Die Kunst, online zu lesen.

Home


Künstler

Portraits


Biographien A-Z





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 01.06.2018 Auktion 1110: Moderne Kunst

© Kunsthaus Lempertz

Anzeige

Bei Wangen, 1945 / Erich Heckel

Bei Wangen, 1945 / Erich Heckel
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Orange-Blau-Orange, 2004 / Kuno Gonschior

Orange-Blau-Orange, 2004 / Kuno Gonschior
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Portraits

Aktuellzum Archiv:Künstler-Portrait

Zum 200ten Todestag des „Englischen Cabinetsmachers“ David Roentgen

Künstler und Globalplayer



Die Zarin Katharina II. von Russland gehörte zu seinen Großabnehmern ganzer Saaleinrichtungen, König Friedrich der Große von Preußen regte sich 1771 über seine „exorbitant lächerlichen Forderungen“ auf, Markgräfin Caroline Louise von Baden beschwerte sich über die hohen Kosten seiner Möbel und dass es ähnliche Stücke in Straßburg viel „wohlfeiler“ gäbe, die Potentaten von Bayern, Hessen, Mecklenburg, Sachsen, Trier und Würzburg, ja sogar der französische König ließen sich von ihm beliefern – in der Internationalität und Hochherrschaftlichkeit seiner Kunden war der wohl bedeutendste deutsche Kunstschreiner, Ebenist oder – wie er sich selber nennt – „Englische Cabinetsmacher“ David Roentgen kaum zu schlagen. Mit der exzeptionellen Verarbeitungsqualität seiner Möbel gehörte er zur Spitze der europäischen Möbelkunst, in jenem halben Jahrhundert, das diese kunsthandwerkliche Sparte in höchster Blüte sah und Ebenisten Künstlern gleichstellte.



Dem 1743 im hessischen Herrnhaag geborenen David Roentgen war sein handwerkliches Können bereits in die Wiege gelegt. Als Sohn des Kunstschreiners Abraham Roentgen genoss er in der schon etablierten, aber immer mit Finanzschwierigkeiten kämpfenden Firma seines Vaters die grundlegende Ausbildung. Dem Familienbetrieb kam aber auch seine Geschäftstüchtigkeit zugute. Die wirtschaftliche Rezession der 1760er Jahre hatte sich auch und gerade bei der auf adlige Kundschaft angewiesenen, auf hochqualitative Verarbeitung edelster Materialien spezialisierten Firma bemerkbar gemacht und sie nahe an den Bankrott gebracht. Der Plan einer Lotterie, mit der das väterliche Möbellager geleert werden sollte, wurde 1769 in Hamburg mit doppeltem Gewinn durchgeführt: Fortan gibt es über Geldschwierigkeiten des Betriebes keine Nachrichten mehr, und der Name David Roentgens war nun in aller Munde.

Erst sein Geschick in Geschäft und Handwerk machten die Firma Roentgen richtig berühmt. Bei den Verhandlungen mit Friedrich dem Großen um eine Verlegung der Firma aus Neuwied nach Preußen, die 1771 am knauserigen König scheiterten, gibt er die Größe seiner Firma mit ungefähr 15 Personen an, darunter „Vatter und Mutter, meine vier Brüder“ sowie sieben Gesellen. 1772 übernahm er den Betrieb des Vaters, der nach Herrnhut übersiedelte und dort 1793 starb. Nun konnte David Roentgen ganz in eigener Regie walten, vor allem den entscheidenden Stilwandel jener Zeit vom Rokoko zum Klassizismus mitvollziehen. Denn wesentlich waren in jener Zeit eines immer schneller sich drehenden Modekarussells Anpassungsfähigkeit und Flexibilität.

Üppige vegetabile Dekorationen über geschwungenen Baukörpern, versehen mit reichen szenischen oder floralen Einlegearbeiten auf perspektivischen Fonds hatten bis dahin die Möbel der Werkstatt gekennzeichnet. Vergoldete Bronzeapplikationen und mitunter reiches Perlmutt oder Elfenbein blinkten den Betrachter an. Nun wurden die Formen beruhigter, konzentrierten sich mehr auf das vornehme Detail und gewannen eine stille Eleganz, die der Entfaltung einzelner Bilderfindungen – oft in zeitgenössischer Chinamode – größeren Raum und höhere Geltung einräumten. In Paris stellte David Roentgen 1779 seine neue Kollektion vor. Es war ein Risikogeschäft, als er mit einem ganzen Möbellager dort ankam und auf Kundschaft wartete. Es zahlte sich aus. In der harten Pariser Geschäftswelt machte er sich einen Namen und unterhielt bis zur Französischen Revolution eine einträgliche Dependance.

