuball.com



26.01.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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