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Das Werkschaffen des Glasbildners Nabo Gaß

Davor und dahinter schauen



Technisch innovative Raffinessen mit anspruchsvollen ästhetischen Konzepten in Einklang zu bringen, begründet einen hohen künstlerischen Anspruch. Das Medium Glas stellt dabei eine besondere Herausforderung dar. Hier liegt einer der Gründe für sein Nischendasein in der bildenden Kunst. Differenzierende Lichteinwirkungen und Gewicht des Hintergrundes entfachen zudem ein unberechenbares Spiel mit der Wahrnehmung. Die Zahl jener Künstler, die sich mit dem durchsichtigen Bildträger auseinandersetzen, ist daher sehr begrenzt. Unter diesen sind noch weniger, die mit einem eigenen spezifischen Beitrag und individueller Handschrift neue Akzente zu setzen wagen. Zu diesen wenigen Mutigen zählt der Wiesbadener Glasbildner Nabo Gaß. Lange haderte er mit den Besonderheiten des Materials, ehe er seine heutige Professionalität erreichte.



Der gebürtige Schwabe lernte sein Handwerk von der Picke auf. 1973 begann der 19ährige bei der Firma Wilhelm Derix in Taunusstein eine gewöhnliche Glasmalerlehre. Neben den technischen Vorgängen wie farbiges Überfangen, Ätzten, Sandstrahlen oder Verbleien faszinierten ihn besonders die kreativen Aspekte, die sich beim Umgang mit dem spröden Werkstoff auftaten. Doch der schöpferische Drang entlud sich zunächst in der Malerei. Nach seinem Studium an der Berliner Hochschule der Künste arbeitete Gaß bis 1988 in Wiesbaden als Zeichenlehrer. Mitte der 1980er Jahre packte ihn dann doch der Eifer, die Transparenz des Glases in die Malerei einzubinden.

In Nabo Gaß’ frühen Arbeiten dominiert noch das Traditionelle: In einem Bleirutennetz sitzen überwiegend opake Scheiben, die von einem geringen Anteil durchsichtiger Gläser ergänzt werden. In der weiteren Entfaltung gewinnt das Vibrieren zwischen transparenten und opaken Zonen an Bedeutung. Das hinter dem Glas Liegende wächst allmählich zum künstlerischen Inhalt heran. Einhergehend damit weichen strengere Geometrien freien Strukturen und verspielten Formen, die dann letztendlich die Bleiruten über die Technik der Fusingglas-Methode völlig verdrängen. Eine pulverisierte Farbglaspaste malt Gaß mit dem Pinsel oder Spachtel in bis zu vier Schichten auf die Trägerglasscheibe. Bei Spitzentemperaturen von bis zu 840 Grad werden die aufgetragenen Pastenlagen miteinander, nicht ineinander verschmolzen. Hier kommt das Glas B270 der Mainzer Firma Schott ins Spiel: Da sich die Ausdehnungskoeffizienten dieses teuren Spezialglases am besten mit der hinzugefügten Farbglasmasse vertragen, bevorzugt Gaß das Produkt ausschließlich für seine Trägerglasscheiben.

Diese Technik wird kombiniert mit einem weiteren, von ihm selbst kreierten, von Schott patentierten fototechnischen Sandstrahlverfahren, das auf die Glasnegative in der Fotokunst des frühen 20ten Jahrhunderts anspielt. Dabei wird eine fotografisch fixierte Ansicht auf eine Glasscheibe projektiert. Die unbelichteten, nicht mittels einer Masse abgedeckten Partien lassen anschließend die Bearbeitung mit dem Sandstrahler zu. Nach chemischer Ablösung der Deckmasse von der Scheibe ist das Motiv fotografisch genau ins Glas übertragen.