In den 1780er Jahren stand Roentgen auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Ein gutes Portrait jener Zeit zeigt ihn als selbstbewussten, modisch gekleideten Herrn im Pelzkragen und mit klassisch zurückhaltender Perücke. Ein scharf geschnittener, ernst zusammengezogener Mund und die hellwachen Augen lassen auf eine hohe Intelligenz schließen. Der standesbewusste Künstler wurde für seine Geschäftstüchtigkeit schon zu Lebzeiten gerühmt. Wiederum mit einer ganzen Wagenladung sei er in St. Petersburg bei der Zarin aufmarschiert, so ein Reisejournal des Jahres 1784. In der Tat verzeichnet eine Rechnung für Katharina die Große vom März desselben Jahres allein fünfzig Positionen, einige davon mehrere einzelne Möbelstücke umfassend, im Wert von über 56.000 Rubel. 1787 erhielt er von Friedrich Wilhelm II. von Preußen, der 1792 sogar Gast in seinem Hause war, knapp 10.000 Reichstaler, im selben Jahr noch einmal über 1.500 Rubel wiederum von der Zarin.

Doch die Zeit rast dahin. 1789 begann sein Abnehmerstamm sich aufzulösen, die Französische Revolution und ihre Folgen zeitigten ihre Wirkung für den europäischen Adel und seine Liquidität und Luxusfreude. 1799 beschäftigte Roentgen nur noch einen Arbeiter, zehn Jahre zuvor waren es noch vierzig gewesen. Ein Jahr später schloss er seine Fabrik. Sieben weitere Jahre später, am 12. Februar des Jahres 1807, ist David Roentgen während einer Reise in Wiesbaden im Beisein seines Sohnes gestorben.

Mehrere Ausstellungen lassen das 200jährige Jubiläum hochleben: von Februar bis Oktober eine kleine Schau im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, ab dem 28. April im Berliner Kunstgewerbemuseum und eine große Retrospektive natürlich in seiner Heimatstadt Neuwied, wo er sich 1774 Wohnhaus und Werkstatt errichten ließ. Dort widmen ihm die Städtische Galerie, das Kreismuseum und Schloss Engers vom 17. Juni bis zum 7. Oktober eine Ausstellung unter dem Titel „Edle Möbel und höchste Preise – Die Manufaktur von Abraham und David Roentgen und ihre Kunden“.



12.02.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Bericht:


Roentgen-Sekretär für Neuwied

Bericht:


Wertvolle Kommoden von Roentgen für Neuwied

Bericht:


Roentgen-Preis ausgeschrieben

Kunstwerk:

Mitteltisch aus dem Winterpalast in St. Petersburg, um 1790/1800
Mitteltisch aus dem Winterpalast in St. Petersburg, um 1790/1800

Künstler:


David Roentgen







Portraits

 Achenbach, Andreas
 Ahtila, Eija-Liisa
 Alÿs, Francis
 Appel, Karel
 Arlt, Elsbeth
 Balla, Giacomo
 Baselitz, Georg
 Beer, Tjorg Douglas
 Beutler, Michael
 Beuys, Joseph
 Bleyl, Fritz
 Boberg, Oliver
 Bonatz, Paul
 Borowsky, Natascha
 Botticelli, Sandro
 Bredow, Rudolf
 Burkhard, Balthasar
 Carron, Valentin
 Chillida, Eduardo
 Chirico, Giorgio de
 Cmelka, Kerstin
 Conrads, Michael
 Darboven, Hanne
 Davis, Lynn
 Eliasson, Olafur
 Freud, Lucian
 Gaillard, Cyprien
 Gaß, Nabo
 Gelitin - Gelatin
 Giacometti, Alberto
 Gogh, Vincent van
 Grcic, Tamara
 Grimm, Georg
 Götz, Karl Otto
 Hackert, Jakob Philipp
 Hans, Rolf
 Haring, Keith
 Hirst, Damien
 Huber, Stephan
 Huth, Walde
 Huyghe, Pierre
 Höller, Carsten
 Ingold, Res
 Kazuhiko, Hachiya
 Kokoschka, Oskar
 Koo Jeong-a
 Koolhaas, Rem
 Kuball, Mischa
 Kunc, Milan
 Lebeck, Robert
 Lippmann, Holger
 Lucas, Sarah
 Lüthi, Urs
 Mack, Heinz
 Marcks, Gerhard
 Margolles, Teresa
 Martin, Agnes
 Nauman, Bruce
 Nay, Ernst Wilhelm
 Newman, Barnett
 Niemeyer, Oscar
 Nussbaum, Felix
 Oppenheimer, Joseph
 Paik, Nam June
 Piene, Otto
 Prinz, Bernhard
 Renner, Lois
 Roentgen, David
 Sala, Anri
 Schlingensief, Christoph
 Schneider, Gregor
 Scholte, Rob
 Schwer, Paul
 Schwontkowski, Norbert
 Shore, Stephen
 Shulman, Julius
 Siem, Wiebke
 Sierra, Santiago
 Spierling, Hubert
 Stewen, Dirk
 Tobias, Gert und Uwe
 Trockel, Rosemarie
 Tuttle, Richard
 Tàpies, Antoni
 Utzon, Jørn
 Warmerdam, Marijke van
 Weiss, David
 Wesselmann, Tom
 West, Franz
 Wissel, Stefan
 Wolfson, Jordan
David Roentgen, Mitteltisch aus dem Winterpalast in St. Petersburg, um 1790/1800

David Roentgen, Mitteltisch aus dem Winterpalast in St. Petersburg, um 1790/1800

Taxe: 280.000 - 480.000 SFR

Zuschlag: 278.000,- SFR




Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Künstler

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce