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Aktuellzum Archiv:Künstler-Portrait

Stephan Huber erhält in diesem Jahr den Bremer Bildhauerpreis

Ein Mann, der Berge versetzen kann



Wenn einer in den Bergen groß geworden ist, dann schreibt sich diese Erfahrung wohl unauslöschlich in seine Biografie ein. So auch bei dem Münchner Künstler und diesjährigen Preisträger des „Bremer Rolandpreises für Kunst im öffentlichen Raum“. Im Werk des 1952 in Lindenberg im Allgäu geborenen Künstlers Stephan Huber nimmt die seit der Kindheit als prägend empfundene, imposante Kulisse der Bergwelt eine zentrale Stellung ein. „Der Berg an sich ist nicht kritisierbar“, verbeugt sich Huber vor der Schönheit der Natur als Sehnsuchtsort.



Für Stephan Huber war die Beschäftigung mit dem Topos Berg seit Anfang der 1990er Jahre eines der Leitmotive seiner Arbeit. So errichtete er 1992 auf dem Münchner Flughafen eine hängende Brunnenskulptur mit Alpenpanorama und Wasserfall. Für die Neue Messe München wiederum verfrachtete er 1997 „Die Alpen“ in ein monumentales Stahlregal. International bekanntestes Beispiel ist jedoch wohl seine Mixed-Media-Arbeit „Deposito Po“ von 1999 auf der 48ten Biennale von Venedig, wo schneeweiße Gipsmodelle von Alpengipfeln inmitten einer mit alten Feuerlöschern, Computerschrott und anderem Sperrmüll angefüllten, ehemaligen Schießpulverhalle zu sehen waren. Das trashig-opulente Ensemble wurde poetisch komplettiert durch den Flusslauf des Po in Form eines leuchtend-blauen, mäandernden Neonbandes.

Eine Ausstellungstournee in den Jahren 2001 und 2002 führte den Künstler mit seiner bislang größten Einzelausstellung vom Kunstverein Hannover über das Museum der bildenden Künste in Leipzig bis zur Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München. Huber realisierte jeweils einen den räumlichen Gegebenheiten vor Ort angepassten Parcours durch seine imaginäre Wohnung. In Hannover zum Beispiel hatte er unter dem Ausstellungstitel „7,5 Zi.-Whg. f. Künstler, 49 J.“ die Räume mit größtenteils neuen Arbeiten „möbliert“, bestimmte Türen und Wände versetzt und damit auch die Dramaturgie der gewohnten Raumfolge kurzerhand geändert. Die Visitenkarte, die der Bildhauer dort in seiner bisher umfangreichsten Ausstellung abgegeben hat, war vielgestaltig und von hoher gedanklicher Dichte: Gipsmodelle, inszenierte Fotografie, Video und raumfüllende Installationen. Huber, der ehemals klassische Bildhauer, vertraut heute der Suggestionskraft vieler Medien.

Die Fotoserie „Shining“ von 2001 verschmolz Motive aus Stanley Kubricks Filmklassiker mit einem Modell von Hubers Elternhaus. Wie so oft in seinem Werk griffen auch hier Biografisches und Filmassoziationen narrativ ineinander. Stephan Huber liebt das Spiel mit theatralischen Szenarien und scheinbar perfekten Illusionen, die sich bei näherer Betrachtung jedoch als konstruierte Settings entpuppen. Huber, der schon allein auf Grund seiner Herkunft aus dem vom Barock geprägten, südbayerischen Alpenvorland eine große Affinität zum barocken Inszenierungswillen und der Vorstellung von der Welt als Bühne besitzt, arbeitet gern mit solcherlei narrativ-theatralischen Elementen. „Mir geht es um die Auslotung dessen, was auf dem Bühnenkontext möglich ist“, sagt er.

Zwei Beispiele: In Hamburg ist „Hauptbahnhof-Nord“ zu sehen, eine Installation in einem unbenutzten U-Bahntunnel, die er 1994 zusammen mit Raimund Kummer realisiert hat. Hier geht es um das Firmament als ambivalenten Ort utopischer Hoffnungen und enttäuschter Erwartungen: Sternenförmige Glasskulpturen hängen von der Decke herab, gebrochene fünfstrahlige Sterne aus Gusseisen auf dem Bahnsteig erinnern an herabgestürzte Meteoriten. Der Skulptur in ihrer absolut reinen Form misstraut Stephan Huber. Er lädt seine Arbeiten daher stets mit einer Vielzahl allegorischer und symbolischer Bedeutungen auf. „Ich mag keine absolute Skulptur, deshalb wird sie gebrochen“, wendet er sich gegen das minimalistische Dogma von der Elementarform ohne Repräsentationsanspruch. Die seit Februar 2006 über der Fahrbahn vor dem Gebäude des Kunstvereins Hannover baumelnde Kronleuchterskulptur „Großes Leuchten“ etwa verwandelt den Stadtraum in einen prächtigen Festsaal, eine jedermann zugängliche Bühne für die kleinen Dramen und Komödien des Alltags.

Seit einigen Jahren richtet sich das Interesse des Documenta 8-Teilnehmers darauf, nicht nur der eigenen Kunst im öffentlichen Raum mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. So ist Stephan Huber als Initiator des richtungweisenden Münchner Projekts „Kunst im Petuelpark“ hervorgetreten. Über einem neu errichteten Tunnel, der die zuvor lärmumtoste Stadtautobahn im Norden Schwabings seit 2002 umweltverträglich deckelt, lockt der neue Park neben Erholungssuchenden auch Kunstinteressierte. Huber ist hier in die Rolle des Kurators geschlüpft und hat zusammen mit namhaften Künstlern wie beispielsweise Rodney Graham, Bogomir Ecker oder Pia Stadtbäumer den einstigen Ort des Lärms und der Abgase in einen idyllischen und anregenden Kunstparcours verwandelt.

Von 1971 bis 1978 hat Huber an der Münchner Kunstakademie studiert. Seit 2004 ist er dort selbst als Professor tätig. Ein Blick auf die Website der Klasse Huber zeigt, dass er diese Aufgabe offenbar mit einem weit über das übliche Maß hinausgehenden Engagement wahrnimmt. Die Klasse Huber hat sich an der Münchner Akademie einen guten Ruf erworben. Das zeigen auch die zahlreichen Beteiligungen von Huber-Schülern an Ausstellungen in der Pinakothek der Moderne, auf der Bundesgartenschau oder in namhaften Galerien. Stephan Huber ist einer der profiliertesten Künstler, Kunstprofessoren und Kunstinitiatoren unserer Zeit. Mit der Verleihung des mit 15.000 Euro dotierten Rolandpreises wird dieses Engagement jetzt zu Recht gewürdigt.

www.stiftungbremerbildhauerpreis.de
www.stephanhuberkunst.de
www.klassehuber.de



29.12.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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