Bei all den angewandten Techniken bleibt der Künstler selbst Herr des Verfahrens. Er allein bestimmt Farben, Formen und Motive. Die Techniken, die sich Nabo Gaß einfallsreich zu Nutze macht, besitzen rein dienende Funktionen. Eine freie und dynamische Übertragung der künstlerischen Ideen auf Glasflächen bleibt rundum gewährleistet. Die unverfälschte Handschrift ist dem nach unbedingter Authentizität strebenden Künstler enorm wichtig. Dabei führt Gaß sämtliche Arbeitsgänge vom Entwurf bis zur Montage eigenhändig in seinem großzügigen Emporenatelier am Wiesbadener Rheinufer aus.

In vielen seiner Werken sind drei Lagen hintereinander geschichtet. Innen liegt die Glasmalerei, flankiert von den gesandstrahlten Scheiben. Ähnlich wie Gedankengänge können sich auf diese Weise Bildthemen überlappen. Das Medium und die speziell darauf zugeschnittene Arbeitsweise erlauben es, dieses Phänomen in gesteigerter Form gefasst auf den Punkt zu bringen. Die Sujets für die gläsernen Erlebniswelten resultieren aus dem alltäglichen Erleben des Künstlers. Lebendig bewegt erscheinen phantasiereich der Natur entsonnene Formen, die mit der durchscheinenden Landschaft dahinter korrespondieren. Dazwischen schiebt sich filmartig ein Kommentar zum Geschehen der Zeit. Auf diese Weise fließen symbolhafte Beobachtungen, persönliche Erfahrungen, aktuelle Ereignisse von gentechnischen Entwicklungen bis hin zu Gewalttätigkeiten als aufs Wesentliche reduzierte Sinnbilder mit teils emblemartigen Charakter mit ein.

Die virtuosen, ausdrucksstarken Formen von Nabo Gaß pendeln zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Kräftige Farben unterstützen die außerordentliche Eleganz der teils vegetabilen Anmutungen, die den Blick nach Draußen ästhetisieren und kommentieren. Der Betrachter wird angehalten, zwischen den gläsernen Strukturen und dem Dahinter zu wechseln, das Teil des gedanklichen Konstruktes ist. So wird er auf die Spur tiefenräumlicher Frequenzen geschickt, die es ihm erlauben, Vorder- und Hintergründiges im Sog zwischen Diesseits und Jenseits zu durchschauen. Breitenwirkung wird dabei den architekturbezogenen Arbeiten im privaten, insbesondere aber im öffentlichen Raum zuteil, deren Serie Nabo Gaß im Jahr 1993 mit einer Deckengestaltung begann. Sie alle erwachsen einem ausnehmend langen Prozess in der einfühlsamen Auseinandersetzung mit dem spezifischen Ort sowie den hier verkehrenden Menschen. Die Austragung der Duelle mit Vorder- und Hintergründigem, funktionalen und ästhetischen Aspekten stellen die Herausforderung in seinem Werkschaffen dar. Zu seinen jüngsten neuen Verfahren gehört die Technik der ausschnitthaften Zersplitterungen. Die einer vorgegebenen Form folgenden Glasnähte setzen zersplitterten Zonen Grenzen, wodurch sich bislang ungeahnte Optionen sowohl auf gestalterischem Gebiet als auch im technischen Sektor bis hin zur Fotovoltaikanwendung eröffnen.

Die Glaskunstwerke von Nabo Gaß stellen tiefgründige mediale Erlebniswelten dar, die auf eigenem Mitfühlen und individuellen technischen Erfindungen fußen. Der Kern seines eigenen, spezifischen Beitrages zur zeitgenössischen Glaskunst besteht aus einem Plädoyer für differenzierte, tiefgründige Betrachtungsweisen, Offenheit und Umsicht. Mit seinen originellen, charakteristischen Schöpfungen ist Gaß bestrebt, den klaren, zugleich kritischen Blick für das Wesentliche und den Dialog darüber nicht aus den Augen zu verlieren.



08.08.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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